Zeno ist fünfzehn und sitzt im berüchtigten Jugendgefängnis auf der Insel Nisida vor Neapel, weil er einen Jungen, der ihn umbringen sollte, erschossen hat. Seine Lehrerin dort fordert ihn auf, sein Leben und seine Gedanken zu Papier zu bringen, dann bekommt er vielleicht an Weihnachten zwei Tage Ausgang. Dies ist sein Bericht. Zeno ist in Forcella aufgewachsen, einem der Quartieri Neapels, in denen die Camorra so allgegenwärtig ist, wie die Armut. Als sein krimineller und prügelnder Vater ins Gefängnis kommt, wird der Zehnjährige zum Mann im Haus. Denn obwohl seine Mutter anschaffen geht, reicht das Geld nicht aus, um ihn und seine Schwester durchzubringen. Zeno fängt an zu klauen und bald bietet ihm ein kleiner Capo an, für ihn zu arbeiten. Also fährt der zwölfjährige Zeno auf seinem geklauten Roller durch die Stadt und liefert die »Päckchen« aus. Doch die Revierkämpfe der Familien in den Quartieri sind unerbittlich und es ist nur eine Frage der Zeit, bis Zeno zwischen die Fronten gerät. Dem Jungen auf dem Roller, den sie geschickt haben, um ihn umzubringen, verpasst Zeno drei Kugeln. Jetzt sitzt er in Nisida, dem berüchtigten Jugendgefängnis vor Neapel, umgeben von einem unerbittlichen Meer und den anderen jugendlichen Straftätern, und träumt vom »Draußen«. Von seiner geliebten Mutter und seiner Freundin Natalina. Seine Lehrerin hat ihm versprochen, ein gutes Wort für ihn einzulegen, wenn er sein Leben und seine Gedanken zu Papier bringt. Also fängt Zeno an zu schreiben ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
13.09.2024
eBook (ePUB 3)
Ich möchte Meer von solchen Büchern!
Dieses Buch schafft das, was "Tschick" aus meiner Sicht so krampfhaft versucht und nie geschafft hat: Glaubhaft die Geschichte eines jungen Menschen bzw. Mannes zu erzählen und zwar aus dessen Sicht und mit dessen Sprache. Das kann auch gut an der unglaublichen Übersetzungsleistung liegen, aber ich musste mich nach der Hälfte des Buches nochmal vergewissern, dass das Buch reine Fiktion ist. Und dabei ist die Sprache, die natürlich gespickt ist von Flüchen, Schimpfwörtern, Umgangssprache und einigen Fehlern nicht einfach nur das, also ein wildes Sammelsurium an vulgärer Ausdrucksweise und Gewalt, sondern sie besticht immer wieder durch sehr schöne und intelligente Wortspiele und Lautmalereien, die tatsächlich von einem 15-Jährigen stammen könnten. Dabei wirkt es nie gekünstelt, weder in die eine Richtung, noch in die andere. Die Geschichte um Zeno ist tragisch, auch wenn er selbst das so nicht wahrnimmt. Was er dafür sehr wohl wahrnimmt, das ist die Ungerechtigkeit, die auf der Welt herrscht und die man in Städten ganz besonders zu spüren bekommt - vor allem, wenn man, so wie Zeno, am unteren Ende der sozialen Futterkette lebt. Und so bildet er sich seine eigenen, aus seiner Perspektive völlig nachvollziehbaren Sichtweisen auf die Welt, auf die Kirche, den Staat, die Gesellschaft und sein gesamtes Umfeld und ist dabei selbstreflektiert, sich seiner Position in der Gesellschaft und seines Berufs bzw. seiner "Maloche", wie er seine Arbeit als Drogenkurier nennt, sehr bewusst - aber ausgesucht hat er es sich nicht. Ein unglaublich packendes Zeugnis eines wegen Morde verurteilten Minderjährigen, welcher in einer Jugendstrafanstalt auf der Insel Nisida vor Neapel seine Gedanken aufschreibt - alles frei erfunden, auch wenn man das schnell vergisst.
Shilo
aus Ulm
3/5
15.08.2024
eBook (ePUB 3)
Konnte mich nicht restlos überzeugen
Der wegen Mordes verurteilte 15jährige Zeno erzählt in einem naiven Schreibstil auf Wunsch seiner Lehrerin von seinem Leben und bringt auch seine eigenen Gedanken mit auf das Papier. Dafür soll er zu Weihnachten vielleicht für 2 Tage nachhause zu seiner Mutter dürfen. Jetzt, im Jahr 1991, sitzt er auf der auf Nisida, einer Insel vor Neapel, im Jugendgefängnis.
