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Reither, bis vor kurzem Kleinverleger in einer Großstadt, nun in einem idyllischen Tal am Alpenrand, hat in der dortigen Bibliothek ein Buch ohne Titel entdeckt, auf dem Umschlag nur der Name der Autorin, und als ihn das noch beschäftigt, klingelt es abends bei ihm. Und bereits in derselben Nacht beginnt sein Widerfahrnis und führt ihn binnen drei Tagen bis nach Sizilien. Die, die ihn an die Hand nimmt, ist Leonie Palm, zuletzt Besitzerin eines Hutgeschäfts; sie hat ihren Laden geschlossen, weil es der Zeit an Hutgesichtern fehlt, und er seinen Verlag dichtgemacht, weil es zunehmend mehr Schreibende als Lesende gibt. Aber noch stärker verbindet die beiden, dass sie nicht mehr auf die große Liebe vorbereitet zu sein scheinen. Als dann nach drei Tagen im Auto am Mittelmeer das Glück über sie hereinbricht, schließt sich ihnen ein Mädchen an, das kein Wort redet, nur da ist…
Kirchhoff erzählt in seiner großartigen Novelle von der Möglichkeit einer Liebe sowie die Parabel von einem doppelten Sturz: in die Liebe, ohne ausreichend lieben zu können, und in das Mitmenschliche, ohne ausreichend gut zu sein. »Aber wo wären wir ohne etwas Selbstüberschätzung«, sagt der Protagonist Reither, um sich Mut zu machen für den ersten Kuss mit Leonie Palm, »jeder wäre nur in seinem Gehäuse, ein Flüchtling vor dem Leben.«
Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2016
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Eine leise Geschichte, die mich gefesselt hat mit ihrer tiefgehenden Sprache und deren Ende ich mit Spannung erfahren wollte. Salopp gesagt: ein Roadmovie nicht nur für Best-Ager mit allen wichtigen Lebensthemen und ein wunderbares Lese-Erlebnis!
Bewertung
5/5
05.09.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bodo Kirchhoff hat eine stimmungsvolle...
Bodo Kirchhoff hat eine stimmungsvolle Novelle über die Unwägbarkeiten des Lebens verfasst. Sehr lesenswert!
Bewertung
aus Nürnberg
5/5
17.01.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr poetische Novelle
Bodo Kirchhoff hat mit seiner Novelle "Widerfahrnis" ein poetisches Werk verfassts mit zugleich faszinierender sowie fesselnder Sprache.
Ein äußerst lesenswertes Buch, das sehr empfehlenswert ist.
brigilet
aus winterbach
5/5
10.11.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
... ausgesprochen originell,…
... ausgesprochen originell, unterhaltsam, interessant, die Personen und Situationen; man mag es gar nicht beiseite legen und liest das Buch in amüsierter, guter Stimmung von vorne bis hinten durch ...
Mikka Liest
aus Hilter am Teutoburger Wald
5/5
18.10.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Leben als spätes Widerfahrnis
Da treffen sich zwei Menschen, die widerwillig im Alter angekommen scheinen: er, Reither, der seinen Verlag aufgeben musste, weil es immer mehr Schreibende und immer weniger Lesende gibt, und sie, Leonie Palm, die ihr Leben lang Hüte verkauft hat, bis auch das am Mangel an Hutgesichtern scheiterte. Sie haben diesen Wendepunkt im Leben erreicht, wo aus all den vagen Wunschträumen für eine endlos erscheinende Zukunft auf einmal verpasste Chancen werden. Vergangene Enttäuschungen und Verluste, die man längst vergessen glaubt, schmerzen wie alte Narben.
Gemeinsam fliehen diese beiden Menschen, die keinen Halt mehr finden in ihrem Leben, Richtung Sonne und ihrer Verheißung von Glück. In Sizilien begegnen sie einem Kind, das nicht spricht und gerade dadurch zur Projektionsfläche für etwas wird, das beide Protagonisten vermissen - er, weil er es nie hatte, sie, weil sie es verlor.
Aber zunächst beginnt ihre Reise im späten Winter einer deutschen Großstadt, und auch das Buch erschien mir erst seltsam unterkühlt. Es wird aus Reithers Sicht erzählt, der nicht umhin kann, seine Erlebnisse aus einer gewissen Distanz zu sehen. So wie er als Lektor früher aus den Büchern alles Weiche und Sentimentale strich, lässt er es auch in seiner persönlichen Geschichte nur ungern zu. Gefiltertes Leben: Erleben und Erzählen gehen immer Hand in Hand - spröde, kalkuliert, und dennoch oder gerade deswegen mit glasklaren Momenten sprachlicher Schönheit.
Umso erstaunlicher ist, wie plötzlich und ungebremst die Ereignisse auf einmal über ihn hereinbrechen. Leben, Lieben, Hoffen und Scheitern im Zeitraffer. Wider Willen lässt Reither seine Emotionen immer mehr zu, bis aus einem Gedankenspiel mit interessanten Motiven am Schluss doch noch ein Buch wird, das ins Herz trifft.
