Sister Europe ist der sensationell gelungene Berlin-Roman einer seit einem Vierteljahrhundert in Deutschland lebenden Amerikanerin, die sich hier besser auskennt als die meisten Berliner. Ein geistreiches, ein großes Hörvergnügen.
Berlin im Vorfrühling. Eine Zufallsgemeinschaft ganz unterschiedlicher Menschen - ein Kunstkritiker und seine halbwüchsige trans Tochter, ein arabischer Prinz, ein alternder Lebemann mit seinem deutlich jüngeren Internet-Date und eine hinreißende Grande Dame - wandert durch die Stadt, von einem Galadiner im verblüht noblen Hotel Interconti quer durch den nächtlichen Tiergarten, stets verfolgt von einem Kripomann, der Verbotenes wittert. En passant entspinnt sich ein Gespräch voller Witz, Intelligenz, eingebettet in die Topografie und Geschichte der deutschen Hauptstadt, und durch den Plauderton hindurch dringen leise die großen Fragen: nach der Einsamkeit des Menschen, nach der Möglichkeit, sie zu durchbrechen, nach dem eigenen Platz auf dieser Welt. Am Ende finden sich die, die zusammenpassen, und die es nicht tun, finden sich auch.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
hallobuch, Silke Schröder
aus Hannover
5/5
12.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein anregender und geistreicher Nachtspaziergang durch den Berliner Tiergarten
Nell Zink verknüpft in „Sister Europe“ einen nächtlichen Spaziergang ihrer Protagonist+innen mit angeregten Gesprächen, in denen diese ihre Ansichten und ihre Erfahrungen über viele verschiedene Themen austauschen. In gelassener Atmosphäre prallen ganz unterschiedliche Charaktere und auch Welten aufeinaner. Doch trotz aller Widersprüche gibt es auch immer ein Bemühen um Verständis füreinander. Kapitelweise wechselt Neil Zink die Perspektive und berichtet aus der Sicht ihrer einzelnen Figuren, wie sich für diese das Gespräch entwickelt. Und nebenbei lässt sich an vielen klenen Beobachtungen feststellen, dass sich die seit langem in Berlin lebende, US-amerikanerische Autorin sehr gut in der deutschen Hauptstadt auskennt, insbesondere in den etwas verwunscheneren Ecken des alten Westens. So ist „Sister Europe“ von Nell Zink ein anregender und geistreicher Nachtspaziergang durch den Berliner Tiergarten und ein fesselndes sprachliches Geplänkel über Themen, die uns alle irgendwann bewegen.
Bories vom Berg
aus München
3/5
05.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Parodie auf den Literaturbetri…
Parodie auf den Literaturbetrieb Mit «Sister Europe» hat die US-amerikanische Schriftstellerin Nell Zink einen literarisch unkonventionellen Roman vorgelegt, in dem sie grundverschiedene, skurrile Figuren in einer einzigen regnerischen und kalten Nacht ungebremst aufeinander treffen lässt. Die am 21. Februar 2013 spielende, originelle Geschichte einer ominösen, zufällig entstandenen Gemeinschaft «schräger Vögel» stellt eine auf hohem intellektuellem Niveau angesiedelte, subtile Gesellschafts-Kritik dar, die äußerst gewitzt vorgetragen wird. Als seit dem Jahr 2000 in Deutschland lebende Autorin hat Nell Zink ihrem in Berlin angesiedelten Roman viel Lokalkolorit beigegeben. Seine Handlung spielt sich im renommierten Hotel Intercontinental ab, Anlass ist die feierliche Verleihung eines Literaturpreises mit anschließendem Galadiner. Teilweise ist auch der nahe gelegene Tiergarten als großer Stadtpark Schauplatz des Geschehens. Das illustre, zu Selbstinszenierungen neigende Figuren-Ensemble besteht aus dem Kunstkritiker Demian und seinem transsexuellen, 15jährigen Sohn Kilian. Der ist gerade dabei, eine «Nicole» zu werden, - oder vielleicht doch lieber nicht? Während der Vater Kilians Pläne ablehnt, was er sich aber nicht anmerken lässt, weil es «uncool» wäre, ist der Mutter die geplante Geschlechts-Umwandlung ihres Sohnes ziemlich egal. Ferner gehört Demians Freund Toto zum Personal des Romans, ein alternder Lebemann, und außerdem auch dessen deutlich jüngere Internet-Bekanntschaft Avancia, sie treffen sich dort zum ersten Mal. Mit von der Partie ist als Grande Dame auch noch die attraktive Livia, eine alte Freundin von Demian. Und auch deren imposanter Großpudel und verlässlicher Beschützer, der auf den Namen Mephisto hört, spielt nicht nur eine Nebenrolle in dem turbulenten Plot, denn sein Name deutet ja unverkennbar auf den Pudel in Goethes «Faust» hin. Geehrt wird an dem als Veranstaltung quälend langweiligen Abend der arabische Schriftsteller Masud, den kaum einer kennt. Der Literaturpreis ist von der Witwe eines Emirs gestiftet, die sich bei der Feierstunde von ihrem Neffen Prinz Radi vertreten lässt. Sie hat auf ihre Einladungen enttäuschend wenige Rückmeldungen bekommen. Denn in ihren Kreisen jetten die Leute in der kalten Jahreszeit rund um die Welt, bloß ab ins Warme ist die Devise, - Umweltschutz und Klimawandel hin oder her! Sie bittet Demian deshalb, so viel wie möglich Leute aus seinem Bekanntenkreis mitzubringen, damit das offensichtliche Desinteresse an dem Preisträger nicht gar zu peinlich wird. Prinz Radi versucht dann prompt, mit der attraktiven Nicole anzubandeln, die schon vor dem geplanten medizinischen Eingriff äußerlich als junge Frau auftritt, geschminkt und aufreizend gekleidet. Sie will unbedingt ihre erste sexuelle Erfahrung als Frau machen. Prinz Radi jedoch zögert, - so weit will er denn doch nicht gehen! Ein wesentliches Stilmittel der Autorin sind die glänzend formulierten, treffsicheren und mitreißenden Dialoge, die vor allem durch kontemplative Einschübe und philosophische Erörterungen gekennzeichnet sind. Schwach dagegen sind die zu Selbstinszenierungen neigenden Figuren gezeichnet, verkrachte Existenzen allesamt, deren Wesensart weitgehend verborgen bleibt, man bekommt kaum einen Zugang zu ihnen. Gleichwohl tragen sie mit ihrem ausufernden Geplauder den ansonsten weitgehend ereignislosen Plot, der ziellos vor sich hintreibt. All das gibt dem üppig mäandernden Roman etwas zutiefst Trostloses! Aus den Kritiken der Feuilletons wie auch aus Leser-Kommentaren ergibt sich ein auffallend zwiespältiges Bild dieses ironisch erzählten Romans, der letztendlich nichts anderes ist als eine gelungene Parodie auf den aktuellen Literaturbetrieb.