Francesca Maria Benvenuto hat sich in diesem Roman tief in die Seele eines kriminellen Jugendlichen versetzt, dem aufgrund seiner sozialen Verhältnisse nur Straftaten bleiben, um seiner Mutter aus der Prostitution zu helfen. Doch dann gerät er zwischen die Fronten der Revierkämpfe der Familien in den Quartieri von Neapel.
Anfangs musste ich über die einfältige Schreibweise des Jungen schmunzeln, doch mit der Zeit begann sie zu nerven und die 176 Seiten fingen an, sich wie ein Gummiband zu ziehen. Zumal die Handlung auch nur vor sich hinplätscherte und an Spannung fehlen ließ. Lediglich auf den abrupten und erschreckenden Schluß war ich nicht vorbereitet.
3 Sterne.
Bewertung
5/5
21.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was für ein Buch
Ich werde Zeno Iaccarino niemals vergessen! Dieser Junge, der zum Mörder wurde und doch nichts dafür konnte. Dieser Junge mit dem goldenen Herzen, dass er und kurz, wenn wir aufmerksam lesen, schenkt!
Helga Pamminger
aus Wiener Neustadt
5/5
02.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein besonderes Buch
Dieses Buch ist ein besonderes Buch.
Zeno soll auf Wunsch oder Bitte seiner Lehrerin seine Geschichte aufschreiben. Der Deal ist, dass er dann zu Weihnachten 2 Tage Ausgang aus dem Gefängnis bekommt. Also macht er sich an die Arbeit, ungelenk, voll Rechtschreibfehlern und alles andere als perfekten Formulierungen. Er ist schließlich erst 16 Jahre alt, sitzt im Gefängnis auf einer gottverlassenen Insel, muss sich Respekt unter den anderen Häftlingen verschafften, er hat schließlich einen Mord begangen..
Auch wenn er nur seinem Mörder zuvor gekommen ist.
Natürlich erzählt nicht Zeno, es ist ein literarisches Werk der Autorin Francesca Maria Benvenuto, ganz toll übersetzt.
Und sehr sehr traurig, aber großartig
Literatursprechstunde
aus Göttingen
5/5
04.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Geschichte über Liebe und Hoffnung im Jugendgefängnis Neapels
„Dieses Meer, dieses unerbittliche Meer“ ist eine Geschichte im Jugendgefängnis Neapels, die wir durch die Augen Zenos sehen, dem inhaftierten Jungen, der mit fünfzehn Jahren bereits die schlimmsten Seiten des Lebens kennengelernt hat. Also träumt er sich nach „Draußen“ zu seiner geliebten Mutter und zu seiner Freundin Natalina.
In den Augen anderer war er ein Kind, das ohne Liebe und ohne Führung aufwuchs und im Gefängnis landete, weil er eine Person tötete - ohne Schuld und Reue, weil alternativ er der Tote gewesen wäre. Er wuchs in einem berüchtigten Stadtteil Neapels auf, in dem sich die Camorra und die Armut die Klinke in die Hand geben. Schon zehnjährig wurde er zum Mann im Haus, da sein Vater inhaftiert wurde - der Startpunkt seiner eigenen kriminellen Machenschaften.
Im Gefängnis erlauben sie ihm, die Schule zu besuchen und durch Ansporn seiner Lehrerin beginnt er seine Gedanken aufzuschreiben, indem er über sein Leben außerhalb des Gefängnisses spricht, über seine Familie und die Freundschaften, die er im Gefängnis schloss - im Gegenzug verspricht sie, ein gutes Wort für ihn einzulegen um Weihnachten zwei Tage Ausgang zu bekommen.
Zeno ist ein Charakter, der nicht wegen, sondern trotz seines Alters beeindruckt - er hat mich erstaunt, bewegt und teilweise gedanklich auf den Kopf gestellt.
Ein Junge, der sich der Dramen seines Lebens vollkommen bewusst ist: ein Vater im Gefängnis, eine Mutter, die gezwungen ist, sich zu prostituieren, um ihre Familie zu unterstützen, und er, der mit nur zehn Jahren Geschäfte und Raubüberfälle unternimmt.
Er schämt sich für nichts - für Zeno ist es normal, was immer er getan hat. Aber wehe denen, die ihm sagen, dass es ihm an Liebe fehlt; ihm fehlte es an allem, aber nicht an der Liebe seiner Familie.
Ein Roman, der einem lehrt, wie wichtig Hoffnung ist und dass es sich lohnt, an die Liebe zu glauben - danke Francesca Maria Benvenuto!
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