Ein Dorf, die Welt – und die Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben
1971 in einem Dorf in Süddeutschland. Nach einer Art Schneiderlehre in der Stadt kehrt die 20-jährige Roberta auf den Hof ihrer Eltern zurück. Sie ist das einzige Kind und wird irgendwann einmal die Bäuerin sein. Hier auf dem Land sind Vergangenheitsbewältigung, Kriegsdienstverweigerung, Feminismus, Popkultur und Miniröcke nichts, womit man sich beschäftigt. Hier zählen Arbeit, Gehorsam und moralisches Verhalten. Roberta träumt davon, eigene Kleider zu entwerfen, aber sie weiß genau, dass das Träume bleiben werden. Zugleich liebt sie ihren Hof und die körperliche Arbeit in der Natur, wo sie sich ganz und gar spürt. Und sie liebt Wilhelm, den Pfarrerssohn. Wilhelm ist nicht nur für Roberta der Grund, im Dorf zu bleiben. Auch seine Mutter Gertrud bleibt wegen ihres Sohnes. Im Gegensatz zu Roberta hasst sie das Landleben und wünscht sich nichts mehr, als weggehen zu können, hinaus in die Welt.
Beide Frauen werden schwanger und müssen eine Entscheidung treffen. Doch ein tragisches Unglück gibt ihrer beider Leben eine komplett neue Richtung.
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Kaffeeelse (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 23.06.2026
Bewertungsnummer: 3176342
Bewertet: eBook (ePUB)
Die letzte Lektüre von Ewald Arenz hatte mich nicht überzeugen können, „Die Liebe an miesen Tagen“ war eben jene Lektüre, die mich doch etwas enttäuschte. Nun gehe ich nach solch einem Buch etwas skeptischer ans nächste Buch des betreffenden Autors heran. Also wenn mich dieser Autor schon einmal mit einem Buch geflasht hat, was Ewald Arenz ja mit „Alte Sorten“ definitiv gelang. Wenn mich ein Autor/eine Autorin mit dem ersten von ihm/von ihr gelesenen Buch enttäuscht, wird es schwieriger. Hier überzeugt mich nur noch ein Lob von Bloggern/von Lesern, deren Sichten ich liebe oder ein wirklich herausragendes Thema.
Nun gab es aber von Ewald Arenz ja dieses „Alte Sorten“. Und ja, dieses Buch liebe ich sehr. Ich empfehle es und ich verschenke es. Und warum soll es nicht ein weiteres Buch à la „Alte Sorten“ geben?
„Zwei Leben“ handelt in den anfänglichen 70er Jahren in einem süddeutschen Dorf. Zwei weibliche Charaktere stehen in diesem Buch zentral. Zwei stärkere weibliche Charaktere, die mit dem etwas verstaubten Leben im Dorf hadern. Dies klingt doch schon nach einem recht guten Grundgerüst.
Und ja, in der Lektüre bestätigt sich mein anfänglicher Eindruck. Die 20-jährige Roberta kehrt nach einer Schneiderlehre in der Stadt in das heimatliche Dorf, an den elterlichen Hof zurück. Nach der Stadt fällt ihr die Enge des Dorfes noch etwas mehr auf, aber ihre Träume sind nicht ihr Leben, wie sie glaubt, die Arbeit am Hof muss gemacht werden und wer soll den Hof denn versorgen außer ihr? Aber nicht nur der Hof ist ein Grund für ihre Heimkehr ins Dorf. Der Pfarrerssohn Wilhelm irgendwie auch. Auch wenn dies etwas eigen klingt. Aber dieser Aspekt hat mich nicht gestört. Man merkt ja in der Lektüre, dass man in einer anderen Zeit ist. Wobei die Anfänge der 70er sicher in den Großstädten noch etwas anders, etwas wilder, etwas moderner waren. Hier in diesem Dorf ist alles noch sehr verstaubt. Man glaubt eigentlich gar nicht, dass man in den 70ern ist, das könnten in vielen Dingen auch die 50er sein. Von daher stört mich auch dieser etwas groschig klingende Bezug zu Wilhelm nicht. Die zweite Perspektive im Buch kommt von der Mutter von Wilhelm, von Gertrud, der Pfarrersfrau. Wegen der Liebe hat sie geheiratet, kommt aus der Stadt und kam nie wirklich im Dorf an. Hatte immer schon andere Wichtigkeiten als die anderen Frauen im Dorf. Stach schon als Pfarrersfrau heraus, mit ihren Vorlieben dann noch etwas mehr. Doch nicht nur das Dorfleben stört Gertrud, sie ist auch aus anderen Gründen unzufrieden mit ihrem Leben.
