Die infantile Gesellschaft – Wege aus der selbstverschuldeten Unreife
Eine messerscharfe Politik- und Gesellschaftsanalyse | Für mehr Mündigkeit und weniger Gefühligkeit | Ampelkoalition | Wahlen
Herrschaft der Kindsköpfe – über das Unbehagen in Kultur und Politik
Gefühl ist Trumpf, Argumente stören, und Diskretion war gestern. Wir haben uns in eine Gesellschaft der Kindsköpfe verwandelt, das infantile Prinzip herrscht: Zu diesem Ergebnis kommt der bekannte Publizist Alexander Kissler in seinem neuen Buch. Erwachsene verhalten sich lustvoll wie Kinder, sind es aber längst nicht mehr. Sie reden auf Teletubbies-Niveau, schicken Emojis in die Datenumlaufbahn oder schwärmen hemmungslos für Greta & Co. Sie spielen Meerjungfrau, Teddybär und Peter Pan und finden nichts dabei. Zugleich behandeln Politiker ihre Wähler, als handelte es sich um kleine Kinder. Berlin gibt den Takt vor, die kindische Metropole, in der sich alle duzen und kaum etwas klappt. Selbst die Kirchen treiben die Verkindlichung munter voran.
Alexander Kissler nimmt die Politik ebenso wie den Kulturbetrieb und die Wirtschaft aufs Korn. Er folgt den mal albernen, mal tragikomischen Verrenkungen unreifer Erwachsener und zeigt die Folgekosten einer infantilen Gesellschaft: Wenn Vernunft nicht mehr zählt, werden wir alle von Unvernunft regiert. Kissler lädt dazu ein, das größte Abenteuer zu wagen, das das Leben für uns bereithält: erwachsen zu werden. Sein Buch ist ein bissiger und pointierter Aufruf zu mehr Mündigkeit, mehr Eigenverantwortung und weniger Gefühligkeit. Willkommen im Erwachsenenzeitalter!
»Ein lesenswertes und aufregendes Buch« Jörg Thadeusz
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Bewertung am 08.10.2020
Bewertungsnummer: 1386936
Bewertet: Hörbuch-Download
"Die besenreine Gesellschaft" geht vom Ich als oberste Instanz aus. Politisch überkorrekt, und allein von sich ausgehend, taumeln viele Menschen über selbst erschaffene Spielwiesen. Wie Peter Pan, erkennen wir die Komplexität des Erwachsenenlebens nicht an, naiv grinsend und ewig um sich selbst kreisend. Peter Pan ist hier eine stetig wiederkehrende Figur, um zu veranschaulichen, nach welchen Vorbildern viele von uns funktionieren. Der Schreibstil ist bissig, jedoch nicht aggressiv. Mit scharfen Verstand und erfrischender Analyse, hält uns Alexander Kissler einen Spiegel vor, und sieht sich selbst dabei nicht außen vor. "Neverland" zu verlassen um das eigene Leben und somit vielleicht einen winzig kleinen Teil des Weltgeschehens zu beeinflussen, wird zur großen Herausforderung, weil wir erst unsere eigenen Grenzen erkennen- und die Zusammenhänge begreifen lernen müssen.
Mir gefallen die vielen Denkanstöße in diesem Buch, der Autor gibt eine gut strukturierte Vorlage zum Gehirn einschalten und ungute Muster durchbrechen. Die anfängliche Betrachtung was Kindheit ausmacht und welchem geschichtlichen Wandel diese Betrachtungsweise unterlegen ist, fand ich als Einstieg in die Thematik um die (selbstverschuldet) infantile Gesellschaft sehr wichtig. Auch das zu Wort kommen von Philosophen schafft einen ersten Überblick um noch besser in die Lektüre hineinzukommen.
