Der Klassiker der Weltliteratur – Lampedusas Leopard neu übersetzt und kongenial vertont Genau sechzig Jahre nach seinem ersten Erscheinen in Deutschland hat Der Leopard nichts von seiner Aktualität verloren und zieht das Publikum bis heute in seinen Bann. Nun erscheint der Klassiker der modernen italienischen Literatur in einer bestechenden Neuübersetzung. Mit melancholischer Ironie schildert Guiseppe Tomasi di Lampedusa, inspiriert von der eigenen Familiengeschichte, den Niedergang des sizilianischen Adelsgeschlechts um Don Fabrizio, Fürst Salina. Die alte Ordnung ist in Gefahr: Tancredi, der Neffe und Ziehsohn des Fürsten, heiratet die bürgerliche, aber verführerische Angelica – das Ende der Feudalherrschaft kündigt sich an.
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Tanz zwischen Glanz und Verfall
Benedikt am 12.09.2025
Bewertungsnummer: 2593712
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Der Leopard von Lampedusa ist ein literarisches Juwel, das die Leser in eine vergangene Welt entführt und sie dort zwischen Pracht und Untergang wandeln lässt. Die Sprache schimmert wie Goldstaub – reich an Bildern, präzise und zugleich voller feiner Ironie. Gerade dieser feine, fast spielerische Witz macht den Roman so besonders, denn er durchzieht die melancholische Grundstimmung wie ein zarter Lichtstrahl, der die Schwere des drohenden Verfalls durchbricht. Lampedusa gelingt es meisterhaft, die Vergänglichkeit einer ganzen Epoche spürbar zu machen, ohne je ins Sentimentale zu verfallen. Die Figuren sind lebendig gezeichnet, der Fürst selbst wird zum Sinnbild des Abschieds von einer Welt, die sich unwiderruflich verändert. Wer sich auf dieses Buch einlässt, wird nicht nur eine Geschichte lesen, sondern eine poetische Meditation über Zeit, Macht und das bittersüße Ende einer Ära erleben. Ein Roman, der lange nachklingt.
ein Klassiker
Bewertung aus Thun im Kanton Bern am 02.09.2022
Bewertungsnummer: 1779039
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Der Übergang von einem verzettelten Königreich mit Königen und Fürsten und verschiedenen Regionen hin zur einheitlichen Nation Italien war eine schwierige, konfliktreiche Zeit, in der es viele Spannungen, kriegerische Auseinandersetzungen, politische Fehden und internationale Einflüsse gab. Diese turbulente Zeit wird aus der Sicht des „Leoparden“ beschrieben, eines Fürsten in Sizilien, der Söhne, Neffen. Töchter und Cousinen hat und versuchen muss, seine grosse Familie und seine Güter, sein Personal, seine Paläste und Häuser über die schwierigen Zeiten hindurch in wieder ruhigere Gewässer zu führen.
Der Roman ist ein schöner Wurf, gut geschrieben, linear, geradlinig, zugänglich; aber mit tiefsinnigen, sehr feinfühligen Sätzen und mit Beschreibungen, die sowohl den Geist der Zeit, die damalige Denkweise der Personen, sowie den psychologischen Witz der einzelnen Individuen präzis treffen. Der Roman bietet einen schönen Spiegel der damaligen Zeit und liest sich mit grösstem Vergnügen in einem Wurf.
