"Eine erstklassige Mischung aus Anekdoten, Analysen und Alkohol. Und die große Frage, ob wir so leben wollen, wie wir leben sollen. Hört auf diese Frauen!" Katja Oskamp
Drei Freundinnen, ein Küchentisch, vor den Fenstern die Nacht: Annett Gröschner, Peggy Mädler und Wenke Seemann reden. Über sich als "Ostfrauen", was auch immer diese Schublade bedeutet, über das Glück krummer Lebensläufe, über die Gegenwart mit ihrer sich ständig reindrängelnden Vergangenheit. Es wird getrunken, gelacht und gerungen, es geht um Erinnerungsfetzen und Widersprüche, um die Vielschichtigkeit von Prägungen und um mit den Jahren fremd gewordene Ideale. Im japanischen Volksglauben gibt es Geister, die aus achtlos weggeworfenen Dingen geboren werden - "wie sähe der Dinggeist der DDR aus?", fragen die drei. Ihr Buch ist dem Erinnern und dem Sich-neu-Erfinden gegenüber so gewitzt und warmherzig, wie es jede große Gesellschaftsdiskussion verdient.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Klaus
5/5
21.04.2024
eBook (ePUB)
Tiefgang mit Humor
Drei Frauen, drei Künstlerinnen, drei Freigeister, drei Freundinnen geboren und aufgewachsen in der ehemaligen DDR, setzten sich zusammen und diskutieren. Ihre Gespräche zeichnen sie auf und wandeln sie später in dieses Buch um, ein Buch voller tiefgründiger Gedanken, zum Nachdenken, zum mitdiskutieren, aber vor allem zum Schmunzeln.
An sieben Abenden treffen sich die drei Freundinnen, um über vorher festgelegte Themen zu fachsimpeln. Mal bei der einen in der Wohnung, mal bei einer anderen in der Datsche, mal auf dem Gelände eines ehemaligen Ferienheims, immer mit reichlich Alkohol im Gepäck. Die Themenwahl ist ziemlich breit gefächert, da wird natürlich über Ost und West im Allgemeinen diskutiert, aber eben auch über die "Ostfrau" im Besonderen. Themen wie Demokratie, das Abtreibungsgesetz, oder Rechtspopulismus kommen da neben Erinnerungen an den Fahnenapell, oder die Pädagogik in der DDR zur Sprache.
Da ich alterstechnisch ziemlich gut da rein passe, hab ich mich natürlich im Buch wie zu Hause gefühlt. Es war herrlich so in Erinnerungen zu schwelgen und immer wieder zu denken - ja, genauso war es, aber eben auch - das hab ich anders erlebt. Auch die Art und Weise der Umsetzung hat mir gut gefallen. Da protokolliert nicht einfach jemand ein Gespräch, sondern man sitzt als Leser quasi mit am Küchentisch, auf dem Balkon, am Ufer des Sees, man folgt den Gesprächen der Frauen, die dann eben auch mal durcheinanderquatschen, zwischendurch hüsteln, kauen, oder nach einer Mücke schlagen. Das ganze Drumherum fließt so selbstverständlich in das Buch ein, das man eben mittendrin, statt nur dabei ist. Obwohl die Aussagen im Buch ganz persönliche Einzelmeinungen darstellen, merkt man, das die Autorinnen sich Gedanken gemacht haben und auch über entsprechendes Hintergrundwissen verfügen. Da wird nicht einfach so was dahergeplappert. So wird in Nacht drei ein Flugblatt von 1989 nochmal gegengelesen, an dem Autorin Anett mitgearbeitet hat und die Frauen geben hier auch ehrlich zu, dass sie einige Aussagen so heute nicht mehr unterstützen würden.
