Borstal Boy: Ein irischer Rebell im englischen Gefängnis - Eine Geschichte über Freundschaft und Solidarität jenseits politischer Grenzen
Der 16-jährige Ire Brendan wird festgenommen, als er im Auftrag der IRA versucht, die Docks in Liverpool in die Luft zu sprengen. Im »Borstal«, der Besserungsanstalt, lernt er nicht nur den harten Gefängnisalltag kennen, sondern findet auch unerwartete Freundschaft und Verbundenheit zwischen Iren und Engländern inmitten des Nordirland-Konflikts.
Brendan Behans Borstal Boy ist ein Klassiker der irischen Literatur, der in seiner Heimat zunächst wegen der offenen Darstellung von Homosexualität und der unverblümten Kritik an der katholischen Kirche verboten war. Doch die poetische, großherzige und humorvolle Erzählung über das Erwachsenwerden unter schwierigen Umständen berührt bis heute. Ein unvergesslicher Entwicklungsroman, der politische Grenzen überwindet und von der Kraft der menschlichen Verbindung erzählt.
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"Aha, du bist also das verdammte IRA-Schwein, das gestern Abend in Everton hochgegangen ist?"
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
"The next Song we gonna play was written by a Guy named Brendan Behan who spend most of his younger Life in several Prisons, Borstals - Correctional Institutions, that`s what they call them over there..." (Luke Kelly, das politischste Mitglied der Dubliners, als Ankündigung des Songs "The Auld Triangle")
"Borstal Boy" ist stark autobiographisch, Brendan Behan, der heute als einer der wichtigsten Dramatiker Irlands gilt, wurde im Alter von 15 Jahren "Soldat" der IRA, mit 16 reiste er mit einem Koffer voller Sprengstoff nach Liverpool und wurde, noch vor einem geplanten Anschlag, verhaftet. Da er minderjährig war, wurde er zu drei Jahren Haft bzw. "Besserungsanstalt" verurteilt. Von diesen Jahren (1939 - 1941) handelt das Buch.
Behan schreibt mit viel Humor und wenig Verbitterung über seinen ersten Gefängnisaufenthalt vor dem Gerichtsprozess, es war die härteste Zeit für ihn. Die Zustände waren menschenunwürdig, Wasser & Brot & Margarine, Sonntags, zur Abwechslung, faulende Kartoffeln - die "Paddys" kannten es ja eh nicht besser. Um so erstaunlicher: Lesen war erlaubt, es gab zwei Bücher pro Woche, und der der junge Brendan, aus gebildeter Dubliner Familie stammend, las sich in dieser Zeit durch die Weltliteratur.
Es folgte die Verurteilung und die Überstellung in ein sog. Borstal, eine Mischung aus klassischem Gefängnis und Internat. Und so liest sich der zweite Teil des Buches fast wie ein Roman von Saki, oder wie "Huck Finn" von Mark Twain, nur härter. Freundschaften gehören genauso zum Alltag wie Feindschaften, die Jungen und jungen Männer sind permanent hungrig, müssen Zwangsarbeit verrichten, die minimal bezahlt wird, mal mit wenigen Pennies, oft mit Zigaretten. Auch hier liest Behan wie ein Süchtiger, beginnt aber auch das Schreiben - bei einem literarischen Wettbewerb belegt er den ersten Platz, Preisgeld: 100 Zigaretten...
Ich kann dieses Buch nur nachhaltig empfehlen: Es ist grandios geschrieben, Behan schafft es, sich ganz und gar in sein jüngeres Selbst zurück zu versetzen, er beschönigt nichts. Die Sprache ist offen und echt, man kann es beim Lesen kaum glauben, daß das Buch bereits 1957 erschienen ist.
Dem Kiepenheuer & Witsch Verlag muss man uneingeschränkt dankbar sein, daß er die exzellente Übersetzung von Curt Meyer-Clason von 1963 für diese Neuausgabe beibehalten hat, und sie nur gaaaanz behutsam überarbeitet hat.
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