Joshua ist ein Krimineller mit Migrationshintergrund. Jedenfalls ist das der Stempel, der ihm aufgedrückt wird. Er selbst hat sich nichts davon ausgesucht. In Berlin geboren und aufgewachsen, versucht er seinen Namen Iosua ebenso wie seine rumänische Herkunft zu verdrängen. Aber sein Vater ist der brutale Kopf einer Diebesbande und Joshua steckt tief in einem Strudel von Unterdrückung und Gewalt. Als Taschendieb trifft er auf Isabelle. Wie ein Hoffnungsschein dringt sie in seine Welt voller Dunkelheit. Er erfährt zum ersten Mal Momente des Glücks und ein erbitterter Kampf für seine Freiheit beginnt. Ein sozialkritischer Gesellschaftsroman mit einer fesselnden und berührenden Geschichte, die den Leser in Berlins Schattenwelt entführt. Ausgezeichnet mit dem Innocent Award "Buch des Jahr 2021"
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Daniela Weigel
5/5
25.05.2021
eBook (ePUB)
Eine spannende, erschreckende Geschichte
Die Geschichte um Iosua ist mir komplett unter die Haut gegangen. Sie zeigt das man sich nicht aussuchen kann in welche Familie man hineingeboren wird, das man trotz aller Versuche manchmal keine Chance bekommt. Denn gehörst du so einer Familie an, trägst du den gleichen Namen, dann bist auch du schuldig.
Iosua ist ein Krimineller mit Migrationshintergrund, sein Vater der Kopf einer brutalen Diebesbande. Er möchte das alles nicht, doch er kann der Spirale der Gewalt nicht entkommen.
Als er Isabell trifft und sich die beiden verlieben wird sein Wunsch auszusteigen noch stärker. Ich habe richtig mit ihm gelitten, konnte seine innere Zerrissenheit spüren, und habe für ihn gehofft das er es schafft. Er offenbart vor ihr sein Herz, und man merkt bei lesen deutlich das er sich nichts mehr als ein „normales“ Leben wünscht. Doch dadurch macht er nicht nur sich sondern auch Isabell zur Zielscheibe der Bande.
Die Autorin lässt uns tief in die Machenschaften einer kriminellen Organisation schauen, durch den fesselnden Schreibstil fliegt man nur so durch die Seiten.
Mich hat die Geschichte sehr mitgenommen, denn sie zeigt was Vorurteile bewirken, und das man nicht immer nur nach dem offensichtlichen schauen darf. Oftmals stecken Dinge dahinter, die wir uns gar nicht vorstellen können.
Beim lesen merkt man die gute Recherche, dennoch sind mir 2 Dinge aufgefallen, die ich so nicht ganz glauben kann. Das tut dem Lesespaß aber keinen Abbruch.
Mit dieser Sozialkritischen Geschichte ist der Autorin ein beeindruckendes Debüt gelungen, das ich gerne weiter empfehle.
Von mir gibt es 5 und eine Leseempfehlung!
Bewertung
5/5
10.05.2022
Buch (Taschenbuch)
Ein bewegendes Leseerlebnis
osua ist ein gut recherchierter, sozialkritischer, dramatischer Roman, der auf Nebensächliches verzichtet und Wichtiges in Szene setzt. Die Geschichte ist rund und konsequent, Kreise dürfen sich schließen. Die Sprache ist flüssig, beinahe schnörkellos, dabei habe ich immer wieder bildhafte Perlen gefunden und Symboliken erkannt (ich denke, selbst der Name Iosua ist ganz und gar nicht zufällig gewählt). Annemarie Bruhns Anliegen, an den Rand der Gesellschaft gedrängte und in Not geratene Menschen, wie Iosua zu portraitieren, ihnen damit Persönlichkeit und Stimme zu geben, den Leser zum Abwägen, Nachdenken anzuregen, ist mir sehr sympathisch!
Bewertung
5/5
07.08.2021
Buch (Taschenbuch)
Ein wunderbares Plädoyer für die Universalität der Menschenwürde!
