»Die brutalste, ehrlichste und schmerzhafteste Offenbarung dessen, was in den Seelen schwarzer Männer und Frauen passiert ist und passiert.« James BaldwinEva Medina Canada sitzt im Knast, schweigsam und ohne Reue. Sie hat ihren Liebhaber ermordet, warum, bleibt ihr Geheimnis. Ihre Erinnerungen kreisen um die Begegnungen mit den Männern in ihrem Leben - den Schuljungen, den Freund ihrer Mutter, den Cousin, ihren Ehemann, einen Fremden im Bus. Solange sich Eva erinnern kann, wurde sie bedrängt, überhört und missbraucht. Es sind singuläre Erlebnisse, die aufgehen in einer universellen weiblichen Erfahrung: der vermeintlichen Verführerin. - Die unmittelbaren Gedanken und Gefühle einer schwarzen Frau, der die Selbstermächtigung auf tragische Weise gelingt. Gayl Jones ist damit ein grandioses literarisches Kunststück gelungen. Diesen Roman vergisst man nicht. »Eine literarische Gigantin und eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen« Tayari Jones
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
caught_in_fairytales
aus München
5/5
16.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartig!
Inhalt
Die Protagonistin Eva ist zeit ihres Lebens von Männern bedrängt und missbraucht worden. Nun sitzt sie im Gefängnis, weil sie ihre Affäre umgebracht, und ihm vorher noch den Penls abgebissen hat. Alle wollen wissen, warum sie es getan hat, doch sie spricht nicht.
Fazit
Wow … das war … heftig. Anfangs habe ich den Roman in kleinen Häppchen gelesen und musste Pausen machen. Aber er war gut. So gut geschrieben! Die Geschichte ist ein Wirrwarr aus aktuellen Ereignissen und Erinnerungen Evas. Während sie im Gefängnis sitzt, werden nach und nach Erinnerungshäppchen eingeführt, die zeigen, wie sie ihr Leben lang s€xuell belästigt wurde. Schon als Mädchen wird sie objektifiziert, nur als ein Stück Fleisch betrachtet, als Besitz, als Errungenschaft. Allein von ihr angesehen zu werden, interpretieren die - natürlich - Männer als lüsternen Blick und Aufforderung. Sie müssen sich ihre Männlichkeit durch S€x mit einer jungen Frau bestätigen. Dabei ist das Wort consent nicht in ihrem Vokabular. Erbärmliche Würstchen.
Nachdem also nach und nach prägende Übergriffe aus ihrem Leben eingeführt worden sind, vermischen sich diese in der Erzählung irgendwann miteinander und markieren damit die Zuspitzung der Ereignisse. Anfangs noch durch Absätze voneinander getrennt, mischen sich die Erinnerungen irgendwann Satz für Satz. Für mich ein sehr eindrucksvolles Stilmittel, um die innere Aufruhr der Protagonistin zu zeigen, die sich absolut ruhig, fast schon wie betäubt zeigt. Zudem ist es eine tolle Metapher dafür, dass es irgendwann nicht mehr um die einzelnen Übergriffe an sich geht, denn sie alle gleichen sich so oder so. Denn: Es sind nicht alle Männer, aber es sind immer Männer. Und im Falle Evas, einer jungen, schönen schwarzen Frau, gefühlt fast alle, denen sie begegnet.
Sprachlich absolut großartig, und auch inhaltlich mutig für das Erscheinungsjahr vor knapp 50 Jahren. Auch vor der deutschen Übersetzung ziehe ich den Hut, denn sie liest sich sprachlich sehr authentisch und ich kann mir vorstellen, dass das keine leichte Aufgabe war (- ich bin studierte Übersetzerin). Ich sehe also, ich muss unbedingt mehr von Gayl Jones lesen! Und ihr diesen Roman, wenn er euch inhaltlich nicht triggert!
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