„Die literarische Wiederentdeckung des Jahres.“ Der Tagesspiegel
Ein einzigartiges Panorama des Berliner Lebens in der Nazizeit: Hans Falladas eindringliche Darstellung des Widerstands der kleinen Leute avancierte rund 60 Jahre nach ihrer Entstehung zum überragenden Publikumserfolg in Deutschland und der Welt. Millionen Leser sind berührt von der Geschichte des Ehepaars Quangel, das nach dem Kriegstod des Sohnes einen ganz privaten Weg findet, sich gegen das unmenschliche Regime zur Wehr zu setzen und so die eigene Seele zu retten.
Der Sensationsbestseller – in mehr als 30 Sprachen übersetzt
Ein Berliner Ehepaar wagte einen aussichtslosen Widerstand gegen die Nazis und wurde 1943 hingerichtet. Von ihrem Schicksal erfuhr Hans Fallada aus einer Gestapo-Akte, die ihm durch den Dichter und späteren Kulturminister Johannes R. Becher in die Hände kam. Fieberhaft schrieb Fallada daraufhin diesen Roman nieder und schuf ein Panorama des Lebens der „normalen“ Leute im Berlin der Nazizeit: Nachdem ihr Sohn in Hitlers Krieg gefallen ist, wollen Anna und Otto Quangel Zeichen des Widerstands setzen. Sie schreiben Botschaften auf Karten und verteilen sie in der Stadt. Die stillen, nüchternen Eheleute träumen von einem weitreichenden Erfolg und ahnen nicht, dass Kommissar Escherich ihnen längst auf der Spur ist. – Diese Neuausgabe präsentiert Falladas letzten Roman endlich in der ungekürzten Originalfassung und zeigt ihn rauer, intensiver, authentischer. Ergänzt wird der Text durch ein Nachwort, Glossar und Dokumente zum zeithistorischen Kontext.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Ein Berliner Ehepaar ist überzeugt, dass das nationalsozialistische Regime, dass NS-Deutschland (1933 bis 1945) ein menschenverachtendes Regime ist. Sie planen Mittel und Wege, sich gegen die totalitären Strukturen zu wehren: Die unternommenen Mittel ihres persönlichen Widerstands bleiben dem NS-Macht-Apparat nicht verborgen. 1943 werden sie hingerichtet - Hans Fallada zeigt auf der Grundlage einer wahren Begebenheit, wie gnadenlos aussichtslos der Widerstand des Ehepaars gegen das NS-Regime war. Falladas Erzählung erschüttert und macht betroffen. Für uns heute bedeutet das: Nie wieder Totalitarismus.
Bewertung
aus Bad Münstereifel
5/5
08.12.2018
Buch (Taschenbuch)
Das Buch lässt mich nicht mehr los
Jeder stirbt für sich allein wurde im Jahr 1947 veröffentlicht. Hans Fallada war der Autor und er hat bis heute nichts an seiner Popularität verloren. Der Name ist ein Pseudonym, da er tatsächlich Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen hieß. Hans Fallada war und ist bis heute bei einigen Lesern umstritten. Das liegt wohl daran, dass er sowohl Morphium- als auch Alkoholabhängig war. Dennoch schrieb er Romane, die bis heute eine Vielzahl an Lesern unterhält.
Hans Fallada beschreibt in seinem Roman Jeder stirbt für sich allein die Situation während der Zeit des Nationalsozialismus sehr genau und anschaulich. Er berichtet von einem Ehepaar, deren Welt nach dem Tod des einzigen Sohnes zusammenbrach. Dieser kämpfte und wurde in Hitlers Krieg ermordet. Wie ihm erging es vielen jungen Männern und Otto sowie Elise Hampel wollten ihren Mitmenschen die Wahrheit über die Machenschaften des Feldherrn und seiner Anhänger mitteilen. Da dies niemals öffentlich geschehen durfte, schrieben sie ihre Ansichten auf Postkarten und verteilten diese in entfernt liegenden Stadtteilen Berlins.