Dieses Buch handelt nicht von Menschen mit Migrationshintergrund, denen Unrecht getan wird, weil ihnen Vorurteile entgegengebracht werden, die nicht zutreffen.
Dieses Buch handelt von Iosua, dem Unrecht getan wird indem ihm Vorurteile entgegengebracht werden, die zutreffen und damit wagt die Autorin einen Schritt, den viele scheuen. Sie hat sich keinen Protagonisten gewählt, der durch seine Unbescholtenheit die Ehre einer Vielzahl von Menschen „retten“ soll, um damit zu sagen, nicht alle Menschen mit Migrationshintergrund seien „Verbrecher“ und deshalb seien ihnen ebenfalls Grundrechte und Menschenwürde zu eigen.
Nein. Die Aussage dieses wirklich großartigen Romans ist vielmehr: Es spielt keine Rolle, was du getan hast: Die Menschenwürde ist unantastbar und die Grundrechte, oder sowohl weiter als auch tiefer gefasst, die Menschenrechte stehen jedem Menschen zu, unabhängig davon, wie er sich verhält und was er tut. Sie sind tiefe Wahrheit. Werte, über die kein anderer verfügen darf. Und damit trifft Annemarie Bruhns das, was Menschenwürde und Menschenrechte tatsächlich ausmacht.
Und damit ist es der Autorin gelungen, einen verheerenden Fehler, den andere machen, nicht zu begehen und das macht dieses Buch zu einer unbedingten Leseempfehlung einerseits für jeden und insbesondere für Schüler, um in dieser Altersgruppe einer Fremdenfeindlichkeit entgegenzuwirken, die auf der Entmenschlichung Anderer beruht, indem sich nicht in diese hineinversetzt wird, andererseits, um das Bewusstsein für unser höchstes verfassungsrechtliches Gut wiederzubeleben, die Menschenwürde. Denn das, was solche Autoren, die die oben angesprochene Aussage treffen nämlich tun, ist, tatsächlich eine Aussage zu treffen, die vollkommen am Gedanken von Menschenwürde und Grundrechten vorbei geht und die zeigt, dass viele gar nicht verstanden haben, was das eigentlich ist und was es bedeutet. Eine Aussage im Sinne der Ideologie von totaler Sicherheit durch totale Überwachung, eine Ideologie, in der der Wert eines Menschen mehr und mehr von Bedingungen, wie dem Wohlverhalten abhängt. So lässt sie den Leser mit dem einerseits über die Maßen gut-tuenden Gefühl zurück, dass es sie noch gibt, die Autoren, die nicht im Trend seit 9.11 die Universalität der Menschenwürde und die Universalität der Menschenrechte ignorieren und negieren und damit selber zu den gefährlichsten Feinden dieser wichtigen Errungenschaften werden, andererseits führt sie dem Leser vor Augen, wie wenig noch übrig ist von diesen Werten im hochgelobten Westen.
Ein Buch, dass 20 Jahre nach 9.11 und im ersten Jahr von Corona nötiger ist denn je.
Annemarie Bruhns schreibt ohne Pathos, ohne Glanz und Glamour. Sie schreibt ganz dicht am Menschen und durchweg unter der Oberfläche. Sie beschreibt menschliche Begegnungen und menschliches Sein und es gelingt ihr, zu keinem Zeitpunkt kitschig, eine Liebesgeschichte zu erzählen, die ebenfalls zu keinem Zeitpunkt oberflächlich wird, sondern hervorhebt, was den Wert von Liebe für einander im Kern ausmacht. Dasselbe gilt für die Darstellung der Freundschaft in diesem Roman. Dieser Roman macht deutlich, dass die Welt tausendmal besser aussähe, wenn es diese Werte, diese Umgangsgrundlagen wären, die uns bestimmten, anstatt die Triebe, sich die eigenen Pfründe zu sichern, sich abzugrenzen und abzuschotten vor dem Elend derjenigen, die wir nicht kennen und nur unsere eigenen Interessen (staatlich oder persönlich, finanziell oder politisch) zu verfolgen.
