Der Fickel steht als Rechtsanwalt am Meininger Gericht auf der Karriereleiter ganz unten. Er ist Terminvertreter (im Fachjargon »Terminhure«) und springt in Verhandlungen ein, wenn der >richtige< Anwalt verhindert ist. Dass so einer Verteidiger in einem Mordverfahren wird, kann nur in einem Nest wie Meiningen passieren: Sylvia Kminikowski, designierte Amtsgerichtsdirektorin, wird ermordet im Englischen Garten aufgefunden. DNA-Spuren führen zu René Schmidtkonz, dem Enkel von Fickels Vermieterin. Also gibt der Fickel sich einen Ruck und vergräbt sich in den Fall. Obwohl er sich im Strafrecht nicht besonders gut auskennt, stößt er schon bald auf Ungereimtheiten, die seinen Mandanten entlasten könnten. Ein massives Problem jedoch bleibt: die Oberstaatsanwältin Gundelwein, die im Allgemeinen auf Männer nicht gut zu sprechen ist und im Besonderen auf den Fickel. Sie ist Fickels Exfrau und sähe nichts in der Welt lieber, als dass er sich in seinem ersten großen Fall bis auf die Knochen blamiert ...
*Fickel: Ableitung der Koseform »Fick« zum Rufnamen Friedrich (1387 Fyckel, 1388 Viggel, 1508 Fickel). Außerdem bedeutet Fickel umgangssprachlich so viel wie Ferkel: Wenn jemand beim Essen gern kleckert, ist er eben ein Fickel.
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
maleur
aus Berlin
3/5
07.04.2021
eBook (ePUB)
seichter Krimi
Eine Richterin am Amtsgericht Meiningen wird ermordet aufgefunden und der Anwalt Fickel wird mit der Verteidigung des Tatverdächtigen beauftragt.
Der Schreibstil ist krampfhaft locker und erinnert passagenweise an einen Schriftsatz. Wenn das gewollt war ist es gelungen. Die Protagonisten sind gut und differenziert charakterisiert. Der Wandel von der DDR zur Bundesrepublik wird immer mal wieder angerissen, aber nicht überstrapaziert. Die Region wird gut beschrieben, wirkt aufgrund des Schreibstils aber nicht verlockend.
In dem Roman geht es nicht nur um den Tod der Richterin, sondern auch um Kompetenzgerangel, Korruption, Wirtschafts- und Sozialkriminalität und um zwischenmenschliche Beziehungen. Der Krimi ist nicht durchgängig spannend, allerdings hat mich der Täter doch sehr überrascht. Ich gebe zu, dass ich nicht einen Augenblick auf diese Person getippt hätte, obwohl sie während des Geschehens immer präsent ist und nicht etwa am Ende plötzlich auftaucht.
Fazit: Ein unterhaltsamer, anspruchsloser, mäßig spannender Regionalkrimi.
Bewertung
aus Berlin
5/5
18.10.2014
Buch (Taschenbuch)
Geheimtipp: Lustige Anwalts-Satire
"Herrentag" ist der erste Regionalkrimi, der mir in die Hände kam, der literarisch UND unterhaltsam geschrieben ist und zudem dem Leser noch eine Menge Wissen über den Rechtsstaat im wiedervereinigten Deutschland gibt. Anwalt Fickel, ein erfolgloser Anwalt aus Meiningen, gerät mehr oder weniger zufällig an einen Mordfall und muss ihn mit seinem bescheidenen Wissen lösen. Intelligent und lustig erzählt, ist der Fickel für mich Kult, da er in jeder Beziehung dem Mainstream trotzt, man denke nur an die lustigen Fußnoten.
Bewertung
aus Dresden
5/5
29.12.2013
Buch (Taschenbuch)
Unterhaltsam und spannend
Was der Klappentext verspricht wird gehalten. Unterhaltsam zu lesen. Dabei gibt es immer wieder Rückblicke in Richtung DDR. Der gelernte DDR-Bürger liest diesen Roman mit einem Schmunzeln und findet seine Empfindungen über Westimporte in Behörden etc. bestätigt. Sehr schön beobachtet.
