Ein mutiger Blick auf die Troubles in Nordirland und eine berührende Coming-of-Age-Geschichte
Mit 16 Jahren wird der junge Ire Brendan verhaftet, weil er im Auftrag der IRA die Docks in Liverpool in die Luft jagen wollte. Im »Borstal«, der Besserungsanstalt, lernt er nicht nur den rauen Gefängnisalltag kennen, sondern unerwartet auch Freundschaft, Zuneigung und Solidarität zwischen Iren und Engländern in der Zeit des Nordirland-Konflikts. Borstal Boy ist ein poetisches, großherziges Buch mit widerspenstigem Humor, das in Irland zunächst wegen seiner freimütigen Darstellung von Homosexualität und unverhohlener Kritik an der katholischen Kirche verboten war. Heute gilt es als Klassiker der irischen Literatur und fesselnder Entwicklungsroman, der tiefe Einblicke in die politischen Spannungen der 1950er und 60er Jahre gewährt. Ein unvergessliches Zeugnis über das Erwachsenwerden in turbulenten Zeiten.
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"Aha, du bist also das verdammte IRA-Schwein, das gestern Abend in Everton hochgegangen ist?"
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
"The next Song we gonna play was written by a Guy named Brendan Behan who spend most of his younger Life in several Prisons, Borstals - Correctional Institutions, that`s what they call them over there..." (Luke Kelly, das politischste Mitglied der Dubliners, als Ankündigung des Songs "The Auld Triangle")
"Borstal Boy" ist stark autobiographisch, Brendan Behan, der heute als einer der wichtigsten Dramatiker Irlands gilt, wurde im Alter von 15 Jahren "Soldat" der IRA, mit 16 reiste er mit einem Koffer voller Sprengstoff nach Liverpool und wurde, noch vor einem geplanten Anschlag, verhaftet. Da er minderjährig war, wurde er zu drei Jahren Haft bzw. "Besserungsanstalt" verurteilt. Von diesen Jahren (1939 - 1941) handelt das Buch.
Behan schreibt mit viel Humor und wenig Verbitterung über seinen ersten Gefängnisaufenthalt vor dem Gerichtsprozess, es war die härteste Zeit für ihn. Die Zustände waren menschenunwürdig, Wasser & Brot & Margarine, Sonntags, zur Abwechslung, faulende Kartoffeln - die "Paddys" kannten es ja eh nicht besser. Um so erstaunlicher: Lesen war erlaubt, es gab zwei Bücher pro Woche, und der der junge Brendan, aus gebildeter Dubliner Familie stammend, las sich in dieser Zeit durch die Weltliteratur.
Es folgte die Verurteilung und die Überstellung in ein sog. Borstal, eine Mischung aus klassischem Gefängnis und Internat. Und so liest sich der zweite Teil des Buches fast wie ein Roman von Saki, oder wie "Huck Finn" von Mark Twain, nur härter. Freundschaften gehören genauso zum Alltag wie Feindschaften, die Jungen und jungen Männer sind permanent hungrig, müssen Zwangsarbeit verrichten, die minimal bezahlt wird, mal mit wenigen Pennies, oft mit Zigaretten. Auch hier liest Behan wie ein Süchtiger, beginnt aber auch das Schreiben - bei einem literarischen Wettbewerb belegt er den ersten Platz, Preisgeld: 100 Zigaretten...
Ich kann dieses Buch nur nachhaltig empfehlen: Es ist grandios geschrieben, Behan schafft es, sich ganz und gar in sein jüngeres Selbst zurück zu versetzen, er beschönigt nichts. Die Sprache ist offen und echt, man kann es beim Lesen kaum glauben, daß das Buch bereits 1957 erschienen ist.
Dem Kiepenheuer & Witsch Verlag muss man uneingeschränkt dankbar sein, daß er die exzellente Übersetzung von Curt Meyer-Clason von 1963 für diese Neuausgabe beibehalten hat, und sie nur gaaaanz behutsam überarbeitet hat.
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