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Zum Inhalt:
"Sie sind also tot? fragte Herr Jakob. "Jaja". erwiderte Frau Wanke und drängte Herr Jakob sanft, aber bestimmt zur Seite. Es hatte angefangen zu regnen und sie hatte keinen Schirm dabei, Herr Jakob mutmaßte, dass vielleicht auch Tote nicht nass werden wollten. "Entschuldigung" sagte er "kommen Sie doch erstmal herein". Im Hausflur nahm er ihr den Mantel ab und hängte ihn an die Garderobe.
Quelle: A.S. Dowidat (Klappentext)
Meine Meinung zum Buch:
Das Cover hat das Potenzial mein Lieblingscover zu werden. Der Heißluftballon mit Herr Jakob darin schwebt zwischen den Wolken dahin und eine wundersame Reise in die Welt der Träume beginnt.
Herr Jakob ist von der Welt und seinem persönlichen Umfeld mehr als gestresst. Alles geht ihm zu schnell und er sehnt sich nach Ruhe. Im Laufe der Geschichte wird er immer müder und träumt sich an einen Ort absoluter Ruhe. Herr Jakobs Traumreise bringt ihn an einen Ort, der ihn Achtsamkeit lehrt, er unterhält sich dort mit einem Huhn und beobachtet erstaunt andere Menschen, die sich einfach dem Augenblick hingeben.
Als er kaum noch in der Lage ist, seinen Alltag zu bewältigen, ihm seine Ex-Frau samt Töchtern zusetzt und selbst sein Hobby - das Fertigen von Skulpturen - nicht mehr recht von der Hand gehen will, reift der Entschluss sich in einen ausgedehnten Winterschlaf zu begeben.
Herr Jakob plant sein Vorhaben akribisch. Die Putzfrau wird über Winter verabschiedet, er nimmt sich eine Auszeit von der Arbeit als Bibliothekar, fertigt noch schnell eine letzte Skulptur und beginnt seine Traumreise.
Die Autorin beschreitet mit ihrem Buch eher die leisen Pfade und beschreibt als stille Beobachterin die Erlebnisse des Schlafenden und die daraus resultierenden Konsequenzen. Die Schreibweise ist zurückhaltend und kommt ohne viele direkte Dialoge aus. Die bildhaften Beschreibungen von Herrn Jakobs Erlebnissen haben mir sehr gut gefallen und es möglich gemacht, dass ich mit ihm ins Träumen geraten konnte.
Wer allerdings alles bis ins Detail aufgeschlüsselt und erklärt haben möchte, wird hier nicht fündig. Die Geschichte lässt viel Platz für eigene Interpretationen, was mir sehr gut gefallen hat.
Lieblingslesezeichen:
"Ja, fast schien es, als könne es an diesem Ort nichts geben, was in irgendeiner Weise Eile erforderte oder was irgendeiner Erledigung bedurft hätte."
(Seite 17)
Fazit:
Wer eine äußerst ruhige Geschichte über Achtsamkeit, Entschleunigung, die Kunst zur Ruhe zu kommen und das Experiment "Winterschlaf" lesen möchte, kann sich in diesem Buch sehr wohl fühlen. Mir hat es sehr gut gefallen und es war gerade nach der hektischen Weihnachtszeit genau das richtige für den Jahresanfang.
4 Sterne
Elke Seifried
aus Gundelfingen
4/5
07.01.2018
Buch (Taschenbuch)
3,5 Sterne für ein Winterschlafexperiment mit offenem Ausgang
Traum oder Wirklichkeit?- Herr Jakob gibt sich seinen Bedürfnissen hin, Entschleunigung, Schlafen und zur Ruhe kommen, das ist doch was er wirklich will und was ihm, wie so vielen Menschen in der heutigen Hektik fehlt. Kann das gelingen?
Als Leser darf man Herrn Jakob knapp zwei Jahre seines Lebens begleiten. Der Bibliothekar fühlt sich meiner Meinung nach den Anforderungen des Alltags immer weniger gewachsen, Streit mit der Ex-Frau, seine Töchter wollen Geld, die Stadt erhebt immense Kanalgebühren, zum ersten Mal im Leben kommt er in finanzielle Bedrängnis und zudem soll der Hobbykünstler noch eine Skulptur auf Bestellung fertigen, für die ihm jegliche Inspiration fehlt. Das lähmt ihn immer mehr, während seine Putzfrau scheinbar immer schneller wird, um ihm zu zeigen, dass man mit einem Plan effektiv zu Werke gehen kann und sich allgemein die Welt um ihn herum plötzlich immer schneller dreht. Ist er aus dem Takt gefallen, oder nimmt die Hektik tatsächlich immer mehr zu? Dank einem Huhn, einem Ort, an dem er sich angekommen und wohlig fühlt und Träumen, die schöner nicht sein könnten, gibt er sich seinem immensen Schlafbedürfnis hin, Winterschlaf ist schön.
