Seine Familie glaubt an die Überlegenheit der weißen Rasse, und damit scheint für den jungen Jessup alles entschieden. Doch nach der Rückkehr seines Stiefvaters aus dem Knast und einem tragischen Unfall muss er endlich selbst Antworten finden auf die Fragen: Was glauben, wem folgen, wen lieben?
Alexi Zentner hat einen Anschlag von Neonazis auf sein Elternhaus in Literatur verwandelt. Gegen Hass und Gewalt setzt er die Kraft des Erzählens. Gegen Hetze und Fanatismus die Fähigkeit, sich einzufühlen, in einen jungen Mann auf der anderen Seite ... Eine Farbe zwischen Liebe und Hass ist ein augenöffnendes Familienporträt, ein packender Coming-of-Age-Roman, eine Geschichte über Loyalität, Zugehörigkeit und die Gefühle in den dunkelsten Ecken des heutigen Amerikas.
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Aufwühlend und packend - wird noch lange nachhallen
Madita Hofmann am 16.03.2020
Bewertungsnummer: 1304130
Bewertet: eBook (ePUB)
Jessup ist 17 Jahre alt, ist gut in der Schule, spielt gerne Football und hat eine tolle Freundin. Alles könnte so einfach sein - wenn sein älterer Bruder nicht im Gefängnis sitzen würde, weil er zwei schwarze Jungs getötet hat und sein Stiefvater wegen Beihilfe ebenfalls eine Strafe absitzen muss. Seine Familie gehört der "Heiligen Kirche des Weißen Amerikas" an, glaubt an das Christentum, an die Überlegenheit der weißen Rasse und an White Power. Sie sind Rassisten. Und das weiß die ganze Stadt. Nur Jessup steht irgendwie zwischen den Stühlen und weiß nicht so richtig, was er glauben soll. Einerseits liebt er seine Familie, er will sie nicht enttäuschen und denkt er nicht auch, dass sie mit ihren Ansichten Recht haben? Andererseits ist doch seine Freundin schwarz und er liebt er - wie kann sein Rassismus also richtig sein? Eine Zwickmühle, die ihn immer tiefer mit sich zieht...
„Du hast keine Wahl, weißt du? Du wirst geboren, wenn du geboren wirst, deine Eltern sind deine Eltern, und die Dinge geschehen, wie sie geschehen. Einiges davon ist gut, einiges nicht. Ich kann dir mein ganzes Leben erzählen, aber wenn du nicht dabei warst, wenn du nicht wie ich großgezogen wurdest, ergibt es keinen Sinn für dich."
S. 137
Der Schreibstil des Autors ist intensiv, aber auch etwas gewöhnungsbedürftig: die Sätze sind recht kurz und abgehackt, bestehen größtenteils aus Hauptsätzen und manchmal hat das Gefühl, als ob etwas fehlen würde. Hat man sich aber daran gewöhnt, ist es irgendwie passend zum Protagonisten. Die sehr langatmige und detaillierte Footballszene relativ am Anfang des Buches war mir zu ausführlich, da ich die Regeln des Spiels nicht kenne und daher auch keine Ahnung hatte, wovon der Autor da überhaupt schreibt. Das muss man einfach über sich ergehen lassen - es wird besser und es ist auch wichtig für den weiteren Verlauf des Buches ;)
Die Charaktere sind sehr komplex und vielschichtig, insbesondere natürlich Jessup. Er ist größtenteils ein sympathischer Charakter, der aber sehr zerrissen ist zwischen den Ansichten seiner Familie und der Indoktrination der White Supremacy-Kirche, sowie seiner eigenen Unsicherheit gegenüber diesen Themen. Er spürt die gesellschaftlichen Auswirkungen am eigenen Leib, denn jeder weiß von der Zugehörigkeit seiner Familie und den Gefängnisstrafen seines Bruders und seines Stiefvaters. Und jeder geht automatisch davon aus, dass auch Jessup so ist. Das ist natürlich frustrierend und oft genug weiß er nicht, was das Richtige ist. Er hat aber auch negative Seiten, denkt er sei kein Rassist, obwohl auch in seinen Aussagen und Gedanken manchmal Vorurteile und rassistische Gedankengänge mitschwingen, wirkt manchmal etwas abgebrüht (zum Beispiel beim Jagen), hinterfragt seinen besten Freund Wyatt überhaupt nicht und hat keinerlei Skrupel, einen tragischen Unfall zu vertuschen, um sich selbst zu schützen. Aber auch sein Stiefvater, der sehr eindeutige Tätowierungen hat und eng mit der Kirche verbunden ist, der im Gegenzug dazu aber gleichzeitig ein guter Familienvater und Ehemann ist, der sich gut um diejenigen kümmert, die er liebt. Dadurch erkennnt man sehr schnell, dass die Welt eben nicht schwarzweiß ist, sondern sehr, sehr viele Grauschattierungen hat.
