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Die Geschichte einer großen Liebe und eine unvergessliche Schilderung Russlands zu Beginn des 20. Jahrhunderts: 1917 begegnet der verträumte Kolja im vorrevolutionären St. Petersburg der bezaubernden Claire und verliebt sich in sie. Aber das Phantasiebild dieser Frau ist für ihn so viel wirklicher als die Realität, dass er ihr nicht zu folgen wagt, als die verheiratete Claire ihn eines Abends zu sich lädt. Nach der langen, sinnlosen Grausamkeit des Bürgerkriegs will er nun, Jahre später, Claire im Pariser Exil wiederfinden. Mit den Mitteln des modernen Erzählens erweckt Gaito Gasdanow die vergangene Welt seiner Jugend wieder zum Leben. Ein Abgesang auf die romantische Liebe, der bis heute ergreift und berührt.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Als fünfzehnjähriger Junge ist er fasziniert von der achtzehnjährigen Claire, von ihrer Lebendigkeit , ihrem Charme und ihrem Temperament. Doch dann geht sie fort und heiratet einen anderen und Kolja zieht in den Bürgerkrieg. Zehn Jahre später im Pariser Exil besucht Kolja Claire und es entsteht ein melancholisches Geplänkel - die Leidenschaft flackert mehr oder weniger heftig auf und Kolja verliert sich auch in den scheinbar innigen Momenten mit Claire in Träumereien und Phantasien die immer wieder unweigerlich beim durchlebten Krieg landen. Die autobiographischen Züge sind unverkennbar, das unverarbeitete Trauma von Verlust , Trauer und Einsamkeit ebenfalls - wobei nicht ganz klar wird, ob es um die verlorene Liebe mit Claire geht oder um die Schrecken des Krieges...in beidem bleibt Kolja distanziert, kühl und irgendwie schwebend. Doch gerade in der Beschreibung dieser Befindlichkeit ist Gasdanow großartig und außerordentlich und in jedem Fall eine Entdeckungsreise wert.
Endlich: der nächste Gasdanow!
Bewertung am 08.04.2014
Bewertungsnummer: 401953
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Über ein Jahr mussten wir auf die nächste Gasdanow-Übersetzung warten - und es hat sich gelohnt!
Gasdanow schreibt unglaublich intensiv und einfach wunderbar!
Außerdem beweist die Übersetzerin Rosemarie Tietze ein weiteres Mal, dass sie die beste auf ihrem Gebiet ist...
Meinung aus der Buchhandlung
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Ich liebe die Literatur, ich liebe sie, weil sie das Unsichtbare sichtbar macht. Ja, dies vermag sie. Ich habe selten ein Buch gelesen, bei dem ich beinahe versucht war, nach jeder Seite kurz innezuhalten, als hätte sie das Recht, ganz für sich allein bewundert zu werden. Jede einzelne Seite wirkt wie ein kleines, in sich geschlossenes Wunder der Beobachtung, in dem Gefühle so fein seziert werden, dass man fast meint, der Erzähler habe ein literarisches Mikroskop erfunden. Während andere Romane ihre Emotionen einfach behaupten, zerlegt dieses Buch sie mit einer solchen geduldigen Zärtlichkeit, dass ich beim Lesen manchmal lächeln musste – aus reiner Bewunderung. Was an diesem Roman so überwältigend ist, ist nicht nur seine leise, fast schwebende Schönheit, sondern die eigentümliche Art, wie er das Verhältnis zwischen Erinnerung, Sehnsucht und Imagination offenlegt. Gasdanow schreibt über Liebe, aber nicht über Liebe im gewöhnlichen Sinn; er schreibt über die Vorstellung von Liebe, über ihre Nachhallräume im Bewusstsein, über jene seltsamen Wege, auf denen ein Gefühl zu einer Lebenslandschaft werden kann. Das gesamte Buch wirkt, als würde man durch eine Dämmerung gehen, in der Gegenwart und Vergangenheit sich unaufhörlich ineinander verschieben.
Die Handlung – wenn man sie so nennen will – ist denkbar schlicht: Ein Mann erinnert sich an seine Jugend, an das Bürgerkriegschaos Russlands, an seine Emigration und vor allem an Claire, eine Gestalt, die weniger eine reale Person als ein Fixstern seiner inneren Welt geworden ist. Doch diese scheinbare Einfachheit ist nur die Oberfläche. In Wahrheit entfaltet sich hier ein Bewusstseinsstrom, der so zart und zugleich so präzise komponiert ist, dass jede Erinnerung den Charakter eines Traumes annimmt. Die Figuren bewegen sich durch Räume, die gleichzeitig konkret und unwirklich erscheinen: Zimmer voller gedämpfter Stimmen, nächtliche Straßen, Landschaften, die wie aus Nebel geformt wirken. Gasdanows Stil ist dabei von einer bemerkenswerten Sensibilität für Stimmungen geprägt. Er schreibt nicht laut, nicht dramatisch, sondern mit einer gedämpften Intensität, die gerade dadurch so eindringlich ist. Man spürt, wie sehr dieser Roman aus einer inneren Erfahrung geboren ist – aus der Erfahrung der Entwurzelung, der Fremde, der ständigen Bewegung des Gedächtnisses.
