Der Gutsherr Oblomow verbringt seine Zeit mit allerlei Tagträumen. Keine seiner Zukunftspläne und gutgemeinten Ideale setzt er in die Realität um. Selbst die Liebe zu der jungen, tatkräftigen Olga vermag ihn nicht aus seiner Lethargie zu reißen, schließlich müßte er dazu das geliebte Bett verlassen.
Der Roman Oblomow machte Iwan Gontscharow weltberühmt. Der Held und seine Lebensweise sind geradezu sprichwörtlich geworden – ein Klassiker der russischen Literatur.
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Lorenz Laudenberg aus Bergisch Gladbach am 23.11.2009
Bewertungsnummer: 617955
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ilja Iljitsch Oblomow kommt morgens nicht aus den Federn! - Damit ist der Inhalt des Romans (fast) beschrieben. Es geschieht wirklich nicht viel in Gontscharows (1812- 1891) 2. Roman, der zu den Klassikern der russischen Literatur gehört, denn der energielose und gelangweilte Titelheld, ein wohlhabender Gutsherr, verträumt den Tag, kümmert sich auch nicht um geschäftliche Angelegenheiten, verweigert sich dem tätigen Leben. ("Oblomowerei" ist zum Inbegriff von Gleichgültigkeit und Trägheit geworden! ) Der Versuch, seinem Leben durch die Beziehung zur geliebten Olga eine Wende zu geben, misslingt, dieser Affaire ist er seelisch nicht gewachsen! So heiratet sie seinen Freund, einen tüchtigen Geschäftsmann, und aus Bequemlichkeit ehelicht Oblomow seine Wirtschafterin, versinkt aber wieder in Apathie, stirbt kurz darauf. Natürlich bezweckt Gontscharow mehr, als uns nur den lebensuntüchtigen, unangepassten Oblomow vorzuführen! Einerseits kann man den, übrigens ganz sympathischen, "Helden" als Karikatur des russischen Menschen seiner Zeit verstehen, der sich der "neuen Zeit" verweigert, andererseits ruft Oblomows Einstellung vielleicht auch Kritik hervor am Lebensstil einer reichen Oberschicht, die, im Gegensatz zur armen, hungernden Bevölkerung, ein außerordentlich verschwenderisches Leben führt. Wie auch immer, der handlungsarme Roman sucht sich einfach einen anderen Schwerpunkt: die Beschreibung der Psyche Oblomows. Lesen wir das recht umfangreiche Werk unter diesem Gesichtspunkt, kommt sicher keine Langeweile auf!
Russischer Klassiker ***…
Juti aus HD am 25.07.2025
Bewertungsnummer: 2950523
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Russischer Klassiker *** Oblomow ist so destruktiv, dass er die ganze Zeit im Bett liegt. Er grübelt über seine Probleme. Seine Wohnung in Petersburg soll er verlassen und aufs Land ziehen, wo er dank des Besitzes seiner Familie ein Gut hat, von dessen Geld er lebt. Seine Einnahmen werden aber immer weniger und so hat er überall Schulden, auch beim Metzger und beim Bäcker. Doch all das verdrängt er: „Weder über seine Einkünfte noch über seine Ausgaben wusste er genau Bescheid, auch hatte er nie ein Budget aufgestellt – nichts von alledem.“ (95)*** Sein Diener Sachar liebt seinen Herrn auch nicht. Er hintergeht ihn, wo er nur kann. Dennoch ist er der Einzige neben einem Deutschen, der noch richtigen Kontakt mit ihm hat. Ein anderer Besucher, dessen Name Tarantjew ich vergessen hatte, kommt nur wegen seiner Karriere und leiht sich Sachen aus, die er nicht zurückbringt. Von ihm wird berichtet, dass er es fertigbringt, „Bestechungsgelder von seinen Kollegen und Bekannten anzunehmen.“ (59) *** Trotz seiner Handlungsarmut ist es ein interessanter Roman. Nur Oblomows Traum gefiel mir nicht so. Deswegen 4 Sterne.
Meinung aus der Buchhandlung
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"Nichtsdestoweniger fühlte er schmerzlich klar, dass in ihm, wie in einem Grabhügel, ein schöner, lichter, jetzt vielleicht schon abgestorbener Wesenskern verborgen war.."
