Als Konráð vom gewaltsamen Tod der Frau in ihrer Reykjavíker Wohnung erfährt, macht er sich große Vorwürfe. Die Frau hatte ihn, den pensionierten Kommissar, vor wenigen Wochen kontaktiert und angefleht, nach ihrem inzwischen erwachsenen Kind zu suchen. Sie hatte es damals direkt nach der Geburt zur Adoption freigegeben. Konráð bereut es nun zutiefst, die Frau abgewiesen zu haben. Um ihrer verzweifelten Bitte wenigstens postum nachzukommen, beschließt er, sich auf die Suche nach dem Kind zu machen. Er ahnt nicht, welch einem tragischen Schicksal er damit auf die Spur kommt ...
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Dass ein packender Krimi keine übermäßige Gewalt oder Blutvergießen braucht, zeigt das neue Buch von Arnaldur Indriðason ganz deutlich. „Tiefe Schluchten“ lebt vielmehr von der Atmosphäre und verlangt dem Publikum einiges an Konzentration ab. Daher fand ich die Lektüre anstrengender als bei den meisten anderen Krimis. Zugegeben, er ist der einzige isländische Autor, der mir namentlich bekannt war, das Buch war allerdings mein erstes von ihm. Aber sicher nicht mein letztes, denn sein Stil und das feine Gespür für Zwischentöne haben mich beeindruckt und die Lektüre des Buchs zu etwas Besonderem gemacht. Die Geschichte an sich fand ich zwar gut konzipiert und spannend, aber das wahre Highlight für mich war die Fähigkeit des Autors, eine enorm düstere und bedrückende Atmosphäre zu schaffen. Aber von vorn. Eine Frau wird ermordet, ihre Wohnung verwüstet. Da auf ihrem Schreibtisch ein Zettel mit Konráðs Telefonnummer liegt, gerät er ins Visier der Ermittlungen. Schnell wird klar: die Tote hatte ihn vor einiger Zeit gebeten, ihr vor Jahrzehnten zur Adoption freigegebenes Kind zu suchen, was er allerdings abgelehnt hatte. So wie sie es offenbar bereute, das Kind weggegeben zu haben, bereut er nun, ihr ihren Wunsch abgeschlagen zu haben. Zumal er als Kommissar im Ruhestand auch Zeit gehabt hätte, nach dem Kind zu suchen, von dem sie selbst nicht einmal wusste, ob es männlich oder weiblich war. Die Polizei ermittelt im Mordfall und er macht sich aus schlechtem Gewissen und Langeweile auf die Suche nach dem inzwischen rund 50 Jahre alten „Kind“. Seine Ermittlungen sind sehr vielschichtig und schnell stößt er auf eine Hebamme, die wohl Schwangere überredete, ihre Kinder auszutragen und dann zur Adoption freizugeben. Konráðs größtes Problem bei seinen Nachforschungen ist allerdings, dass die meisten Beteiligten inzwischen verstorben sind. Er hat große Schwierigkeiten, überhaupt noch jemanden zu finden, der ihm weiterhelfen kann. Und dann ist ja da auch noch der Mord an seinem eigenen Vater, den er aufklären möchte. „Tiefe Schluchten“ erinnerte mich beim Lesen ein bisschen an einen See. Augenscheinlich ruhig, die Handlung scheint sich lange überhaupt nicht zu tun, aber unter der Oberfläche bewegt sich ständig etwas. Aber ab und zu, so kam es mir vor, wirft jemand in Form von Ermittlungserfolgen einen Stein ins Wasser und es gibt schlagartig Wellen und die Handlung kommt voran. Manchmal scheint die Suche nach dem „verschwundenen Kind“ etwas aus dem Fokus zu geraten, vor allem, da Konráð auch noch im Cold Case um seinen ermordeten Vater ermittelt. Vermutlich habe auch nicht nur ich mich immer wieder gefragt, wie man denn nun eigentlich die isländischen Namen ausspricht. Und nicht nur die (in isländischen Buchstaben gesetzten) Namen waren gewöhnungsbedürftig, zumal alle immer geduzt werden und nur einen Vornamen haben (obwohl ich weiß, wie es in Island mit Vor- und Nachnamen funktioniert, hat