In seiner Dankesrede sprach Bodo Kirchhoff unter anderem von der "Gratwanderung zwischen einem Erzählen, das wehtut und einem Erzählen, das guttut". Genau das ist es, was "Widerfahrnis" für mich ausmacht: Hoffnung, die dem Leser erst die Schwermut bewusst macht, und doch unausweichlich wieder in dieser mündet. Hilfsbereitschaft, die sich als egoistischer Selbstbetrug herausstellt. Aber umgekehrt auch Schmerz und Verlust, die einen Weg zu etwas Neuem bahnen.
Kirchhoff bricht elementare Themen wie Schuld, Verlust oder Liebe herunter auf das Grundlegendste und setzt sie wieder zusammen zu einer Geschichte der leisen Töne, die dennoch eine starke Sogwirkung entfaltet und es dem Leser dadurch schwer macht, das Buch wegzulegen. Auch wenn diese Themen archaisch sind, vielfach in der Literatur aufgegriffen, ist "Widerfahrnis" doch alles andere als abgedroschen.
Der Autor verzichtet gänzlich auf Pathos oder Kitsch. Sein Schreibstil hat etwas Klares, Schwereloses, und zeichnet sich dennoch durch messerscharfe Prägnanz aus. Das Wort, das mir spontan einfällt, ist "meisterhaft", und dennoch hat das Geschriebene etwas Zurückhaltendes.
Die Geschichte ist fast schon ein Kammerspiel, denn Reither und Leonie verbringen den größten Teil des Buches in ihrem Auto. Dabei kommt man ihm als Leser schnell näher, während man sie zunächst nur dadurch kennenlernt, wie sie auf Reither reagiert - ein Schattenspiel, sozusagen. Aber gerade das ist spannend zu verfolgen, und am Ende versteckt sich im Ungesagten ihr Motiv für die Reise.
Die Liebesgeschichte hat etwas bittersüß Anrührendes, gerade weil sie zu gleichen Teilen unmöglich und unaufhaltsam erscheint.
Fazit:
Die Geschichte eines "Widerfahrnis": zwei ins Alter gekommene Menschen versuchen sich an einer späten Erfüllung ihrer Träume, begeben sich auf einen spontanen Roadtrip nach Sizilien und durchleben in wenigen Stunden Hoffnung, Liebe, Schmerz, Scheitern, Verlust... Bodo Kirchhoff erzählt das schnörkellos und dennoch poetisch, und je länger man darüber nachdenkt, desto mehr Bedeutungsebenen entdeckt man. Obwohl es ohne Zweifel ein anspruchsvolles Buch ist, ist es dennoch auch ein Buch, das sich leicht und unterhaltsam lesen lässt, und in meinen Augen ist es auch ein Buch, das den Deutschen Buchpreis 2016 redlich verdient hat.
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5/5
15.11.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Exzellent und zu Recht der Preisträger...
Exzellent und zu Recht der Preisträger des Deutschen Buchpreises 2016.
Ein wenig verträumt und angerührt lege ich dieses Buch nach der Lektüre zur Seite.
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5/5
02.11.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein ehemaliger Verleger und eine...
Ein ehemaliger Verleger und eine heimliche Autorin erleben auf einem spontanen Trip nach Sizilien die Flüchtigkeit des Glücks. Hier zeigt sich: Gute Bücher müssen nicht dick sein!
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4/5
27.04.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen berückend und bedrückend
Zufall - es gibt wenige Konzepte, die die Menschheit so sehr beschäftigen. Gibt es ihn? Hat er Bedeutung? Ist er das Gegenteil von Bestimmung oder doch das gleiche, nur aus einem anderen Blickwinkel? Oder hat er mgölicherweise keinerlei Relevanz?
Dementsprechend ist natürlich auch die Geschichte aller erzählenden Gattungen voll von Zufällen - was muss z.B. alles zusammen kommen, damit Ödipus die Tragödie werden kann, die sie ist - und auch hier kommen Reither und Leonie, Protagonist und zentrale weitere Figur, unverhofft zueinander und landen im Auto, mal schauen, wohin.
Ohne Frage wohnt diesem Werk eine Menge Wahrheit inne, insofern, dass es sich eher an der ungeschönten Dramaturgie des Lebens orientiert und nicht so sehr an etwas, das vielleicht Aristoteles gut geheißen hätte. Auch ist die Meta-Ebene, auf die Lektor Reither den Text zieht, durchaus spannend. Allerdings interessieren mich die Figuren nicht. Sie bleiben bei aller abenteuerlicher Nähe zueinander trotzdem umgeben von Mauern - sowohl füreinander als auch für den Leser.
Literarisch ist es also durchaus lesenswert, es ist allerdings keine Geschichte, die zum Hineinfallen einlädt.
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