Gaea Schoeters' Roman ist ein "ethischer Mindfuck" (Dimitri Verhulst) - provokant, radikal und eine erzählerische Ausnahmeerscheinung. Am Ende bleibt die Frage: Was ist ein Menschenleben wert?
Gaea Schoeters¿ preisgekrönter Roman ist von einer außerordentlichen erzählerischen Wucht. Die Tiefenschärfe, mit der sie die Geräusche und Gerüche der Natur beschreibt, lässt einen sinnlich erleben, was einen moralisch an die Grenzen zwischen Richtig und Falsch führt.
Hunter, steinreich, Amerikaner und begeisterter Jäger, hatte schon fast alles vor dem Lauf. Endlich bietet ihm sein Freund Van Heeren ein Nashorn zum Abschuss an. Hunter reist nach Afrika, doch sein Projekt, die Big Five vollzumachen, wird jäh von Wilderern durchkreuzt. Hunter sinnt auf Rache, als ihn Van Heeren fragt, ob er schon einmal von den Big Six gehört habe. Zunächst ist Hunter geschockt, aber als er die jungen Afrikaner beim flinken Jagen beobachtet ... Ein Roman von radikaler Konsequenz.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
Orell Füssli Book Circle Community
5/5
21.07.2026
eBook (ePUB)
Ein Absoluter Mindfuck
Trophäe ist für mich ein unglaublich starkes Buch, das mich von der ersten Seite an gepackt hat. Es entwickelt eine solche Dichte und Spannung, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte. Die Geschichte saugt einen regelrecht hinein und man möchte unbedingt weiterlesen, um zu erfahren, wie weit alles noch gehen wird.
Besonders beeindruckt hat mich die groteske Atmosphäre des Romans. Sie wirkt nie übertrieben, sondern verstärkt die beklemmende Stimmung und zwingt einen, sich mit moralischen Fragen auseinanderzusetzen. Obwohl Hunter White Entscheidungen trifft, die oft schwer nachvollziehbar erscheinen, gelingt es der Autorin, ihre Beweggründe so eindringlich darzustellen, dass man überraschend viel Verständnis und sogar Mitleid mit ihm entwickelt. Gerade diese Ambivalenz macht die Figur so faszinierend.
Trophäe ist ein Roman, der lange nachhallt und einen auch nach dem Lesen noch beschäftigt. Für mich gehört er zu den eindrucksvollsten Büchern der letzten Zeit – intensiv, verstörend und psychologisch unglaublich stark erzählt. Klare 5 von 5 Sternen.
Bewertung
5/5
27.08.2025
eBook (ePUB)
Ich habs geliebt - so unterrated das Buch!
Ich mochte alles an dem Buch: die Idee, den Schreibstil, die Charaktere und die behandelten Themen. Post-Kolonalismus, Artenschutz, Wertekonflikte - wer darf jagen und wer wird gejagt. I loved it.
Micha_W
5/5
21.04.2025
eBook (ePUB)
Begeisternd und verstörend zugleich
Halten Sie sich für moralisch gefestigt? Ihr ethisches Wertesystem ist unerschütterlich?
Ok, dann sollten Sie Trophäe unbedingt lesen. Aber bitte gut anschnallen.
Ein steinreicher amerikanischer Geschäftsmann und passionierter Großwildjäger sieht Afrika als seine ganz eigene Spielwiese an. Für Geld ist auch hier alles zu haben, vor allem die Lizenz zum Töten, vor allem für den weißen Jäger – Nomen est Omen – Hunter White. Vom Big Business zum Erlegen der Big Five, wovon ihm nur noch das aggressive Rhino, das gewaltige Nashorn, fehlt. Wilderer kommen ihm bei der auserkorenen und bereits bezahlten Beute jedoch zuvor, Frustration staut sich auf, bis ihn sein Jagdmanager und Freund auf eine zunächst völlig abwegige Idee bringt – es gibt unter Insidern ja auch noch die Big Six. Er spricht dies mit diesem gewissen Unterton aus, während sie gemeinsam einheimische Jungen beobachten, wie sie elegant wie Leoparden, kräftig wie Löwen und wachsam wie Savannenhunde mit Pfeil und Bogen ihre Jagd auf Antilopen machen.
Spätestens in diesem Augenblick stockt nicht nur Hunter White, sondern auch jedem Leser der Atem. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Das kann es doch wohl nicht geben. So etwas darf man sich doch eigentlich nicht mal als literarische Fiktion ausmalen.
Doch halt, nicht so schnell …
Da hat man sich bei der Entscheidung für diesen Roman farbenprächtige Bilder der afrikanischen Savanne und Steppe erhofft und auch zuhauf bekommen. Jenseits von Afrika-Klischees inklusive. Schön und gut. Dafür hat man über lange Anfangspassagen aber eine ganze Menge an Machismo-Kult wegstecken müssen. Ist die Jagd-Leidenschaft nicht prädestiniert für die Ansammlung hemingwayesker Zweibeiner mit toxischer Männlichkeit? Wie kann sich ein Roman entgegen jedem woken Zeitgeist so sehr die Argumentation von Menschen zueigen machen, denen das Testosteron aus jeder Pore quillt und von denen man als doch um so viel besserer, humanistisch geprägter Gutmensch weiß, dass es all den lonesome Cowboys doch nur um die pure Lust am Töten geht?
