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Die Liebeshungrigen Roman | »Ein grandioser Roman über Ruhm, Niedergang und den Körperkult in Cannes.« Christian Mayer, Süddeutsche Zeitung

102

25,00 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Verkaufsrang

2344

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

15.05.2026

Verlag

dtv

Seitenzahl

400

Maße (L/B/H)

20,8/13,5/3,5 cm

Gewicht

496 g

Farbe

Anthrazit / Messing

Auflage

3. Auflage

Originaltitel

La guerre par d'autres moyens

Übersetzt von

Maja Ueberle-Pfaff + weitere

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-423-28522-3

Warnhinweis

nicht erforderlich.

Beschreibung

Rezension

Karine Tuil beschreibt die Figuren klug und ohne sie je zu denunzieren, und ihr Roman birst geradezu vor Themen – Machtverlust, Politik und Lügen, alter Mann und junge Frau, Betrug, Alterssexualität, Antisemitismus, Behinderung, Alkoholismus, Einsamkeit –, und das alles verpackt in eine spannende Handlung. ("Bunte")
Karine Tuil beschreibt genau beobachtet und genüsslich zugespitzt eine realistisch grundierte Szenerie aus Leidenschaften und Ich-Verwirklichungen, aus Maskeraden, Macht und Manipulationen in der feinen Pariser Gesellschaft. ("Deutschlandfunk")
Die Stärke des Buchs liegt darin, wie Tuil die Erfolgsmenschen auseinandernimmt. ("DER SPIEGEL")
Scharf, mitunter boshaft, komisch und zutiefst menschlich. ("Brigitte")
Karine Tuil ist mit ›Die Liebeshungrigen‹ ein erstklassiger Gesellschaftsroman gelungen, der kühl die zerstörerischen Mechanismen von Polit-Business und Medienwelt beschreibt. ("Münchner Merkur")
Tuil gelingt es, den Fall von Dan Lehmann so spannend und böse aufzuschreiben, dass die gegenwartssatten 400 Seiten wie eine Strandlektüre anmuten. ("Rheinische Post et al.")
Das Buch ist unglaublich unterhaltsam, Karine Tuil schreibt sehr, sehr gut und überrascht ihre Leser immer wieder mit neuen Erkenntnissen. ("SR 2 KulturRadio")
In Frankreich schlug der neue Roman von Karine Tuil wie eine Bombe ein. (…) Tuil schreibt sich indiskret in diese Löwengrube, die mit dem alltäglichen Leben nichts zu tun hat, hinein. Dabei geht es ihr nicht um Voyeurismus, sondern um ethische Fragen. ("Nürnberger Nachrichten online")
Mit eiskalter Unerbittlichkeit, aber auch viel feinem Humor seziert Karine Tuil die Mechanismen der Mediendiktatur. Gruselig, gut. ("IN München")

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Verkaufsrang

2344

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

15.05.2026

Verlag

dtv

Seitenzahl

400

Maße (L/B/H)

20,8/13,5/3,5 cm

Gewicht

496 g

Farbe

Anthrazit / Messing

Auflage

3. Auflage

Originaltitel

La guerre par d'autres moyens

Übersetzt von

  • Maja Ueberle-Pfaff
  • Alexandra Baisch

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-423-28522-3

Herstelleradresse

dtv Verlagsgesellschaft
Tumblingerstraße 21
80337 München
DE

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  • Steph

    aus Werdau

    5/5

    15.07.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein Drama der Privilegierten