Das Buch ist der letzte Roman Falladas und es gefiel mir sehr gut. Die Schilderungen sind genau und ich litt wirklich mit dem Ehepaar Hampel. Ja, auch Bücher, die im letzten Jahrhundert geschrieben wurden, sind keineswegs altbacken. Jeder stirbt für sich allein ist ein zeitloses Buch, was die damalige Situation erschreckend real wirken lässt. Die Sorge der Mutter bei der Einberufung des Sohnes und die Angst des Ehepaares, dass sie denunziert werden und ins Gefängnis müssen, hat mich mitgerissen. Spannender geht es kaum, zumal die Geschichte auf Tatsachen beruht und nicht der Phantasie einfallsreicher Schriftsteller entspringt.
buchwürmchen
aus reutlingen
5/5
23.11.2015
Buch (Taschenbuch)
Hans Fallada erzählt in…
Hans Fallada erzählt in diesem Buch das wahre Schicksal der Eheleute Otto und Anna Quangel, stille und einfache Menschen aus der Arbeiterschicht, „Pöbel“ wie der Richter sie später beschimpft. Nach der grausamen Nachricht über den Tod ihres einzigen Sohnes „auf dem Felde“, beginnen Sie leise und mit bescheidenen Mitteln den Widerstand gegen das Nazi-Regime: sie hinterlassen selbstgeschriebene gefährliche Botschaften auf Karten, die sie nach und nach in Berlin verteilen. Der erfahrene Gestapo-Kommissar Escherich beginnt mit Geduld und List sie zu jagen und schließlich, nach zwei Jahren, fasst er sie auch. Auf gut 700 Seiten erhält der Leser einen authentischen Eindruck von der Stimmung dieser Zeit, Angst und Misstrauen behalten durchgehend die Oberhand, Feigheit, Verzweiflung und Verrat prägen das Leben der Menschen untereinander und Unrecht geschieht jedem der es wagt eine unkonforme eigene Meinung zu entwickeln. So entsteht gewollt ein Heer von Wegguckern und Jasager. Unvermittelt denkt man dabei an die eigene Stellung: ob man wohl den Mut aufgebracht hätte, sich zur Wehr zu setzen, gegen die Betäubung und Verblendung der damaligen Doktrinen aufzubegehren? Ob man es gewagt hätte seiner Meinung eine Stimme zu geben selbst im kleinen und lautlosen wie Otto Quangel? Garantiertes Lesevergnügen, spannend und fesselnd bis zum bitteren Ende.
Igelmanu66
aus Mülheim
5/5
09.01.2015
Buch (Taschenbuch)
Im Namen des deutschen Volkes
Berlin, 1940. Das Leben für die Menschen ist schwer. Zwar liegt die Stadt noch nicht so in Trümmern, wie sie es im späteren Verlauf des Krieges tun wird, zwar ist in vielen Köpfen noch die Hoffnung auf einen baldigen Frieden, aber dennoch ist der Alltag von vielen Ängsten und Sorgen bestimmt. Der Krieg allein fordert ja schon seine Opfer. Mütter verlieren ihre Söhne, Frauen ihre Ehemänner an der Front. Aber das NS-Regime sorgt dafür, dass die Angst zum täglichen Leben gehört. Fast jeder muss befürchten, schon beim geringsten Anlass Bekanntschaft mit der Gestapo zu machen. Die Folgen dieser beständigen Einschüchterung sind unter anderem gegenseitiges Misstrauen, Bespitzelung und Verrat.
Otto und Anna Quangel sind im Herzen auch keine Nazis, versuchen aber so wie die meisten Menschen irgendwie mitzuschwimmen, um einfach zu überleben. Zwar finden sie es ungerecht, wie schlecht beispielsweise die alte Jüdin in der Nachbarschaft behandelt wird, aber dagegen machen kann man ja leider nichts. Immerhin sind beide bislang nicht der Partei beigetreten, Anna versieht aber neben ihrer Hausarbeit pflichtschuldig ihren Dienst in der Frauenschaft. Otto arbeitet als Werkmeister in einer großen Möbelfabrik und leidet still darunter, dass er nicht mehr wie früher feinste Tischlerarbeiten und Einzelanfertigungen herstellt, sondern Bombenkisten und Särge in Massenproduktion.
Alles ändert sich schlagartig, als sie eines Tages die Nachricht erhalten, dass ihr einziger Sohn gefallen ist. In der großen Trauer stellen sie ihr bisheriges Leben in Frage. Dieser Krieg ist der eigentlich wirklich richtig? Auch Trudel, die Verlobte ihres Sohnes, trägt sich mit solchen Gedanken. Aber kann man denn überhaupt irgendetwas tun? Macht es überhaupt Sinn, sein Leben zu riskieren?