Enzensberger hat 1994…
LichtundSchatten am 17.02.2024
Bewertungsnummer: 2839602
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Enzensberger hat 1994 formuliert: „In der Abenddämmerung der Sozialdemokratie hat dagegen Rousseau noch einmal gesiegt. Sie haben nicht die Produktionsmittel, sondern die Therapie verstaatlicht. Dass der Mensch von Natur aus gut sei, diese merkwürdige Idee hat in der Sozialarbeit ihr letztes Reservat. Pastorale Motive gehen dabei eine seltsame Mischung ein mit angejahrten Milieu- und Sozialisationstheorien und mit einer entkernten Version der Psychoanalyse. Solche Vormünder nehmen in ihrer grenzenlosen Gutmütigkeit den Verirrten jede Verantwortung für ihr Handeln ab.“ („Aussichten auf den Bürgerkrieg“, 1994, S. 37) Alexander Kissler beschreibt in diesem spannenden Buch zu Beginn die Erziehungskonzepte Rousseaus, einem Vordenker heutiger infantiler Verhaltensweisen in Politik, Wirtschaft und unserem Zusammenleben. Wumms, Doppelwumms, der Kanzler spricht heute eine Sprache, die sich an unmündige Kinder wendet. Nicht nur leichte Sprache, nein in Comic Blasen reden Politiker mit ihren Bürgern, die sich merkwürdig vorkommen müssen ob den lustigen Figuren, die sie unterhalten, vom Sandmännchen bis zum Kanzler und zur Tagesschau. „Die Leichte ist die auf ihren Nutzwert reduzierte Sprache.“, schreibt Alexander Kessler und fühlt mit Bürgern, die sich in einer „Alles ist easy Gesellschaft“ als Verirrte auch vorschreiben lassen sollen, was sie zu denken haben. Habeck schreibt in seinen Büchern von Mitbürgern, bei denen gewisse Sachverhalte auf „denkunmöglich“ zu stellen sind. „Natürlich diskutiert man in Berlin, wo sonst, unter der Überschrift „Sustainable Pee:radise über öffentlich Toiletten als transformative Kraft für sozio-ökologischen Wandel.“ In Berlin gelten Schmutz und Unzuverlässigkeit inzwischen als Kulturerbe, böse Zungen behaupten, das Wappentier sei nicht der Bär, sondern das Murmeltier. Denn der tägliche Schlendrian gehört dazu, wenig wird pünktlich fertig oder entspricht einem gelernten preußischen Verständnis. Die Clan- und Clubs- Stadt treibt ab, ein einziger Kindergarten des Irrsinns. 37% der Bevölkerung bestätigen, dass Duzen eine Firma unsympathischer macht. Trotzdem treibt diese Unsitte immer neue Blüten und kaltes Duzen könnte für 5% Minuswachstum verantwortlich sein, so der Rezensent hier. „Der geduzte Konsument ist der dressierte Kunde“, schreibt Alexander Kessler. Einer, dem man jede Verantwortung abnimmt, wenn er treu und brav den Vorgaben jener folgt, die es doch gut mit ihm meinen. Er fühlt sich heftig umarmt von Politik, Fernsehen und Unternehmen, die ihm doch nur das Beste wollen, aber die Luft zum freien Atmen nehmen. In Werbeanzeigen nimmt er inzwischen fremde Gesichter als eigene wahr, die ihm die Zukunft in bunten Farben malen. Ich habe mich mit diesem Buch köstlich amüsiert auf der einen Seite und war bitter gestimmt auf der anderen. Totalitäre Handlungsweisen stufen Bürger zu Kindern ab und reden auch so mit ihnen. Ich fühle, die Sozialdemokratie und grünes Weltmoralbessertum geht seinem glühenden Sonnenuntergang entgegen, es kennt vermutlich keinen Aufgang mehr. Alexander Kissler lässt den infantilen Menschen hinter uns und gibt den Weg vor: "Der reife Mensch richtet sich nicht ein in Untergängen, denn er traut sich und anderen etwas zu...er braucht weder einen Dolmetscher noch einen Lautsprecher für sein Herz." Der reife Mensch braucht kein Demokratiefördergesetz, er denkt und vergleicht selbst, er ist in der Lage mit praktischer Vernunft zu leben. Dem Politiker-Kabarett und einer kindgerechten Sprache kann er nichts mehr abgewinnen.
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