Hartmut König, im dritten Nachkriegsherbst geboren, wächst als Schul-, Kirch- und Grenzgänger in Ostberlin auf. In den sechziger Jahren ist er mittendrin in der entstehenden Beatszene. Als Liedermacher tritt er vor der UNO-Vollversammlung auf, im eigenen Land polarisiert er mit seinen Texten. Doch nicht für die künstlerische Laufbahn entscheidet er sich, sondern für die Politik. So wie er sich einst mit seinem Lied "Sag mir, wo du stehst" positionierte, ist auch sein Buch von politischer und menschlicher Ortung bestimmt. Er berichtet über Begegnungen mit internationalen Künstlern und Politikern und lässt gleichzeitig tief in die DDR-Kulturpolitik und in die Vorgänge hinter den Kulissen der Macht blicken. König erzählt sein Leben; verzahnt mit den politischen Ereignissen ergibt das eine kleine, hochinformative Geschichte der DDR, insbesondere aus kultureller Perspektive.
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j.h.
aus Berlin
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03.11.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
WARTEN WIR DIE ZUKUNFT AB - Interessante Background-Einblicke zur DDR-Geschichte in der Autobiographie von Hartmut König
Der Oktoberklub-Song "Sag mir, wo du stehst" ist noch fast 50 Jahre nach seiner Entstehung bekannt und wird wohl immer mit dem Namen Hartmut König verbunden bleiben. In der vorliegenden Autobiographie blickt Hartmut König (*1947) ausführlich auf sein Leben in der DDR zurück: Kindheit in einfachen Verhältnissen in Ost-Berlin nahe der Sektorengrenze, die Anfänge der FDJ-Singebewegung, Journalistik-Studium an der Leipziger Karl-Marx-Universität, Karriere als Funktionär der FDJ für internationale Beziehungen, später im Kulturressort und schließlich ab Anfang 1989 stellvertretender DDR-Kulturminister.
Hartmut Königs mit zahlreichen Fotos illustrierte Rückblicke gewähren zahlreiche Einblicke hinter die Kulissen der Macht und lassen die Zeitgeschichte aus dem unverstellten Blick eines Beteiligten lebendig werden. Dabei werden eigene Entscheidungen durchaus kritisch hinterfragt - ohne dabei in unglaubwürdige opportunistische Selbstgerechtigkeit oder gar Legendenbildung zu verfallen wie die von König in dieser Hinsicht zurecht genannten Ex-Funktionäre Günter Schabowski oder Dietmar Keller. Direkte persönliche Angriffe vermeidet der Autor weitgehend, erinnert allerdings manchen der Macht damals gern nahen Künstler vor dem Hintergrund von Äußerungen nach der politischen Wende an Gespräche und Situationen, wie sie ihm selbst in Erinnerung blieben. Besonders interessant sind die Reflexionen über das Zustandekommen der großen Rockkonzerte in Ost-Berlin Ende der 1980-er Jahre, die Flügelkämpfe innerhalb der Partei um notwendige Kursänderungen angesichts der neuen Politik in Moskau ab 1985 oder die Begegnungen mit damals (und teils noch heute) wichtigen Künstlern aus Ost und West.
Hartmut König ist seinen Idealen treu geblieben und verfällt dennoch nicht in eine unrealistische Verklärung der DDR, die er als gelebte Geschichte sieht, die keiner instrumentierten externen "Aufarbeitung" bedarf. Die im Verlag NEUES LEBEN erschienene Autobiographie ist ein ebenso lebendiges wie lesenswertes Zeitzeugnis vor allem für jene, die die Zeit bewusst erlebt haben.
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