Charlotte Ellison ist intelligent, selbstbewusst und emanzipiert. Sie lebt im puritanischviktorianischen England des 19. Jahrhunderts, in einer Zeit, in der diese Eigenschaften bei Frauen gar nicht gern gesehen werden.
Doch Charlottes Eltern machen sich aus einem weiteren Grund Sorgen um ihre Tochter. Ein offenbar geistesgestörter Mörder stranguliert auf der Cater Street junge Frauen. Als Charlotte merkt, dass auch sie sich in Gefahr befindet, ist es fast zu spät.
Aber zum Glück gibt es da auch noch Inspector Pitt, der ein nicht nur dienstliches Interesse an ihr hat. Bevor er Charlotte jedoch helfen kann, muss er noch so manches Rätsel lösen - und das macht ihm die feine Londoner Gesellschaft nicht gerade leicht!
Die Engländerin Anne Perry, 1938 in London geboren, begann schon früh zu schreiben. Ihre historischen Kriminalromane zeichnen ein lebendiges Bild des viktorianischen England und begeistern ein Millionenpublikum. Anne Perry lebt und schreibt in Schottland.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
aus Düsseldorf
5/5
15.12.2021
Hörbuch-Download
Schade
Es ist so schade, dass die Inspector Pitt Reihe nicht mehr als Hörbuch fortgesetzt wurde. Karl-Heinz Tafel hat die ersten drei Bände so toll gelesen, den Merkwürdigkeiten der adligen Gesellschaft ihre eigene Stimme verliehen, dass es ein Vergnügen war, ihm zu lauschen. Eine wirklich grossartige Vertonung!
Bewertung
aus Oberursel
5/5
12.07.2022
Buch (Taschenbuch)
toller Krimi im viktorianischem London
Die historischen Krimis von Anne Perry sind bislang völlig an mir vorbeigegangen, dabei sind sie gar nicht neu: Anne Perry, Baujahr 1938, ist immer noch aktiv und eine der produktivsten Schriftstellerinnen überhaupt. Die Charlotte & Thomas Pitt- Reihe gibt’s auch schon seit 1979, und mittlerweile ist die Serie bei über 35 Bänden, kein Buch ist jemals ausser Druck gewesen, und der Adrian & Wimmelbuchverlag GmbH hat jetzt begonnen, die Serie neu aufzulegen. Und ich dachte, ich steige mal ein .
Und ich sag es gleich vorab: ich bin ein neuer Fan!
Hierum geht’s im Band 1: Wir sind im Jahre 1881, und eine Serie von Frauenmorden versetzt London in Angst – ein Würger geht um und ermordet sowohl Dienstmädchen als auch junge Damen der Gesellschaft. Die Cater Street, Schauplatz der Verbrechen, ist ein Viertel der eher gehobenen Mittelklasse; und wir sind hier bei der Familie Ellison. Ihr Dienstmädchen ist eines der Opfer, und Inspector Thomas Pitt ermittelt. Pitt ist als Polizist natürlich unter Stand, hat aber trotz allem feine Manieren und beisst sich am Fall fest und durchbricht die Fassade der Oberschicht. Dabei kommt er Charlotte, der mittleren Tochter des Hauses näher. Charlotte ist ledig, charmant, und leider zu intelligent und neugierig, um gut verheiratet werden zu können. Durch Thomas öffnen sich ihr die Augen für diverse Missstände, und gemeinsam mit ihm will sie einen weiteren Mord verhindern….
Ja, und kürzen wir es ab, natürlich schnappt Pitt am Ende den Mörder im letzten Moment, bevor ein weiteres Verbrechen geschieht.
Der Krimi lebt jetzt nicht unbedingt von einem extrem cleverem elaboriertem Plot, bei dem 5 mal um die Ecke kombiniert werden muss, nein, im Gegenteil, das ist hier old-school ein klassischer Kriminalfall, bei dem die Polizei beharrlich in Kleinarbeit ermittelt, und peu a peu im Ausschlussverfahren Verdächtige eliminiert, und ganz gewöhnliche Ermittlungsarbeit leistet. Der Charme des Romans – und ich denke mal, der ganzen Reihe – ist das Setting. Man taucht komplett ein ins viktorianische London. Der Verlag schreibt: „(Die Autorin) …schafft auch Einblicke in die zeithistorischen Lebensumstände der Protagonisten. Bürgerliche Etiketten, Abhängigkeiten und unterschiedliche Beziehungsgeflechte im England des ausgehenden 19. Jahrhunderts liefern den Nährboden für Intrigen und machen die Krimis zu einer perfekten Lektüre (….)“. Genau das ist es, ich stimme dem komplett zu. Wir sind als Leser live dabei, die Atmosphäre passt, es ist alles stimmig.