    Man stelle sich ein Buch vor, das sich wegliest wie eine süchtig machende Netflix-Serie. Genau das ist „Die Liebeshungrigen“ – ein wilder Mix aus Macht, Sex und verletztem Ego in der High Society. Dan, in seinen 60ern, ist als Politiker abgesägt, trinkt zu viel und verkraftet seinen Machtverlust null. Während er abstürzt, startet seine Ex-Frau Marianne richtig durch: Ihr Buch wird verfilmt! Dans neue, jüngere Frau Hilda ergattert die Hauptrolle. Mittendrin stecken eine erfolglose junge Schauspielerin, Dans älteste Tochter und ein absolut cholerischer Regisseur, der mit allen ein falsches Spiel spielt. Karine Tuil zeigt genial, wie sich vier Frauen aus verschiedenen Generationen (von 20 bis über 50) in einer knallharten, von Männern dominierten Welt durchboxen müssen. Das Buch ist voll mit Charakteren, die man gleichzeitig hassen und bemitleiden muss. Ein Zitat bringt es auf den Punkt:„Menschen können ihre Privilegien nur genießen, wenn andere sie nicht haben.“ (S. 300)

  • Buecherheidrun

    aus Horb

    5/5

    25.06.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Klug, realitätsnah und eindrucksvoll geschrieben

    Es geht um Liebe in diesem Buch. Um die Liebe zu Menschen, die einmal das Wichtigste in unserem Leben waren, um flüchtige, vergängliche Liebe, die Liebe zu unseren Kindern, aber auch um die Liebe zur Macht und ihre Auswirkungen, wenn sie plötzlich nicht mehr verfügbar ist. Daher trifft der französische Originaltitel „Krieg mit anderen Mitteln“ den Kern der Geschichte besser, denn Dan Lehman, ehemaliger französischer Präsident, führt Krieg gegen sich selbst, betäubt mit maßlosem Alkohol- und Tablettenkonsum seine „Machtlosigkeit“, versucht nach einer langjährigen gescheiterten Ehe und seiner in Auflösung begriffenen zweiten Ehe, sein Leben und seine Dämonen in den Griff zu bekommen. „Lehmans erster Blick am Morgen galt der aktuellen Bestsellerliste, er wollte prüfen, auf welcher Position sein neuestes Buch stand. Erst danach schluckte er einen Angstblocker, in der Regel Xanax, aber auch Lexotanil vertrug er gut.“ (S. 11) Doch dieser noch vor einem Jahr so bedeutende Mann scheitert an sich selbst, während seine Noch-Ehefrau als Schauspielerin kurz vor dem großen Durchbruch ihrer Karriere steht. Ihr Film wird für den Preis in Cannes nominiert, was die Abwärtsspirale, in der sich Dan befindet, unaufhaltsam und noch schneller weiterdreht. Doch auch Hildas Preis für den Erfolg ist hoch, denn bei der Verleihung der „Goldenen Palme“ kommt es zum Eklat. Jeder Satz dieses außergewöhnlichen Romans ist wohlformuliert, trifft mit seiner sprachlichen Brillanz ins Schwarze und ist ein wahrer Lesegenuss. Daher gebührt den beiden Übersetzerinnen Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch ein riesengroßes Kompliment. Im Fokus der Medien zu stehen, der rücksichtslosen Penetranz der sozialen Netzwerke und verbalen Attacken völlig fremder Menschen ausgesetzt zu sein, jeden Schritt den man tut, jede unbedachte Äußerung, jeden Fehltritt kommentiert und ausgebreitet zu sehen, wird hier schmerzhaft deutlich gemacht. Welche Auswirkungen ein Leben in der Öffentlichkeit als Politiker auf das Private hat und wieviel dadurch zerstört und zunichte gemacht werden kann, eindrucksvoll geschildert. Mich hat dieser kluge, ethische Fragen umkreisende und erschreckend realitätsnahe Roman in seiner Aussagekraft über die verheerenden Einflüsse der Medienwelt auf Menschen, die im Fokus der sensationsgierigen Öffentlichkeit stehen, sehr berührt. Unbedingte Leseempfehlung.

  • hamburg.lesequeen

    aus Bargfeld-Stegen

    5/5

    15.06.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Einfach strak ...

