'Zaia Alexander erzählt ebenso mitreißend wie reflektiert von der Begegnung mit Menschen, deren Worte so ins Zentrum der eigenen Existenz treffen, als hätte man ein Leben lang darauf gewartet.' Denis Scheck Kojoten ziehen hungrig durch die Wohnviertel, in den Nachrichten warnen sie vor Schießereien und blinder Verkehrswut. Mit der Hitze kommt eine unheimliche Stille. Erdbebenwetter. Das Leben in L.A. gleicht in diesem Roman nicht dem Hollywood, das uns die großen Studios in ihren Filmen vorgaukeln. Und auch Lous Alltag ist nicht aus dem Stoff der Traumfabrik. Ihr Leben scheint in einer Endlosschleife hängengeblieben zu sein, als sie bei einer Filmpremiere einen alten Freund wiedertrifft, der mittlerweile ein erfolgreicher Regisseur ist. Er nimmt sie mit zu einem Kurs in einem Tanzstudio in Santa Monica und führt sie in die Welt der Hexer ein. Damit gewinnt ihr Leben eine elektrisierende Intensität. Das allzu Bekannte wird außergewöhnlich, der Alltag rückt in ein neues Licht. Lou erkennt, dass es Ausfahrten und Schlupflöcher im vermeintlich festgelegten Koordinatensystem des Lebens gibt. Ein poetischer, kraftvoller, kosmopolitischer Roman, der Grenzen überschreitet, Hierarchien zwischen Tier und Mensch und Kindern und Eltern ins Wanken bringt und L.A. als jenes flirrende Geheimnis in der Wüste zeigt, das die Stadt bis heute ist. 'Als ich am nächsten Morgen durch den windigen Canyon fuhr, stand vor mir auf der Straße ein Kojote. Ich hatte den starken Impuls, Gas zu geben. Kurz vor ihm bremste ich ab und brachte das Auto zum Stehen. Wir starrten uns durch die Windschutzscheibe an. Reglos und lange, wie es schien. Dann machte er kehrt und rannte ins verdorrte Gebüsch.'
Kundinnen und Kunden meinen
3.4/5.0
Bewertung
5/5
04.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Auf der Rückseite des Buches…
Auf der Rückseite des Buches wird der Literaturkenner Denis Scheck zitiert: „Endlich: ein moderner Hexenroman“. Nein, das ist nicht meine Literatur! Dachte ich. Und habe den Roman dann trotzdem gelesen. Und ich habe es nicht bereut. „Erdbebenwetter“ wurde – nachdem ich mich in den Sog des Romans hineinziehen lassen hatte – zu einem der für mich anregendsten und interessantesten in letzter Zeit gelesenen Bücher. Kurz zum Inhalt. Die Handlung des Buches spielt in Los Angeles, wo Z. Alexander geboren wurde und lange Zeit lebte. Wer jetzt die Glitzerwelt von L.A. erwartet, wird eine ganz andere Stadt erleben. Die Hauptheldin des Buches, ihren Namen Lou erfahren wir erst viel später, ist eine Frau, die nicht gerade mitten im Leben steht. So richtig will ihr nichts gelingen, von dem, was sie anfängt. Bis sie auf eine Gruppe von Hexern unter Leitung des „Mentors“ stößt. Und das wird ihr Leben in einem langen Prozess verändern. Und wieder wird der Leser seine Erwartungen nicht erfüllt bekommen! Nein, es ist keine Hexerei, die sie in ein neues Leben führt. Das Buch steht in der Tradition des magischen Realismus, der mittels Volksmythen Grenzen zwischen Realität und Phantasie verwischt. Von Autoren des Gegenpols zum magischen Realismus dem „sozialen Realismus“ wird Ersterem oft vorgeworfen, von der gesellschaftlichen Realität abzulenken, zumindest sie nicht genügend zu beachten. Wer nun „Erdbebenwetter“ liest, wird eine ganz andere Erfahrung machen. In diesem Roman gelingt es der Autorin mittels phantastischer, mystischer Elemente die heutige gesellschaftliche Realität mit all ihren Problemen so scheinbar nebenbei zu erzählen, so sich logisch einordnend in den phantastischen Strang der Erzählung, dass man schon sehr aufmerksam und zwischen den Zeilen lesen muss, um alles zu erfassen. Wie es so schön auch auf der Rückseite des Buchumschlags heißt: „Das Magische des Lebens liegt nicht im Verborgenen. Man muss dafür die Blickrichtung ändern“. Wie ein roter Faden zieht sich die Umweltproblematik kombiniert mit sozialen Fragen durch das gesamte Buch. Schon im Titel „Erdbebenwetter“, das in L.A. klimabedingt immer zeitiger ausbricht, weist Zaia Alexander auf die nahenden Katastrophen hin. Wie wir es in Deutschland nur ansatzweise kennen, werden die armen Schichten der Bevölkerung immer mehr in die Randgebiete von L.A. abgedrängt, sie leben „auf der falschen Seite der Gleise“. Und die Stadt selbst wird immer mehr zur Betonwüste. Sehr anregend auch ihre Sicht auf die Migration. Noch nie hatte ich vorher über die ausländischen Mitbürgern oft gestellte Frage „Hast du vor zu bleiben?