Erstdruck in: Otetschestvennye zapiski, Petersburg 1859. Hier nach der Übers. v. Clara Brauner, Zürich: Manesse Verlag, 1960.
Vollständige Neuausgabe mit einer Biographie des Autors.
Herausgegeben von Karl-Maria Guth.
Berlin 2016.
Textgrundlage ist die Ausgabe:
Gontscharow, Iwan: Oblomow. Übers. v. Clara Brauner, Zürich: Manesse Verlag, 1960.
Die Paginierung obiger Ausgabe wird in dieser Neuausgabe als Marginalie zeilengenau mitgeführt.
Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage unter Verwendung des Bildes: Paul Cézanne, Liegender Junge, 1890.
Gesetzt aus der Minion Pro, 11 pt.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Aber auch tragisch.
Nicht umsonst bezeichnen Psychologen "Oblomow" als den zustand eines willensschwachen Neurotikers, gepaart mit Apathie, Faulheit und Parasitismus.
Aber wären wir nicht alle - zumindest ab und an - gerne alle so wie er, der hundert Seiten braucht, bis er sich das erstemal aus dem Bette quält?
Ein Don Quijote, der nicht die Mancha durchstreift, sondern lieber dahim im Morgenrock seine Mitmenschen mit siner intelektuellen Überheblichkeit nervt.... aber doch ein Gescheiterter
Bewertung
aus Tirschenreuth
5/5
23.02.2021
eBook (ePUB)
der beste Russe
Ich weiß, ich weiß, ich weiß, jetzt werden wieder alle stöhnen: Was ist mit Anna Karenina, was mit der Idiot, was mit Krieg und Frieden und was mit karamasow...?
Nein, für mich ist diese Geschichte mein "Lieblingsrusse". Keine ist so modern, europäisch wie diese und dabei längst nicht so tragisch und moralin.
Und was die Sprache betrifft, muss sich Gontscharow sowieso vor nichts verstecken.
CB
5/5
03.02.2021
eBook (ePUB)
Ein Windmühlenkämpfer bleibt heute im Bett
Hunderte von Seiten braucht er, um sich nach allen Gesprächen - mit anderen und sich selbst - endlich einmal aus dem Bett zu quälen... und wofür? Seht selbst. Ein Stern Abzug, da mir die Übersetzung manchmal zu alt erscheint. Aber für andere wäre das vielleicht sogar ein Stern mehr wert, wer weiß?
Bewertung
5/5
08.04.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Mann liegt im Bett liegt im Bett
Draußen geht das Leben seinen Lauf - was Oblomow damit zu tun haben soll, versteht er nicht. Will er nicht verstehen. Er will lieber im Bett liegen, nichts tun, denn wo nichts passiert, da entsteht auch keine Unruhe.
Mit Oblomow hat der russische Schriftsteller Gontscharow auf anschauliche und unterhaltsame Weise die Passivität personifiziert, hat der Unfähigkeit, aus der persönlichen Komfortzone auszubrechen, ein gähnendes Gesicht verpasst.
Eine tragische Figur, und umso tragischer, weil man sich in dem Faulpelz häufiger wiedererkennt, als es einem lieb ist.
