1919. Ein Bürgerkrieg fegt mit aller Gewalt über das zerfallene Zarenreich. Gefangen zwischen den Fronten, finden die beiden Freunde Willi und Maxim ein von Soldaten zurückgelassenes Maschinengewehr. Für Maxim ein Geschenk des Himmels, für Willi die größte Herausforderung seines Glaubens, denn als Sohn mennonitischer Siedler hat er gelernt, jede Form von Gewalt abzulehnen. Eine Zerreißprobe für die Freundschaft der beiden Jungs.
Während Willis Familie in der aufkommenden Sowjetdiktatur ums nackte Überleben und um ihren Glauben kämpft, schlägt sich Maxim ausgerechnet auf die Seite des Regimes.
Beide wissen nicht, ob sich ihre Wege je noch einmal kreuzen werden. Zwei Lebenswege inmitten der sowjetischen Diktatur, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
aus Hude
5/5
31.10.2019
Hörbuch-Download (MP3)
Schonungslos ehrliche Familiengeschichte
Der Hörer befindet sich im Jahre 1919, mitten im Sturm der russischen Revolution. Der Bürgerkrieg erschüttert die armen Menschen des Landes.
Als die beiden Freunde Willi und Maxim ein Maschinengewehr entdecken, das von einem Soldaten hinterlassen wurde, werden die zwiespaltigen Gedanken, die aufkommen deutlich. Denn Maxim sieht es als Chance endlich zu rebellieren und die Welt wie sie ist nicht hinzunehmen und Willi, als Sohn mennonitischer Siedler, sieht es als Herausforderung seines friedliebenden Glaubens. Hier nun sollen sich die Wege der beiden Freunde trennen, denn Willis Familie sieht sich bald aufgrund der aufkommenden unterdrückenden Sowjetdiktatur ums nackte Überleben kämpfen, während sich Maxim auf die Seite des Regime schlägt.
Ich habe zum Hören nur drei Tage gebraucht. Wäre ich nicht durch meine Arbeit gestört worden, ich hätte das Hörbuch innerhalb eines Tages verschlungen. Es war so unglaublich spannend.
Die Geschichte der beiden Jungen könnte unterschiedlicher nicht sein. Sie zeigt, wie sich eine einzige Entscheidung, geprägt durch Glaube und Erziehung, auf den Rest des Lebens auswirken kann. Dies zeigt uns der Autor über die Zeit hinweg, in dem der Hörer die Protagonisten von Anfang bis Ende auf ihrem Weg begleitet und dieser Weg ist geprägt durch Gewalt und Hass. Ich fand es immer wieder erstaunlich, wie die Menschen, trotz all dieser erschütternden Widrigkeiten dennoch weiterleben wollten und konnten. Wie sie ihre Familien schützten oder aber auch die Dinge hinnahmen, um irgendwie in diesem Leben zurecht zu kommen. Wie viele der Menschen dennoch niemals die Hoffnung aufgaben, die Hoffnung auf ein besseres Leben. Wie das geht und das das mit Sicherheit nicht einfach war, das zeigt Tichatzki, in dem er nichts auslässt, in dem er zeigt, was passiert ist, wie die Gewalt die Dörfer heimsuchte, Vergewaltigung, willkürlich Ermordung, die geballte Grausamkeit, der Autor verschont den Hörer nicht und das fand ich so brillant. Gleichzeitig zeigt er, woraus die Träume der Menschen damals gemacht waren, wie sie sich geholfen haben und das das Leben irgendwie weiterging. Das zeigt er uns durch die Entwicklungen im Leben von Maxim und Willi, so dass der Hörer Einsicht in alle Seiten des Lebens zur damaligen Zeit erfährt. Dadurch erzählt der Autor sehr detailliert aber es wirkte auf mich nie, als wäre das zu viel, sondern genau die richtige Dosis.
Tim Tichatzki schreibt so echt, schonungslos und vermag den Hörer aber nicht abzuschrecken, sondern fesselt ihn immer mehr und mehr, so dass an Aufhören nie zu denken ist.
Ich habe einige Male Tränen verloren, weil mir die Geschichte sosehr unter die Haut ging.
Ich habe sehr lang keine so bedrückende Geschichte mehr gehört, die mich tagelang beschäftige, tonnenschwer auf mir lastete und die ich dennoch so gut fand.
Makke Schneider liest zudem so eindrücklich und sympathisch, er passt wie die Faust aufs Auge und ist als Sprecher eine Wucht. Er ist die beste Wahl für dieses Hörbuch gewesen.