Und noch was mochte ich sehr gerne: Hier wird mal wieder eine Story linear erzählt. Sehr viele aktuelle Romane springen auf mindestens 2 bis 3 Zeitebenen hin und her, und das ist meist auch gut und raffiniert gemacht, aber hier ist es, ich wiederhole mich, old-school: im April 1881 starten wir, und in etwa ein halbes, Dreivierteljahr später ist der Fall gelöst. Zwischendurch vergeht nämlich immer auch mal eine Woche oder ein Monat. Da stocken mal die Ermittlungen. Und da passiert auch mal familiär bei den Ellisons nix Spektakuläres. Ich fand diesen Erzählstil echt angenehm. Ich fand das ein sehr nettes erzählerisches Kontrastprogramm zu vielen aktuellen Büchern. Und trotzdem war es spannend. Trotzdem gab es hier verschiedene kleine Sub-Erzählstränge: die jüngste Tochter Emily, die sich clever ihren Lord angelt. Oder der Stress zwischen Caroline Ellison, der Herrin des Hauses, und ihrer Schwiegermama, die auch noch mit ihm Anwesen wohnt und ihr Gift verspritzt. Und natürlich Charlotte, die eine wunderbare Entwicklung durchmacht, und sich selbst treu bleibt.
Hat mir gefallen, und ich bin mittlerweile beim zweiten Teil angelangt . Ich bin gespannt, wie sich die Charaktere noch so entwickeln werden, und freue mich, Anne Perry entdeckt zu haben.
P.S. Diese Neuauflagen bestechen übrigens durch ihre Optik – bislang hat der Adrian Verlag sich die ersten 3 Romane der Serie vorgenommen, und im Vergleich zu den anderen Ausgaben, die ich gesehen habe, sind diese hier sehr hochwertige Taschenbücher mit Klappen und schönen Illustrationen. Schön gemacht. Wobei natürlich der Inhalt das Wichtigste ist … !
Igelmanu66
aus Mülheim
4/5
20.03.2023
Buch (Taschenbuch)
Wenn eine heile Welt zerstört wird
»Wie stellen Sie sich die Unterwelt denn vor, Miss Ellison? Als etwas was man findet, wenn man einen Kanaldeckel öffnet?«
London, 1881. Im noblen Wohnviertel, wo auch das Heim von Charlotte Ellison und ihrer Familie liegt, geht die Angst um. Dem Würger fielen bereits mehrere junge Frauen zum Opfer, die Polizei wirkt ratlos. Und die feine Gesellschaft muss zu ihrer großen Beunruhigung feststellen, dass die Ermordeten nicht nur einfache Dienstmädchen waren, denen man unmoralisches Verhalten unterstellen könnte. Was aber noch beängstigender ist, ist die Tatsache, dass der Täter irgendwo unter ihnen leben muss…
Bei diesem Buch war ich wieder einmal sehr froh, dass ich gewöhnlich keine Bücher abbreche, denn bis etwa Seite 60 habe ich mich ziemlich gelangweilt. Das lag wohl an der Erwartungshaltung, denn ab diesem Zeitpunkt erst startet der eigentliche Krimi. Ohnehin ist dieses Buch mehr ein Gesellschaftsroman, sehr deutlich werden zum einen die Klassenunterschiede herausgearbeitet und zum anderen die mindestens so großen Unterschiede in der gesellschaftlichen Bewertung von Frauen und Männern. Das Buch ist aus Sicht von Charlotte und ihren Schwestern geschrieben, was bedeutet, dass ich viel über Kleider, nachmittägliche Teestunden, Schwärmereien und gesellschaftliche Umgangsformen las, aber bis zum Ende nicht erfahren konnte, was die Männer des Hauses eigentlich den ganzen Tag treiben. Dies war aber kein Versäumnis der Autorin, sondern sollte klarstellen, dass dieser Punkt die Frauen nicht zu interessieren hat. Passend dazu durften die Damen des Hauses auch nicht die Tageszeitung lesen, sondern bekamen ausgesuchte Artikel vom Herrn des Hauses serviert.
Kein Wunder also, dass niemand, der in einem so heilen Kokon lebt, sich vorstellen kann, dass etwas Böses im eigenen Umfeld existieren könnte. Der Täter muss ein krankes, gestörtes Wesen aus der Unterwelt sein, das ist doch klar! Inspector Pitt, der die Ellisons im Rahmen seiner Ermittlungen mit Fragen „belästigt“, erfährt gewaltige Ablehnung, als er diesem Kokon immer mehr Risse verpasst. Ich fand die Wortgefechte zwischen ihm und der recht undamenhaften Charlotte höchst erfrischend und fühlte mich von dem Buch nach diesen ersten 60 Seiten, in denen sich alles nur (s.o.) um Kleider, Teestunden usw. dreht, sehr gut unterhalten.
Packend war auch die Schilderung des sich stetig steigernden Klimas aus Angst und gegenseitigem Misstrauen. Ab einem gewissen Punkt wurde praktisch jeder Mann verdächtigt, eine Atmosphäre, unter der natürlich alle enorm litten. Die Auflösung deutete sich früh an, war aber schlüssig. Und tatsächlich erfreute ich mich hier auch der zarten Beziehung, die zwischen Charlotte und Pitt entsteht, einfach auch deshalb, weil sie gesellschaftlich aufgrund des Standesunterschiedes ein No-Go ist.
Fazit: Mehr Gesellschaftsroman als Krimi, aber wirklich gut gemacht. Die Reihe verfolge ich weiter.
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