Martina
4/5
12.08.2013
Buch (Taschenbuch)
Neue Besen kehren gut
Neue Besen kehren gut. Dieser Spruch trifft auch auf das Buch
Herrentag Anwalt Fickels erster Fall
v. Hans-Henner Hess
zu.
Anwalt Fickel kehrt in Meiningen gleich in seinem ersten Fall den alten Mief mit seinem hintersinnigen Humor
und seiner stoischen Ruhe aus.
Im Amtsgericht ist Aufruhr, dass ein Anwalt der untersten Ebene eine Mordverteidigung übernimmt,doch das Lachen bleibt den alten Seilschaften am Ende im Hals stecken und der Leser denkt gut so.
Der Roman hat herrlich kauzige Protagonisten die einem sofort durch ihre Eigenheiten ans Herz wachsen.
Es bleibt zu hoffen, dass Anwalt Fickel noch oft Mandanten vertreten wird.
Bewertung
aus Issum
3/5
06.08.2019
Buch (Taschenbuch)
Startet schwach, steigert sich aber deutlich
Buchmeinung zu Hans-Henner Hess – Herrentag
„Herrentag“ ist ein Kriminalroman von Hans-Henner Hess, der 2013 im DuMont Buchverlag erschienen ist. Die ungekürzte Lesung durch Martin Baltscheit ist 2018 bei Audible Studios erschienen.
Zum Autor:
Hess verbrachte seine Jugend im Schatten der Berliner Mauer mit Tagträumen, Nachtwandeln und dem Züchten von winterharten Zierkakteen. Einer verlorenen Wette wegen wurde er Jurist. Seine Erfahrungen im Justizalltag verarbeitet er nun in flotten Krimis um den Meininger Anwalt Fickel und dessen alles überragende Exfrau, die Oberstaatsanwältin Gundelwein.
Klappentext:
Der Fickel steht als Rechtsanwalt am Meininger Gericht auf der Karriereleiter ganz unten. Er ist Terminvertreter (im Fachjargon »Terminhure«) und springt in Verhandlungen ein, wenn der ›richtige‹ Anwalt verhindert ist. Dass so einer Verteidiger in einem Mordverfahren wird, kann nur in einem Nest wie Meiningen passieren: Sylvia Kminikowski, designierte Amtsgerichtsdirektorin, wird ermordet im Englischen Garten aufgefunden. DNA-Spuren führen zu René Schmidtkonz, dem Enkel von Fickels Vermieterin. Also gibt der Fickel sich einen Ruck und vergräbt sich in den Fall. Obwohl er sich im Strafrecht nicht besonders gut auskennt, stößt er schon bald auf Ungereimtheiten, die seinen Mandanten entlasten könnten. Ein massives Problem jedoch bleibt: die Oberstaatsanwältin Gundelwein, die im Allgemeinen auf Männer nicht gut zu sprechen ist und im Besonderen auf den Fickel. Sie ist Fickels Exfrau und sähe nichts in der Welt lieber, als dass er sich in seinem ersten großen Fall bis auf die Knochen blamiert …
Meine Meinung:
Es hat ein wenig gedauert bis ich in die Geschichte gefunden habe. Der Humor ist ein bisschen eigen zwischen Anwaltsumfeld und Altherrenwitzen. Aber dies bessert sich im Laufe der Geschichte deutlich. Die Geschichte aus der thüringischen Provinz macht mehr her, als der erste Eindruck vermittelt. Der Autor zeichnet die Figuren liebevoll und mit einem guten Blick für Details. Manche Punkte wirken ein wenig klischeehaft und der Fickel braucht seine Zeit, bis er sich in den Fall gebissen hat. Er wirkt recht chaotisch, aber auch als Underdog sympathisch. Es gab einige Überraschungen und eine überzeugende Auflösung, die den lahmen Beginn nahezu aufwiegen.
Sprecher:
Martin Baltscheit macht einen soliden Job und empfiehlt sich für weitere Aufgaben.