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5/5
12.06.2025
eBook (ePUB 3)
Berlin ist ne Wolke. Oder?
Eine bunt zusammengewürfelte illustre Gesellschaft zieht nächtens durch Berlin. Man langweilt sich auf einer Party, zieht weiter, amüsiert sich woanders, führt Gespräche über die Themen der Zeit, spricht natürlich auch gern über sich selbst - und am frühen Morgen geht man wieder auseinander oder auch nicht. Das klingt jetzt erst mal nicht ungewöhnlich. Soll es auch nicht, denn solche Streifzüge durch die Stadt gibt es sicher jeden Abend 1000fach, nicht nur in Berlin.
Genau das ist der Punkt - und so ist "Sister Europe" eine wunderbar kluge und pointierte Gesellschaftssatire, die das moderne Leben in der Großstadt, den Kulturbetrieb und seine Protagonisten aufs Korn nimmt. Ich wusste beim Lesen nicht, ob ich mich vor Lachen wegschmeißen oder doch einfach nur Kopfschütteln sollte. Jedenfalls habe ich mich köstlich amüsiert!
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5/5
24.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Themen treffen den Zeitgeist (auf intelligente Weise)
Schauplatz des Zusammentreffens ganz unterschiedlicher Menschen ist Berlin. Eine entspannte kleine Gruppe beschließt nach einer hinter den Erwartungen deutlich zurück gebliebenen Literaturpreisverleihung noch ein Lokal aufzusuchen und durch die nächtliche Stadt zu schlendern. Ein Polizist bleibt ihnen auf den Fersen, die Unterschiedlichkeit der gemeinsam Laufenden befeuert seinen durch eine Transfrau entfachten Argwohn. Ein Buch voll besonderer Sprache, ansprechend, geistreich und großartig. Diesen Gesprächen würde ich immer wieder begeistert folgen.
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5/5
19.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Witzig und klug…
Leider entsprach, dass angekündigte Gala Essen nach einer sterbenslangweiligen Literaturpreisverleihung nicht den Wünschen der geladenen Gäste. Eine kleine Gruppe sehr unterschiedlicher Personen, die teilweise freundschaftlich miteinander verbunden sind, beschließt ihren Hunger im nahe gelegenen Burger King zu stillen. Im Schatten ihrer Exkursion ein Polizist, der illegales Handeln vermutet …
Ein herrlich skurriler Text mit völlig überzeichneten Figuren. Die Dialoge sprühen von einer sprachlichen Raffinesse, bisweilen sind es völlig belanglose Gespräche, die mit einem intellektuellen Tatsch gewürzt sind. Der Roman ist ironisch, bissig, unterhaltsam und greift doch einige wichtige Themen auf, wie die Frage der Identität. Mich hat der Roman als Gesamtpaket voll überzeugt!
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3/5
25.07.2025
eBook (ePUB 3)
Eine Nacht in Berlin...
Eine Gruppe sehr verschiedener Menschen , darunter ein Kunstkritiker, seine trans Tochter, ein arabischer Prinz und weitere Bekannte , treffen sich auf einer Literaturpreisverleihung und streifen dann gemeinsam durch die Stadt. Es passiert nicht viel, alle wirken ein bisschen verloren und einsam. Sie reden viel aneinander vorbei und suchen irgendwie nach ihrem Platz im Leben.
Die amerikanische Autorin, die seit über 25 Jahren in Deutschland lebt, beweist eine beeindruckende Ortskenntnis únd ein feines Gespür für die Eigenheiten der Berliner Gesellschaft. ;-)
Eine Zufallsgemeinschaft erlebt eine Berliner Vorfrühlingsnacht. Geistreichen Dialogen, in denen Einsamkeit, Zugehörigkeit und Erkenntnisse sich ihren Weg suchen. Es passiert eigentlich nicht viel, aber das liest sich mit grossem Vergnügen.
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