Mailand, 6. Juni 1992, nachts. Bei dem Journalisten Colonna ist eingebrochen worden. Die Diskette mit brisanten Informationen hat man nicht gefunden, Colonna sieht jetzt sein eigenes Leben bedroht. Auch er spielt ein Doppelspiel: Er soll eine Zeitung lancieren, die mit schmutzigen Gerüchten über die gute Gesellschaft arbeitet. Zugleich schreibt er als Ghostwriter ein Enthüllungsbuch über den programmierten Skandal. Umberto Eco entwickelt eine rasante Kriminalgeschichte zwischen Wirtschaft, Politik und Presse. Und einen ironischen, provozierenden Roman über das 21. Jahrhundert: Je absurder die Nachrichten, desto deutlicher erkennt man die Gesellschaft von heute.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Eine gesellschaftskritische Politsatire zum moralischen Niedergang der italienischen Gesellschaft in den frühen 90ern. Meisterhaft geschrieben!
Bewertung
aus Frutigen
5/5
13.11.2015
Buch (Gebundene Ausgabe)
Darf man sich nicht engehen lassen
Dieses Buch darf man sich nicht engehen lassen. Wer den Semiotiker kennt wird sicher wieder positiv überrascht sein. Ein Muss !
Uli Geißler
aus Fürth
3/5
16.03.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wahrheiten zu fiktiven Spekulationen
Die Idee scheint gut: ein Zeitungsprojekt soll letztlich als Verhandlungsmasse für die eigene Karriere des eher fadenscheinigen Verlegers und Herausgebers Vimercate – mit nur wenig Phantasie als Silvio Berluscconi zu identifizieren - dienen. Chefredakteur Simei soll Nullnummern mit Enthüllungen und Bloßstellungen über mehr oder weniger bedeutende Persönlichkeiten verfassen, welche dann durch erpresste Unterlassungsforderungen den Zugang in die Welt der bedeutenden Medienmacher, vor allem aber in höchste politische Kreise ermöglichen sollen. Eine perfide Idee, welche durchaus einen gewissen Lesereiz ausstrahlt.
So entwickelt der bislang nur mäßig erfolgreiche Journalist Colonna unterstützt von seinem Kollegen Braggadocio unter anderem eine wohl recherchiert scheinende Fiktion um die Ermordung des Benito Mussolini – als „Mythomane“ bezeichnet – und gleichzeitig arbeitet der „Enthüllungsjournalist“ an einem Buch, welches sich mit dem durch ihr eigenes Handeln versursachten Skandal beschäftigt.
Eine eingestreute Nebenhandlung einer Liebesbeziehung zu seiner Kollegin Maia lässt die Figur des Colonna etwas menschlich glaubhaft erscheinen, doch so wirklich lebendig wird der Roman auch dadurch nicht. Viel zu viel Details, viel zu viel Gerede ohne mitnehmende Dynamik quälen geradezu trotz vieler offenbar gut recherchierter Fakten und belegbarer Wahrheiten aus der Nachkriegsgeschichte. Viele Bezüge büßen allerdings als Bestandteil der erfundenen Geschichte gleich wieder an historischer Qualität ein oder wirken wie erdachtes Beiwerk plötzlich haarsträubend.
An sich ein Medienkritischer, auch ein geradezu satirischer Thriller, verwirkt die verfasste Vielschichtigkeit den Anspruch, „Nullnummer“ sei ein guter Roman. Es fehlt irgendwie der zündende Plot. Die kritische Darstellung eines korrupten Geschehens in der italienischen Gesellschaft gelingt nur bedingt. Es bleibt ein etwas durchwachsenes Gefühl für einen durchschnittlichen Roman.
Bories vom Berg
aus München
3/5
01.03.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Lügenpresse als Waffe Der…
Die Lügenpresse als Waffe Der vor elf Tagen verstorbene italienische Schriftsteller und emeritierte Professor für Semiotik Umberto Eco hat mit seinem im Vorjahr erschienenen Roman «Nullnummer» ein bemerkenswertes Alterswerk abgeliefert. Als Romancier hatte der damals 48jährige Eco ziemlich spät, erst im Jahre 1980, seinen äußerst erfolgreichen Debütroman «Der Name der Rose» veröffentlicht, seither erschienen ungefähr im Fünfjahresrhythmus sechs weitere Romane von ihm, die aber alle an den Erfolg seines Erstlings nicht anknüpfen konnten. Kennzeichen seines Schreibstils ist die für Eco typische Intertextualität, ein enges Beziehungsgeflecht zwischen allen literarischen Texten, welches für ihn, wie er sagte, das Spezielle seiner Geschichten ausmacht. In diesem letzten Roman nun geht es vornehmlich um journalistische Texte, wobei er als engagierter linker Autor hier einen furiosen Rundumschlag gegen das verfilzte Establishment seiner Heimat Italien führt, der niemanden verschont und den man nun, nach seinem Tode, auch als eine Art persönlicher Generalabrechnung deuten darf. Umberto Eco wurde als blitzgescheiter, hochangesehener Intellektueller mit Ehrungen und Auszeichnungen geradezu überschüttet, der Nobelpreis für Literatur blieb ihm jedoch versagt. Wie schon in «Das Foucaultsche Pendel» und «Der Friedhof in Prag» widmet sich der Autor in dem 1992, zeitlich ganz bewusst, wie er sagte, vor der Verbreitung des Internets angesiedelten Roman «Nullnummer» dem Thema Verschwörungstheorien. Ich-Erzähler ist ein alternder Philologe namens Colonna, der für die neu zu gründende Zeitung «Domani» (morgen) schreiben soll, die als Enthüllungsmagazin gedacht ist und von einem als Commendatore bezeichneten Medienmogul finanziert wird, der unschwer als «Il Cavaliere» zu erkennen ist, wie Silvio Berlusconi von rechtsgerichteten Italienern respektvoll genannt wird. Ziel des Commendatore ist es aber, die vor dem Erscheinen der neuen Zeitung als Testexemplar produzierte Nullnummer als Druckmittel zu benutzen, um in den innersten Machtzirkel der italienischen Elite aufgenommen zu werden, die Zeitung selbst wird also nie erscheinen. Auch Colonna spielt ein Doppelspiel, er soll im Hintergrund bleibend ein Enthüllungsbuch über eben diese Art von skrupelloser Skandalpresse schreiben. In der neugegründeten Redaktion trifft er auf ein illustres Häufchen von Mitarbeitern, vom Klatschreporter über den Geheimdienstler, Kreuzworträtselschreiber, Korrekturleser und die Herz/Schmerz-Journalistin Maia, mit der er prompt ein Techtelmechtel beginnt, bis hin zum Aufschneider Braggadocio, mit dem er sich schon bald anfreundet. Diese paranoide Figur steht denn auch im Zentrum von Ecos Geschichte, von ihm lässt sich Colonna in ausufernden Verschwörungstheorien erzählen, dass Mussolini nicht getötet wurde, die in Mailand aufgehängte Leiche sein Doppelgänger gewesen wäre, der Duce wahrscheinlich nach Argentinien geflüchtet sei und später im Vatikan darauf gewartet habe, dass ein faschistischer Putsch ihn wieder an die Macht bringt. In haarsträubenden, ineinander verwobenen Spekulationen nach dem Motto «Alles hängt mit allem zusammen» werden da prominente Personen der jüngeren italienischen Geschichte in allerlei Komplotte verwickelt. Betroffen sind ehemalige Ministerpräsidenten ebenso wie prominente Faschisten, Militärs, Kardinäle und Päpste, Geheimdienstler, Bankiers und Organisationen wie die Roten Brigaden, CIA und S.O.E. oder die paramilitärische Organisation der Nato namens Gladio, deren italienischer Ableger sich das Motto «Silendo Libertatem Servo» gegeben hatte. Diese ironische Darstellung einer instrumentalisierten «Lügenpresse» wird vom deutschen Feuilleton natürlich nicht gerade bejubelt. Als amüsante Mediensatire aber transportiert der Roman unterschwellig viele Fakten in einem resignierenden Abgesang auf Bella Italia, dessen Ursache am Ende einleuchtend erklärt wird: «Seit die Korruption erlaubt ist, sitzt die Mafia im Parlament». Alles klar?
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5/5
16.02.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Umberto einmal anders
Als eines Nachts bei einem Journalisten eingebrochen wird und die Täter nicht die brisanten Informationen gefunden haben, sieht sich besagter Journalist in Lebensgefahr.
Gekonnt entführt uns Umberto Eco in eine Welt voller Intrigen, skandalöser Politik und die manchmal nicht ganz ehrliche Pressearbeit.
Obwohl nicht ganz so gut wie das Foucaultsche Pendel, schafft es die Geschichte trotzdem den Leser schnell zu fesseln und zu begeistern.
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4/5
09.07.2021
eBook (ePUB)
Vermutlich fehlen mir ein paar Referenzen
Umberto Eco erzählt in "Nullnummer" von einem Zeitungsprojekt, das hanebüchen ist. Der Plan ist, eine Zeitung zu schaffen, die ihrer Zeit insofern voraus ist, dass sie im Vorfeld Sachen spekuliert, in der Hoffnung, dass manche Sachen wahr werden. Das ist ein beeindruckendes Konzept, aber natürlich auch bekloppt.
Es wäre natürlich angenehm, wenn Eco seine Welt auch mit tiefschürfenden Figuren besetzt hätte, aber stattdessen sind die meisten Figuren ziemlich oberflächlich. Sie haben durchaus starke Eigenschaften, aber es fehlt ihnen an Mehrschichtigkeit - aber das mag in einer Satire auch etwas viel verlangt sein.
Eco kann bessere Figuren als diese hier, und generell wirkt "Nullnummer" eher wie eine Fingerübung. Aber wenn man sich damit begnügt, ist man gut unterhalten.
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4/5
19.06.2017
Buch (Taschenbuch)
Die Machenschaften hinter der Information
Eigentlich beschreibt dieses Buch einen Kriminalfall.
Es gibt auch einen Mord.
Doch der steht nicht im Mittelpunkt.
Auch nicht dessen Aufklärung, die eigentlich keinen wirklich interessiert.
Von Interesse sind die Wege, auf denen jegliche Aufklärung oder Klärung von Realitäten umgangen werden kann und wird.
Und wie die Presse und Medienwelt das Werkzeug dazu sind.
Umberto Eco beschreibt eine Gesellschaft, die in der Flut von Informationen, die ihr zur Verfügung gestellt wird, den Boden verloren hat.
Fakten schaffen Fiktionen, der Überfluss schafft das Vergessen und die Beliebigkeit verdrängt den Sinn und das Ziel.
Kontrolle ist längst niemandem mehr möglich.
Oder gibt es eine Chance für das Individuum auch in dieser Welt sein Glück zu finden?
Diesen Roman sollte man gelesen haben. Satirisch und medienkritisch, aber gleichzeitig auch fesselnd.
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