Der Schreibstil der Autorin liest sich locker leicht und ich konnte mir die Szenen bildlich ausmalen, konnte mich auch gut in Herrn Jakob hineinversetzen. Ab und an konnte ich auch schmunzeln, was mir gut gefallen hat. Da kann sich ein Eichhörnchen schon mal freuen, wenn Herrn Jakob eine Nuss auf den Kopf fällt oder er ist besonders kreativ beim Verfassen einer Kontaktanzeige. Solche Szenen hätte ich mir mehr gewünscht, hatte ich mir vielleicht auch erhofft. Gut haben mir zudem Gedankenreisen gefallen, bei denen man deutlich gespürt hat, ja Herr Jakob ist angekommen, fühlt sich wohl, ihm geht es gut. Nicht immer war mir klar, ist es Traum oder erlebt er es wirklich, was aber auch einen gewissen Reiz ausmacht. Versteht einen die Welt nicht mehr, wenn man sich bewusst aus der Hektik ausklinkt, oder versteht man selbst die Welt immer weniger? Kann man sich denn überhaupt Ruhe und Muße gönnen, aber dennoch ein Teil der Gesellschaft bleiben? Das waren Fragen, die mir beim Lesen durch den Kopf gegangen sind, eine richtige bzw. befriedigende Antwort habe ich nicht gefunden.
Ein sehr leiser Roman, ich denke das trifft es hier ganz gut, mir fast etwas zu ruhig. Ich kann nicht genau beschreiben, was ich mir noch erwartet hätte, aber irgendwie habe ich immer mit der Frage im Kopf, was kommt noch, gelesen, und war dann am Ende eher etwas ernüchtert, als völlig begeistert. Ich bin nicht der typische Leser von Fantasie-Geschichten, ich mag es lieber real, mich hat aber einfach die Idee dem Schlafbedürfnis nachzugeben, das bei mir in Wintermonaten auch immer riesig groß ist, neugierig gemacht. Ich habe mich daher vielleicht auch überflüssigerweise zu oft gefragt, wohin die Geschichte sonst noch führen soll, aber vielleicht braucht die Botschaft, einmal innezuhalten, seinen Bedürfnissen nachzugeben, auch gar nicht mehr, ich weiß es nicht.
Auch wenn mir bei der Handlung über weite Strecken etwas zu wenig passiert, sind in Herr Jakob träumt zahlreiche Botschaften versteckt, die mir wiederum sehr gut gefallen haben. Sich die Zeit nehmen, genau hinzusehen, auch dies oder jenes genau zu hinterfragen, kann das Leben viel einfacher machen. Viele Wunder und Schönheiten der Natur lassen sich auch nur erkennen, wenn man sich ihnen widmet. Sich bewusst Auszeiten genehmigen, wenn der Körper nun einmal danach lechzt, ist sicher auch ein wertvoller Wink mit dem Zaunpfahl. Wie oft versucht man trotz Erkältung mit teuren Mittelchen wieder zu funktionieren, warum nicht einfach mit Hausmitteln und Wärmflasche ab ins Bett, was doch viel besser wäre. Deshalb runde ich auch die 3,5 Sterne auf vier auf.
Ich kann eigentlich über Herrn Jakob gar nicht so viel sagen. Dass ihn die Erfordernisse des Alltags lähmen, habe ich so hineininterpretiert, seine Gefühle kommen nur indirekt zum Ausdruck. Besonders viel Tiefe erhält er nicht, aber vielleicht steht er ja auch nur stellvertretend für die viele Menschen, der die Hektik unserer modernen Zeit die Kraft raubt.
Alles in allem eine sehr leise Geschichte, die mit einer unaufgeregten Story, die zwischen Traum und Wirklichkeit schwebt und bei mir für ruhige Lesezeit gesorgt hat.
