Produktbild: Über den Willen zum Wissen

Über den Willen zum Wissen Vorlesungen am Collège de France 1970/71

48,00 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

14.11.2012

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

394

Maße (L/B/H)

20,3/12,8/3 cm

Gewicht

467 g

Auflage

1

Originaltitel

Leçons sur la volonté de savoir. Cours au Collège de France (1970/71)

Übersetzt von

Michael Bischoff

Sprache

Deutsch, Französisch

ISBN

978-3-518-58587-0

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Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

14.11.2012

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

394

Maße (L/B/H)

20,3/12,8/3 cm

Gewicht

467 g

Auflage

1

Originaltitel

Leçons sur la volonté de savoir. Cours au Collège de France (1970/71)

Übersetzt von

Michael Bischoff

Sprache

Deutsch, Französisch

ISBN

978-3-518-58587-0

Herstelleradresse

Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44
10119 Berlin
DE
info@suhrkamp.de

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    Jérôme Wiedenhaupt

    Thalia Hildesheim

    Buchhändler*in

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    5/5

    23.03.2025

    Buch (Taschenbuch)

    Über den Mut zur Wahrheit

    Foucaults Interesse an einer Beschäftigung mit einem Willen zum Wissen verdankt sich einerseits dem Werk von Friedrich Nietzsche und andererseits offenen Fragen, wie sie sich aus seinen Werken der sechziger Jahre ergeben haben. Hier liegt uns nun der Vorlesungstext aus dem Jahre 1970/71 vor, jener ersten von vielen weiteren Vorlesungen, wie Foucault sie am berühmten Collège de France gehalten hat. Eine Zeit des Übergangs durchaus, in der sich seine genealogischen Untersuchungen mit kommenden diskursanalytischen Praktiken überschnitten. In Anlehnung an Nietzsche, der neben Aristoteles innerhalb der Vorlesung als Antipode fungiert, ist Foucault mit dessen These einverstanden wonach jeder Erkenntnis ein Streben zugrunde liegt, welches selber ohne Verbindung zur Erkenntnis steht. Die Erkenntnis ist nicht die Wurzel des Strebens und stellt somit nicht das Ziel des Strebens dar. In Bezug auf den Zweck dieses Strebens verweist Foucault statt auf die Erkenntnis, vielmehr auf das Leben, Herrschen und Siegen. Die Vorstellung zurückweisend, wonach das Subjekt vom Streben nach Erkenntnis getrieben sei, wie bei Aristoteles, legt Foucault den Fokus auf das hinter dem Subjekt liegende, eigentliche Spiel aus Trieben und Begierden. Erkenntnis stellt nicht das Ziel seiner Ansicht nach dar und soll stattdessen als ein dem Erkennen innewohnender Effekt angesehen werden. Damit vertritt Foucault die These, dass Erkenntnis eine Emanation aus einem vorgängigen Streben darstellt, die jedoch nicht auf Notwendigkeit basiert. Erkenntnis bekommt somit einen temporären, relativen Charakter, der sich als Bezugsgröße verstehen lässt, ohne auf ein dem menschlichen Erkenntnisapparat unabhängigem Fundament zu beruhen. Zwei Konsequenzen ergeben sich nun aus diesen Konstatierungen. Zum einen die, dass die Welt nicht als eine zu entziffernde Struktur bereit liegt, welche von der Erkenntnis adäquat erschlossen zu werden vermag und zum Anderen, dass Erkenntnis nicht mit Wahrheit gleichgesetzt werden kann, wenngleich ein bestimmter Zusammenhang aufgestellt wird. Erkenntnis kann durchaus zur Wahrheit gerinnen und Erkenntnis der Wahrheit werden, so Foucault und impliziert damit bereits den relativen Charakter der Wahrheit. Erkenntnis ist jedoch nicht auf Wahrheit angewiesen. Es kann im Grunde nicht gesagt werden, dass der Wahrheit das Nichtwahre voraus geht, da hier ein Bereich vorliegt, der sich schließlich der Aufteilung in wahr und falsch widersetzt oder wie es Foucault formuliert: „Die Wahrheit geht aus etwas der Wahrheitsteilung Fremden hervor.