Seit ihrer Geburt lebt Pearl im Auto, sie vorne, ihre Ausreißer-Mutter auf der Rückbank. Vierzehn Jahre stehen die beiden jetzt schon am Rande eines Trailerparks irgendwo in Florida. Draußen vor der Windschutzscheibe ist die Welt den Waffen verfallen: Kinder wachsen mit Pistolen statt Haustieren auf, Schießübungen immer und überall, mal Alligatoren, mal den Fluss, mal Polizisten im Visier, und sonntags sitzt man beim Gottesdienst mit der geschulterten Schrotflinte in der ersten Reihe. Doch im Ford Mercury wirken andere Kräfte, hier lernt Pearl das Träumen. Bis ein schöner Mann und seine Pistolen alles verändern ... Gun Love handelt vom Zauber zwischen Mutter und Tochter inmitten des Irrsinns. In strahlenden Bildern erzählt Jennifer Clement eine Geschichte, in der Liebe und Hass, Fantasie und Wirklichkeit haltlos ineinanderfallen. Das literarische Stimmungsbild einer ganzen Nation.
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Der Name ist Programm
Betsy aus Wien am 19.10.2018
Bewertungsnummer: 1140740
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
"Ich? Ich wuchs in einem Auto auf, und wenn man im Auto lebt, hat man keine Angst vor Blitz und Donner, das Einzige, wovor man Angst hat, ist der Abschleppwagen."
Pearl lebt seit ihrer Geburt mit ihrer Mutter Margot in einem Ford Mercury inmitten eines heruntergekommenen Trailerparks irgendwo im Nirgendwo in Florida, umgeben von weiteren gestrandeten Randexistenzen die dort ihr Leben fristen und eine eigene kleine Gemeinschaft bilden. Hier leben die Menschen direkt neben einer giftigen Mülldeponie und Schießübungen an unschuldigen Tieren und Waffen im allgemeinen sind hier der normale Alltag. Nur im Auto herrscht eine eigene, friedliche Welt, inmitten der Schätze, die ihre Mutter aus ihrem wohlhabenden Elternhaus mitgenommen hat, ihren Geschichten über die Menschen, in die sie hineinsehen kann und davon wie wichtig es ihrer Ansicht nach ist zu träumen. Als ihre Mutter allerdings auf Eli trifft, der sich selbst und seine Waffe in den Wagen bringt, scheint für Pearl kein Platz mehr darin zu sein und die Realität hält Einzug.
"Meine Mutter sagte, sie und ich, wir gehörten zum Stamm der Träumer. Man lernt schnell, dass Träume besser sind als das Leben, sagte meine Mutter."
Was diese Geschichte von Anfang an so außergwöhnlich macht, ist der traumhaft poetische Schreibstil der Autorin, der dafür sorgt, dass die trostlose Realität in der Pearl aufwächst etwas märchenhaftes bekommt und dennoch nicht weniger bedrückend und ausdrucksstark ist.
Man erlebt die Welt im Trailerpark aus der Sicht von Pearl, die dort aufwächst und für die dieses Leben ganz normal ist, da sie nie etwas anderes gekannt hat. Umso unwirklicher sind die Geschichten ihrer Mutter von ihrem früheren Leben in Wohlstand, aus dem sie geflüchtet ist um ihre Tochter zu beschützen. Dabei wird vor allem für den Leser der Kontrast dieser zwei Welten sehr deutlich, denn da ist einerseits das Leben im Auto auf engstem Raum, aber mittendrin das edle Limogesgeschirr und andere Schätze, sowie Lektionen über Perlen und Kristall. Das Auftauchen von Eli und seiner Waffe in ihrem vormals sicheren und unschuldigen Heim ist hier der Dreh- und Angelpunkt in der Geschichte, denn plötzlich ist Pearl alleine auf sich gestellt und die Realität außerhalb ihres schützenden Kokons mit all den Waffen ergreift mehr und mehr Besitz von ihr. Dabei blickt sie tiefer hinter die Fassade der Trailerbewohner und alsbald erlebt ihr eigenes Leben eine neue tragische Wendung, bei der plötzlich auch für sie eine Waffe eine besondere Rolle spielt.
Alles wird sehr lebendig geschildert und als Leser wird man selbst ein Teil dieses Trailerparks, in dem jeder seine eigene Geschichte hat. Teilweise wird dabei in Hinblick auf die einzelnen Charaktere schon ein wenig dick aufgetragen, aber zugleich passen diese skurillen und gescheiterten Existenzen hier gut hinein und zeigen die verschiedensten Schicksale, die von der Autorin recht wertungsfrei geschildert werden. Die Figuren selbst sorgen allerdings durchaus für zwiegespaltene Gefühle beim Leser je mehr man über sie erfährt, zugleich versucht man aber sich in ihre Lage hineinzuversetzen, denn hier gibt es oftmals kein bloßes Schwarz oder Weiß, sondern viele Grautöne. Selbst Pearl, die anfänglich die Sympathien des Lesers auf ihrer Seite hat, vor allem als ihre Mutter sich so plötzlich von ihr abwendet, ist mit der Zeit in so mancherlei Hinsicht ebenfalls immer schwerer zu verstehen, da sie einerseits mehr von ihrer in den Sphären schwebenden Mutter hat als erwartet und dann aber auch wieder ganz anders ist.
