Texas 1981, Ronald Reagan ist Präsident, Jay Porter ein erfolgloser Anwalt mit einer Strip-Mall-Kanzlei. Entschlossen, den Geburtstag seiner schwangeren Frau Bernie unvergesslich zu machen, mietet er einen Kahn an und nimmt sie mit auf eine Mondscheinfahrt. Plötzlich hören sie Schreie, Schüsse, sehen wie ein Körper aufs Wasser trifft. Porter eilt zu Hilfe und rettet eine verängstigte Frau aus dem Bayou. In seiner Jugend war er ein Black-Power-Aktivist. Er ist nur knapp einer Inhaftierung anlässlich einer erfundenen Anklage wegen Verschwörung zum Mord entgangen. Er fährt die Frau zur nächsten Polizeistation und setzt sie vor der Tür ab. Als Jay erfährt, dass in jener Nacht ein Mann in der Nähe des Bayou getötet wurde, fühlt er sich gezwungen, tiefer zu graben und kommt in Kontakt mit den korrupten Praktiken der Ölindustrie. Houstons schwarze Hafenarbeiter drohen zu streiken, und Jays Schwiegervater, ein einflussreicher Geistlicher, bittet ihn, einen jungen Mann vor Gericht zu vertreten, der behauptet, von einem Hafenbeamten zusammengeschlagen worden zu sein.
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“Bluebird, Bluebird” war mein erstes Buch von Attica Locke. Aber jetzt hab ich mir auch den Erstling “Black Water Rising ” gegönnt und bin schon zum zweiten Mal angefasst und begeistert zugleich, was diese schwarze, amerikanische Autorin hier Buch für Buch abliefert.
Ich schätze den Polar-Verlag für die Auswahl seiner AutorINNen und wurde eigentlich noch nie enttäuscht.
Spannend an Lockes Helden ist, dass sie sowohl in in einer amerikanischen Kleinstadt als auch in einer Vergangenheit agieren, die in den 70er/80er Jahren verortet ist. Dementsprechend ist die People-of-Colour-Problematik noch um einiges schärfer als heutzutage. Ihre Hauptdarsteller, hier ist es ein Anwalt, aber auch mal ein Polizist, gehören zu den schwarzen Amerikanern, die einen bis dato untypischen Job ausüben und dadurch dem typisch rassistisch angehauchten weißen US-Amerikaner sauer aufstoßen. Auch, weil sie keine kleinen verhuschten Menschen sind sondern intelektuell und gesellschaftlich in einer guten Ausgangslage. Daraus entstehen Konflikte, die eine zentrale Rolle spielen in Lockes Romanen. Auch die Kriminalfälle spiegeln diese rassistische dunkle Vergangenheit der USA wieder. Sind aber sicher auch ein Spotlight auf heutige Probleme, denn leider versinkt die USA ja gerade wieder in einem alten Sumpf.
Also hochaktuell, intelligent erzählt und macht sehr nachdenktlich, was Locke da schreibt.
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5/5
16.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartig!
Jay Porter ist ein schwarzer Anwalt, der trotz aller Bemühungen erfolglos in seiner "Ein-Mann-Kanzlei" in Texas praktiziert. Desillusioniert von der Bürgerrechtsbewegung der 60er und 70er Jahre hat er sich geschworen, künftig unter dem Radar der weißen Gesellschaft zu bleiben. Doch als er unfreiwillig Zeuge eines Mordes wird und in dessen Folge in einen Strudel von Betrügereien auf höchster politischer Ebene gerät, muss Jay handeln, um nicht nur sich und seine Familie zu retten, sondern auch zu seinen Überzeugungen und Idealen von einst zurückzukehren.
Es ist, als hätten Toni Morrison und John Grisham gemeinsam einen Roman geschrieben. Der Leser erfährt viel über den alltäglichen Rassismus in den amerikanischen Südstaaten, die schwarze Bürgerrechtsbewegung und ihre gewaltsame Unterwanderung durch das FBI. Wie Jay auf eigene Faust recherchiert und schließlich mit texanischen Ölkartellen und Gewerkschaften aneinandergerät, ist unglaublich packend und glänzend geschrieben. Von der ersten bis zur letzten Seite spannend - für mich eine echte Entdeckung!