Bewertung
aus Fürth
5/5
16.01.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein leises, aber eindringliches Buch über die Welt und das Leben.
Zum Inhalt:
Die Schnellebigkeit der Zeit fordert. Sie kann auch Überfordern. Herr Jakob sehnt sich nach Schlaf, erholsam, gemütlich und einfach wunderbar langsam. Kann er beschließen einfach zu schlafen und sich der Welt zu entziehen? Wenn ja, was passiert dann?
Meine Meinung:
Herr Jakob ist müde, so müde. Er will nur noch schlafen, alles langsamer machen. In diesem Buch können die Leser mit Herrn Jakob ein Stück seines Weges mit ihm gehen. Der Alltag überfordert Herrn Jakob, Bedürfnisse seiner geschiedenen Frau, seiner Tochter und seiner Arbeit lähmen ihn. Alltägliche Dinge des Lebens, wie Schreiben von der Stadt, finanzielle Engpässe setzen ihn zusätzlich unter Druck.
Einen Ausgleich findet er normalerweise in seinem kreativen Hobby, aber auch das wirkt auf einmal nicht mehr.
Ich war sehr schnell in dem Buch angekommen, die Welt von Herrn Jakob und seine Erlebnisse haben mich immer wieder in Erstaunen versetzt. Der Schreibstil der Autorin unterstützte dies noch, da er sehr anschaulich und detailliert war. Und ich zwischen den geschriebenen Worten auch Bilder von Augen hatte. Die Szenen waren sehr ausführlich beschrieben und brachten mich nicht nur zum Staunen, sondern auch zum grinsen, wenn ich mir die beschriebenen Szenen ausmalte.
Herr Jakob fand ich sehr sympathisch, etwas weltfremd, aber das fand ich stimmig, denn er fühlt sich in der Welt ja nicht wirklich zu Hause. Seinen inneren Zwiespalt bekommt man im Laufe des Buches immer mehr mit und ich konnte diesen auch sehr gut nachvollziehen.
Der Sinn des Buches lässt mich nachdenklich zurück. So wie in dem Buch, kann man sich auch im Leben fragen, was ist Realität, was ist das Bild, das man sich selbst macht. Mich wird die Frage nach der Langsamkeit noch etwas weiter beschäftigen. Das Buch hat ein offenes Ende, wer das nicht mag, wird hier vielleicht eher unzufrieden nach dem Lesen sein. Ich selbst mag das, weil ich mir im Nachhinein noch Gedanken über ein Buch machen kann.
Wer leise Bücher mag, und eine Mischung aus Realität und Fantasie gerne liest, ist hier richtig.
Fazit:
Ein leises, aber eindringliches Buch über die Welt und das Leben.
"Herr Jakob träumt" - ein leises Buch, ein Buch, welches sich in die hektische Alltagszeit mogelt und auffordern möchte, inne zu halten, stehen zu bleiben.
Herr Jakob merkt, dass er seinem Alltag nicht mehr gerecht wird - so viele Dinge, die an ihm zerren und zurren und die Entscheidungen von ihm verlangen - bis ihm eines denkwürdigen Tages, eine Nuss direkt vom Baum ins Gesicht fällt - er hat sie fallen sehen und war nicht in der Lage auszuweichen. Ab dem Moment nimmt alles seinen Lauf uns sein Vorhaben nimmt immer mehr Konturen an.
Die Autorin A.S. Dowidat nimmt uns mit auf eine Reise, in dem sie Herrn Jakob ein Versuch unternehmen lässt, sich eine besondere Auszeit zu genehmigen. Wir werden Zeugen eines einzigartigen Projekt, das Projekt "Winterschlaf". Und es geht noch weiter - andere werden angesteckt - man vermutet eine Geheimzelle.... es wird richtig spannend, ob er er wohl der Urheber der ganzen Sache ist.
Ein Buch, welches einläd, sich selbst Gedanken über sein eigenes Leben zu machen - wo könnte ich meinen Alltag entschleunigen, wo zur Ruhe kommen und mich wieder auf Wesentliches zu besinnen.
Stellenweise hat mich das Buch an die Bilder des Surrealisten "Rene Magritte" erinnert - faszinierende Beschreibungen von Alltäglichkeiten, die einen in den Bann ziehen und die doch so fernab der Wirklichkeit scheinen.
Wann nehmen Sie ihr Projekt "Winderschlaf" in Angriff??!
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