Das Buch bietet eine außerordenlich große Themenvielfalt (zB Waffen, Drogen, Missbrauch, Pflegesystem, Veteranenversorgung, Teenagerschwangerschaft, ...), wobei vieles nur oberflächlich gestreift wird, während die Waffenthematik sich durch das ganze Buch zieht und wohl auch eines der umstrittensten Themen in den USA ist. Die Handlung selbst ist teilweise recht sprunghaft und nicht immer ist es so einfach zu verstehen was genau bestimmte Dingen aussagen sollen, was zugleich aber auch wieder den besonderen Reiz der Geschichte ausmacht, da vieles persönliche Interpreationssache ist. Zwar wird der Kreis rund um Eli gekonnt symbolträchtig, um nicht zu sagen ironisch, geschlossen, aber vieles bleibt bis zum Ende recht vage und hinterlässt beim Leser offene Fragen, vor allem da man gerne wissen würde was das Schicksal für Pearl bereithält, deren, Geschichte hier doch recht abrupt und quasi mittendrin endet.
Alles in allem nicht unbedingt eine runde und immer leicht verständliche Geschichte, dennoch wird man mitgerissen. Zugleich gibt es unglaublich herzzerreißende Passagen, die dank der poetischen Sprache zugleich wunderschön sind und einmal mehr zeigen um was für eine bittersüße Geschichte es sich hier handelt, die so nebenbei mit dem amerikanischen Traum aufräumt. Dabei beschwört die Autorin oftmals Bilder herauf, die für gemischte Gefühle beim Leser sorgen und einmal mehr verschiedene Betrachtungsweisen zulassen.
Fazit: Ein Buch über das Leben am Rande der amerikanischen Gesellschaft, wo Waffen zum normalen Alltag gehören und in der jeder versucht, das Beste aus seiner Situation zu machen. Hier trifft Poesie auf bittere Realität, vor allem in Bezug auf die Präsenz von Waffen und wie leichtfertig damit umgegangen wird. Teils skurille und außergewöhnliche Charaktere hauchen dem Ganzen Leben ein und auch wenn das Ende irgendwie mittendrin aufhört und nicht alles klar erscheint, ist es eine Geschichte die noch lange nachhallt. Hier wird viel mit Andeutungen und symbolhafter Sprache gearbeitet, weshalb so manches letztendlich der alleinigen Betrachtungsweise des Lesers vorbehalten bleibt. Gerade die kunstvolle Art der Erzählung macht das Buch, trotz der teilweise etwas abgedrehten Geschichte, den inhaltlichen Schwächen und den vielen Fragezeichen am Ende, dennoch so außergewöhnlich und lesenswert.
Viel Potential leider voll und ganz verspielt
Bewertung aus Trier am 03.06.2021
Bewertungsnummer: 1500953
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Inhaltlich ist das Buch wirklich schockierend, als Leser wird man in eine wirklich erschreckende Welt der amerikanischen Unterschicht eingeführt, die von sozialem Drama und Unmengen an Waffen umgeben ist. Nur leider wird dieses Thema nur wie eine Ereigniskette runter erzählt, es gibt keinen wirklich sozialkritischen Ansatz, die Waffenpolitik wird nicht groß verurteilt, es wird einfach nur der schreckliche Status quo geschildert. Kein Subtext, keine vielschichtige Erzählung, nichts bei dem der Leser / Leserin irgendwie gefordert wird. Nachdem (Achtung Spoiler) die Mutter sehr plötzlich ohne konkreten Grund getötet wird, ist das zwar schwierig für die Protagonistin, zwei Kapitel später ist sie jedoch schon Hals über Kopf in ihren Pflegebruder verliebt und möchte ihn heiraten. Der Schluss ist ebenso absurd, es wird kein Resume gezogen, das psychische Chaos der Protagonistin existiert scheinbar nicht. Für mich war das Buch eine schon fast eine Aneinanderreihung von dubiosen Ereignissen. Neben der schlecht erzählten Geschichte ist noch die wirklich grottenschlechte sprachliche Seite. Die Formulierungen hätte jeder Schüler so schreiben können, es ließt sich so wie die Ausgabe des Google-Übersetzters. Es wird alles total flach und plumb erzählt, einige Kapitel kamen mir vor als wäre der einzige Sinn und Zweck die Seitenzahl zu erhöhen. Die Spitze des Eisbergs bildet das wirklich hässliche Cover, welches mich (wäre da nicht ein überzeugender Buchhändler gewesen) schon vor dem Kauf weitestgehend abgeschreckt hat.
Aus der Story und dem sozialen Dilemma der amerikanischen Unterschicht hätte sich ein wirklich gutes Buch entwickeln können, das hat es nur leider nicht. Als Schullektüre in der 5-7 Klasse kann man so etwas vielleicht lesen, ansonsten kann Ich es wirklich niemandem empfehlen!
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