    DIE LIEBESHUNGRIGEN Karine Tuil ET: 15.05.26 Lehman fühlt sich ausgebrannt, demoralisiert und greift immer häufiger zur Flasche. Was war passiert? Vor einem Jahr war er noch der Präsident Frankreichs. Er hatte seine langjährige Ehefrau, die ihm über Jahre den Rücken freigehalten und ihre eigene Karriere für ihn zurückgestellt hatte, für eine zwanzig Jahre jüngere Schauspielerin verlassen. Es lief alles gut! Dann kriselte auch diese neue Beziehung. Gleichzeitig warfen ihm linke Politiker*innen vor, sich mit den Rechten verbündet zu haben. Sein Ansehen schwand, das Vertrauen seiner Anhänger und Wähler ging verloren, und schließlich verlor er die nächste Präsidentschaftswahl. Er musste den Élysée-Palast räumen. Doch damit nicht genug: Nun soll er sich auch noch einer Befragung der Finanzermittler stellen. Währenddessen erhält seine zweite Ehefrau die Spielfilmrolle ihres Lebens. Für Lehman, der ohnehin an seiner Entmachtung und dem Verlust seines früheren Lebens knabbert, ist all das ein weiterer Grund, noch tiefer ins Glas zu schauen. Wer jetzt denkt, damit sei die Handlung von Karine Tuils neuem, äußerst klugen Roman bereits erzählt, irrt. DIE LIEBESHUNGRIGEN ist ein vielschichtiger, dicht erzählter Roman mit zahlreichen Figuren und Handlungssträngen, der dabei nie überladen wirkt. Es geht um Macht und Anerkennung, um #MeToo, toxische Beziehungen, gesellschaftliche Erwartungen und Femizid. Besonders gefallen haben mir die unterschiedlichen Erzählperspektiven, durch die sich nach und nach ein immer größeres Bild zusammensetzt. Hinzu kommen zahlreiche kleine Wendungen, die die Geschichte durchgehend spannend halten. Lieblingszitat: "Im Leben eines verheirateten Paars kommt der Zeitpunkt, an dem es in einer angenehmen Behaglichkeit, einer tröstlichen Zuneigung erstarrt, das ist angenehm, friedlich, wohltuend. Man unterhält sich mit einer etwas aufgesetzten Zärtlichkeit, man streichelt sich noch ein wenig. Der eine ist für den anderen zu einer Art Haustier geworden.“ (S. 30) Fazit: Ein vielschichtiger und gesellschaftskritischer Roman über Macht, Abhängigkeiten und zwischenmenschliche Dynamiken. Karine Tuil zeigt eindrucksvoll, welchem Druck politische Akteure ausgesetzt sind, und verknüpft dies mit Themen wie Femizid, Beziehungen und gesellschaftlichen Machtstrukturen. Klug erzählt und absolut lesenswert. 5/5

  • Bewertung

    Thalia Book Circle Community

    5/5

    14.06.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Milieustudie mit Blick hinter die Kulissen der Eliten

