Feuchtwanger, Brecht und das kalifornische Exil - der Roman einer ungewöhnlichen Freundschaft.Weltberühmt und wohlhabend, aber argwöhnisch beschattet von den Chargen der McCarthy-Ära, lebt Lion Feuchtwanger 1956 noch immer im kalifornischen Exil - der letzte der großen deutschen Emigranten.Als ihn an einem Augustmorgen die Nachricht vom plötzlichen Tod Bertolt Brechts erreicht, ist er tief erschüttert.Feuchtwanger hatte das Genie Brechts erkannt, er hatte ihn entdeckt und gefördert. Im Zwiegespräch mit dem toten Freund sinniert er über die Stationen ihrer Freundschaft, durchlebt noch einmal die Zeit der Münchner Räterepublik, ihre ersten literarischen Triumphe der 1920er-Jahre, Flucht und Exil. Und er lässt dabei auch sein Leben Revue passieren.Longlist Deutscher Hörbuchpreis 2019: Kategorie: Bester InterpretPresse zum HÖRBUCH"Die Stimme von Moritz Stoepel und dezente musikalische Akzente tauchen die Geschichte in eine hörspielähnliche Atmosphäre. Moritz Stoepel setzt alles daran, jeder Figur eine eigene Stimme zu geben. Die ruhigen und gelassenen Beschreibungen der Natur - das Meer, der Nebel, der Strand - bilden den Kontrast. Die Musik, sparsam verwendet, gibt dem Geschehen einen träumerischen Glanz. Am Ende darf die Gedankenreise in Ton und Wort sanft und doch effektvoll ausklingen." (WDR3 Mosaik, Monika Buschey)
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4.5/5.0
Bewertung
5/5
06.10.2021
Buch (Taschenbuch)
1956, Kalifornien: Lion Feuchtwanger erfährt durch ein Telegramm aus Berlin, dass sein alter Weggefährte und Freund Bertolt Brecht verstorben ist. Tief betroffen durch diese Zeilen lässt er seine Gedanken und Gefühle Revue passieren. Indem er die Stationen ihrer Freundschaft stumm durchspielt, nimmt er Abschied von seinem Freund. Auch sieht er am Ende des Tages seine eigene Situation als Schriftsteller um einiges klarer. Still, leise und intelligent hat Klaus Modick dieses Buch geschrieben.
Bewertung
5/5
23.07.2021
Buch (Taschenbuch)
Der Morgennebel hängt noch über dem Meer. Kalifornien, Pacific Palisade, 1956. Lion Feuchtwanger erhält ein Telegramm: sein engster Freund, Berthold Brecht ist tot. Für einen glühenden Sommertag nimmt uns Klaus Modick mit in die Gedanken und Erinnerungen des großen Autors und webt für uns einen wunderbar atomosphärischen Teppich: Er lässt die Literaturszene des Vorkriegs-Münchens auferstehen, erzählt von Freundschaft und Zusammenarbeit der ungleichen Schriftsteller, dem Exil in Kalifornien, dem Altern und dem Prozess des Schreibens an sich. Ich habe schon lange nicht mehr ein so dich geschriebenes und tiefgehendes Buch gelesen.
Marie-Therese Reisenauer
aus Wien
4/5
27.11.2013
Buch (Taschenbuch)
Erinnerung
Pacific Palisades, eine schöne Adresse, auch wenn man, so wie Lion Feuchtwanger auch 1956 noch immer im Exil wohnt. Missträuisch beäugt von den Lemuren McCarthys. An diesem noblen Ort erreicht ihn die Nachricht vom Tode Bertolt Brechts.Feuchtwanger ist tief betroffen, er hat Brechts Genie entdeckt, er hat ihn gefördert, er ist ihm Freund geworden. Feuchtwanger beginnt sich zu erinnern.
Odilie Pressberger
aus Regensburg (Donau EKZ)
4/5
04.08.2012
Buch (Taschenbuch)
Ein Tag im kalifornischen Exil
Ein Tag im kalifornischen Exil. Es ist der Tag, an dem Lion Feuchtwanger die Nachricht von Bertolt Brechts Tod bekommt. In diesem kurzen Roman verbindet Modick die Leben von Brecht und Feuchtwanger. Rückblicke auf ihre Freundschaft in Deutschland, Frauengeschichten und literarische Rivalitäten verknüpft er mit der McCarthy-Überwachung und Verfolgung im Zuge der Einbürgerungsversuche. Auch der Zwiespalt zwischen den Heimkehrern nach Deutschland und den in Amerika Bleibenden zeigt der Roman gut. Dieses Buch macht Lust, wieder Brecht und Feuchtwanger zu lesen. Einige Stellen fand ich ein bißchen zu kühl den handelnden Personen gegenüber.