Otto und Anna Quangel beginnen, Postkarten zu schreiben. Postkarten, mit offenen Aufrufen zum Widerstand. Diese verteilen sie in der Stadt. Natürlich ist die Gestapo gleich auf der Jagd nach dem unbekannten Schreiber. Ein aussichtsloser Kampf ist es, den die Quangels begonnen haben, ein Kampf, den sie nur verlieren können. Und doch wird die Jagd über zwei Jahre lang dauern
Puh, hier habe ich ein Buch beendet, das mir ganz schön zugesetzt hat. Es ist nicht einfach, das Leben und Wirken von Menschen zu verfolgen, die einem immer mehr ans Herz wachsen, wenn man schon vorher weiß, dass sie auf ein furchtbares Ende zusteuern. An manchen Abenden las ich mit starkem Herzklopfen Immer wieder musste ich mich fragen, was ich selbst getan hätte. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich den Mut zum Widerstand aufgebracht hätte. Um heute dem ewiggestrigen Nachbarn oder Kollegen zu sagen, was man von seinen Ansichten zum Thema Asylpolitik hält, braucht man nur ein bisschen Zivilcourage. Und den Bürgern, die gegen die Islamisierung des Abendlandes wettern, kann man schon dadurch begegnen, indem man an allen Stellen, an denen sie vorbeiziehen, die Lichter ausmacht. Damals sah das ganz anders aus, da riskierte man mit solchen Aktionen schon sein Leben. Und dann dieses Gefühl, niemandem trauen zu können!
In dem Buch verfolgen wir nicht nur das Schicksal der Quangels, Fallada lässt uns auch am Leben verschiedenster anderer Menschen teilhaben. Sehr interessante Charaktere lernen wir dabei kennen. Da gibt es zum Beispiel einen alten Nachbarn, der einen heimlichen Widerstand leistet. Es gibt die alte Jüdin Rosenthal dass es für sie ein schlimmes Ende geben wird, wird niemanden überraschen. Es gibt eine kleine kommunistische Zelle, einen sehr engagierten Geistlichen und es gibt die andere Seite, beispielsweise einen Gestapo-Kommissar. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass er einem sympathisch wird, aber es ist interessant zu sehen, unter welchem Druck auch ein solcher Mann steht, wie auch er eingeschüchtert wird. Oder der alte Mann, treuer Parteianhänger, der immer so stolz auf seine sämtlich zur SS gehörenden Söhne war und der eine ganz böse Quittung dafür bekommt. Nicht zu vergessen auch Eva Kluge, vom Schicksal gebeutelte Postbotin, für die ihre Söhne immer das Beste in ihrem Leben waren. Und nun muss sie erleben, dass einer von ihnen im Dienst der SS furchtbare Gräueltaten vollbringt.
Manche Kapitel erscheinen unerträglich in ihrer Grausamkeit. Gestapo-Verhöre, Misshandlungen durch die SS, die Situation der Inhaftierten. Und zeitgleich Gespräche und Aussagen der Täter, die sich ja so dermaßen im Recht sahen.
Nicht weniger ans Herz gehen die Gespräche und Gedanken auf der anderen Seite. Wir sind bei den Gefangenen und Misshandelten, leiden ihre Qualen und Ängste mit. Die Ängste, nicht nur um das eigene Leben, sondern auch um das der Angehörigen. Zu lesen, wie die Quangels sehenden Auges weiterkämpften, war wirklich heftig.
Wichtig, sowohl für die Glaubwürdigkeit als auch für die Möglichkeit der Identifikation fand ich auch, dass die Quangels (und ebenso andere Charaktere) keine Menschen sind, die immer schon gut waren. Im Gegenteil gehörten sie lange Zeit zur schweigenden Masse, waren angepasst und hatten sogar irgendwann mal Hitlers Versprechungen geglaubt.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, so dass die 700 Seiten sich trotz schweren Themas schnell weglesen lassen. Im Anhang findet sich ein Glossar, das all die Begriffe, die für die Menschen der damaligen Zeit zum Alltag gehörten, erklärt.
Es gibt Gestapo-Fotos von Otto und Elise Hampel. Das Ehepaar wurde 1943 hingerichtet und Hans Fallada richtete seinen Roman nach ihrem Wirken aus. Es gibt ein Foto des Prozessakteneintrags Betrifft: Vollstreckung des Todesurteils und Abdrucke zweier von den Hampels geschriebener Postkarten mit Fundortvermerk der Gestapo und ein Bild der Berliner Gedenktafel für das Ehepaar.