    Mit „Die Liebeshungrigen“ legt Karine Tuil einen vielschichtigen Gesellschaftsroman vor, der die Verflechtungen von Macht, Begehren, öffentlicher Inszenierung und persönlichem Scheitern mit Präzision ausleuchtet. Vor der glanzvollen Kulisse von Politik, Medien und Filmindustrie entfaltet sie das Porträt einer Gesellschaft, in der Anerkennung zur Währung geworden ist und Liebe allzu oft mit Besitzanspruch, Abhängigkeit oder Selbstbestätigung verwechselt wird. Im Zentrum der Handlung steht Dan Lehman, ein ehemaliger französischer Präsident, der ein Jahr nach seiner Wahlniederlage an den Folgen seines jähen Machtverlustes zerbricht. Einst Mittelpunkt des politischen Geschehens, findet er sich nun in einer existenziellen Leere wieder, die er zunehmend mit Alkohol zu betäuben versucht. Tuil zeichnet dabei eindrucksvoll das Bild eines Mannes, dessen Identität untrennbar mit seinem öffentlichen Amt verbunden war und der ohne dieses Fundament den Halt verliert. Besonders gelungen finde ich die Erzählweise des Romans. Durch die wechselnden Perspektiven entsteht ein facettenreiches Panorama der handelnden Figuren, deren Sehnsüchte, Verletzungen und Widersprüche mit psychologischem Feingefühl offengelegt werden. Hervorzuheben sind insbesondere die Kapitel aus der Sicht von Marianne, Lehmans erster Ehefrau. Ihre reflektierte, bisweilen scharfsinnige Beobachtungsgabe verleiht dem Roman eine zusätzliche Tiefenschärfe und eröffnet einen Blick hinter die Fassaden gesellschaftlichen Erfolgs. Karine Tuil interessiert sich dabei weniger für politische Programme als für die Mechanismen der Macht und deren Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen. Politik, Filmbranche und Literaturbetrieb erscheinen als eng miteinander verflochtene Systeme, in denen öffentliche Wahrnehmung oftmals wichtiger ist als persönliche Integrität. Besonders eindringlich gelingt der Autorin die Darstellung des gefeierten Regisseurs Romain Nizan, dessen Charisma und Einfluss die problematischen Machtstrukturen der Kulturindustrie exemplarisch sichtbar machen. Die Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt und den Nachwirkungen der MeToo-Debatte fügt sich dabei organisch in die Handlung ein und vermeidet erfreulicherweise plakative Vereinfachungen. Beeindruckt hat mich zudem die differenzierte Darstellung von Dan Lehmans Alkoholismus. Seine schleichende Selbstzerstörung wird weder romantisiert noch moralisch verurteilt, sondern als Symptom eines tieferliegenden Verlustes beschrieben. Der Roman zeigt eindringlich, wie schwer es sein kann, nach Jahren öffentlicher Bedeutung in die Unsichtbarkeit zurückzukehren. Zugleich wirft Karine Tuil grundlegende Fragen nach Liebe, Alter, Attraktivität und gesellschaftlicher Anerkennung auf. Besonders die weiblichen Figuren bewegen sich in einem Spannungsfeld aus Selbstbestimmung und äußeren Erwartungen. Die junge Léonie etwa verkörpert die Widersprüche einer Generation, die sich ihrer politischen Überzeugungen bewusst ist und dennoch nicht frei von emotionalen und gesellschaftlichen Verstrickungen bleibt. Für mich überwiegt der positive Gesamteindruck deutlich. „Die Liebeshungrigen“ ist ein klug komponierter, sprachlich eleganter und gedanklich anregender Roman, der weit über eine bloße Milieustudie hinausgeht. Hinter der glänzenden Oberfläche von Ruhm, Macht und öffentlicher Aufmerksamkeit offenbart Karine Tuil die Verletzlichkeit ihrer Figuren und die oft schmerzhafte Diskrepanz zwischen Selbstbild und Wirklichkeit.

  • Bewertung

    aus Baden-Baden

    5/5

    12.06.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Unterhaltsamer und schonungsloser Gesellschaftsroman