buchwürmchen
aus reutlingen
5/5
17.03.2016
Buch (Taschenbuch)
Unser Protagonist Oblomow ist…
Unser Protagonist Oblomow ist Großgrundbesitzer, lebt seit 12 Jahren in St. Petersburg und seither besuchte er sein Gut nicht mehr. Obwohl ihn sein Verwalter hintergeht, den die Zahlungen werden immer geringer und unregelmäßiger, kann er sich nicht aufraffen nach den Rechten zu sehen. Viel lieber schmiedet er hochtrabende Pläne in seinem Boudoir, macht ausgedehnte Mittagschläfchen, verbringt den ganzen Tag im Schlafrock und empfängt gar seine Besucher in diesem. Obwohl ihn seine Freunde immer wieder zur Tat drängen, kann ihn keiner aus der eingefleischten Lethargie reißen. Bis auf sein Jugendfreund Stolz, der schafft es sogar Oblomow mit der jungen Olga bekannt zu machen, aber selbst diese Liebe ist ihm zu anstrengend. Obwohl Oblomow der faulste und apathischste Romanheld ist den ich je kennenlernen durfte, hat er sofort meine Sympathie gewonnen. Sein Müßiggang ist wohl exemplarisch für den russischen Landadel, in keiner Zeit davor und danach wurden so viele Besuche und Gegenbesuche vereinbart wie damals und dennoch hatten Sie alle viel übrige Zeit. Alle Charaktere sind besonders gut ausgearbeitet, jeder erhält seinen unfehlbaren Platz in der Geschichte, jeder hat seinen Sinn und trägt zum Aufbau der Erzählung bei. Für mich ein ganz besonderes Buch, das ich sicherlich nicht das letzte mal gelesen habe.
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5/5
01.06.2025
Buch (Taschenbuch)
"Nichtsdestoweniger fühlte er schmerzlich klar, dass in ihm, wie in einem Grabhügel, ein schöner, lichter, jetzt vielleicht schon abgestorbener Wesenskern verborgen war.."
"Oblomow" von Iwan Gontscharow ist ein überragendes Meisterwerk, weil es nicht bloß ein großartiger Roman ist, sondern ein stilles Monument der Menschenseele, ein Spiegel, in dem sich die Trägheit, die Sehnsucht, die Furcht vor dem Leben und zugleich das stille Verlangen nach einem besseren Dasein widerspiegeln. In Ilja Iljitsch Oblomow hat Gontscharow eine der eindrucksvollsten Figuren der Weltliteratur geschaffen: einen Mann, der mehr träumt als handelt, der sich in der Geborgenheit seines Schlafrocks einrichtet wie in einer inneren Festung gegen den nie versiegenden Lärm und die atemlose Hast der Welt. Und doch ist Oblomow kein bloßer Faulpelz, er ist ein feinsinniger, zutiefst menschlicher Charakter, ein Träger zarter Ideale, die jedoch nicht mit der Wirklichkeit versöhnt werden können. In seinem Zögern liegt Poesie, in seiner Untätigkeit eine stille Tragik. Doch versuchen wir uns doch einmal der Figur des Oblomow aus Ivan Gonscharovs Werk genauer zu nähern und die Frage nach dem Wesen der Muße präziser zu belichten.
Oblomow steht in gewisser Weise für eine Form des Lebens, in welcher Müßiggang und Muße zutiefst miteinander verwoben sind, sie in dessen Leben geradezu eine existentielle Symbiose eingegangen sind. Elisabeth Cheauré definiert in diesem Zusammenhang den Begriff der Muße als bestimmte Unbestimmtheit und öffnet damit einen Interpretationsraum, der der Figur des Oblomov eine weitsichtigere Perspektive nahebringt. Statt banale Faulheit und Lethargie zu unterstellen, zeigt ein