Die Gespräche im Buch wirken echt auf mich, selbstkritisch, selbstreflektiert, es geht nicht unbedingt um political correctness, so würde ich auch mit meinen Mädels zusammensitzen und das macht mir die Autorinnen unglaublich sympathisch. Ich bin eigentlich kein Freund von Höhrbüchern, aber dieses hier ist natürlich prädestiniert dafür, auch ein Podcast wäre eine tolle Form sich die Gespräche anzuhören, einfach, weil dann der Humor der Frauen noch besser zum Ausdruck käme. Für mich dürfen die Drei gern weiter fachsimpeln und dabei den Recorder laufen lassen.
Unbedingt bitte auch den Anhang mitlesen, die Erklärungen zu den Fußnoten, die hier zusammengefasst sind, sind nochmal ein zusätzliches Schmankerl.
rallewu
aus Niedersachsen
5/5
30.03.2024
eBook (ePUB)
Ein tolles Buch voller Humor und mit Tiefgang
Annett Gröschner, Peggy Mädler und Wenke Seemann haben mit "Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat" ein wunderbares Buch mit viel Tiefgang geschrieben. Was macht die typische ostdeutsche Frau aus, was unterscheidet sie von den westdeutschen Frauen, wo waren und sind vielleicht noch Unterschiede zwischen den Frauenbewegungen in Ost- und Westdeutschland? Diesen und vielen anderen Fragen möchten sich die drei Autorinnen ganz unbefangen analytisch widmen, aber bei deren Beantwortung spielen dann aber doch selbstverständlich die vielfältigen persönlichen ( durchaus auch unterschiedlich bewerteten) Erfahrungen eine große Rolle.
Für mich als westdeutschen Mann sind viele Aspekte völlig neu, aber hochinteressant und ich war sehr oft erstaunt und überrascht über die persönlich erlebten Geschichten, die alle drei im Laufe der Gespräche erzählten.
Das außergewöhnliche Erzählformat - protokolierte Gespräche - macht sehr viel Spaß zu lesen. Was das Buch für mich aber noch weitaus lesenswerter macht ist der ausführliche Anhang mit den mehr als 200 Fußnoten, die mindestens ebenso spannend zu lesen sind, wie die Gespräche der drei Frauen untereinander. Absolute Leseempfehlung von der ersten bis zur allerletzten Zeile.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
06.08.2026
Buch (Taschenbuch)
Zwischen Stammtisch, Utopie und Erinnerungskultur
„Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“ ist weder Roman noch Sachbuch, weder klassisches Essay noch bloße Gesprächssammlung. Vielmehr bewegt sich das Werk souverän zwischen autobiografischer Reflexion, gesellschaftspolitischem Diskurs und literarischer Inszenierung.
Ausgangspunkt sind die Gespräche dreier Frauen, die in der DDR aufgewachsen sind und ihre Erfahrungen mit der deutschen Teilung, der Wiedervereinigung und den bis heute spürbaren Nachwirkungen dieser Geschichte austauschen. Was zunächst nach einem lockeren Abend unter Freundinnen klingt, entwickelt sich schnell zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit Fragen von Identität, Erinnerung, Demokratie, Feminismus und gesellschaftlicher Gerechtigkeit. Der titelgebende Alkohol dient dabei weniger als Gag denn als Katalysator. Er lockert die Gespräche, löst Denkverbote auf und schafft Raum für Gedankenspiele, die zwischen scharfer Analyse und bewusst überzeichneter Utopie oszillieren.
Besonders beeindruckt hat mich die Form des Buches. Die Gespräche wirken nicht künstlich arrangiert oder literarisch geglättet, sondern behalten ihre Spontaneität. Man hat tatsächlich das Gefühl, mit am Tisch zu sitzen, den Gesprächsverlauf mitzuerleben und Zeuge einer Diskussion zu werden, die sich organisch entwickelt. Die Autorinnen unterbrechen einander, schweifen ab, lachen, widersprechen sich und korrigieren eigene Positionen. Gerade diese Unmittelbarkeit verleiht dem Text eine Authentizität, die man in gesellschaftspolitischen Büchern nur selten findet.