es hat mich ab und zu irritiert). Die Geschichte verläuft nicht linear, sondern eher im Zickzack auf der Zeitachse. Der Autor springt von der Gegenwart in die Vergangenheit (seine eigene, die des Opfers, die seiner Freundin Eygló oder die seines ermordeten Vaters) – wie gesagt: das Buch verlangt Konzentration und Mitdenken, das ist nichts für nebenbei. Und auch die oft verschachtelten Sätze sorgten dafür, dass ich einige Kapitel mehrfach lesen musste. Die Geschichte ist gut konzipiert. Die Gräben, die der Titel suggeriert sind in den Alltagsdramen häufig zu finden. Die Verkettung der Schicksale gelingt dem Autor meisterhaft, ich habe mich oft gefragt, wie er die verschachtelte Handlung zu einem stimmigen Ende bringen will. Die Übersetzung ist bis auf wenige sprachliche Fehler äußerst gelungen. Ich vergebe für dieses überaus düstere Buch vier Sterne. Empfehlenswert ist es auf jeden Fall für alle, die ruhige, düstere und atmosphärisch packende Krimis mit intelligenten, engagierten und unnachgiebigen Ermittlern mögen.
Tiefgründig, dramatisch und traurig
Bewertung aus Nürnberg am 05.11.2021
Bewertungsnummer: 1600705
Bewertet: eBook (ePUB)
Kommissar Konráð ist ein pensionierter Polizist, der eigentlich seinen Ruhestand genießen möchte. Doch der Mord an Valborg lässt ihm keine Ruhe, da diese kurz vor ihrem Tod mit ihm Kontakt aufgenommen hatte und ihn um Hilfe bat. Valborg erzählte ihm, dass sie vor fast 50 Jahren ein Kind auf die Welt gebracht hat und dieses, ohne jemals überhaupt das Geschlecht erfahren zu haben, zur Adoption freigegeben hat. Dieses Kind wollte sie nun mit Hilfe von Konráð unbedingt finden. Doch der Kommissar lehnte ab. Jetzt nach Valborgs Tod bereut er seine damalige Entscheidung sehr und versucht wenigstens im Nachhinein das Kind zu finden und die mysteriösen Umstände der Adoption aufzudecken.
„Tiefe Schluchten“ ist der dritte Teil der „Kommissar Konrad-Reihe“ von Arnaldur Indriðason, kann aber unabhängig von den vorherigen Bänden gelesen und verstanden werden.
Das Cover des Buches zeigt einen verschneiten, geheimnisvollen Friedhof und passt sehr gut zu der traurigen Geschichte rund um das Schicksal von Valborg. Arnaldur Indriðason schafft es, eine düstere, traurige, spannende und auch verzweifelte Stimmung aufzubauen, die sich durch das komplette Buch zieht. Sein Schreibstil ist fesselnd und lässt sich flüssig und schön lesen.
Fazit: Ein Island Krimi, über den man länger nachdenkt und der aufgrund des dramatischen und emotionalen Themas nachwirkt. Sehr empfehlenswert!
Ich danke NetGalley und dem Verlag für das kostenlose Bereitstellen eines Rezensionsexemplars.
Meinung aus der Buchhandlung
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Ex-Kommissar Konrad,wollte sich eigentlich, weiter in die Ermittlungen über den gewaltsamen Tod seines Vaters vertiefen. Als ihn eine ältere Frau um Hilfe in einer ungeklärten Angelegenheit bittet, ist er einfach nur genervt und weist sie ab. Was er schon bald bereut, als sie tot aufgefunden wird. Von seinem schlechten Gewissen geplagt, verstrickt er sich in die Nachforschungen über die Vergangenheit der Frau, und entdeckt dabei Unglaubliches. Einfach genial geschrieben.
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Spannend aber nicht brutal, in dem der Mord nicht das wichtigste war, sondern die Suche nach dem Kind. Dramaturgisch geschickt aufgebaut, liefert Arnaldur Indridason wieder einen erwartungsgemäß tiefgründigen Krimi, welcher durch das zutiefst menschliche nachwirkt.
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