"Ich wollte nie wieder an das Geschehene erinnert werden und das Buch verbrennen. Doch Bücher kann man nicht mit Feuer vernichten! Sie überdauern das!" Konrad Gallinat, Buchhandelsgehilfe im Roman
Königsberg 1933 - Wilhelm Kirchner, der Inhaber der größten Buchhandlung Europas, wird von der geplanten Bücherverbrennung der Nazis herausgefordert. Gemeinsam mit seiner Nichte Emma und den beiden Mitarbeitern Konrad und Otto versucht er, so viele indizierte Bücher wie möglich zu retten. Aber auch ein geheimer literarischer Schatz soll vor dem Zugriff der Häscher versteckt werden. Doch schon bald sind die Buchhandlung, er selbst und seine Kollegen in größter Gefahr. Es beginnt ein Kampf auf Leben und Tod.
Michael Paul nimmt seine Leser nach dem erfolgreichen Debütroman "Wimmerholz" diesmal mit in das alte Königsberg und das einzigartige "Haus der Bücher" am Paradeplatz.
"Ein spannender Roman voller historischer Realität. Handlung und Personen sind frei erfunden, die Geschichte hinter den dramatischen Geschehnissen aber ist erschreckend wahr und kann jederzeit wieder aktuell werden."
Jan Wiesemann, Verlag Gräfe und Unzer, München
Mit alten Fotografien der damaligen Buchhandlung, Informationen zum historischen Hintergrund und einem Vorwort von Arno Surminski.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
aus Bergheim
5/5
26.06.2017
eBook (ePUB)
Angst-Zorn-Gänsehaut
Über den Inhalt des Buches möchte ich gar nicht schreiben, denn das kann jeder interessierte Leser in der Inhaltsangabe nachlesen.
Ich möchte nur über das Gefühl schreiben, das dieses Buch auslöst.
Die sehr gut recherchierte Geschichte über das "Haus der Bücher" hat mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Man liest das Buch nicht nur, nein, man wird wie in einem Sog mitgerissen. Ich war zornig, denn ich hätte die Geschichte der damaligen Zeit gerne geändert, aber all diese Grausamkeiten konnten nicht verhindert werden, man darf sie nur nicht vergessen.
Auch wenn die Personen frei erfunden sind, es könnte sich genauso abgespielt haben und man kann sich der Dramatik nicht entziehen. Zwischendurch kann man hoffen und aufatmen und im nächsten Moment ist man den Tränen nahe.
Ich kann dieses Buch uneingeschränkt weiterempfehlen.
Michael Paul ist nach seinem Roman "Wimmerholz" wieder ein grandioser historischer Roman gelungen.
Bewertung
aus Hamburg
5/5
02.04.2017
eBook (ePUB)
Eine Geschichte, die jederzeit wieder geschehen kann
Das Haus der Bücher, den zweiten historischen Roman von Michael Paul empfehle ich jedem, der sich für die dunkelste Geschichte Deutschlands interessiert. Hauptthema ist die Bücherverbrennung vom Mai 1933, einem der finstersten Tage in der Geschichte des Nationalsozialismus vor dem 2. Weltkrieg. Das Buch fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Genauso könnte sich die Geschichte tatsächlich abgespielt haben. Ich bewundere besonders die Charakter Beschreibungen der verschiedenen Protagonisten. Über den Inhalt möchte ich hier nicht mehr verraten.
Wie auch bei seinem ersten Roman, stellt man ganz schnell fest, dass der Autor an Ort und Stelle sehr akribisch recherchiert hat. Sehr wichtig ist für mich, dass dies Werk im Wahljahr 2017 erschienen ist.