Bemerkenswert ist zudem, dass keine der drei Stimmen den Anspruch erhebt, für den Osten oder die Ostfrau zu sprechen. Vielmehr wird immer wieder deutlich, wie unterschiedlich selbst ähnliche Lebensrealitäten wahrgenommen wurden. Erinnerungen stehen nebeneinander, ohne zwanghaft vereinheitlicht zu werden. Dadurch entsteht kein nostalgischer Rückblick auf die DDR, aber ebenso wenig eine eindimensionale Abrechnung. Stattdessen entwickelt sich eine differenzierte Reflexion darüber, wie Biografien von politischen Systemen geprägt werden und weshalb viele gesellschaftliche Bruchlinien bis heute fortbestehen.
Gerade als Leserin, die die DDR in jungen Jahren noch miterlebt hat, empfand ich diese Perspektiven als außerordentlich Erinnerung stiftend und kann mir vorstellen, dass die Blicke auch für BRD-Sozialisierte bereichernd sind. Vieles, was in öffentlichen Debatten häufig vereinfacht dargestellt wird, erhält hier eine persönliche Dimension. Das Buch vermittelt historische Erfahrungen nicht durch Zahlen oder politische Analysen, sondern durch Erinnerungen, Widersprüche und alltägliche Beobachtungen. Dadurch entsteht ein Zugang, der wesentlich nachhaltiger wirkt als manche historische Abhandlung.
Neben seinem inhaltlichen Gewicht lebt das Buch vor allem von seinem Humor. Die Autorinnen beweisen die seltene Fähigkeit, ernste Themen mit Leichtigkeit zu verbinden, ohne ihnen ihre Schärfe zu nehmen. Ironie und Selbstironie durchziehen die Gespräche ebenso selbstverständlich wie nachdenkliche Momente. Immer wieder musste ich schmunzeln, häufig folgte auf das Lachen jedoch unmittelbar ein Gedanke, der weit über die jeweilige Szene hinausreichte. Diese Balance zwischen Unterhaltung und intellektueller Auseinandersetzung gelingt ausgesprochen überzeugend.
Besonders gefallen hat mir auch die Selbstreflexion der Autorinnen. Sie präsentieren ihre Erinnerungen nicht als unumstößliche Wahrheit, sondern hinterfragen eigene Überzeugungen, räumen Irrtümer ein und zeigen, dass sich politische Haltungen im Laufe eines Lebens verändern dürfen. Gerade dadurch gewinnen ihre Gespräche an Glaubwürdigkeit. Es geht nicht darum, moralische Urteile zu fällen, sondern gemeinsam nach Antworten zu suchen.
„Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“ ist weit mehr als ein humorvoller Titel mit origineller Idee. Es ist ein kluges, streitbares und überraschend persönliches Buch über Erinnerung, gesellschaftliche Prägung und den Versuch, Vergangenheit und Gegenwart miteinander ins Gespräch zu bringen. Es regt zum Nachdenken an, ohne belehrend zu sein, und unterhält, ohne an Tiefgang einzubüßen. Gerade in einer Zeit, in der ostdeutsche Erfahrungen häufig auf Schlagworte reduziert werden, setzt dieses Buch einen wohltuend differenzierten Gegenakzent. Selten habe ich eine gesellschaftspolitische Auseinandersetzung gelesen, die gleichermaßen klug, selbstkritisch und so angenehm unprätentiös daherkommt.
Das Buch „Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“ basiert auf einem Theaterstück der Autoren, welches 2018 seine Premiere feierte. Ich kannte das Theaterstück vor Lesen des Buches nicht. Mich hat zu Beginn vor allem der Titel des Buches angesprochen, da ich in Ostdeutschland lebe und aufgewachsen bin, mit meinen jungen Jahren, 2001 geboren, den Ost-West-Konflikt nur bedingkt nachvollziehen kann.