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5/5
06.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Ich schätz mal, daß du nicht auf meinen Rat hörst?" - "Der wäre?" - "Die Pfoten davon zu lassen!"
Nein, natürlich wird Jay Porter "davon" nicht die Pfoten lassen. Wie könnte er auch, steckt er doch mitten in der ganzen Geschichte. Geschichte? Sumpf wäre wohl der treffendere Ausdruck. Und etwas nur sein lassen, weil es opportun wäre, und weil man sich als junger dunkelhäutiger Anwalt nicht mitten in die Nesseln, sorry, zwischen alle Stühle, begeben sollte, widerspricht allem, was Porter als Mensch ausmacht. Hätte sein Bruder im Geiste, Chandlers Philip Marlowe, nicht anders gehandhabt - wenn man "auf`s Maul" bekommt, greift man zur "Büroflasche", murmelt etwas wie "Das wollen wir doch erstmal sehen" und macht unbeirrt weiter....
Worum geht es hier aber eigentlich? 1981, Houston, Texas. Der Stadt stehen "Rassenunruhen" in`s Haus, die Hafenarbeitergewerkschaft, deren Mitglieder fast alle afro-amerikanisch sind, stellt die Zeichen auf Streik, in der endlich wieder prosperisierenden Kommune müssen gleiche Löhne und Arbeitsbedingungen her. Die anderen Gewerkschaften zögern noch, dem zuzustimmen. Das Alte Spiel "Wir dürfen das zarte Pflänzchen Aufschwung nicht gefährden" läuft gegen die Hafenarbeiter.
Wenige Tage vor der anstehenden Urabstimmung schenkt Jay Porter seiner hochschwangeren Frau eine Moonlight-Bootstour durch das Mangrovendelta. Auf der Rückfahrt hört das Paar erst Streit, dann Schreie und wenig später retten sie eine junge Frau aus den Wasser des Delta. Sie bringen sie in ein Krankenhaus, zur Polizei möchte sie nicht, wenige Tage später allerdings liest Porter in der Zeitung, dass gegen diese Frau wegen Mordes ermittelt wird, das Opfer genau dort gefunden wurde, wo die Porters den nächtlichen Tumult vernommen haben. Jay, mit den Schattenseiten des Justizsystems aus seiner Zeit als Aktivist der "Black Panther" wohl vertraut, beschliesst, sich den Tatort einfach mal näher anzuschauen. Er ahnt noch nicht einmal, was er damit in Gang setzt....
Attica Locke hat einen hammerharten, zugleich äußerst literarischen, Thriller verfasst, der mich beim lesen an zwei völlig unterschiedliche Schriftsteller erinnert hat: Zum einen an Raymond Chandler, Meister des lakonischen Hard-boiled Detektivromans, und an die Bücher der Nobelpreisträgerin Toni Morrison. Klingt wie ein Mix, der kaum funtionieren kann? Oh doch! Frau Locke schafft es, höchst spannend, einen Kriminalroman zu verfassen, der scheinbar immer weiter auseinander läuft, um dann meisterlich die Fäden wieder zu verknüpfen! Der Bogen reicht vom Aufstieg der amerikanischen Ölbarone (Ford, Bush und wie die Familien alle heißen...) in der Politik unter Ronald Reagan, über die nie erreichte Gleichberechtigung innerhalb der amerikanischen Bevölkerung bis hin zu den ersten öffentlich gemachten, sehr großen, Umweltschweinereien im Namen des Geldes.
Nie mit erhobenen Zeigefinger, dafür äußerst wortgewaltig (wunderbar von Andrea Stumpf & Gabriele Werbeck in`s Deutsche übertragen!), und, wie erwähnt, extrem spannend und begeisternd!
James Ellroy, Großmeister dieser Literaturform, über Attica Lockes Roman:
"Was für ein Ritt! BlackWater Rising ist ein Debut der Superlative, der beste Bad Town-Roman seit langem. Eine in jeder Hinsicht herausragende Autorin!"
Beweisführung abgeschlossen :-)
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