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5/5
25.09.2017
Buch (Taschenbuch)
Ein Buch, in das man eintaucht und sich zusammen mit Feuchtwanger durch diesen Tag treiben lässt...
1956 befindet sich Lion Feuchtwanger, einer der letzten deutschen Schriftsteller im Exil, in Los Angeles. Ein Tag wie jeder andere, der wie immer mit dem immer sonnigen Wetter und seinen morgendlichen Gymnastikübungen beginnt. Ein Postbote unterbricht diese jäh und überreicht ihm ein Telegramm mit der Nachricht, dass Bertolt Brecht in Berlin gestorben ist. Völlig erschüttert hält Feuchtwanger inne und erinnert sich an „seinen“ Brecht, denn er hatte ihn gefördert und sich um ihn gekümmert, war sein väterlicher Mentor geworden. Beide standen sich nahe, obwohl sie in vielen Dingen grundverschieden waren. Während Feuchtwanger seinen üblichen amerikanischen Alltag durchlebt, kreisen seine Gedanken und Erinnerungen nicht nur um Brecht, sondern wandern zurück in die 20er Jahre in Deutschland, in die Zeit seiner ersten schriftstellerischen Erfolge, aber auch die politisch schwierige Zeit des Dritten Reichs, die ihn schließlich wie so viele andere Schriftsteller ins Exil nach Amerika führt. Hier entsteht eine große deutsche Gemeinde, ein Treffpunkt intellektueller und künstlerischer Größen wie Einstein, Chaplin, die Brüder Mann, Zuckmayer, Werfel und vielen anderen. Eine Zeit, erfüllt von lebhaften und geistvollen Diskussionen, aber auch immer wieder vergiftet von Neid und Missgunst untereinander. Zumal der dunkle Schatten der McCarthy-Ära drohend über allen hängt und die einzelnen Befindlichkeiten oft den Rand des Unerträglichen steigert. Der Tag zieht langsam an Feuchtwanger vorbei, seine Gedanken versinken auch in seine eigene Vergangenheit, an die schwierige Zeit, als seine kleine Tochter starb, an seine Trauerphase und seine Schuldgefühle. So ist dieser denkwürdige Tag, der mit Brechts Todesnachricht begann, auch ein zuweilen erschütterndes Resümee seines Innenlebens. Am Ende zieht der Nebel der Nacht zur Tür hinein und legt sich wie ein tröstlicher Schleier über den Tag.
Klaus Modick hat über Lion Feuchtwanger promoviert, ist ein exzellenter Kenner dieses großen Schriftstellers – und das spürt man einfach in jedem Satz. Ein Buch, in das man eintaucht, sich zusammen mit Feuchtwanger durch diesen Tag treiben lässt und bei dem man am Ende, wenn die Sonne untergeht, auch ein wenig traurig zurückbleibt, weil die letzte Seite gelesen ist. Wer mehr über diese bewegende Zeit der deutschen Exilgemeinde in den 50er Jahren in Amerika erfahren will, dem sei auch das großartige Buch „Das unbelehrbare Herz“ von Salka Viertel empfohlen.
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5/5
10.04.2013
eBook (ePUB)
Ein Meisterwerk
Sunset ist ein Meisterwerk der Gegenwartsliteratur!
Ausgehend vom Tode Brechts im Jahr 1956 beschreibt Klaus Modick die Beziehung zwischen den Schriftstellern Lion Feuchtwanger und Bertolt Brecht, deren Dreh- und Angelpunkt Feuchtwangers Villa Aurora gewesen zu sein scheint, in der auch Modick selbst ein Stipendium genossen hat. In stummer Zwiesprache mit dem toten Freund ruft Feuchtwanger die Stationen dieser Freundschaft wach, ihren Beginn im München der Räterepublik, die literarischen Triumphe der Zwanzigerjahre, die Flucht und das Leben im Exil. - Eine Beziehung zwischen Hassliebe und väterlicher Freundschaft, die geprägt war von politisch brisanten Zeiten, Vertreibung und Verrat.
Modick, der sich schon seit Jahrzehnten mit Lion Feuchtwanger beschäftigt und auch über ihn promovierte, gewährt dem Leser einen Einblick in den Alltag der Schriftsteller im amerikanischen Exil. Nicht jedes Detail basiert auf der Wirklichkeit, dennoch hält der Autor sich eng an die Fakten.
Trotz dieses zunächst trocken anmutenden Themas, ist Sunset nicht nur ein Buch für eingeweihte Literaturwissenschaftler, sondern durchaus eines für die breite Masse der Literaturinteressierten, denn Modick erzählt mit einer Leichtigkeit, die ihresgleichen sucht. Nicht umsonst hat Klaus Modick es in diesem Jahr auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft.
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