Meinung aus der Buchhandlung
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"Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss alles sich ändern"
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
"Der Leopard“ ist ein grandioses Werk der italienischen Literatur, das die Dekadenz und den Wandel einer aristokratischen Familie im Sizilien des 19. Jahrhunderts schildert. Es ist ein heroischer bedeutungsschwerer Augenblick: Don Fabrizio Salina führt Angelica, die strahlende Verlobte seines Neffen Tancredi, in die palermitanische Gesellschaft ein. Doch in den prachtvollen Sälen des Palazzo Ponteleone wird das Familienoberhaupt plötzlich von Schwermut ergriffen. Ein dunkler Schatten hat sich seiner bemächtigt, lässt ihn nicht mehr los. Das alte, zeitlose Sizilien? Verloren! Die glanzvolle Haushaltsführung? Nichts als Theater! Seit der nationalen Einigung 1861 versinkt die Welt, der er sich zugehörig fühlte, und der Fürst spürt Todesnähe. Doch als ihn seine zukünftige Nichte zum Walzer auffordert und er mit ihr das Parkett betritt, fallen mit jeder Drehung Jahrzehnte von seinen Schultern. Don Fabrizio sticht noch einmal seinen Neffen aus, umfasst mit seinen "Pranken" die Taille Angelicas und bewegt seinen mächtigen Körper, ganz wie der stolze Leopard auf seinem Wappen, mit kraftvoller Eleganz. Die Gäste weichen bewundernd zur Seite. Es ist dieser weit ausgreifende Walzertakt, den auch die Neuübersetzung von Burkhart Kroeber in sich trägt. Zum ersten Mal entfaltet Tomasi di Lampedusas Roman "Der Leopard" über den Epochenbruch nach Garibaldis Eroberung der Insel den Schwung des Originals und die vibrierende untergründige Ironie. Das liegt an der Präzision auf lexikalischer Ebene, dem Sensorium für Soziolekte und vor allem an der Sorgfalt im Satzbau. Kroeber setzt Akzente, variiert die Verbstellung, arbeitet mit Inversionen, retardiert oder rafft, wodurch das Gefüge einen eigenen Rhythmus gewinnt. Denn die großartigen Tableaus Tomasis, die auf acht Kapitel verteilt sind und die Zeit zwischen 1860 und 1910 umfassen, werden mit dem erzählerischen Gestus des 19. Jahrhunderts entworfen. Zugleich durchlöchern innere Monologe immer wieder die Allwissenheit des Erzählers. Manchmal sind es Nuancen. Der näselnde Tancredi, der sich Garibaldi anschließen will, besäße eben einen jugendlichen Elan, heißt es, "überrascht zu sein war jedoch wohl erlaubt" endet der Satz, und urplötzlich landen wir im Kopf Don Fabrizios. Kroeber arbeitet das Formvollendete an Tomasis Schreibweise heraus: "Um vier Uhr nachmittags ließ der Fürst Chevalley ausrichten, er erwarte ihn nun im Arbeitszimmer. Es war dies ein vergleichsweise kleiner Raum ..." Ungleich hölzerner die Version von Giò Waeckerlin Induni, die 2004 erschienen war: "Um vier Uhr nachmittags ließ der Fürst Chevalley bestellen, dass er ihn im Arbeitszimmer erwarte. Es war ein kleiner Raum ..."Bei der Unterredung wird Don Fabrizio dem piemontesischen Abgesandten Chevalley, der ihm ein Amt anträgt und den Fürsten für den Wandel Italiens gewinnen will, eine Absage erteilen. Sizilien sei nicht zu retten, stellt er fest und empfiehlt ausgerechnet Angelicas Vater für den neuen Senat. Dieser Mann, ein Emporkömmling und Prototyp eines Mafioso, soll das Vakuum füllen, das seine eigene, passive Gesellschaftsklasse hinterlassen hat. Obwohl "Der Leopard" mit Tancredis sprichwörtlichem Ausruf "Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss alles sich ändern" beginnt, erzählt Tomasi di Lampedusa vor allem vom Wandel. Der Opportunist Tancredi heiratet die schwerreiche Angelica mit ihrer appetitlichen Sahnehaut und sichert sich dadurch seine Position. Don Fabrizios eigene Tochter Concetta, die sehr viel standesgemäßer gewesen wäre, endet als alte Jungfer und Reliquiensammlerin. Liebesgeschichte, ätzendes Gesellschaftsporträt, eine politische Analyse mit Anklängen an Machiavelli - Tomasi di Lampedusa, der seinen Roman kurz vor seinem Tod 1957 beendete und die Veröffentlichung im Jahr darauf nicht mehr erlebte, hat viel zu bieten. Besonders schön sind bei Kroeber die Wechsel zwischen wohlerzogenem Geplauder, den frivolen Bemerkungen Tancredis, den salbungsvollen Formeln des Paters und dem politischen Pathos der Einheit. Wie Walter Benjamin in seinem Aufsatz "Die Aufgabe des Übersetzers" feststellte, altert die Sprache einer Übersetzung anders und schneller als die des Originals. Mit beeindruckender philologischer Genauigkeit bildet Burkhart Kroeber Tomasi di Lampedusas sinnliche Schilderungen und kraftvollen Bilder im Deutschen nach. Er legt dem Klassiker einen neuen Königsmantel aus Sprache um, ganz wie es einem Leoparden gebührt.
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Deutlich ironischer als die bekannte gleichnamige Verfilmung. Ein Buch der Weltliteratur, das man gelesen haben sollte und nicht vergisst!
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