Fazit:
Nach schwachem Start wird es ein interessanter und unterhaltsamer Regionalkrimi, der vor allem mit seiner Hauptfigur punkten kann. So reicht es am Ende für drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten). Ich werde dem Folgeband eine Chance geben.
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4/5
09.03.2025
eBook (ePUB)
Schräge Typen, schwarzer Humor und ein skurriler Fall
Mit „Herrentag“ liefert Hans-Henner Hess einen Regionalkrimi der besonderen Art – witzig, skurril und mit einer großen Portion Lokalkolorit. Wer klassische Krimis mit ernsten Ermittlern sucht, wird hier nicht fündig. Wer aber auf schwarzen Humor, skurrile Charaktere und eine unterhaltsame Handlung steht, sollte unbedingt reinschauen!
Der Anwalt Fickel, der als Terminvertreter arbeitet (im Fachjargon liebevoll „Terminhure“ genannt), lebt sein Leben ohne allzu viel Ehrgeiz. Hauptsache, er kann sich seiner Kakteenliebe und gutem Essen widmen. Doch dann wird er plötzlich als Pflichtverteidiger eines Mordverdächtigen eingespannt – und das, obwohl er von Strafrecht kaum Ahnung hat. Noch dazu lauert seine Exfrau, die ehrgeizige Oberstaatsanwältin Gundelwein, nur darauf, ihn bloßzustellen. Unterstützung bekommt Fickel vom Kriminalrat Recknagel, der die Ermittlungen hinterfragt und der eigentlichen Wahrheit auf die Spur kommt.
Der Krimi hebt sich von anderen Genrevertretern ab, vor allem durch den skurrilen Humor und den einmaligen Lokalkolorit. Das Setting in Meiningen, Thüringen, wird durch den Sprachstil, Dialekt und die Lebensweise der Figuren wunderbar eingefangen. Fickel ist eine echte Marke, ein Anti-Held mit Herz, der nicht immer alles so genau nimmt, aber seinen eigenen Gerechtigkeitssinn hat. Besonders gelungen ist die humorvolle DDR-Nostalgie, die sich durch das Buch zieht, aber nie ins Lächerliche abdriftet.
Die eigentliche Krimihandlung nimmt im ersten Viertel nur wenig Platz ein, was mich zunächst irritiert hat, dann aber logisch erschien. Die Charaktere werden intensiv vorgestellt, was sich am Ende auszahlt, weil ihre Verstrickungen in den Fall nach und nach klarer werden. Bis zum Schluss bleibt die Auflösung überraschend, und ich habe bis zuletzt mitgerätselt.
Fazit: Ein ungewöhnlicher Krimi, der durch seine liebenswert-schrägen Figuren, den feinen Humor und die tolle Atmosphäre besticht. Wer Krimis mit Augenzwinkern mag, sollte Fickel eine Chance geben – er ist definitiv ein Ermittler, den man so schnell nicht vergisst! Klare Leseempfehlung.
Ja, der Fickel, so einen Namen und dann noch Terminhure...dabei wird ersteres gleich etymologisch geradegerückt (Fickel: Ableitung der Koseform "Fick" zum Rufnamen Friedrich, 1387 Fyckel, 1388 Viggel, 1508 Fickel) und die "Terminhure" wird sofort hinterhererklärt...seit der Scheidung von der karrieregeilen Staatsanwältin Gundelwein ist sein libidinöses Verlangen schon beim Anblick von Thüringer Klössen vollauf gestillt, mehr braucht er kaum zum Glück. Ein Leben in gepflegter Langeweile, dem auch das maximale Tempo seines Wartburg (mit beleuchtetem Aschenbecher!) zupass kommt. Dass dann ausgerechnet ihm die Verteidigung in einem Mordfall in den Schoss fällt, in den der ganze Meininger Justizapparat verstrickt scheint, das bringt ihn doch ziemlich ins Schwitzen...aber unterschätzen sollte man ihn auf keinen Fall!
Leicht österreichisch angehauchter Humor, dezent überzeichnete Charaktere (naja, bis auf die Gundelwein!) und fast liebevolle Schilderung des Kleinstadtmilieus...und doch ein ordentlicher Krimi! Das hat Spaß gemacht!
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