Ich hab mal wieder ein großartiges Buch gelesen! How to be an Antiracist von Ibram X. Kendi. Ja, es geht mal wieder um Rassismus und wenn ihr euch jetzt denkt ‚Ach komm, muss das sein?‘ dann kann ich nur sagen ‚JA! Und wenn ihr das nicht versteht, wirds Zeit, auch mal anzufangen, sich damit zu beschäftigen.‘ Genau wie Ibram X. Kendi würde ich auch gern in einer Rassismusfreien Welt leben. Aber der Wunsch, dass Rassismus aufhört und ‚colorblind‘ sein, lösen das Problem nicht, wie der Autor hier wundervoll aufarbeitet. Wir alle haben eine Verantwortung und müssen eine Entscheidung treffen. Rassist, oder Antirassist? “Wir wissen, wie man rassistisch ist. Wir wissen, wie man so tut, als ob man nichtrassistisch wäre. Jetzt müssen wir nur noch lernen, wie man antirassistisch wird.” Obwohl How to be an Antiracist viel theoretisches bietet und viele Themen behandelt, wird es nicht trocken. Das liegt besonders an Ibram X. Kendi. Er reflektiert sich selbst, beleuchtet seine Vergangenheit und ist schonungslos ehrlich. Sein Mut hat mich wirklich beeindruckt. In den letzten Jahren hat er viel dazu gelernt und spricht heute offen über früherer Fehler und seinen ‚Schwarzen Richter‘. Bisher habe ich mich tatsächlich mehr mit deutschen Autor*innen und dem Rassismus in Deutschland beschäftigt. Hier bekommen wir jetzt mal einen Einblick in Amerika und puh. An sich ist das alles nichts neues, aber so noch mal so geballt zu lesen, ist wirklich schlimm. Trotzdem bin ich froh, es getan zu haben. “Wir waren unbewaffnet, aber wir wussten, dass unser Schwarzsein auch ohne Waffen als bewaffnet galt. Ihr Weißsein entwaffnete die Polizisten - sie machte aus ihnen furchtsame, potentielle Opfer -, selbst wenn sie sich nur einer Gruppe harmloser und ängstlicher Teenager näherten.” Nach einer allgemeinen Einführung widmet Ibram X Kendi dann verschiedenen Ebenen des Rassismus. Immer im Hinterkopf dabei der intersektionelle Gedanke. Er spricht von biologischen, raumspezifischen, verhaltensspezifischen, klassenspezifischen, ethischen und körperspezifischen Rassist*innen. Auch kultureller, antiqueerer und gender Rassismus werden behandelt. Viele Themen, viele Probleme. Aber alle verständlich dargestellt, immer mit einer persönlichen Note, die dieses Buch so einzigartig macht. Über How to be an Antiracist gibt es unheimlich viel zu sagen, aber diesem Buch würden meine Worte niemals gerecht werden. Es ist bisher definitiv eins der besten Bücher, die ich zum Thema gelesen habe. Ich kann es euch nur empfehlen und bin sehr dankbar, für die wertvollen Denkanstöße.
Bewertung
aus Bayreuth
5/5
10.02.2021
eBook (ePUB)
Wichtig und lehrreich
Der Autor verknüpft die verschiedenen Aspekte des Rassismus mit seiner persönlichen Geschichte und erzählt, wie er rassistische Ideen erst im Lauf seines Lebens enttarnen konnte. Auch wenn es natürlich viel um US-amerikanische Geschichte geht, schließlich ist er dort Professor, können auch Deutsche viel über Rassismus lernen. Die amerikanische Sicht verstellt nicht den Blick auf die universellen Wahrheiten, die der Autor präzise erklärt.
In einem Kapitel wird meist eine Alltagserfahrung geschildert, die etwas mit Rassismus zu tun hat. Dann geht der Autor auf historische und gesellschaftliche Hintergründe ein bevor er die Alltagserfahrung weitererzählt um eine Lehre daraus zu ziehen. Das macht das Buch sehr anschaulich.
Auch die Benachteiligung von anderen Gruppen, Frauen, Homosexuelle, wird angesprochen und die Parallelen und Überschneidungen zum Rassismus werden sehr gut veranschaulicht.
Es war für mich das erste Sachbuch, dass ich bis zum Schluss spannend fand und die letzten Kapitel verschlungen habe, weil ich unbedingt den Lösungsansatz des Autors erfahren wollte. Ich bin nicht enttäuscht worden und bleibe tief beeindruckt von seinem tiefen Verständnis dieser komplexen Materie.
It's not enough to just deem oneself no racist, it's the
action, self-reflecting, changing habits, thoughts, ideologies, and activsm that matters.
A book everybody needs to read!
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