„Es ist egal, wie sie sich nennen und ob sie so tun, als wären sie eine Kirche. Dass sie sagen, sie wären wahre Christen. Sie sind Rassisten. Und wenn du dich zu ihnen stellst, nein, wenn du dich nicht gegen sie stellst, bist du genauso schlimm. Es ist nicht kompliziert. Es ist einfach. Entweder bist du auf ihrer Seite, oder du bist gegen sie. Da gibt es keine Abstufungen, nichts dazwischen."
S. 350
Gerade am Anfang war ich sehr hin und her gerissen und wusste nicht, was ich von dem Buch halten sollte. Mal hätte ich es gerne an die Wand geworfen, weil ich es kaum ertragen konnte, einen Rassisten, einen Nazi, sympathisch zu finden, dann wieder fand ich es so unglaublich toll und fesselnd, dass ich es nicht aus der Hand legen wollte. Keine Frage: dieses Buch ist aufwühlend! Es ist unglaublich verwirrend, diese Geschichte zu lesen, weil es eben "aus der anderen Perspektive" erzählt wird - aus der Sicht des Weißen. Und so kommt es einem häufig so vor, als ob hier die Weißen die Opfer sind, die die leiden müssen und unfair behandelt werden (was ja durchaus auch vorkommen kann, das will ich nicht bestreiten, es ist nur eben ungewöhnlich). Alle Bücher zum Thema Rassismus und Diskriminierung, die ich bisher gelesen habe - und das waren einige - waren aus der gegenteiligen Sicht geschrieben. Da war es "einfach", weil klar war, wer der "Böse" war, auf wen man wütend sein musste. Hier ist es nicht ganz so offensichtlich. Denn das Buch zeigt die verschiedenen Seiten von Rassismus und dass Diskriminierung auch umgekehrt funktionieren kann. Hass ist keine Frage von Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Herkunft oder gesellschaftlicher Zugehörigkeit, Hass kann jeden treffen. Außerdem wird auch deutlich, wie schwer es ist, gegen Vorurteile anzukommen - für jeden von uns. Und wie groß ein Dilemma sein kann, wenn man sich zwischen der Liebe und Loyalität zu seiner Familie und der Liebe zu seiner Freundin und der Vernunft entscheiden muss. Jessup ist in einer Welt und einer Familie aufgewachsen, die ihn auf eine bestimmte Weise erzogen hat, er kennt es nicht anders und dennoch versucht er, anders zu sein, er versucht - zumindest teilweise - aus dieser Denkweise auszubrechen.
Keine leichte Kost, nicht einfach zu lesen, aber ein Buch, das einen noch lange beschäftigen wird. Gerade in der heutigen Zeit, in der das Thema Rassismus und Diskriminierung durch die Afd leider immer mehr Bedeutung bekommt und es scheinbar beinahe wieder salonfähig wird, Nazi zu sein, ist dieses Buch wichtiger denn je, denn es behandelt nicht nur diese Themen ohne erhobenen Zeigefinger und zeigt die vielen Verstrickungen dieser Gemeinschaft, sondern ist auch eine Gesellschaftskritik der heutigen Zeit.
Fazit
Ein packender Roman über Rassismus, Diskriminierung, Familie, Loyalität, Religiosität, Schuld, Identität, das Erwachsenwerden und Vorurteile. Trotz ein paar langatmiger Szenen ist das Buch insgesamt fesselnd und spannend, besteht aus vielschichtigen Charakteren und wird noch lange nachhallen.
In seinem Buch „Eine Farbe zwischen Liebe und Hass“ hat der kanadische Autor Alexi Zentner Rassismus und Fanatismus aus einem ungewohnten Blickwinkel niedergeschrieben, wodurch neue Einblicke auf eine erschreckende Seite des gesellschaftlichen Lebens in der heutigen Zeit entstehen.
Der 17-jährige Jessup lebt in einfachen Verhältnissen. Seine Familie ist von der Überlegenheit der weißen Rasse überzeugt. Sein Stiefbruder hat zwei schwarze Studenten tot geprügelt und sein Stiefvater hat dabei zugesehen ohne einzugreifen. Obwohl Jessup kein Rassist ist, er sogar eine schwarze Freundin hat und er versucht sich zu distanzieren, wird er für das, was passiert ist, angefeindet.
Alexi Zentner erzählt die Ereignisse aus der Perspektive von Jessup. Die Ereignisse sind erschreckend und obwohl Jessup kein Rassist ist, begegnet er durch die Einstellung seiner Familie und auch allein durch seine Hautfarbe Vorurteilen. Es wird sehr deutlich, dass sich kaum jemand von Vorurteilen frei machen kann und dass diese immer unterschwellig im Raum stehen, egal ob es dabei um die Hautfarbe oder die Zugehörigkeit des Glaubens geht.
Das Buch ist nicht in Kapitel gegliedert, sondern besteht aus vielen kurzen Abschnitten, wodurch ich es schwierig fand eine passende Stelle zum Absetzen zu finden, da es fesselnd geschrieben ist. Gleichzeitig erfordern die Ereignisse und der intensive Schreibstil schon ein wenig Zeit, in denen man sie auf sich wirken lässt.
Die aktuelle Thematik, die drastische Darstellung, was Rassismus, Fanatismus und Vorurteile bewirken, wie schwierig es ist sich diesem zu entziehen, werden von Alexi Zentner gekonnt vermittelt.
