Romansatire voller funkelndem Sprachwitz und hintergründiger Komik. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Einladung. Jahrzehnte nach Studienbeginn bittet ein erfolgreicher Rechtsanwalt seine gealterten Kommilitonen samt Frauen ins noble Kurhotel von Juist zu einem gemeinsamen Wochenende mit Gala-Dinner. 54 Kapitel, nach Klassikern der Filmgeschichte betitelt, schildern die absurd-grotesken Aktivitäten der Ex-Studenten und deren charakterliche Absonderlichkeiten. In satirischer Überspitzung, mit pointiert-sprachlichem Witz und englisch-schwarzem Humor werden Egoismus und Boshaftigkeit des Freundeskreises entlarvt, aber auch eine anrührende Liebesbeziehung eines der beteiligten Pärchen eingeflochten mit überraschendem Schlussakkord. Zeit und Ort der Romanhandlung reichen von Mitte der wilden 70er Jahre bis in die Gegenwart, von Köln über Brüssel nach Ostfriesland auf die titelgebende Insel Juist. Die teils in Rückblenden geschilderte Handlung, ein geheimnisvoller schwarzer Koffer und die sichtbar werdenden Risse im Beziehungsgeflecht der Akademiker sorgen für ein spannungsreiches Wochenende, zusätzlich überschattet von einem schweren gesundheitlichen Zwischenfall. Die Frage, ob das weekend für alle Beteiligten eventuell ein unerfreuliches Ende im Sinn des englischen Wortes 'weak' nimmt, beantwortet der Roman in unorthodoxem Schreibstil, ganz eigenem Duktus und in einer kaum gekannten Mischung aus lakonischer Prosa und epischer Lyrik. Nicht immer streng wissenschaftlich gemeinte Fußnoten komplettieren den Satire-Spaß. Hinweis: Nonsense mit hohem Suchtfaktor! Besonders in Corona-Zeiten ein geistiges Remedium.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
Schenken Sie Ihren alten Schätzen ein zweites Leben und erhalten dafür eine Thalia Geschenkkarte.
Ein Buch muss man eigentlich zweimal lesen, bevor man was dazu sagen sollte. Wenn es sich denn lohnt. „Weekend auf Juist“ jedenfalls erschließt sich ohnehin erst auf den zweiten Blick, zu sehr ist man erstmal verwirrt von einer höchst skurrilen Mischung aus Poesie und Banalität, die der Autor Volker Andreas Thieme zu seinem ganz persönlichen Stilmittel erkoren hat und den Leser damit - noch dazu in 54 winzige Kapitelhäppchen zerhackt - konfrontiert. Ein zumindest ungewöhnlicher Rahmen für eine Sause von ehemaligen Kegelbrüdern, denen auf Betreiben eines offensichtlich egomanischen Leithirsches namens Remmler (ein Schelm, der Böses dabei denkt) nichts hirnrissigeres einfällt, als ausgerechnet ein Rentnerparadies wie Juist für einen elitären Excess à „La grande Bouffe“ auszusuchen. Da muss man schon ganz schön gestört sein.
Aber der Autor setzt dem noch eins drauf! Er isoliert die akademische Clique geradezu in einer gefängnisartigen Kurhotelanlage, vergleichbar mit Dürrenmatts nazistischer Psychoklinik (der Richter und sein Henker, ich erspare mir die Fußnote), um sie dort mit ihren vielfältigen Macken zu konfrontieren. Das hat dann schon auch was Klassenkämpferisches, denn die Abneigung des normal arbeitenden Genossen gegenüber solch abartig schmarotzenden Subjekten ist ja geradezu vorprogrammiert. Hierfür gebührt dem Autor unser uneingeschränktes Lob! So konsumieren sie also hektoliterweise Champagner oder, wo nicht erreichbar, Unmengen an Bier oder anderen ungesunden Flüssigkeiten und führen sich auf dieser einfachen und so ländlichen Insel auf wie Graf Koks.
Und dann gibt es wieder eine Parallele zum „Grande Bouffe“: Obwohl angeblich abstinent, kaum vernünftig ernährt und wohl auch ausgetrocknet, erleidet der Erzähler, unschwer dank eines idiotischen Namens-Algorithmus (Tietjen-Thieme - hallo?) als der Autor selbst erkennbar, einen Kollaps. Herzkasper, Klabaster, wie auch immer, am Strand, na wie dramatisch, und keiner da erstmal. Das ist schon ein dramaturgisch raffinierter Schnitt, hätte Shakespeare auch gemacht, auch mit Reimen, geschüttelt und gerührt. Jetzt wäre die Gelegenheit gewesen, dieser ganzen dekadenten Gesellschaft den Rücken zu kehren, wäre da nur nicht seine angebetete und -aus welchem Grund auch immer- mit ihm solidarische und offensichtlich auch hörige Lebensgefährtin Babette, die in den Fängen der verbrecherischen Inselkegelgemeinschaft verblieben war. Wie er dahin zurückkehrt, das muss man aber zugeben, ist echt spannend, das einzigemal wo man eine Assoziation zu Agatha Christie spürt, aber grandios!
Der Rest ist banal. Als man schon denkt, alles würde in Frieden und Eierkuchen auseinandergehen, beglückt nach Hause fahren und das Ganze mit einem beruhigenden Happyend den Leser in eine ruhige Nacht zu entlassen, knallt der Autor einen raus: Er lässt im letzten Moment seines eigentlich sogar spannend kumulierenden Romans ALLE Akteure ermorden! Oder umkommen, wie auch immer. Was hat er sich dabei gedacht? Welcher hirnrissige Autor begibt sich ohne Not der Möglichkeit, seinem Machwerk nicht wenigstens drei, vier oder achtzehn Fortsetzungen nachzuknallen? Und eben dies vertut dieser Idealist aus welchem Beweggrund auch immer. Sein finanzieller Verlust ist ihm wohl völlig egal.
Ich will nicht soweit gehen wie Reich-Ranicki, der gesagt haben soll: „ Diethes Buch itht den Baum nicht werrrt, der dafür gefällt werden muthte“. Nein gar nicht. Es ist unterhaltsam und für einen langweiligen Strandnachmittag genau die richtige Medizin. Und wenn Sie es da vergessen haben sollten oder wollten, wieder mitzunehmen - vielleicht findet es ein anderer und ist begeistert. Oder braucht gerade dringend Papier fürs Klo.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.