Tim Tichatzki hat in "Roter Herbst" eine ehrliche, schonungslose, herzzerreißende und wahre Geschichte zu Papier gebracht, die gehört werden muss.
Durch und durch empfehlenswert. Nicht nur für Leute die interessiert an Geschichte sind.
Bewertung
aus Straubenhardt
5/5
17.08.2019
Hörbuch-Download (MP3)
Eine starke Geschichte
Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt Tim Tichatzki hier die Geschichte von russlandsdeutschen Mennoniten. Die Handlung beginnt 1919 nach dem ersten Weltkrieg als die deutschen Truppen das von Mennoniten bewohnte ukrainische Dorf verlassen haben in dem Willi mit seinen Eltern und Geschwistern lebt. Maxim, ein russischer Junge, der außer seinem Vater seine restliche Familie verloren hat wird sein Freund und im Buch sind die Lebenswege dieser beiden beschrieben.
Geschildert werden die Ereignisse, die in der nachfolgenden Zeit über das Dorf Osterwick hereinbrechen. Unfassbar grausame Taten zuerst durch die Machnowzi , einer anarchistischer Guerilla-Armee, später durch die Stalin-Diktatur verübt, machen den Bewohnern des Dorfes und ganz besonders den Deutschen das Leben schwer. Hungersnot und willkürliche Gewalt versetzen die Menschen in Angst und Not. Auch ihren Glauben können sie nicht mehr frei leben.
Während Willi und seine Familie versuchen, auf Gewalt zu verzichten, geht Maxim einen ganz anderen Weg. Er passt sich der Diktatur an und wird selbst Teil des grausamen Regimes. Die beiden verlieren sich aus den Augen, begegnen sich aber nach dem 2. Weltkrieg unter ganz anderen Umständen wieder.
Die Geschichte ist emotional sehr berührend und manchmal musste ich eine Pause beim Hören machen, um das kaum Fassbare zu verarbeiten, was diese Leute an Leid ertragen mussten. Grausam, was Menschen sich gegenseitig antun können.
Noch nie habe ich so detailliert von der Geschichte der Russlandsdeutschen im letzten Jahrhundert gehört. Ich finde, auch das ist ein Teil der deutschen Geschichte, der kaum je ein Thema ist. Loben möchte ich den Sprecher Makke Schneider. Er liest hervorragend.
Das Buch hat mich jedenfalls sehr bereichert und ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen.
.
Funny
aus Augsburg
5/5
08.07.2019
Hörbuch-Download (MP3)
Wahnsinnig ergreifend, sehr spannend und einfach toll!!
"Roter Herbst in Chortitza" von Tim Tichatzki und gelesen von Makke Schneider ist eines der tollsten Hörbücher, das ich bisher gehört habe.
Die Geschichte, die auf einer wahren Geschichten beruht, spielt ab dem Jahr 1919 und erzählt von den beiden Freunden Maxim und Willi, die in Osterwick aufwachsen. Sie erleben die Grausamkeiten des Krieges. Willi, der Sohn einer strenggläubigen mennonitischen Familie lehnt Gewalt vollständig ab, wohingegen Maxim sich dem Regime anschließt, das seine Macht nur allzu oft durch Gewalt demonstriert.
Ihre beiden Leben entwickeln sich komplett auseinander, aber das Schicksal lässt sie dennoch irgendwann wieder aufeinander treffen.
Es ist unglaublich spannend der Geschichte zu folgen. Die furchtbaren Geschehnisse, die die Menschen teilweise ertragen mussten und die rohe Gewalt, die manche einfach einsetzten, schockieren einen sehr. Da die Geschichte sehr authentisch erzählt ist, ist das Ganze umso erschreckender. Es ist einfach grausam sich vorzustellen, zu was Menschen fähig waren und sind.
Makke Schneider versteht es durch seine Art des Sprechens die Spannung noch gezielt zu erhöhen.
Ein wirklich absolut gelungenes Hörbuch, das einen fesselt und zum Nachdenken anregt. Absolut empfehlenswert!!!
Bewertung
aus Waldbüttelbrunn
4/5
24.11.2019
Hörbuch-Download (MP3)
Was ist ein Menschenleben wert?
Klappentext" 1919. Ein Bürgerkrieg fegt mit aller Gewalt über das zerfallende Zarenreich. Gefangen zwischen den Fronten, finden die beiden Freunde Willi und Maxim ein von Soldaten zurückgelassenes Maschinengewehr. Für Maxim ein Geschenk des Himmels, für Willi die größte Herausforderung seines Glaubens, denn als Sohn mennonitischer Siedler hat er gelernt, jede Form von Gewalt abzulehnen. Eine Zerreißprobe für die Freundschaft der beiden Jungs.
