Einfühlsame und zeitgemässe Übersetzung und Entdeckungsreise ins Yogasutra
Ein wunderschönes geschriebenes, gut zu lesendes Buch. Es hat mich angeregt bei mir selber nachzuspüren, was es auf sich hat mit der psychologischen Yogalehre. Der Autor nimmt uns mit auf eine Entdeckungsreise zu den historischen und geistigen Ursprüngen des Yoga. Er lässt uns teilhaben an seiner eigenen biographischen Entdeckungsreise in die mystischen aber auch gesellschaftshistorischen und schließlich in die psyotherapeutischen Potenziale, die in der Yogalehre des Patanjali zu entdecken sind. Besonders beeindruckt hat mich aber der Umstand, dass ich beim Lesen selber zur Ruhe und zum Nachspüren gekommen bin, dass ich das Buch immer wieder zur Seite gelegt und meinen Gedanken und Gefühlen zum Gelesenen nachgespürt bin.
Der Text hat mich immer wieder tief berührt, hat mir die Augen und das Herz geöffnet für eine spirituelle Praxis, die mehr ist als einfach nur Glaube, die mit tiefen menschlichen Regungen zu tun haben, mit der Suche des Menschen nach Ruhe und dem Eins-Sein mit sich und der Welt. Das damit keine hohen, metaphysischen Ansprüche verbunden sind, wie das in den bisherigen Übersetzungen der Yogasutras gepriesen und behauptet wird, ist ein weiterer Erkenntnisgewinn der Lektüre. Aber auch die Herleitungen und die selbstreflexiven und selbstkritischen Kommentare, die der Autor seiner Übersetzung voranstellt, sind enorm lesenswert. Das Ganze ist wissenschaftlich fundiert, wird kulturhistorisch kenntnisreich hergeleitet und gegenwartsbezogen interpretiert. Der Autor selber ist als Indologe und als praktizierender Yogi ausgewiesen. Daher kann er die Yogalehre aus einer eigenen therapeutischen Yogapraxis heraus veranschaulichen.
Besonders hervorzuheben ist aber, dass die vorgelegte Übersetzung deutlich macht, dass auch so kryptische Texte, wie das Yogasutra ganz anschaulich und erfahrungsnah, ja geradezu gegenwärtig gedeutet und verstanden werden können. So wird man als Leser nach und nach in den Geist des Yoga eingeführt, werden die historischen Wurzeln der Lehre nachvollziehbar und auch für das Leben in der Gegenwart sinnvoll interpretiert. Und tatsächlich: Das was schon vor über zweitausend Jahren die Menschen bewegte, die Suche nach sich selber in einer sich radikal wandelnden Welt, gilt auch heute noch. Nur das wir heute die modernen Wissenschaften bemühen, um eben das Wissen um unsere psychosozialen Antriebe und unsere traumatischen Erfahrungsverarbeitungen zu erweitern. Wie gut tut es zu wissen, dass dieses Wissen uralt ist!
Schließlich mündet das Buch in eine vollständige Übersetzung der Yogasutras mit vielen Kommentaren, die deutlich machen, welchen therapeutischen Wert diese Schriften in sich bergen, welche enormen Einsichten in die ureigenen Antriebe damit verbunden sind und welche Möglichkeiten dort beschrieben sind, mit sich und seinem Sein ins Reine zu kommen. Und dabei wird dann auch deutlich, dass das, was in den ursprünglichen Interpretationen als Erleuchtung gedeutet wird ist nicht mehr und nicht weniger eine bewusste Art, sich im Leben zu verankern.
Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich auf eine Entdeckungsreise zu sich selber machen möchte.
Prof. Dr. Matthias Grundmann
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