Ferner gibt es biographische Daten zu Hans Fallada und ein sehr detailliertes und umfangreiches Nachwort, das die Bedeutung der jetzt erstmals erschienenen ungekürzten Originalfassung, so wie sie der Autor ursprünglich bringen wollte, zeigt. Präzise wird berichtet, wie sich die nun erschienene Fassung von der unterscheidet, die 1946 herauskam und seitdem immer wieder neu aufgelegt wurde. Ein Kapitel ist erstmalig vollständig enthalten! Auch dies sehr interessant und ich könnte mir vorstellen, dass es für Kenner der alten Ausgabe lohnend ist, sich noch mal mit dem Original zu befassen. Das Nachwort wird ebenfalls durch Fotos - beispielsweise der ersten Seiten des Satztyposkripts, auf dem dieser Roman basiert - ergänzt.
Fazit: Ein einfach großartiges Buch, das sich jeder einmal im Leben antun sollte
Igelmanu
aus Mülheim
5/5
09.01.2015
Buch (Taschenbuch)
Berlin, 1940. Das Leben für…
Berlin, 1940. Das Leben für die Menschen ist schwer. Zwar liegt die Stadt noch nicht so in Trümmern, wie sie es im späteren Verlauf des Krieges tun wird, zwar ist in vielen Köpfen noch die Hoffnung auf einen baldigen Frieden, aber dennoch ist der Alltag von vielen Ängsten und Sorgen bestimmt. Der Krieg allein fordert ja schon seine Opfer. Mütter verlieren ihre Söhne, Frauen ihre Ehemänner an der Front. Aber das NS-Regime sorgt dafür, dass die Angst zum täglichen Leben gehört. Fast jeder muss befürchten, schon beim geringsten Anlass Bekanntschaft mit der Gestapo zu machen. Die Folgen dieser beständigen Einschüchterung sind unter anderem gegenseitiges Misstrauen, Bespitzelung und Verrat. Otto und Anna Quangel sind im Herzen auch keine Nazis, versuchen aber – so wie die meisten Menschen – irgendwie mitzuschwimmen, um einfach zu überleben. Zwar finden sie es ungerecht, wie schlecht beispielsweise die alte Jüdin in der Nachbarschaft behandelt wird, aber dagegen machen kann man ja leider nichts. Immerhin sind beide bislang nicht der Partei beigetreten, Anna versieht aber neben ihrer Hausarbeit pflichtschuldig ihren Dienst in der Frauenschaft. Otto arbeitet als Werkmeister in einer großen Möbelfabrik und leidet still darunter, dass er nicht mehr wie früher feinste Tischlerarbeiten und Einzelanfertigungen herstellt, sondern Bombenkisten und Särge in Massenproduktion. Alles ändert sich schlagartig, als sie eines Tages die Nachricht erhalten, dass ihr einziger Sohn gefallen ist. In der großen Trauer stellen sie ihr bisheriges Leben in Frage. Dieser Krieg – ist der eigentlich wirklich richtig? Auch Trudel, die Verlobte ihres Sohnes, trägt sich mit solchen Gedanken. Aber kann man denn überhaupt irgendetwas tun? Macht es überhaupt Sinn, sein Leben zu riskieren? Otto und Anna Quangel beginnen, Postkarten zu schreiben. Postkarten, mit offenen Aufrufen zum Widerstand. Diese verteilen sie in der Stadt. Natürlich ist die Gestapo gleich auf der Jagd nach dem unbekannten Schreiber. Ein aussichtsloser Kampf ist es, den die Quangels begonnen haben, ein Kampf, den sie nur verlieren können. Und doch wird die Jagd über zwei Jahre lang dauern… Puh, hier habe ich ein Buch beendet, das mir ganz schön zugesetzt hat. Es ist nicht einfach, das Leben und Wirken von Menschen zu verfolgen, die einem immer mehr ans Herz wachsen, wenn man schon vorher weiß, dass sie auf ein furchtbares Ende zusteuern. An manchen Abenden las ich mit starkem Herzklopfen… Immer wieder musste ich mich fragen, was ich selbst getan hätte. