Das Erste Buch das ich gleich 2 mal lesen musste...brennt sich für alle Zeiten in den Kopf ein.. sehr viel faszinierender kann Sprache nicht sein als wie in der Reise...wenige Sätze des Autors lassen geradezu einen Rausch entstehen..und der lässt einen so schnell nicht wieder los
Starker Tobak und schonungslos...
Bewertung am 16.03.2016
Bewertungsnummer: 432060
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Starker Tobak und schonungslos auch dem Leser gegenüber. Wer sich auf den Höllentrip einlässt, wird das Buch nicht mehr vergessen.
Meinung aus der Buchhandlung
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„Die Menschen schoben Leben und Nacht und Tag vor sich her. Das Leben verbirgt ihnen alles. Über ihrem eigenen Getöse hören sie nichts mehr. Sie pfeifen darauf.“
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Die Nacht, die Reise ans Ende der Nacht. Sie kann alles bei Céline sein. Die Nacht kann der lichterlohe Tag, so wie das lieblich überschäumende Leben sein. In allem versteckt sich die Nacht, stets bereit für listige und heimtückische Überraschungen. Man ist vor ihr niemals sicher, selbst das Glück sieht sich von der Nacht bedroht. Célines Nacht haftet der menschlichen Existenz immerzu bedrohlich an. Sie gefährdet, sie zieht an einem, sie wartet allgegenwärtig. Der Mensch, und das möchte Céline zeigen muss leben, intensiv leben um die immer angreifende, überströmende Nacht unschädlich zu machen. Die Reise ans Ende der Nacht endet nicht für Louis Ferdinand Céline, genau sowenig wie für seinen Protagonisten Ferdinand Bardamu. Am Ende jener Reise zeichnet sich einzig universelle Dunkelheit ab. Célines ungestümes Erstlingswerk aus dem Jahre 1932 bedeutete eine Zäsur innerhalb der französischen Literaturgeschichte, zeigt sich in diesem Werk bereits viel von jenen Elementen, die später Einfluss auf existentialistische Nachkriegsliteratur nehmen sollten. Simone de Beauvoir bezeichnete es als das Buch des Jahres, Paul Nizan als das Werk, welches kraft seiner ungezügelten Sprachgewalt bürgerliche Schreibweisen zu durchbrechen vermochte.
Célines Stil und Sprache war unerhört ungeschliffen, hoch assoziativ und dabei zugleich besonders präzise wenn es um Darstellungen menschlicher Abgründe ging. Célines Satzaufbau stellt sich dem Lesenden so dar, dass wir alles filterlos und ungereinigt geschildert bekommen, dabei nie einen rettenden Ast zu greifen bekommen auf dem es sich bequem ausruhen ließe. Wir haben es zwar mit einem niederschmetternd hoffnungslosen Roman zu tun, doch schafft es gerade diese nihilistisch gehaltene Intonation Katharsis zu initiieren. Bardamu, der allseits Getriebene, verharrt nicht in Ohnmacht, vielmehr zieht es ihn von Station zu Station, wohl wissend, dass er sich nur immer tiefer ins Herz der Finsternis begibt. Die Verirrungen des ersten Weltkrieges, die Gräuel von Kolonisation und Sklavenhaltung, jenes Glück verheißende aber doch zutiefst menschenverachtende Amerika, dies sind jene Erfahrungen, die Bardamu für uns stellvertretend durchlebt. Wie blickt ein Mensch auf diese Welt, nachdem er den Tod auf den Schlachtfeldern sekündlich anklopfen sah, der sich im Herzen Afrikas fiebernd und todgeweiht archaisch lebenden Völkern in die Hände gab, der später Galeerensklave, Arbeiter in Detroit und dann schließlich wieder nach Frankreich zurückgekehrt ist um Arzt für die Armen zu werden? Vollkommen desillusioniert, und so scheinen seine Beobachtungen nur allzu folgerichtig wenn er konstatiert: „Die Menschen schoben Leben und Nacht und Tag vor sich her. Das Leben verbirgt ihnen alles. Über ihrem eigenen Getöse hören sie nichts mehr. Sie pfeifen darauf.“ Bardamus Reise ist so gesehen eine Versuchsanordnung, die das utopische Versprechen, es könnte so etwas wie Glück, Moral, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit geben ad absurdum führt und sie stattdessen als Lüge und Dummheit entlarvt. Célines „Reise ans Ende der Nacht“ gräbt tief unter der vermeintlich heilen Oberfläche, mit dem Bestreben jener unausweichlichen Dunkelheit nachzuspüren und sie dunkel begreifbar zu machen. Ästhetizismus als Rettung? So scheint es gelegentlich, wenn er allen Dingen ihre besondere, künstlerische Beschreibung angedeihen lässt. Wenn er sich wollüstigen Abenteuern hingibt und einzig bei Prostituierten für kurze Momente in Unbekümmertheit und Seelenruhe verharren kann. Dennoch vermag das Narkotikum der sinnlichen Verlockungen, gar der Liebe, nicht zu reichen, um den eigenen Seelenabgrund nicht zu spüren. Jean Paul Sartre wird wenige Jahre später von luzidem Bewusstsein sprechen, um auf die Tatsache aufmerksam zumachen, dass der Mensch seine Existenz selber mit Essenz füllen muss, hierzu im Grunde verurteilt ist und sich eben nicht bewusstlos von seiner Existenz tragen lassen kann. Bardamu spürt dies zu jeder Sekunde, er fühlt diese unbestimmte Ruhelosigkeit, die Nacht die darauf wartet alles Licht zu ersticken.
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Dieses wortgewaltige Werk ist absolute Pflichtlektüre. Radikal, desillusionierend, zynisch, sehr modern & jederzeit zitierfähig. Celine spricht grausame Wahrheiten hemmungslos aus.
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