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
"Oblomow" von Iwan Gontscharow ist ein überragendes Meisterwerk, weil es nicht bloß ein großartiger Roman ist, sondern ein stilles Monument der Menschenseele, ein Spiegel, in dem sich die Trägheit, die Sehnsucht, die Furcht vor dem Leben und zugleich das stille Verlangen nach einem besseren Dasein widerspiegeln. In Ilja Iljitsch Oblomow hat Gontscharow eine der eindrucksvollsten Figuren der Weltliteratur geschaffen: einen Mann, der mehr träumt als handelt, der sich in der Geborgenheit seines Schlafrocks einrichtet wie in einer inneren Festung gegen den nie versiegenden Lärm und die atemlose Hast der Welt. Und doch ist Oblomow kein bloßer Faulpelz, er ist ein feinsinniger, zutiefst menschlicher Charakter, ein Träger zarter Ideale, die jedoch nicht mit der Wirklichkeit versöhnt werden können. In seinem Zögern liegt Poesie, in seiner Untätigkeit eine stille Tragik. Doch versuchen wir uns doch einmal der Figur des Oblomow aus Ivan Gonscharovs Werk genauer zu nähern und die Frage nach dem Wesen der Muße präziser zu belichten.
Oblomow steht in gewisser Weise für eine Form des Lebens, in welcher Müßiggang und Muße zutiefst miteinander verwoben sind, sie in dessen Leben geradezu eine existentielle Symbiose eingegangen sind. Elisabeth Cheauré definiert in diesem Zusammenhang den Begriff der Muße als bestimmte Unbestimmtheit und öffnet damit einen Interpretationsraum, der der Figur des Oblomov eine weitsichtigere Perspektive nahebringt. Statt banale Faulheit und Lethargie zu unterstellen, zeigt ein genauerer Blick hinter die Kulissen von Oblomows besagtem kontemplativen Leben eine inspirierende Form hinsichtlich eines zyklischen Zeitkonzepts. Für Oblomow vergeht die Zeit nicht linear, sodass Kategorien wie Vergänglichkeit und Erwartungen nicht greifen. Als Held, der nicht handelt, konstituiert Oblomows Sein eine autarke, eigengesetzliche Welt innerhalb des Weltganzen, denn er stellt seine eigene Logik gegen die Chronologik der äußeren Welt. In diesem Sinne kann Oblomow als frei angesehen werden, scheint sein Wille auf Forderungen und Erwartungen von jenem gesellschaftlichen Gehäuse nicht zu reagieren. Die Welt und ihre Relevanz kann Oblomow natürlich dennoch nicht in Abrede stellen, jedoch obliegt es einzig seiner Einbildungskraft, genauer seinem Talent zu müßiggängerischen Träumereien, den Stoff der Welt sanft und harmlos zu verwalten. Er zögert vor dem Leben, vermag nicht in die Betriebsamkeit menschlichen Waltens einzutauschen. „Irgend etwas hinderte ihn daran, sich in die Arena des Lebens zu stürzen und darin mit allen Segeln des Verstandes und des Willens zu kreuzen. Irgendein geheimer Feind hatte seine schwere Hand gleich zu Beginn seines Lebensweges auf ihn gelegt und ihn weit fortgestoßen von der eigentlichen menschlichen Bestimmung..“ Von Lähmung ist ferner die Rede und so scheint es als würde Oblomow sich seines klaren Bewusstseins immer weiter entledigen wenn es heißt: „ Der Wald rings um ihn und in seiner Seele wurde immer dichter und dunkler; der Pfad verwucherte immer mehr; das klare Bewusstsein erwachte immer seltener und weckte nur noch für Augenblicke die schlafenden Kräfte. Verstand und Wille waren schon längst und anscheinend unheilbar gelähmt.“ So überlässt sich Oblomov also der Kunst der Muße. Wenn man Muße als eine Form des gesellschaftlichen Freiraums begreifen kann, in dem Tätigkeiten ermöglicht werden, die aus dem zweckhaft instrumentell orientierten Lebenszusammenhang ausgegliedert sind, und Muße zugleich eine wichtige Ermöglichungsbedingung von Kunst ist, so könnte Oblomow , zumindest im ersten Teil des Romans, auch als eine Muße-Figur gesehen werden. Die Frage ist die, kann Muße eigentlich auch als Dauerzustand erlebt werden oder setzt sie immer eine bestimmte „Arbeit“ voraus. Zwar wäre sie nicht der Arbeit unterstellt, wäre dennoch allein von der Arbeit her bestimmt. Betrachten wir Muße einmal von dessen disruptiver Seite her. Muße als etwas Subversives, als Widerstand gegen eine Welt, die sich rastlos selbst verbraucht. In genau diesem Sinne ist Oblomow eben nicht einfach faul. Seine Untätigkeit ist nicht bloß Trägheit, sondern auch eine stille, fast philosophische Rebellion gegen das Nutzdenken, gegen den blinden Fortschrittsglauben und die Entfremdung durch Arbeit. Oblomow verweigert sich, nicht trotzig, sondern mit melancholischer Entschiedenheit – den Anforderungen einer Welt, die von Effizienz, Karriere und äußerem Erfolg diktiert wird. In seiner Wohnung, seinem Bett, seinem Schlafrock, da entzieht er sich allem, was er als leer und bedeutungslos empfindet. Er ist ein Träumer, ja, aber einer mit tiefem Empfinden für Schönheit, für Menschlichkeit, für das, was jenseits der Pflichten und Rollen liegt.