    Karine Tuil ist bekannt für ihre gesellschaftskritischen Gegenwartsromane, in denen sie schonungslos Missstände und Ungerechtigkeiten in der französischen Gesellschaft aufzeigt. Das ist nicht anders in ihrem elften Roman „Die Liebeshungrigen“. Im Zentrum steht Dan Lehman, bis vor einem Jahr noch Präsident von Frankreich. Einst als Hoffnungsträger für soziale Gerechtigkeit angetreten, hat er seine Wählerschaft während seiner Regierungszeit enttäuscht. Die sehen in ihm einen Verräter der Arbeiterschaft und erteilen ihm nun bei seiner erneuten Kandidatur eine Abfuhr. Diese Niederlage stürzt Lehman in eine tiefe existenzielle Krise. Es fällt ihm schwer, sich mit seinem Machtverlust abzufinden und er kämpft dagegen an, in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen. Ein Versuch, als Schriftsteller wieder Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen, scheitert allerdings grandios. Danach versinkt er in Selbstmitleid und sucht Zuflucht im Alkohol. Darunter leidet auch seine Ehe mit der um zwanzig Jahre jüngeren Hilda, einer deutschen Schauspielerin. Für sie hatte er vor ein paar Jahren seine Frau Marianne, eine Schriftstellerin, verlassen, mit der er drei mittlerweile erwachsene Kinder hat. Während seiner Amtszeit galten Hilda und er als „Power-Paar“, sie die erfolgreiche Schauspielerin, er der charismatische Politiker. Doch nun, wo die schöne Fassade gefallen ist, bröckelt auch das Bild vom glücklichen Paar. Einzig die Liebe zur taub geborenen Tochter Anna verbindet sie noch miteinander. Auch Hilda fühlt sich ins Abseits gedrängt. Als Präsidentengattin blieben die Rollenangebote aus und nun ist sie mit Anfang Vierzig zu alt für das Filmgeschäft. Doch dann bietet ihr der anerkannte Regisseur Nizon die Hauptrolle in seinem nächsten Film an. Pikanterweise stammt die Buchvorlage von Marianne. Damit wechselt der Fokus vom Politikbetrieb hin zum Filmgeschäft, wobei sich viele Gemeinsamkeiten zeigen. Beide Welten leben von der Inszenierung und davon, dass die Personen ihre Rollen überzeugend rüberbringen. Eitelkeit, Konkurrenzdenken und Machtmissbrauch sind weitere Parallelen. Und Politiker wie Filmschaffende stehen im Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung, müssen mit den Begleiterscheinungen davon leben. Auch die Medienlandschaft wird kritisch seziert. Der geht es nicht mehr um objektive sachliche Berichterstattung, vielmehr bedient sie den Voyerismus ihrer Gefolgschaft. Und wen sie heute noch euphorisch feiert, der wird morgen schon gnadenlos demontiert. Das große Finale findet dann bei den Filmfestspielen in Cannes statt, wo alle Figuren des Romans aufeinandertreffen. Eine unrühmliche Rolle dabei kommt dem Regisseur Nizon zu. Mit seinem Film über eine Arbeiterin, die sich gegen männliche Gewalt zur Wehr setzt, lässt er sich als überzeugter Feminist feiern. Dabei ist er der Prototyp eines Narzissten, der aufs Übelste Frauen manipuliert und demütigt. Hier entlarvt die Autorin die Kulturbranche, die sich gerne als Vorreiter sieht für Freiheit und Selbstbestimmung und vorgibt, besonders gesellschaftskritisch zu sein, tatsächlich aber Teil des Systems ist, das sie an den Pranger stellt. Karine Tuil hat ihren Roman mehrstimmig angelegt, wobei Dan Lehman gerade im Anfangsteil viel Platz eingeräumt wird. Von ihm erzählt sie nicht nur in personaler Form, sondern lässt ihn auch selbst zu Wort kommen. In einem Audio-Tagebuch spricht er über Politik und Privates, erzählt von seiner Kindheit und Jugend. Dazu kommen kursiv gesetzte Textstellen, in denen wir seine Alkoholexzesse mitverfolgen dürfen. Kapitelweise wechselt Karine Tuil die Erzählperspektive und beleuchtet so näher die wichtigsten Protagonisten. Dass ansonsten nur Marianne eine Ich-Perspektive zugestanden wird, ist klug gewählt, ist sie doch eine der wenigen positiv gezeichneten Figuren und die Einzige, die zur Identifikation einlädt. Und mit ihr, der Schriftstellerin, zeigt die Autorin, welche Rolle sie der Literatur zumisst: Als Gegenpol zur oberflächlichen, nur auf Schein bedachten Welt ist die Literatur zuständig für Wahrheit und Moral. Überhaupt kommen die Frauenfiguren bei Karine Tuil besser weg als die Männer, die durchgängig Narzissten oder prinzipienlose Ehrgeizlinge sind. Mit Marianne, Hilde und Léonie, Dans Tochter aus erster Ehe, porträtiert die Autorin drei Frauengenerationen, die unterschiedliche Haltungen einnehmen. Marianne ist zwar gekränkt, weil ihr Mann sie wegen einer jüngeren Frau verlassen hat. Trotzdem wirkt sie gefestigt und findet in ihrer Arbeit Erfüllung. Hilda ist ehrgeizig und lässt sich ausnutzen und erniedrigen um des Erfolges willen. Léonie dagegen steht für eine junge Generation von Frauen, die vehement für ihre Rechte einsteht. Allerdings ist auch sie nicht ohne Widersprüche. So lässt sie sich anfangs noch von Nizons Charme blenden. Überhaupt zeichnet Karine Tuil all ihre Figuren nicht eindimensional, sondern gibt ihnen Tiefe und Ambivalenz. Karine Tuil hat sicher keinen Schlüsselroman geschrieben, auch wenn sich Parallelen zu lebenden Personen finden lassen. Ihr ging es darum, Strukturen aufzuzeigen, die sich nicht auf Frankreich beschränken. Im Original lautet der Titel „La guerre par d’autres moyen“ - Krieg mit anderen Mitteln“, was mir passender erscheint, denn bekämpfen tun sich hier viele. Karine Tuil hat mit „Die Liebeshungrigen“ einen so unterhaltsamen wie schonungslosen Gesellschaftsroman geschrieben, der viel Stoff zum Diskutieren bietet.