Fazit: Ein Buch, das nachdenklich macht, zeigt, dass es mehr als zwei Seiten gibt und zum Ausbrechen aus dem Schubladendenken und dem permanenten Hinterfragen auffordert.
Meinung aus der Buchhandlung
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,,Die Leute reden. Nicht erst jetzt. Sein ganzes Leben schon."
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Seine Familie glaubt an die Überlegenheit der weißen Rasse, und damit scheint für den jungen Jessup alles entschieden. Doch nach der Rückkehr seines Stiefvaters aus dem Gefängnis und einem tragischen Unfall muss er endlich selbst Antworten finden auf die Fragen:
Was glauben, wem folgen, wen lieben?
Der Anfang ist etwas zäh, da es ausschließlich nur um Football geht, aber nach diesen Kapiteln nimmt die Geschichte an Fahrt auf.
Ein Buch, dass zeigt wie vielfältig Rassismus sein kann und welche Folgen daraus resultieren können.
Dem Leser wird die Möglichkeit gegeben dieses schwierige Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.
Es handelt sich um einen packenden Roman mit vielsichtigen Charakteren, die einen zum Nachdenken anregen.
Rassismus ist immer noch ein aktuelles Thema das in diesem Buch realistisch und vielsichtig aufbereitet wird.
Genau aus diesem Grund würde sich der Roman als Schullektüre eignen. Es bietet eine gute Auseinandersetzung und zeigt nicht nur eine Seite des Rassismus auf.
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"Eine Cola-Dose. Ein Reh. Aber es ist, und wird es bleiben, der tote Körper eines Menschen."
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Es ist der wohl größte Tag von Jessup: Zum ersten Mal seit 40 Jahren hat es das Football-Team seiner Highschool in die Playoffs geschafft. Seine Mannschaft gewinnt das Spiel, maßgeblich durch einen harten, aber regelkonformen Einsatz Jessups gegen einen Top-Spieler ihrer Gegner. Auf der später stattfindenden Party wird Jessup verbal von diesem Spieler attackiert, bedroht und leicht geschlagen und des Rassismus bezichtigt. Er wehrt sich nicht, aber als er die Fete verlässt, um sich mit seiner Freundin zu treffen, lauert ihm sein stark betrunkener Kontrahent auf, es kommt zu einem Gerangel, danach will Jessup fahren. Es herrscht Schneeglätte, er kommt mit seinem Truck ins rutschen, kollidiert mit dem anderen jungen Mann, der jetzt tot im Schnee liegt. Jessup schleppt ihn in Panik zu dessen Wagen, setzt ihn hinein, und lässt ihn ihn den naheliegenden Abgrund rollen...
Ambtioniertes Ziel von Zentners Roman ist es, den Rassismus, der zweifellos in den USA präsenter ist, denn je, anzuzprangern, und zu zeigen, dass es auch anders gehen könnte. Keine Frage, dass ginge sicherlich. Aber kaum mit solch einer hanebüchenen Story! Natürlich gibt es sicherlich auch Menschen wie Jessup unter dem sog. "White Trash", Menschen, die trotz all ihrer Lebensumstände wahre Christen sind, auch wenn ihre Kirche den schönen Namen "Heilige Kirche des weißen Amerika" trägt. Natürlich könnte es sein, dass ein 17-jähriger, der auf einer Party mehr als angemacht wird, sich nicht wehrt, sondern stattdessen auch noch die andere Wange hinhält. Der sich rührend um seine kleine Schwester kümmert, während sein liebender Stiefvater, der mit den traumhaften Tattoos ("88", "White Pride", "One white Nation" , nicht zu vergessen das ein oder andere Hakenkreuz etc etc) im Gefängnis sitzt. Weil er Jessups Bruder versucht hat beizustehen. Wobei? Bei dem missglückten Versuch, einen doppelten Totschlag zu vertuschen. Zu dem der Bruder nichts konnte, waren die Getöteten doch schwarz, und mochten seine Tattoos, die denen des Stiefvaters zum verwechseln ähnlich sind, unverständlicherweise nicht. Und pöbelten deshalb - man wird sich doch noch wehren dürfen?
So geht das die ganze Zeit - selbst als einige Mitglieder der o.g. "Kirche" Jessup bei der Vertuschung des Unfalls helfen wollen, und fast einen Rassenkrieg anzetteln, bleibt seine Familie einfach ein Hort der Menschlichkeit, der Güte und des Friedens. Bleibt das schlechte Gewissen, aber auch dafür findet sich eine Lösung....
Sie merken schon, dieses Buch hat mich wie lange keines genervt. Nazis mit Gewissen und gleichzeitiger Distanzlosigkeit zu allem rechten Gedankengut a la "Das wird man doch noch denken dürfen" und relativierendem Geschreibsel a la "Es gibt auch genügend schwarze Rassisten" sind unerträglich. Ich unterstelle mal, dass selbst ein Joseph Goebbels seine Kinder liebte, was ihn aber bekannterweise nicht zu einem besseren Menschen machte....
Herr Zentner hat es sicherlich gut gemeint - gut getan hat er es nicht!
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