“ nachgedacht. Hochinteressant das Spiel der Autorin mit Identitäten, vor allem an der Beziehung Lous zur Tochter Lola demonstriert. Wer ist eigentlich Mutter und wer Tochter. Kann man Identitäten festschreiben? „Es ist ein Skandal definiert zu werden“ – heißt es an einer Stelle. Einer der für mich schönsten Dialoge des Buches zwischen Mutter und Tochter Lola: „Ach, Ma, ich kann doch gar nicht weggehen. Wie denn? … Du bist doch noch ein kleines Mädchen. Wer soll denn dann auf dich aufpassen?“. „Wir sind beide Kinder. Gemeinsam“ (flüstert die Mutter). „Und Sophie (die Katze) ist unsere Mommy.“ Zaia Alexander bleibt nicht beim Beschreiben der kritischen Dinge stehen. Mit dem Mentor hat sie eine Figur geschaffen, der Lou immer wieder – obwohl er eine „mystische“ Figur ist – zu den realistischen Konsequenzen der Kritik hintreibt. Er gibt ihr den Tipp „die Dinge verfolgen, studieren und HANDELN“. „Scheiß auf die Hoffnung. Hoffnung ist für Bettler. Es gibt nur Entschlossenheit.“ Und dann erlebt man ein Panoptikum „verrückter“, skurriler und liebenswerter Menschen und „Hexen“: die „Katastrophenmutter“ Lous, die in ständiger Angst lebt, Lous Tochter Lola, die sich selbst als „84-jähriger Chinese“ bezeichnet, Claudine, die „harte Wespe“, die nicht ist, was sie zu sein scheint, … Und nicht zuletzt, auch Katzenliebhaber kommen auf ihre Kost. In den Kapiteln „Blau“ – der Seelenfarbe – geht es um Katzen. Aber nicht so, wie heute viel zu oft mittels Vermenschlichung der Katzen geschrieben wird. Auch hier spielt die Autorin mit Identitäten. Mensch und Tier werden auf eine Stufe gestellt. Die Autorin plädiert für das „unveräußerliche Recht von Tieren auf Selbstbestimmung und rigorose Ablehnung einer Hierarchie, in der der Mensch ganz oben steht.“ So überfährt Lou den Kojoten, der vielleicht ihre Katze getötet hat, NICHT, obwohl er ihr vor das Auto läuft. Unbedingt hervorzuheben ist auch die klare und poetische Sprache des Romans. Da war kein Übersetzer am Werk. Z. Alexander hat auf Deutsch geschrieben - für eine Nicht-Muttersprachlerin eine mehr als überzeugende Leistung. Zusammengefasst: ein Buch mit viel Substanz, das zum Denken anregt. Und es enthält zugleich noch viel Potential zum Weiterschreiben. Hoffentlich können wir uns bald in einen neuen Roman von Zaia Alexander vertiefen und Lesegenuss erleben.
Bewertung
5/5
31.08.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein surrealer, unerwarteter, berührender,...
Ein surrealer, unerwarteter, berührender, einfach magischer Roman, in dem Grenzen verschwimmen und der den Leser berauscht zurücklässt. Faszinierend!
Bewertung
3/5
16.02.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein verwirrender Hexenroman
Ein moderner Hexenroman. Die Magie ist jedoch eher alltäglich und nicht so fantastisch wie man es zuerst denken mag, sondern erscheint eher als ein durchgängiges, unterschwelliges Dasein.
Ausgangspunkt ist ein Seminar bei einem Mentor, welches das Leben der Protagonistin in eine andere Bahn leitet. Des Weiteren werden zahlreiche Grenzen zwischen Mensch, Tier und Familien verwischt. Zu einem Großteil des Romans war ich jedoch verwirrt von der Handlung, jedoch hat dies auch den gewissen Charme des Romans ausgemacht...
Bewertung
3/5
07.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wunderliches aus der Filmfabrik
Zaia Alexander erzählt vor Magie triefend und packend von Los Angeles, von der Filmindustrie, von einer zerfallenden Welt des Scheins und von einem heruntergekommenen Kätzchen, dass die Veranda einer Protagonistin heimsucht und sich langsam, fast vorbestimmt in deren Leben einschleicht. Verzaubert, verstrickt und voller Geheimnisse.