Mit viel kritischer Abneigung nimmt man im Verlauf schwerlich und murrend hin, dass die Vergabe der Lizenzen auch eine Art Kontrolle des Wildbestandes ist, dass damit Wildhüter und Wildererbekämpfung finanziert werden und dass die Fährtenleser mit ihrem Lohn ein Stück weit ihren Stamm in Zeiten der Trockenheit und des Hungers am Leben halten.
Das ist argumentativ noch sehr schwach, aber der Roman nimmt einen extrem geschickt und fast unmerklich mit in einen inneren Disput. Immer öfter wird der Leser bei seinen eigenen Konflikten abgeholt. Ist das alles eine Regression auf einen puren maskulinen Animalismus, geschönt und verbrämt durch machistische Floskeln, oder muss man diese Jäger-Ethik doch differenzierter sehen? Gibt es nur die ganz schlechten oder auch noch die ein bisschen guten? Können wir die Lebensumstände in diesem Umfeld überhaupt vollumfänglich und korrekt beurteilen und würdigen, die wir uns in unserer westlichen Zivilisation schon lange vom Töten eines oder vieler Tiere abgekoppelt haben und uns in der Mehrheit nicht scheuen, die Produkte des anonymen Tötungsaktes als Nahrung zu verzehren?
Diese ersten Beispiele sind fast schon zu plump und zu plakativ im Vergleich dazu, wie das Buch einen in immer ausgefeiltere moralische Zwickmühlen hineinzieht. Mehr und mehr ist man gezwungen, eigene Meinungsstereotypien in Frage zu stellen oder gar zu verlassen. Und das nicht in einem Pro-und-Kontra-Sachbuch, sondern in einem absolut spannenden und schließlich extrem fesselnden Roman, dessen Handlung einen zwingt, weiter und weiter zu lesen. Ein Finale furioso. Extrem gut gemacht.
Ganz oft fragt man sich beim Lesen ab Beginn, was denn nun die Meinung des Autors zur Jagd an sich und all den brutalen Details ist. Schreibt da ein selbstherrlicher, mordlustiger Macho ohne Gewissen? Oder ist da doch jemand, bei dem Bedenken oder gar Skrupel dominieren?
Das sollte man beim Lesen am besten selbst entscheiden.
Nur so viel: Gaea Schoeters ist eine Frau.
Bewertung
5/5
04.05.2024
eBook (ePUB)
Abstoßend, mit wahnsinniger Sogwirkung
Ich habe den Roman verschlungen. Bereits nach wenigen Seiten hat mich eine Sogwirkung gepackt, welche es mir kaum ermöglicht hat das Buch zur Seite zu legen. Beim Lesen wurde ich von so vielen widersprüchlichen Gefühlen erfasst, dass ich mehrmals ratlos innehalten musste. Ich wurde immer wieder mit moralischen Dilemmata konfrontiert. Was ist ein Leben wert? Aber auch was passiert, wenn das Gleichgewicht zwischen Jägern und Beute gestört wird? Gibt es Gründe welches das Verhalten rechtfertigen? Und dann wieder: So verblendet kann doch niemand sein? Welche Ignoranz treibt einen zu so einem Verhalten und dies obwohl man die Natur durchaus schätzt und sich dem zerstörerischen Verhalten der Menschheit durchaus bewusst ist.
All dies ist in eine wunderbare prägnante Sprache, welche pointiert unangenehme Themen anspricht.
Ich kann nur eine klare Leseempfehlung abgeben, ein Roman welcher nachwirkt.
Buchbliss
aus München
5/5
15.04.2024
eBook (ePUB)
Abscheulich faszinierend
Abscheulich, faszinierend und eines der besten Bücher, die ich bisher gelesen habe – so würde ich „Trophäe“ von Gaea Schoeters (Ü: Lisa Mensing) beschreiben. Schon lange nicht mehr bin ich in so einen Lese-Sog geraten, zugleich angewidert und begeistert von einer Geschichte.
Diese dreht sich um US-Amerikaner Hunter White, der Name ist Programm: Der Protagonist ist ein klischeehafter, weißer Wall-Street-Wolf und Trophäenjäger, der nach Afrika reist, um mit dem Spitzmaulnashorn endlich die berühmten Big Five vollzumachen – und damit ist natürlich keineswegs Safari gemeint. Hunter will sie alle vor die Linse bekommen, koste es, was es wolle. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn für seine Jagdabenteuer im Vergnügungspark Natur blättert er sechsstellige Summen hin. Hauptsache töten. Nein, Hauptsache beweisen, an der Spitze der Nahrungskette zu stehen.