genauerer Blick hinter die Kulissen von Oblomows besagtem kontemplativen Leben eine inspirierende Form hinsichtlich eines zyklischen Zeitkonzepts. Für Oblomow vergeht die Zeit nicht linear, sodass Kategorien wie Vergänglichkeit und Erwartungen nicht greifen. Als Held, der nicht handelt, konstituiert Oblomows Sein eine autarke, eigengesetzliche Welt innerhalb des Weltganzen, denn er stellt seine eigene Logik gegen die Chronologik der äußeren Welt. In diesem Sinne kann Oblomow als frei angesehen werden, scheint sein Wille auf Forderungen und Erwartungen von jenem gesellschaftlichen Gehäuse nicht zu reagieren. Die Welt und ihre Relevanz kann Oblomow natürlich dennoch nicht in Abrede stellen, jedoch obliegt es einzig seiner Einbildungskraft, genauer seinem Talent zu müßiggängerischen Träumereien, den Stoff der Welt sanft und harmlos zu verwalten. Er zögert vor dem Leben, vermag nicht in die Betriebsamkeit menschlichen Waltens einzutauschen. „Irgend etwas hinderte ihn daran, sich in die Arena des Lebens zu stürzen und darin mit allen Segeln des Verstandes und des Willens zu kreuzen. Irgendein geheimer Feind hatte seine schwere Hand gleich zu Beginn seines Lebensweges auf ihn gelegt und ihn weit fortgestoßen von der eigentlichen menschlichen Bestimmung..“ Von Lähmung ist ferner die Rede und so scheint es als würde Oblomow sich seines klaren Bewusstseins immer weiter entledigen wenn es heißt: „ Der Wald rings um ihn und in seiner Seele wurde immer dichter und dunkler; der Pfad verwucherte immer mehr; das klare Bewusstsein erwachte immer seltener und weckte nur noch für Augenblicke die schlafenden Kräfte. Verstand und Wille waren schon längst und anscheinend unheilbar gelähmt.“ So überlässt sich Oblomov also der Kunst der Muße. Wenn man Muße als eine Form des gesellschaftlichen Freiraums begreifen kann, in dem Tätigkeiten ermöglicht werden, die aus dem zweckhaft instrumentell orientierten Lebenszusammenhang ausgegliedert sind, und Muße zugleich eine wichtige Ermöglichungsbedingung von Kunst ist, so könnte Oblomow , zumindest im ersten Teil des Romans, auch als eine Muße-Figur gesehen werden. Die Frage ist die, kann Muße eigentlich auch als Dauerzustand erlebt werden oder setzt sie immer eine bestimmte „Arbeit“ voraus. Zwar wäre sie nicht der Arbeit unterstellt, wäre dennoch allein von der Arbeit her bestimmt. Betrachten wir Muße einmal von dessen disruptiver Seite her. Muße als etwas Subversives, als Widerstand gegen eine Welt, die sich rastlos selbst verbraucht. In genau diesem Sinne ist Oblomow eben nicht einfach faul. Seine Untätigkeit ist nicht bloß Trägheit, sondern auch eine stille, fast philosophische Rebellion gegen das Nutzdenken, gegen den blinden Fortschrittsglauben und die Entfremdung durch Arbeit. Oblomow verweigert sich, nicht trotzig, sondern mit melancholischer Entschiedenheit – den Anforderungen einer Welt, die von Effizienz, Karriere und äußerem Erfolg diktiert wird. In seiner Wohnung, seinem Bett, seinem Schlafrock, da entzieht er sich allem, was er als leer und bedeutungslos empfindet. Er ist ein Träumer, ja, aber einer mit tiefem Empfinden für Schönheit, für Menschlichkeit, für das, was jenseits der Pflichten und Rollen liegt.