Über Roberta und Gertrud gestaltet Arenz modernere Blicke im Mief der dörflichen Welt, die zwar in den anfänglichen 70ern angesiedelt ist, sich aber in der Abgeschiedenheit rückwärtsgewandter entwickelt. Und diese Thematik lässt sich ja auch heutzutage beobachten. Die heutigen Unzufriedenheiten im ländlichen und kleinstädtischen Raum drehen sich ja auch irgendwie um rückwärtsgewandte Thematiken. Thematiken, die sich in den großen städtischen Zentren nicht in dem Maße finden lassen. Siehe Wahlverhalten. Ja, ein schwieriges Thema. Ich weiß! Dennoch muss dies immer wieder auf den Tisch! Was ich auch interessant finde, Arenz gestaltet die Moderne über die Wünsche und Sichten von Frauen. Ja, auch männliche Figuren tendieren in diese Richtung mit, aber die wichtigen Impulse setzen die weiblichen Charaktere. Nun mag dies sicher nicht in Allem in der Realität wiederzufinden sein. Aber auch hier gibt es Anknüpfungspunkte. Im sozialen Bereich sitzen wir Frauen. Der soziale Bereich, der unsere Gesellschaft zusammenhält, der die Gesellschaft zur Funktion bringt. Und eben aus diesem sozialen Bereich kommen immer wieder auch neue Sichten, neue Aspekte. Dies mögen die Reaktionären im Land, in allen Ländern immer wieder bekämpfen. Aber eines ist klar, Veränderung kann man nicht aufhalten.
Und so müssen Roberta und Gertrud ihren Weg finden. Und genau das tun sie!
Man könnte ja meinen, dass dieses Buch in das Seichte abgleiten könnte, wie dies bei „Die Liebe an miesen Tagen“ ja irgendwie der Fall ist. Aber hier in „Zwei Leben“ schafft es Ewald Arenz das Seichte zu meiden.
Ich kann sagen, ich habe „Zwei Leben“ sehr gern gelesen und ich habe so ein Feuer in Richtung „Alte Sorten“ verspürt. Dieses Buch ist bei anderen von mir geschätzten Lesern/Bloggern anders angekommen. Bei mir kam es sehr gut an. Und ich werde auch zu weiteren Büchern des Autors greifen. Die „Katzentage“ warten ja schon auf ihre Zeit!
Ein Buch voller Menschlichkeit
schmoekerstunde am 15.06.2026
Bewertungsnummer: 3168680
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Der Roman spielt in einem süddeutschen Dorf der frühen 1970er-Jahre und erzählt von Menschen, die zwischen Pflichtbewusstsein, gesellschaftlichen Erwartungen und der Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben ihren eigenen Weg suchen.
Bislang habe ich alle Romane von Ewald Ahrens gelesen, und mit jeder Neuerscheinung habe ich den Eindruck, dass es ihm gelingt, sein ohnehin hohes literarisches Niveau noch einmal zu steigern. Auch „Zwei Leben“ hat mich tief beeindruckt. Mit großer Einfühlsamkeit und Menschenkenntnis beschreibt Ahrens Figuren, die authentisch und lebendig wirken. Nichts an ihnen erscheint konstruiert; vielmehr begegnet man ihnen wie echten Menschen, deren Hoffnungen, Ängste und Entscheidungen einen unmittelbar berühren. Man begleitet sie nicht nur durch die Handlung, sondern fühlt und leidet mit ihnen.
Besonders beeindruckt hat mich die atmosphärische Dichte des Romans. Die ländliche Welt der 1970er-Jahre wird so anschaulich und detailreich geschildert, dass man meint, selbst über die Felder zu gehen, den Duft frisch gemähter Wiesen wahrzunehmen oder am Küchentisch Platz zu nehmen.
Die Sprache des Autors ist klar, unaufdringlich und zugleich von poetischer Kraft. Ohne große dramatische Effekte entfaltet die Geschichte eine tiefe emotionale Wirkung.
Wer die bisherigen Werke von Ewald Ahrens schätzt, wird auch diesen Roman mit großer Begeisterung lesen.
Meinung aus der Buchhandlung
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Auf typisch emotional erzählte Ewald Arenz-Weise wird der Leser in das kleine süddeutsche Dorf Salach mitgenommen, in dem sich die Frauen Roberta und Gertrud eingesperrt fühlen und mit ihren Sehnsüchten und unerfüllten Träumen Leben müssen Aber müssen sie das wirklich? Dieser Roman zeigt uns, dass wir unser Leben immer selbst in die Hand nehmen und ändern können, dass es nie zu spät ist. Inspirierend und sehr atmosphärisch wie immer.
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Ein Dorf, die Welt – und die Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben
Bewertet: eBook (ePUB)
Dieses Buch war wunderschön und traurig zu gleich.
1971 in einem Dorf in Süddeutschland. Es handelt von dem jungen Bauernsmächen Roberta, die sich in den Pfarrerssohn Wilhelm verliebt.
Zugleich handelt es aber auch von der Pfarrersfrau, Gertrud.
Beide Frauen erleben Schicksalsschläge und versuchen ihr Leben mit ihren Träumen vereinbaren zu können.
Eine Geschichte über Hoffnung, Liebe und Familie.
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