Igelmanu66
aus Mülheim
4/5
21.06.2021
eBook (ePUB)
Mutige Menschen
Königsberg im Jahr 1933. Inhaber Wilhelm Kirchner, seine ebenfalls in der Buchhandlung arbeitende Nichte Emma und ihre Kollegen Konrad Gallinat und Otto Perlmann stehen unter Schock. Sie lieben ihren Beruf, Bücher sind ihr Leben – und nun werden sie gezwungen, sämtliche Werke zahlreicher Autoren der geplanten großen Bücherverbrennung zu opfern. Die vier sind sich schnell einig, sie wollen versuchen, so viele Bücher wie möglich vor den Flammen zu retten. Auch, wenn sie damit ihr eigenes Leben riskieren…
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass man sich von Zeit zu Zeit mit bestimmten Themen auseinandersetzen muss, so bedrückend sie auch sind. Der Nationalsozialismus ist so ein Thema und gehört leider nicht nur zu unserer Vergangenheit. Da mir Bücher sehr am Herzen liegen, fiel meine Wahl diesmal auf diesen Roman vor historischem Hintergrund.
Schauplatz der Handlung ist Königsberg, präzise die damals größte Buchhandlung Europas, das „Haus der Bücher“ des Unternehmens Gräfe und Unzer. Die Beschreibungen der Buchhandlung lassen das Herz jedes Bücherfreundes höherschlagen, eine Reihe alter Fotos gibt einen guten Eindruck der damaligen Pracht.
In die traurige Handlung steigt man sofort ein, ich bewunderte den großen Mut von Kirchner, Emma, Konrad und Otto. Schließlich waren sie ganz normale Menschen, zu deren Alltag es normalerweise nicht gehört, das eigene Leben und das der liebsten Angehörigen zu riskieren. Aber sie verstanden, dass es noch um viel mehr als nur Bücher geht und lieferten ein Musterbeispiel an Zivilcourage.
Wenn sich der Autor auch um einen kleinen Lichtblick zum Ende bemühte, darf man kein Happy End erwarten. Beim Lesen wechselten großes Mitgefühl und Trauer mit Wut und Fassungslosigkeit ab, die Handlung wirkte sehr realistisch. Bei der Vorstellung, dass Studierende, also vermeintlich gebildete Menschen, Bücher verbrennen, komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. So eine Verblendung ist beängstigend und leider bewies sich, wie recht Heine hatte, als er schon lange vor den Nazis schrieb »Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.« Passend dazu werden neben dem schon schrecklichen Thema der Bücherverbrennung im Zuge der „Aktion wider den undeutschen Geist“ natürlich auch andere Naziverbrechen angesprochen. Da wird die Universität von jüdischen Professoren „gereinigt“, es wird gefoltert und gemordet.
Die Charaktere und ihr Plan zur Bücherrettung sind fiktiv, aber es ist bekannt, dass im Haus der Bücher „verbotene“ Bücher offenbar heimlich versteckt und unter dem Ladentisch an vertrauenswürdige Kunden verkauft wurden. Um diesen Fakt herum wurde eine spannende Romanhandlung ausgebaut. Ein detailliertes Nachwort gibt Informationen zum geschichtlichen Hintergrund, den Fakten (im Unterschied zur Romanhandlung) und zur Unternehmensgeschichte.
Was mich vor allem zu Beginn leicht irritierte, war die recht einfach gehaltene Sprache. Das überraschte mich, damit hatte ich bei einem Buch über Bücher nicht gerechnet. Mir fielen beispielsweise die kurzen Sätze auf, die auch schon mal mit dem Wörtchen „Dann“ anfingen. Rückblickend stelle ich allerdings fest, dass mir diese Punkte im weiteren Verlauf nicht mehr auffielen. Entweder hatte der Autor sich warmgeschrieben oder ich war so von der Lektüre gefesselt, dass ich die zuvor empfundenen sprachlichen Holprigkeiten nicht mehr wahrnahm. Zudem kann die einfache Sprache auch ein Vorteil sein, denn sie erhöht die Zugangsmöglichkeit für Leser, die vor dem anspruchsvollen Thema Respekt haben. Eins ist sicher, die Auseinandersetzung mit diesem tiefschwarzen Punkt unserer Geschichte ist und bleibt wichtig und obwohl hier fiktive Personen agieren, wird es ähnliche Ereignisse und Schicksale gegeben haben. Sie dürfen nie vergessen werden.
Fazit: Ein fesselndes und leider sehr trauriges Kapitel der Geschichte. Leicht lesbar trotz des ernsten Themas.
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