Sein berühmter „Oblomowismus“ ist daher mehr als persönliche Schwäche – er ist Symptom einer inneren Überzeugung, dass das wahre Leben nicht im Geschäft, nicht im Lärm, sondern in der Ruhe, in der Innerlichkeit zu finden ist. Oblomow träumt von einem guten Leben, aber nicht im materiellen Sinn – es ist ein sanftes Ideal von Frieden, von Liebe, von einem Dasein ohne Härte. Er hat keine Lust auf eine Welt, die ihn zwingt, sich selbst zu verlieren. Und hier beginnt die Subversion: In einer Gesellschaft, die Arbeit vergöttert und den Wert des Menschen an seiner Produktivität misst, ist einer wie Oblomow ein stiller Störer. Er tut nichts – und darin liegt ein leiser Trotz. Ein Aufbegehren gegen die Welt, das gerade deshalb so tief wirkt, weil es nicht schreit. Weil es sich hinlegt und schweigt. In diesem Sinne kann man Oblomow auch als eine Art russischen Bartleby verstehen – ein „Ich möchte lieber nicht“ in Samt gehüllt. Und diese Verweigerung, diese stille Muße, kann uns bis heute zu denken geben: Was zählt im Leben wirklich? Was verlieren wir, wenn wir nur tun, ohne zu sein? Gontscharows Sprache gleitet sanft dahin wie ein Fluss im Abendlicht, klar und ruhig, voller feiner Ironie, aber niemals grausam. Der Roman lebt nicht von dramatischen Wendungen, sondern von leisen Beobachtungen, von inneren Kämpfen, die mehr sagen über das Wesen des Menschen als tausend Taten. In der behutsamen Zeichnung von Charakteren, in der zärtlichen Melancholie und der tiefen Gesellschaftskritik offenbart sich eine Meisterschaft, die zeitlos ist. "Oblomow" ist ein Werk, das nicht laut schreit, sondern sanft spricht, und gerade deshalb bleibt es unvergessen. Ein Buch, das uns lehrt, wie schwer es sein kann zu leben, und wie menschlich es ist, zu träumen.
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5/5
26.09.2023
Buch (Taschenbuch)
Für die kommende Herbstzeit etwas schwerere Kost -
ein Klassiker über den süßen Müßiggang!
Oblomow ist ein Gutsbesitzer, der seine Geschäfte am liebsten vom Bett aus erledigt. Selbiges verlässt er so gut wie nie. Träge, zu faul, mit einer gewissen Hochmut beschlagen, sieht er keine Notwendigkeit sich mit banalen Belangen, wie die Erhaltung des väterlichen Gutshofs, zu quälen. Sämtliche Besitztümer bleiben unbeachtet, nähern sich dem unausweichlichen Verfall. Er schwadroniert von seiner Liegestatt aus über hochfliegende Pläne, seine Vorhaben und den Lauf der Dinge. Sein Intellekt geschliffen scharf, aber sein Wille schwach, setzt er keines der ehernen Ziele, die zu tun er gedenkt, je in die Tat um. Selbst für die Liebe, die sich in Form der anmutigen Olga zeigt, ist er zu bequem. Es erstaunt folglich nicht, dass er im Laufe der Zeit von seinen Freunden verlassen, der Liebe entfremdet und vom eigenen Diener bestohlen und ausgenutzt wird. Doch wozu sich aufregen? Das kostet alles nur unnötige Kraft. Den Oblomow muss man nicht mögen, obgleich er auch gelegentlich eine liebenswerte Seite von sich zeigt. Gontscharow zeichnete seine Protagonisten durch die Lupe. Sein Stil präzise und flüssig lesbar, trotz der althergebrachten Sprache. Nach hundert Seiten kann man den stets getragenen Schlafrock förmlich riechen. Kann sich lebhaft vorstellen, wie der Körper Oblomows, durch die Antriebslosigkeit schlapp und muskulär unterfordert von innen heraus, genau wie seine baufälligen Liegschaften, zu verrotten beginnt. Ein Roman, der außerdem die ausbeuterischen Machenschaften des Adels zu jener Zeit beleuchtet. Der Autor hält sehr subtil einer jeden Gesellschaftschicht den Spiegel vor und konfrontiert uns mit der eigenen Antriebslosigkeit, dem Desinteresse und der Trägheit, die uns jederzeit befallen kann. Die Oblomowerei hat den Weg in die moderne Psychologie gefunden und steht für den willensschwachen Neurotiker, der sich durch Apathie, Faulheit und Parasitismus auszeichnet. Iwan Gontscharow hat sich mit seinem Oblomow ein Denkmal gesetzt, ohne es zu wissen. Ein großartiges Buch!
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5/5
09.04.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was für eine Oblomowerei!
Der König der Prokrastination ! Oblomow ist eine zeitlose, in der Figur des Oblomow personifizierte Parabel, die einer aufgeklärten aber untätigen Gesellschaft den Spiegel vorhält.
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