In der Pension Bertoldi, einer heruntergekommenen Herberge in der Altmark, führen die Wirtin Oda Prager und das Zimmermädchen Maria Rosa ein strenges Regiment. Diejenigen, die ihrer Einladung gefolgt sind, müssen sich an den zugewiesenen Tischen einfinden und strikt an Regeln halten. Immerhin gibt es ab und zu ein Gläschen Sekt. Kaum eingetroffen, teilt man den Gästen ohne Begründung mit, dass sie zu ihrer Sicherheit nicht nach draußen gehen dürfen. So bleibt ihnen nichts als ein unbehagliches Miteinander und der Blick auf den dunklen Wald Salzruh. Dahinter winkt ein altes Schloss, einst ein beliebtes FDGB-Erholungsheim, und übt bis heute eine magische Anziehungskraft auf die Gäste aus. Wer wagt sich als Erstes hinaus? Der einstige Schuldirektor, dem die Wende zugesetzt hat, die hingebungsvolle Krankenschwester mit ihrem unermüdlich Ball spielenden Kind oder die dem Suff ergebene Kneipenwirtin? Das ältere Ehepaar, das eigentlich seine Goldene Hochzeit feiern wollte? Oder die beiden Verliebten, jung und schön, die bei den anderen Gästen für Irritationen sorgen?In Salzruh verdichtet die preisgekrönte Autorin Susan Kreller mit einem ganz eigenen Humor Elemente des Schauerromans zu einem Kammerspiel voller tiefer Gedanken über Eingesperrtsein und Freiheit, Bleiben oder Gehen, Rebellion oder Versöhnung mit dem eigenen Schicksal.
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Meinung aus der Buchhandlung
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Eine Schattenbühne, ein lautloses Kammerspiel breitet Susan Kreller in Salzruh aus.
Eine Pension in einem postapokalyptisch anmutenden Umfeld und ihre Gäste. Der Wald erscheint sterbend und all jene, die flüchten, kehren nicht mehr zurück. Was sich als Erholungsort in einer Werbebroschüre beschreibt, entpuppt sich nach wenigen Tagen als Gefängnis mit offenen Türen. Immer mehr schwindet die Verbindung zur Außenwelt, zur Realität. Eigentlich suchten manche die Erholung und einige waren nur auf der Durchreise.
Fast alle Gäste verbindet eine persönliche Lebensgeschichte mit dem Ort Salzruh, mit seiner Vergangenheit, aber auch seiner Gegenwart. Die Vergangenheit zu Zeiten der DDR, die Gegenwart im ständigen Versuch in ihr anzukommen. Es sind unterschiedliche Generationen, die sich von der Inhaberin fast wie seelenlose Puppen manipulieren lassen. Sie führt das Regiment, stellt allen frei zu gehen, aber macht gleichzeitig klar, dass es in diesem "Draußen" kein Entrinnen gibt. Was dort genau geschehen ist, bleibt lange Zeit verborgen. Die Schicksalsgemeinschaft arrangiert sich miteinander und der Leser erfährt nach und nach jede einzelne biografische Bruchstelle. Sogar der indirekte Zwang, im Haus verbleiben zu müssen, führt bei einigen Charakteren zu einer inneren Erfüllung, welche die eigene Leere zeitweise ausblenden lässt.
Der einsame Chemiker, das perfekt erscheinende Pärchen, die, in ihrer Arbeit Erfüllung findende, Krankenschwester und alle anderen vereint am Ende der Drang zur Freiheit.
Immer mehr wagen den Schritt in die Freiheit, in den Wald, aber der Preis ist hoch.
Und andere sind mittlerweile so mental in ihrer Abhängigkeit zu diesem Ort gefangen, dass kaum noch eine Befreiung daraus denkbar ist.
Salzruh ist eine innere und äußere Metaphysik, die noch lange nachhalt.
Es ist die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach Erfüllung im Tun und danach, wie kostbar persönliche Freiheit ist und was es mit Menschen macht, wenn ihnen eben jene abhanden kommt oder genommen wird.
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Wer mal ein außergewöhnliches Buch, fernab jeden Mainstreams lesen möchte, ist mit diesem Schauerroman genau auf der richtigen Seite. Die Autorin versteht es meisterhaft mit ihrer faszinierenden Sprache einen unterschwelligen Grusel zu erzeugen, der ganz ohne Blutvergießen oder Schockmomente auskommt. Zwischen den Zeilen ist ganz viel Platz für Gedanken über das Leben, die Freiheit und das eigene Schicksal. Grandios!
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