Barbara T.
aus Hagen i.Bremischen
3/5
28.12.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Blaue Geschichten? Es ist…
Blaue Geschichten? Es ist nicht leicht für mich über dieses Buch zu sprechen. Denn Zaia Alexander erzählt in ihrem Debütroman keine gewöhnliche Hexengeschichte. Das Buch ist vielmehr ein Sammelsurium von Erinnerungen an bestimmte Ereignisse aus dem Leben der Protagonistin Lou. Die Erinnerungen betreffen sowohl die Gegenwart wie auch die Vergangenheit und scheinen willkürlich miteinander verflochten zu sein. Die junge Frau, die vorher anders hieß, hat den Namen Lou von den Hexern verliehen bekommen, in deren Gemeinschaft sie seit kurzer Zeit lebt. Ab sofort bestimmen die Hexer über Lous Leben, verbieten ihr alle bisherigen Kontakte, sie bekommt eine neue Wohnung und eine neue Identität. Manches erinnert hier sehr stark an ein Leben in einer Sekte, wo man zu einigen Handlungen auf bestimmte Weise gezwungen wurde. Während des Lesens fragte ich mich oft, warum die junge Frau all das tut und worum es in diesem Roman eigentlich geht. Einige Antworten liefern die Kapitel, in denen Lou sich an ihre Vergangenheit erinnert. Sie hatte eine schwierige Kindheit, wurde von einer labilen Mutter erzogen, die sie ständig auf alle möglichen drohenden Katastrophen vorbereitet hat. Lou wollte Regisseurin werden, aber der berufliche Start ist ihr nicht gelungen. In die Hexer-Gemeinschaft hat sie ihr alter Schulfreund, jetzt ein erfolgreicher Regisseur, eingeführt Das Leben in Hexer-Gemeinschaft verändert vollkommen die bisher orientierungslose Lou, verwandelt sie in eine verantwortungsvolle Frau, die auch die Erziehung ihrer Adoptivtochter übernehmen muss. Sogar die von ihrer Tochter gerettete Katze Sophie und später ihre Kätzchen wurden von ihr versorgt. Über diese Ereignisse berichtet Lou in den Kapiteln mit der Überschrift „Blau“. Diese Kapitel sollen das Magische, Unlogische, Mysteriöse vermitteln, dafür steht hier die Farbe Blau. Aber auch die anderen Handlungen dieses Romans sind seltsam. Der Mentor der Hexer-Gemeinschaft erzählte den Mitgliedern oft diverse Geschichten. Lou spricht so darüber: Die Geschichten wurden meistens völlig absurd. Ihnen schien jeder Bezug zur Realität zu fehlen. (Seite 112) Dieses Gefühl hatte ich oft beim Lesen dieses Buches. Trotzdem fasziniert mich die Lebensgeschichte der Protagonistin Lou, einer außergewöhnlichen jungen Frau. Der Roman konnte ich jedoch nur sehr mühsam lesen, für mein Geschmack gibt es darin zu viel des Unlogischen und Absurden, dafür aber zu wenig von der mysteriösen Magie. Das Leben der Hexer hat mich irritiert, ich fand es nicht wirklich interessant. Dafür liebevoll und oft sehr poetisch schreibt Zaia Alexander über Los Angeles, die Stadt wo der Roman spielt und wo die Autorin aufgewachsen ist. FAZIT: keine leichte Lektüre, am besten für die Liebhaber des magischen Realismus zu empfehlen.
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5/5
19.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine ganz eigene Atmosphäre!
Dieses Buch lässt sich zwar flüssig aber nicht einfach zwischendurch lesen. Der Leser muss sich von starren Denk- und Lesemustern lösen können. Dann erwartet ihn ein surrealistisch anmutendes Erlebnis. Ich fühlte mich, als wäre ich in einem Traum gefangen, in dem Zeit und Grenzen verschoben sind.
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5/5
16.08.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die flimmernde Hitze von LA
Ein Buch, dessen Wirkung man sich nur schwer entziehen kann. Ab der ersten Seite baut sich eine derart einzigartige und surreale Atmosphäre auf, die das alltägliche Besonders macht und Grenzen zwischen Normalität und Fantasie einreißt. Ehe man sich versieht ist das Buch wie in einem Rausch durchgelesen und man sitzt davor und möchte mehr. Wahrhaft eindrucksvoll.
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4/5
30.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Erdbebenwetter“ ist ein außergewöhnlicher,...
„Erdbebenwetter“ ist ein außergewöhnlicher, überraschender und verblüffender Debütroman! Die Autorin schreibt nüchtern, auch mal witzig und tiefgründig. Sie glänzt mit Einfallsreichtum. Die Lektüre kann man nicht mal so nebenbei lesen, sondern man muss sich Zeit lassen.
Atmosphärisch geschrieben, aber so richtig gezündet hat es bei mir nicht. Wie eine Gruppe von Menschen ihre Beziehungen zueinander neu definieren, war zwar interessant, aber es gab kaum Handlung und viele Längen.
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