Sein berühmter „Oblomowismus“ ist daher mehr als persönliche Schwäche – er ist Symptom einer inneren Überzeugung, dass das wahre Leben nicht im Geschäft, nicht im Lärm, sondern in der Ruhe, in der Innerlichkeit zu finden ist. Oblomow träumt von einem guten Leben, aber nicht im materiellen Sinn – es ist ein sanftes Ideal von Frieden, von Liebe, von einem Dasein ohne Härte. Er hat keine Lust auf eine Welt, die ihn zwingt, sich selbst zu verlieren. Und hier beginnt die Subversion: In einer Gesellschaft, die Arbeit vergöttert und den Wert des Menschen an seiner Produktivität misst, ist einer wie Oblomow ein stiller Störer. Er tut nichts – und darin liegt ein leiser Trotz. Ein Aufbegehren gegen die Welt, das gerade deshalb so tief wirkt, weil es nicht schreit. Weil es sich hinlegt und schweigt. In diesem Sinne kann man Oblomow auch als eine Art russischen Bartleby verstehen – ein „Ich möchte lieber nicht“ in Samt gehüllt. Und diese Verweigerung, diese stille Muße, kann uns bis heute zu denken geben: Was zählt im Leben wirklich? Was verlieren wir, wenn wir nur tun, ohne zu sein? Gontscharows Sprache gleitet sanft dahin wie ein Fluss im Abendlicht, klar und ruhig, voller feiner Ironie, aber niemals grausam. Der Roman lebt nicht von dramatischen Wendungen, sondern von leisen Beobachtungen, von inneren Kämpfen, die mehr sagen über das Wesen des Menschen als tausend Taten. In der behutsamen Zeichnung von Charakteren, in der zärtlichen Melancholie und der tiefen Gesellschaftskritik offenbart sich eine Meisterschaft, die zeitlos ist. "Oblomow" ist ein Werk, das nicht laut schreit, sondern sanft spricht, und gerade deshalb bleibt es unvergessen. Ein Buch, das uns lehrt, wie schwer es sein kann zu leben, und wie menschlich es ist, zu träumen.
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Für die kommende Herbstzeit etwas schwerere Kost -
ein Klassiker über den süßen Müßiggang!
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Oblomow ist ein Gutsbesitzer, der seine Geschäfte am liebsten vom Bett aus erledigt. Selbiges verlässt er so gut wie nie. Träge, zu faul, mit einer gewissen Hochmut beschlagen, sieht er keine Notwendigkeit sich mit banalen Belangen, wie die Erhaltung des väterlichen Gutshofs, zu quälen. Sämtliche Besitztümer bleiben unbeachtet, nähern sich dem unausweichlichen Verfall. Er schwadroniert von seiner Liegestatt aus über hochfliegende Pläne, seine Vorhaben und den Lauf der Dinge. Sein Intellekt geschliffen scharf, aber sein Wille schwach, setzt er keines der ehernen Ziele, die zu tun er gedenkt, je in die Tat um. Selbst für die Liebe, die sich in Form der anmutigen Olga zeigt, ist er zu bequem. Es erstaunt folglich nicht, dass er im Laufe der Zeit von seinen Freunden verlassen, der Liebe entfremdet und vom eigenen Diener bestohlen und ausgenutzt wird. Doch wozu sich aufregen? Das kostet alles nur unnötige Kraft. Den Oblomow muss man nicht mögen, obgleich er auch gelegentlich eine liebenswerte Seite von sich zeigt. Gontscharow zeichnete seine Protagonisten durch die Lupe. Sein Stil präzise und flüssig lesbar, trotz der althergebrachten Sprache. Nach hundert Seiten kann man den stets getragenen Schlafrock förmlich riechen. Kann sich lebhaft vorstellen, wie der Körper Oblomows, durch die Antriebslosigkeit schlapp und muskulär unterfordert von innen heraus, genau wie seine baufälligen Liegschaften, zu verrotten beginnt. Ein Roman, der außerdem die ausbeuterischen Machenschaften des Adels zu jener Zeit beleuchtet. Der Autor hält sehr subtil einer jeden Gesellschaftschicht den Spiegel vor und konfrontiert uns mit der eigenen Antriebslosigkeit, dem Desinteresse und der Trägheit, die uns jederzeit befallen kann. Die Oblomowerei hat den Weg in die moderne Psychologie gefunden und steht für den willensschwachen Neurotiker, der sich durch Apathie, Faulheit und Parasitismus auszeichnet. Iwan Gontscharow hat sich mit seinem Oblomow ein Denkmal gesetzt, ohne es zu wissen. Ein großartiges Buch!
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