In dem Buch selbst wird die Sicht dreier ostdeutscher Frauen thematisiert. Diese treffen und betrinken sich gemeinsam in einer Bar und entwickel in einem ausgelassenen Gespräch die Idee , ihren eigenen „idealeren“ Staat zu gründen. Dabei kommen ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit der DDR und der Wiedervereinigung zum Vorschein. In einem wilden Austausch über gesellschaftliche Missstände, politische Enttäuschungen und utopische Visionen diskutieren sie, wie eine gerechtere Gesellschaft aussehen könnte. Durch dieses Gedankenspiel der drei Frauen werden verschiedene Themen, teilweise auf satirische Wiese diskutiert, u.a. die eigene Identität, die Folgen der deutschen Wiedervereinigung sowie die Suche nach einer besseren Zukunft.
Ein großer Pluspunkt des Buches sind für mich die drei verschiedenen Lebensgeschichten der Frauen. Dadurch wird mir, jemandem der diese Zeit nie persönlich erlebt hat, ein Einblick darin ermöglicht (DDR u Wende). Auch waren die im Gespräch entwickelten Ideen eines ideellen Staates recht humorvoll und haben ernste, schwere Themen aufbereitet und unterhaltsam verpackt. Natürlich wirkt die Szenerie, drei betrunkene Frauen, die eine neue Welt erdenken, für die Bedeutsamkeit des politischen und gesellschaftskritischen Diskurses recht unpassend. Ich persönlich fand jedoch, dass dadurch der humorvolle Ausdruck an mancher Stelle zu einer lockereren Szenerie führte und mir das Lesen so erleichtert hat. Da der Ost-West-Konflikt, den wir alle gerne mal verleugnen, doch teilweise an manchen Stellen in der Gesellschaft noch spürbar ist, finde ich es wichtig, sich damit auch auseinander zu setzten. In diesem Zusammenhand hat mir das Buch sehr gut gefallen; es regt eher zum Nachdenken an und bescherte mir einige unterhaltsame Stunden. Mir hat die Mischung aus Humor und Gesellschaftskritik sehr gefallen. Ich würde das Buch jedem weiterempfehlen, der sich für diese Thematik interessiert.
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5/5
16.01.2025
eBook (ePUB)
Eine Reise in die Vergangenheit...
Ein informatives und faszinierendes Porträt der DDR entsteht.
Die Autorinnen liefern ein Gespräch auf Augenhöhe, welches die Deutsche Demokratische Republik plastisch erweckt und packend beschreibt.
Ich habe mich in einigen Erfahrungen wiedergefunden.
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4/5
21.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Drei Frauen besuchen die Vergangenheit
beleuchten ihre (gemeinsame) Vergangenheit in Ostdeutschland bruchstückhaft. Wenn man keinen persönlichen Bezug zur DDR hat ist es manchmal schwer den Gedanken der Autorinnen zu folgen. Trotzdem merkt man wie viel Liebe und Arbeit in diesem Buch steckt! Mit passenden Bildern ergänzen die drei Autorinnen ihre Erinnerung an vergessene Zeiten, die doch mehr Einfluss auf die Gegenwart hat als man meinen würde!
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4/5
08.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist, um es mit den...
Dieses Buch ist, um es mit den Worten von Annett Gröschner zu sagen, „immer radikal, aber niemals konsequent“. Es ist eine Zeitreise: mal wehmütig, mal lustig, mal wütend machend, mal hoffnungsvoll.
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4/5
06.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich habe trotz meines jüngeren...
Ich habe trotz meines jüngeren Alters das Lesen dieses Buches genossen, das so voll von Anekdoten meiner Eltern steckt und war fasziniert, wie viele Ähnlichkeiten ich zu meiner Jugend finden konnte. Nicht nur für Ossis ein tolles Buch
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4/5
15.05.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Prinzipiell sicher ein interessantes...
Prinzipiell sicher ein interessantes Buch, leider finde ich den Schreibstil absolut unangenehm. Für gebürtige Ostdeutsche dieser Zeit sicherlich trotzdem eine unterhaltsame Lektüre.
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