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  • Zum Bewerterprofil von Haike Zimmer

    Haike Zimmer

    Thalia Dresden – Elbe Park

    Buchhändler*in

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    5/5

    25.06.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Immer hoch aktuell

    Der Präsident ist abgewählt, verliert seine Macht und wird zum Opfer gnadenloser Medien. Die Mitmenschen, welche auf der Erfolgswelle mitgeschwommen sind, lassen ihn fallen. Tuil seziert Aufstieg und Fall des Machtmenschen. Auch die Doppelmoral der Filmindustrie, in der seine zweite Frau den Aufstieg erzwingen will, macht sie zum Thema. Jeder ihrer Romane ist hochaktuell und handelt psychologisch, gesellschaftliche und politische Themen aus. Sie hat mich als Leserin noch nie enttäuscht.
  • Zum Bewerterprofil von Simone Büchner

    Simone Büchner

    Thalia Coburg

    Buchhändler*in

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    5/5

    16.05.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Nah am Zeitgeist

    Die französische Schriftstellerin Karine Tuil ist für mich eine sichere Bank, auch ihr neuer Roman "Die Liebeshungrigen“ bestätigt dies. Die Themen Machtmissbrauch, Feminismus, Gewalt gegen Frauen und das Älterwerden greifen stimmig ineinander; man liest mit wechselnden Gefühlen. Die Handlung setzt bei Dan Lehman an, einem abgewählten Präsidenten, der um seine Relevanz ringt und in die Alkoholsucht abrutscht. Nach und nach wenden wir uns weiteren Personen zu, blicken in Familien, in brüchig gewordene Beziehungen, sowie in Politik, Filmindustrie und Medien, faszinierend und unglaublich spannend. Erneut ist Tuil ein klug komponiertes Gesellschaftsporträt gelungen, das niemanden schont. Engagiert und großartig erzählt.
  • Zum Bewerterprofil von Marion Stange

    Marion Stange

    Thalia Lübeck – Citti Park

    Buchhändler*in

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    4/5

    22.06.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wie immer hinterfragt Karine Tuil unsere Gesellschaft

    Wie immer hinterfragt Karine Tuil unsere Gesellschaft. In ihrem Buch regt sie uns zum Nachdenken über Machtverhältnisse und die Beziehung zwischen Männern und Frauen sowie Jung un Alt in einer Gesellschaft an, die nach wie vor stark heteronormativ und patriarchalisch geprägt ist! Der einzige etwas schwierige Punkt besteht darin, dass es viele Bezüge zur französischen Kultur und zu verschiedenen Ereignissen – insbesondere politischen – gibt, die sich in den letzten Jahren zugetragen haben und die manchmal schwer zu übersetzen oder in den richtigen Kontext zu setzen sind.

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