Während Willis Familie in der aufkommenden Sowjetdiktatur ums nackte Überleben und um ihren Glauben kämpft, schlägt sich Maxim ausgerechnet auf die Seite des Regimes. Beide wissen nicht, ob sich ihre Wege je noch einmal kreuzen werden."
Dieses Hörbuch besteht aus 1 MP3-CD, hat eine Laufzeit von 13 Std., 20 Minuten und wird von Makke Schneider hervorragend gelesen.
Diese Geschichte ist absolut nichts für Zartbesaitete, hier werden erschreckend und schonungslos die Zeiten in der Sowjetunion ab 1919 geschildert. Richtig gut hat mir gefallen, dass durchgängig die Geschichten sowohl von Maxim als auch von Willi erzählt werden und ich habe mit ihnen echt gelitten. Vorallem Willi's Geschichte hat mich sehr mitgenommen und auch die seiner Freunde. Es hat mich emotional mehr berührt als die von Maxim, was wohl auch daran lag, dass dieser Erzählstrang von der Schwiegermutter des Autors wiedergegeben wurde. Maxim hat viele negative Erfahrungen, vorallem auch in jungen Jahren, gemacht, was durchaus erklärt, warum er so ist, wie er ist. Allerdings ist seine Geschichte fiktiv.
Man erfährt hier viel von Russlanddeutsche, von den Mennoniten und den Machnowzi (die anarchistische Guerilla Armee) sowie von der Stalindiktatur. Das war für mich absolutes Neuland, weil ich darüber bisher noch nichts weiter gelesen hatte.
Fazit: Eine wirklich brutale Geschichte, es ist einfach unglaublich zu was Menschen fähig sind, aber auch informativ, wenn man mal was über die Russlanddeutsche sowie der Sowjetunion erfahren möchte. Ich fand es echt gut, aber es ist echt schonungslos geschildert und ich musste öfters mal Pausen einlegen.
Anne Kaffeekanne
4/5
16.11.2019
Hörbuch-Download (MP3)
Zwischen den Stühlen
Willy und Maxim wachsen in der heutigen Ukraine bei Menonniten auf. 1919 geraten sie unversehens in den Konflikt zwischen Zarentreuen und Bolschewiken. Und das ist erst der Anfang.
Tichatski verfolgt zwei Wezählstränge. Einmal begleitet er die Dorfgemeinschaft und speziell Willys Familie durch Stalins Terrorherrschaft. Gleichzeitig folgt er Maxim, der Teil des NKWD wird.
Die Mennoniten sind deutscher Herkunft, sehr religiös und durch Landwirtschaft zu bescheidenem Wohlstand gekommen. Das macht sie zu Angriffszielen für die Bolschewiken. Ihre Ablehnung von Gewalt führt zu einigen moralischen Dilemmata. Diesen Handlungsstrang fand ich sehr interessant. Es gibt viele berührende Szenen, die dem Leser das Leid der Zivilbevölkerung im Krieg und die Situation von Minderheiten zwischen den Stühlen klar machen.
Weniger gut gefallen hat mir Maxims Geschichte. Bei seiner Entwicklung ist mir zu viel unklar geblieben. Gerade zum Ende hin wurde er mir zu sehr zum Standardbösewicht. Vielleicht liegt es daran, dass er im Gegensatz zu Willys Familie eine komplett erfundene Figur ist, oder an den vielen hervorragenden Büchern, die ich über das GuLag-System und Stalins Terror gelesen habe. Ich konnte nicht so recht nachvollziehen, warum er nicht nur andere, sondern vor allem sich selbst zerstört. Sehr schade, denn am Anfang ist da durchaus Potential.
Es wird sehr deutlich gemacht, wie ausweglos das System ist. Wer einmal angeklagt wurde, kommt nicht mehr frei. Es ist unmöglich seine Unschuld zu beweisen.
Als störend habe ich auch die konsequente Verwendung der einfanchen Vergangenheit empfunden. Mir ist bewusst, dass das inzwischen (?) viele AutorInnen machen, aber für mein Empfinden ist das nicht korrekt und manchmal sogar missverständlich.
Die Hörbuchfassung wiederum ist sehr gelungen. Makke Schneider liest gut nuanciert und schafft eine fesselnde Atmosphäre.
Insgesamt ein atmosphärisches Hörerlebnis über ein dunkles Kapitel der Menschheitsgeschichte. Sehr zu empfehlen.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.