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich den Mut zum Widerstand aufgebracht hätte. Um heute dem ewiggestrigen Nachbarn oder Kollegen zu sagen, was man von seinen Ansichten zum Thema Asylpolitik hält, braucht man nur ein bisschen Zivilcourage. Und den „Bürgern“, die gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ wettern, kann man schon dadurch begegnen, indem man an allen Stellen, an denen sie vorbeiziehen, die Lichter ausmacht. Damals sah das ganz anders aus, da riskierte man mit solchen Aktionen schon sein Leben. Und dann dieses Gefühl, niemandem trauen zu können! In dem Buch verfolgen wir nicht nur das Schicksal der Quangels, Fallada lässt uns auch am Leben verschiedenster anderer Menschen teilhaben. Sehr interessante Charaktere lernen wir dabei kennen. Manche Kapitel erscheinen unerträglich in ihrer Grausamkeit. Gestapo-Verhöre, Misshandlungen durch die SS, die Situation der Inhaftierten. Und zeitgleich Gespräche und Aussagen der Täter, die sich ja so dermaßen im Recht sahen. Nicht weniger ans Herz gehen die Gespräche und Gedanken auf der anderen Seite. Wir sind bei den Gefangenen und Misshandelten, leiden ihre Qualen und Ängste mit. Die Ängste, nicht nur um das eigene Leben, sondern auch um das der Angehörigen. Zu lesen, wie die Quangels sehenden Auges weiterkämpften, war wirklich heftig. Fazit: Ein einfach großartiges Buch, das sich jeder einmal im Leben antun sollte.
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5/5
03.08.2025
Buch (Taschenbuch)
„Ein kleiner Funke gegen die Finsternis.“
Hans Falladas Roman „Jeder stirbt für sich allein“ gehört zu jenen literarischen Werken, die in ihrer sprachlichen Schlichtheit und in ihrer existenziellen Wucht ein Dokument der Zeit darstellen, das über das Literarische hinausgeht und als moralischer Spiegel einer Epoche gelesen werden muss. Geschrieben im Jahr 1946, wenige Monate nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“, erhebt dieser Roman Anspruch auf mehr als nur erzählerische Qualität: Er ist zugleich ein Versuch, die Trümmer nicht nur der Städte, sondern auch der Seelen sichtbar zu machen. Fallada, der selbst durch ein Leben voller Brüche, Abhängigkeiten und gesellschaftlicher Verwerfungen ging, richtet hier sein Augenmerk auf die kleinen Menschen, die unscheinbaren Figuren, die ohne Pathos und Heroismus einen Widerstand leisten, der in seiner Radikalität und Vergeblichkeit dennoch eine universale Bedeutung gewinnt.
Das Werk basiert auf einem authentischen Fall: dem Berliner Ehepaar Otto und Elise Hampel, die durch das Verteilen regimekritischer Postkarten den Versuch unternahmen, ihre Stimme gegen die nationalsozialistische Diktatur zu erheben. Fallada überformt diese Biographie literarisch und verwandelt sie in die Geschichte von Otto und Anna Quangel, zwei Arbeiterfiguren, die in der Anonymität Berlins leben und deren Leben durch den Tod des Sohnes an der Front eine innere Zäsur erfährt. Aus dieser Erschütterung erwächst ein Entschluss: der stille, fast unauffällige Widerstand, das Ablegen von handgeschriebenen Zetteln und Karten in Hausfluren und Treppenhäusern, versehen mit Botschaften gegen Hitler und den Krieg.
Der historische Kontext, in dem Fallada schreibt, ist entscheidend für das Verständnis des Romans. 1946 liegt die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges kaum ein Jahr zurück. Deutschland ist besetzt, moralisch diskreditiert, physisch zerstört. Die Frage, ob es im „Dritten Reich“ Widerstand gegeben habe, wird damals vielfach diskutiert – und nicht selten mit der resignierten Behauptung verneint, man habe ja doch nichts tun können. In diese Debatte hinein setzt Falladas Roman ein Zeichen: Er zeigt, dass Widerstand auch im Kleinen möglich war, dass nicht alle Menschen in blindem Gehorsam verharrten, dass es trotz der überwältigenden Macht des Regimes noch Splitter von Aufbegehren gab.