“ In Bezug auf die vor der Wahrheit liegende Erkenntnis sollte folgendes noch erörtert werden: Foucault lehnt die herkömmliche Sichtweise ab, nach der ein Verhältnis zwischen einem Subjekt und einem Objekt hinsichtlich der Erkenntnis angenommen wird. Weder ein konstituierendes Subjekt, noch ein reines Bewusstsein bilden die Grundlage für die Erkenntnis, sondern werden erst durch Erkenntnis konstruiert. Der Status der Erkenntnis erweist sich damit als eine Struktur, die zwei Ebenen kennzeichnet. Einerseits lokalisierten wir ein untergründiges Streben, einen vor jeglicher Gewalteinwirkung ungebrochenen Willen. Andererseits gibt es da auch die Art der Erkenntnis, welche in sich bereits das Ergebnis einer Anwendung von Gewalt repräsentiert. Zu diesen Erkenntnissen seien sämtliche Formen gezählt, die in sich das Resultat: „einer interpretierenden, durch Perspektive, Herrschaft und Bedürfnis verfälschten Gewalt seien.“ Damit wird verständlich warum Foucault mit Nietzsche sympathisiert und Erkenntnis als eine falsche Auslegung der Wirklichkeit betrachtet. Nicht steht also die Wahrheit der Erkenntnis im Mittelpunkt, sondern zu verstehen gilt es, dass das Wesen der Erkenntnis ein Schein ist und eigentlich nicht Erkenntnis genannt werden darf. Einem Willen zur Wahrheit liegt dementsprechend zunächst ein Wille zum Wissen zugrunde. Gewollt wird nicht die Wahrheit, sie stellt erst eine spätere Realisierung der Erkenntnis dar, auf die sie bezogen bleibt und dessen Wirkung sie verkörpert. Herauszufinden welcher Art dieser Schein ist, der sich in der Geschichte der Wahrheit immer wieder neu manifestiert hat, kann als zentrale Vorgehensweise angesehen werden.  Wille und Wahrheit werden eben nicht dadurch in ihrer Verbindung verständlich, dass sich der Wille in seinem Streben negiert und Wahrheit als unabhängige Kategorie Geltung erhält. Foucault möchte zeigen, dass Wahrheit nicht durch Freiheit derart zustande kommt, dass von ihr sämtliche subjektive Bestrebungen ferngehalten werden und sie als eine evidente Tatsache auf den Willen als feste Instanz einwirkt. Stattdessen möchte er zeigen, dass sie durch Gewalt zustande kommt und einzig diese stellt die Verbindung zwischen Wille und Wahrheit her. Anders formuliert, Wahrheit verdeckt das für sie konstituierende Kalkül eines Willens zum Wissen, wodurch sie mit dem Anschein von Gewaltlosigkeit aufzutreten vermag. Es ist daher nicht zu pointiert, wenn man Wahrheit als eine Oberfläche etikettiert, an welcher die Auswirkungen der Macht regelrecht kondensiert worden sind. Foucault postuliert somit, um es mit Habermas zu sagen „einen wahrheitskonstitutiven Willen für alle Zeiten und alle Gesellschaften.“ Einen Willen, der sich stets neu zu einer Erkenntnis der Wahrheit zusammensetzt und der darüber wacht, welche Erkenntnisse, im Umkreis einer Gesellschaft, Teil eines Wahrheitsdispositivs werden und welche nicht. Insgesamt eine unglaublich lehrreiche und inspirierende Vorlesung.

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    Vorlesung 9

    Vorlesung 10

    Vorlesung 11

    Vorlesung 12

    Vorlesung über Nietzsche

    Zusammenfassung der Vorlesungen

    Das Wissen des Ödipus

    Situierung der Vorlesungen

    Sachregister

    Register der griechischen Ausdrücke

    Namenregister