Ekelerregend? Hunter sieht die Jagd ganz euphemistisch sogar als Dienst für den Artenschutz. Denn die kontrollierte Jagd schützt die Tiere vor Wilderern. Aufgrund ihres wertvollen Horns sind Rhinos bei ihnen besonders begehrt. Der Handel mit Lizenzen ermöglicht nicht nur eine kontrollierte Jagd, sondern auch finanzielle Mittel für den Schutz der Tiere und Reservate. Wildtiere töten, um sie zu schützen – so falsch das auch klingt, ein klein wenig bekommt man beim Lesen das Gefühl, dass es sich hierbei vielleicht tatsächlich um das geringere Übel handelt. „Trophäe“ nimmt uns hier mit auf ein Gedankenexperiment: Lässt sich diese Parabel auch auf Menschen anwenden? Wo beginnt der Mensch, wo endet das Tier? Ist der Mensch nicht eigentlich nur das gefährlichste Tier, das je gelebt hat? Wer ist der Jäger und wer ist die Beute? Diese und viele weitere Fragen wirft der Roman auf. „Trophäe“ ist eines der Bücher, in denen man sich nicht nur viele Sätze unterstreichen möchte, sondern die sich auch in die Synapsen einbrennen.
Für mich ist der Roman ein echtes Highlight, das mich auch sprachlich überzeugt hat (sicher auch dank der großartigen Übersetzung) und wohl noch eine ganze Weile nachhallt.
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5/5
22.05.2026
Buch (Taschenbuch)
Herz der Finsternis
"Trophäe" ist ein kraftvolles Buch und hat mich tief bewegt. Jäger und Gejagte...für mich unfassbar und unglaublich...aber wohl real. :-( Mit beißender Präzision legt Gaea Schoeters Denkweisen offen, die in unserer Gesellschaft noch immer präsent sind. Leider. Der Roman kritisiert scharf die fortbestehende exotisierende Sichtweise mancher Reisender und Jäger auf den afrikanischen Kontinent.
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5/5
05.05.2026
Buch (Taschenbuch)
Hammerhart
Gaea Schoeters krallt sich mit ihrem Buch "Trophäe" in das Bewußtsein der Leser. Eine ganz andere Sicht auf die sogenannte 3. Welt lässt uns Schock erstarren und unser Weltbild völlig neu überdenken.
Wer sich gerne mit dem Thema 3. Welt auseinandersetzen möchte, aber auf eine entspanntere Weise, dem empfehle ich "Das Geschenk" ebenfalls von Gaea Schoeters.
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5/5
10.01.2026
Buch (Taschenbuch)
Diesen Roman vergisst man nicht!
Radikal und provant!
Die bildhafte Sprache dieses Romans, lässt die Leser in die Gerüche und die Hitze dieses fremden Landes, der Kultur eintauchen. Die große Frage: Wieviel ist ein Menschenleben wert?
Ich war tief betroffen und entsetzt, konnte nicht aufhören dieser wahnsinnigen Geschichte zu folgen und bleibe fassungslos zurück.
Ein außergewöhnliches Leseerlebnis. Nicht verpassen!
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5/5
09.01.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Selten habe ich ein Buch gelesen, das mich einerseits so abstößt, andererseits so in Beschlag nimmt.
"Trophäe" von Gaea Schoeters führt den Leser in das dunkle Herz Afrikas. Die Geschichte dreht sich um Hunter White, einen reichen Amerikaner auf der Jagd nach den Big Five (Elefant, Nashorn, Kaffernbüffel, Löwe, Leopard). Nachdem er endlich eine der raren Jagdlizenzen ergattert, ist ihm der letzte finale Abschuss eines Nashorns erlaubt. Doch Wilderer kommen ihm zuvor und schnappen sich seine "Trophäe". Er möchte Rache ausüben und sein Freund Van Heeren weiht ihn dann in die BIG SIX ein. Hunter begreift, dass in Afrika ein Menschenleben genauso viel wert ist, wie die Schuhe die er trägt...
Schoeters gelingt es meisterhaft, die Argumentation für die Großwildjagd aus Hunters Perspektive nachvollziehbar zu machen, obwohl man diese eigentlich ablehnt. Das Buch fesselt von der ersten bis zur letzten Seite, ohne Längen oder Übertreibungen. Die Charaktere sind hervorragend gezeichnet und die Spannung bleibt durchgehend hoch. Auch als Hörbuch überzeugt der Roman. Johann von Bülow verleiht der Geschichte mit seiner eindringlichen Stimme eine zusätzliche Tiefe.
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5/5
08.01.2026
Buch (Taschenbuch)
Brutal - aber wirklich starkes Buch
Brutal, spannend, fesselnd und dabei auch noch literarisch anspruchsvoll. Gaea Schoeters gelingt es in ihrem Roman, einen zu schockieren, zeitgleich zu faszinieren und eine außergewöhnliche Geschichte zu erzählen. Ein sehr intensives und teils wirklich grausames Buch, das sich mit dem umstrittenen Thema "Großwildjagd" auseinandersetzt. Nicht für jede*n etwas. Aber wer sich darauf einlässt, wird nicht enttäuscht.
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