Gleichzeitig bewahrt der Text vor einer allzu simplen Heroisierung. Denn das Schicksal der Quangels – wie zuvor das der Hampels – ist von tragischer Aussichtslosigkeit geprägt. Die meisten ihrer Karten landen direkt bei der Gestapo, werden weggeworfen oder gar belächelt. Nur wenige erreichen die Adressaten in der intendierten Form. Der Widerstand der Quangels ist somit objektiv ineffektiv, und doch liegt gerade darin seine erhabene Qualität: Die Tat selbst, der Entschluss zum Handeln, wird zum existenziellen Beweis der Selbstbehauptung. Inmitten eines Systems der totalen Entmündigung retten Otto und Anna Quangel die letzte, unveräußerliche Würde des Individuums – die Entscheidung für das eigene Gewissen.
Falladas Sprache ist dabei bemerkenswert unspektakulär. Anders als die pathetisch überhöhten Texte der Exilliteratur oder die moralisch harten Abrechnungen der Nachkriegsliteratur wählt er eine ungeschönte, fast protokollarische Diktion. In diesem Verzicht auf rhetorische Ausschmückung liegt die eigentliche Kraft des Romans. Fallada schildert den Alltag im Berlin der Kriegsjahre mit einer Nüchternheit, die die Grausamkeit der Verhältnisse gerade dadurch umso schärfer hervortreten lässt. Die Spitzel, die Denunzianten, die Blockwarte – sie alle sind keine übermenschlichen Dämonen, sondern kleinbürgerliche Gestalten, getrieben von Angst, Ehrgeiz oder niederem Eigennutz. Damit entlarvt Fallada das Regime nicht als Werk weniger monströser Figuren, sondern als System, das im Mitmachen, im Wegsehen, im Schweigen der Vielen wurzelte.
Gleichzeitig gelingt ihm eine präzise Milieuschilderung. Das Berlin dieser Jahre erscheint als Labyrinth aus Treppenhäusern, Hinterhöfen und grauen Fassaden – ein topographisches Abbild einer Gesellschaft, in der sich Anonymität und Kontrolle überlagern. Die Postkarten, die Otto Quangel in diesem Geflecht auslegt, wirken wie kleine Störgeräusche, wie Funken von Subjektivität in einer Stadt, die sich in totaler Gleichschaltung bewegt. Dass diese Funken in den meisten Fällen sofort gelöscht werden, macht sie nicht weniger bedeutungsvoll.
In diesem Sinne kann man den Roman auch als existenzialistische Parabel lesen. Der Mensch, der sich einer übermächtigen Ordnung entgegenstellt, auch wenn er weiß, dass sein Handeln objektiv wirkungslos bleibt – das erinnert an die Konzeption des absurden Helden bei Albert Camus. Otto Quangel ist ein „Sisyphos in Berlin“: sein Tun verfehlt äußerlich sein Ziel, und dennoch liegt gerade in der Sinnlosigkeit eine Form des Sinns. Fallada antizipiert damit eine Denkfigur, die in den folgenden Jahren die europäische Philosophie prägen sollte. Zeitgeschichtlich betrachtet, ist „Jeder stirbt für sich allein“ ein Werk der unmittelbaren Nachkriegsjahre und zugleich ein Grenztext. Fallada selbst schrieb ihn im Auftrag der sowjetischen Militäradministration, die nach literarischen Werken suchte, welche den Widerstand hervorheben und das Bild eines „anderen Deutschlands“ stützen sollten. Dass Fallada diesen Auftrag erfüllte, ohne in plumpe Propaganda zu verfallen, macht den Rang des Romans aus. Zwar lassen sich einzelne Passagen durchaus als Zugeständnisse an die politische Situation lesen – etwa die deutliche Betonung der Arbeiterfiguren als moralisches Gegengewicht zum bürgerlichen Opportunismus –, doch insgesamt bleibt der Roman komplexer, ambivalenter, als es eine ideologisch glatte Schrift hätte sein können.