Eine absolute Leseempfehlung! Vielen Dank, für dieses wunderbare Buch!
Kerstin Kartenwerkstatt Kreativ- und Buchblog
aus Damme
5/5
04.05.2021
Buch (Taschenbuch)
Eine spannende Geschichte, die zum Nachdenken anregt
Das Cover zeigt einen verschleierten Blick über eine Stadt. Es macht einen düsteren und verlorenen Eindruck. Im ersten Moment habe ich an einen Kriegsschauplatz gedacht, doch ist keine großartige Zerstörung auf den ersten Blick zu erkennen. In Verbindung mit dem Klappentext finde ich das Cover durchaus passend zur Geschichte.
Mit dem Klappentext bekam ich einen sehr guten Eindruck, auf was für eine Geschichte ich mich mit diesem Buch einlasse. Ich war gespannt auf das Doppelleben von Iosua, was sich in seiner Namensgebung zwischen Iosua im Rumänischen und Joshua im Deutschen sehr gut widerspiegelt. Und seinem Verhältnis zu Isabelle, die für ihn das Licht am Ende des Tunnels bedeutete.
Von der ersten Seite an hat Annemarie Bruhns mich mit ihrem Debütroman eingefangen. Schon nach wenigen Zeilen war ich von Iosua fasziniert und erschrocken zu gleich über das Schubladendenken, dass ihm entgegengebracht wurde. Ich habe das Buch in wenigen Tagen verschlungen und blieb am Ende traurig und ernüchtert zurück. Iosuas Leben ist sehr weit von meiner heilen Welt entfernt und doch war mir beim Lesen bewusst, dass diese Geschichte für einige Jugendliche mit Migrationshintergrund vermutlich viel zu oft Realität ist.
Mit den Sprüngen in die Vorgeschichte wird die Spannung kontinuierlich aufgebaut und ich als Leser erhalte einen viel besseren Überblick über das Geschehen. Dabei wird die Authentizität der Charaktere sehr gut unter beweis gestellt. Ich kann Joshuas Zwickmühle zwischen seiner Zeit mit Isabelle und seinem Vater förmlich spüren. Und hoffe dabei so sehr, dass er seinen Weg mit Bella, wie er sie liebevoll nennt, finden wird.
Das Ende der Geschichte hat mein Herz sehr berührt und regt zum Nachdenken an. Ich hatte Tränen in den Augen und blieb sprachlos in meinem Lesesessel zurück. Ein spannendes Buch, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ein Buch für alle, die die Augen vor der Realität nicht verschließen. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung. Und vielleicht für den ein oder anderen Deutschlehrer eine neue Lektüre in höheren Klassen. Ich finde die Geschichte bietet sehr viel Diskussionsspielraum.
Bewertung
aus Nürnberg
5/5
15.04.2021
Buch (Taschenbuch)
Ein bewegender New-Adult-Roman
Iosua, Anfang 20, geboren in Berlin, ist gefangen in seinem rumänischen Familien-Background. Weil er diesem entfliehen will, nennt er sich Joshua. Seine neue „Identität“ verschont ihn nicht von Vorurteilen und Schikane, in seinem „Kiez“ wird er regelmäßig von Polizisten kontrolliert.
Dann lernt er Bella kennen und lieben. Er hofft, seine Sehnsucht nach Geborgenheit stillen zu können – etwas, was er bislang nicht erfahren durfte. Das Streben nach einem normalen Leben mit ihr ist geprägt von inneren Konflikten und Zerrissenheit. Doch die Zeit ist nur geliehen, Joshua wird vom Schatten seiner Herkunft verfolgt und zu Straftaten gezwungen. Er versucht, dem Ganzen zu entfliehen. Er ist bereit, ins Gefängnis zu gehen, um sich die Freiheit zu „erkaufen“ und geht bis zum Äußersten …
Spannend erzählt, mit geschickt gesetzten Rückblenden – Annemarie Bruhnsʼ Autorinnen-Debüt habe ich in einem Schwung gelesen.
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