Fallada schreibt nicht über Helden, sondern über Menschen. Das unterscheidet sein Werk auch von vielen zeitgenössischen Darstellungen des Widerstands, die meist Figuren von größerer historischer Strahlkraft in den Mittelpunkt stellten. Die Quangels hingegen sind unscheinbar, in ihrem Wesen unspektakulär, ja beinahe farblos. Doch gerade in dieser Unscheinbarkeit liegt das große literarische Potenzial: Sie stehen exemplarisch für das, was man gemeinhin das „kleine Leben“ nennt, und zeigen, dass selbst dort, wo kein politisches Mandat, keine intellektuelle Bildung, kein organisatorischer Rückhalt vorhanden ist, der Impuls des Widerstands erwachsen kann. Die Rezeption des Romans verlief lange Zeit ungewöhnlich. Während er im Ausland – insbesondere in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien – früh große Beachtung fand und unter dem Titel Every Man Dies Alone gefeiert wurde, blieb er in Deutschland selbst vergleichsweise unbeachtet. Erst seit den 2000er Jahren, durch Neuauflagen und eine neue Übersetzung, erfuhr das Werk eine Renaissance und wurde vielfach als eines der bedeutendsten literarischen Zeugnisse über den Widerstand im Nationalsozialismus gewürdigt. Diese verspätete Anerkennung verweist nicht zuletzt auf den schwierigen Umgang der deutschen Nachkriegsgesellschaft mit der eigenen Vergangenheit: Das Bild der „kleinen Leute“, die Widerstand leisteten, passte lange nicht in die dominanten Narrative von Schuld und Verstrickung.
Was den Roman heute, aus zeitlicher Distanz, so eindringlich macht, ist seine poetische Spannung zwischen Banalität und Transzendenz. Die Handlung selbst ist von schlichter Struktur: eine Abfolge von Karten, Ermittlungen, Festnahmen, Verhören, das unausweichliche Ende vor dem Henker. Doch in dieser Schlichtheit entsteht ein Raum, in dem sich die großen Fragen der Menschlichkeit stellen: Was bedeutet es, das Richtige zu tun, wenn man weiß, dass es keine sichtbare Wirkung haben wird? Wie lässt sich Würde behaupten, wenn alle äußeren Parameter sie zerstören? Wie viel Freiheit bleibt dem Einzelnen in einem totalitären System?
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5/5
03.10.2022
Buch (Taschenbuch)
Stiller Widerstand
Wer einen Roman über Leben und Widerstand der sogenannten „kleinen Leute“ in Hitlerdeutschland lesen will, sollte unbedingt zu diesem modernen Klassiker greifen. Falladas Roman über ein wahres Schicksal, von dem er nach dem Krieg erfuhr, ist eines der eindringlichsten Bücher, das ich zu dem Thema gelesen habe. Er erzählt die Geschichte vom Ehepaar Quangel, dessen Sohn im Krieg gefallen ist; die Atmosphäre des Buches ist so nah und bedrückend geschildert, als wäre man selbst dabei. Ein beklemmendes, erschütterndes Buch, das mir lange nachgelaufen ist.
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5/5
19.08.2017
Buch (Taschenbuch)
Die Bedeutung des Widerstands.
Dies ist ein phänomenaler Roman über den deutschen Widerstand gegen die Nazis während des zweiten Weltkrieges. Der erstaunlichste Teil dieser Geschichte ist, dass es 1947 geschrieben wurde und auf einer wahren Geschichte basiert. Einige moderne Nachdrucke dieses Buches enthalten sogar Kopien der Originalbriefe und Dokumente. Eine unglaublich bewegte Geschichte, die es verdient, gelesen zu werden. Nicht nur von Leuten, die sich für das Thema interessieren, sondern auch von jedem, der einfach nur an einem unglaublichen Buch interessiert ist, das definitiv in den Bereich der Klassiker gehört.
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5/5
16.04.2012
Buch (Taschenbuch)
Widerstand des kleinen Mannes!
Fallada hat hier eine Hommage an den kleinen Mann und seinen Widerstand gegen die Nazis geschrieben. Anna und Otto Quangel haben ihren Sohn früh im sinnlosen Krieg verloren. Nach der großen Trauer, kommt die Wut und Otto schmiedet einen Plan. Er schreibt Botschaften die das System entlarven auf Postkarten und verteilt sie in der Stadt.Das Leben der kleinen Leuten im Berlin der Nazis wird minuziös geschildert. Die Sprache ist präzise, die Schicksale sind berührend und die Absurdität des Systems wird grandios belegt. Ein absolutes Muss! Eins der besten Bücher über Nazi-Deutschland!
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5/5
20.05.2011
eBook (ePUB)
"Wahre Weltliteratur!"
Man hat ja schon einige Bücher über dieses schreckliche Kapitel der deutschen Geschichte gelesen. Hans Falladas Roman über den Widerstand der kleinen Leute im Berlin der Nazizeit gehört sicher zu den beeindruckendsten und bewegendsten Werken überhaupt.
Übrigens: ich bin äußerst froh darüber, dass ich diese nicht nur inhaltlich gewichtige Werk als Ebook auf meinem Oyo lesen kann....
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