Die Hauptfigur ist kein Held im klassischen Sinn; sie ist vielmehr ein Beobachter des eigenen Lebens. Gerade darin liegt ihre ungeheure Faszination. Dieser Erzähler scheint ständig von einer eigenartigen Wahrnehmungsstörung begleitet zu sein, einer Art poetischer Krankheit, die ihn daran hindert, die Welt als stabile Realität zu begreifen. In einer der eindrucksvollsten Passagen beschreibt er diesen Zustand selbst: „und erneut verfiel ich in meine alte Krankheit, alle Gegenstände kamen mir trügerisch und verschwommen vor, wieder erleuchtete die orangene Flamme einer unterirdischen Sonne das Tal, in das ich in einer Wolke von gelbem Sand hinabgefallen war.“ In diesem Satz verdichtet sich nahezu das gesamte poetische Programm des Romans. Die Welt erscheint hier nicht fest und klar, sondern fließend, vibrierend, als wäre sie von einer geheimen inneren Glut durchleuchtet. Diese „alte Krankheit“ ist nichts anderes als die unstillbare Fähigkeit zur Imagination – jene Gabe, die Realität in Vision verwandelt. Die Hauptfigur erlebt die Welt nicht direkt, sondern immer durch den Filter ihrer inneren Bilder. Dadurch wird jede Erinnerung zugleich zu einer poetischen Konstruktion.
Und genau hier liegt das Geheimnis der besonderen Atmosphäre dieses Buches. Gasdanow zeigt, dass Liebe in diesem Roman weniger als Begegnung zwischen zwei Menschen existiert als vielmehr als ein innerer Prozess, als eine unaufhörliche Arbeit der Vorstellungskraft. Claire ist nicht nur eine Frau aus der Vergangenheit; sie ist ein Gedanke, eine Projektion, ein magnetischer Punkt im Bewusstsein des Erzählers. Sie erscheint immer wieder, verschwindet wieder, wird neu erinnert, neu interpretiert, neu erträumt. Dadurch gewinnt sie eine fast mythische Qualität. Man hat beim Lesen oft das Gefühl, dass Claire nicht in der äußeren Welt existiert, sondern im Inneren des Erzählers lebt – als ein Bild, das mit den Jahren immer intensiver geworden ist.
Diese Form der Liebe hat etwas zutiefst Melancholisches. Sie ist nicht erfüllt, sondern gerade durch ihre Unerreichbarkeit lebendig. Gasdanow versteht es meisterhaft zu zeigen, wie Erinnerungen sich verändern, wie sie wachsen, sich überlagern und schließlich eine eigene Realität bilden. Der Erzähler ist sich dieser inneren Dynamik durchaus bewusst. An einer Stelle formuliert er eine Art poetisches Selbstbekenntnis: „Dann dämmerte mir, dass die mir unbekannten Gesetze der inneren Bewegung mich dazu zwangen, ständig auf der Suche zu sein und etwas nachzujagen, das nur augenblicksweise in Form einer riesigen, formlosen Masse vor mir auftauchte, ähnlich einem Meeresungeheuer – auftauchte und verschwand.“ Dieses Bild ist von einer erstaunlichen Kraft. Es beschreibt die Sehnsucht als etwas Ungeheures, etwas kaum Fassbares, das nur für kurze Augenblicke aus den Tiefen des Bewusstseins auftaucht. Man könnte sagen, dass der Erzähler hier das eigentliche Prinzip seines Lebens erkennt: die permanente Verfolgung einer Vision, die sich nie ganz greifen lässt.
Gerade diese flüchtige Qualität der Gefühle prägt die Atmosphäre des gesamten Romans. Alles scheint in Bewegung zu sein – Erinnerungen, Eindrücke, Gedanken. Selbst die Zeit verliert ihre feste Struktur. Vergangenheit und Gegenwart gleiten ineinander, so als wären sie zwei Schichten derselben Erfahrung. Gasdanow schreibt mit einer Eleganz, die fast schwerelos wirkt. Seine Sätze haben eine langsame, meditative Rhythmik; sie öffnen Räume, statt sie zu schließen. Beim Lesen hat man oft das Gefühl, dass der Text selbst atmet. Die Bilder entstehen nicht abrupt, sondern entfalten sich allmählich, wie Landschaften im Morgennebel.
Was diesen Roman so außergewöhnlich macht, ist die Verbindung aus philosophischer Tiefe und sinnlicher Atmosphäre. Gasdanow gelingt etwas sehr Seltenes: Er schreibt über abstrakte Themen – Erinnerung, Identität, Sehnsucht – und bleibt dabei doch vollkommen konkret. Man riecht die Nachtluft, hört entfernte Stimmen, spürt die Müdigkeit eines langen Lebens im Exil. Gleichzeitig bleibt über allem eine feine, melancholische Transparenz. Das Buch wirkt wie eine Erinnerung, die sich selbst erzählt.
Vielleicht ist es genau diese Qualität, die die besondere Liebe vieler Leser zu diesem Roman erklärt. Ein Abend bei Claire spricht eine Erfahrung an, die schwer in Worte zu fassen ist: die Erfahrung, dass unser Leben weniger aus Ereignissen besteht als aus Bildern, die wir von ihnen bewahren. Gasdanow zeigt, wie diese Bilder uns formen, wie sie unser Denken, unsere Sehnsüchte und sogar unsere Zukunft beeinflussen. Claire wird dadurch zu einem Symbol jener inneren Landschaften, die wir alle mit uns tragen.
Am Ende bleibt der Eindruck eines leisen, aber tief bewegenden Buches. Es ist kein Roman, der sich aufdrängt; er wirkt vielmehr wie eine Erinnerung, die sich langsam im Bewusstsein ausbreitet. Seine Schönheit liegt gerade in dieser Zurückhaltung, in der sanften Art, mit der er die verborgensten Bewegungen der Seele sichtbar macht. Man schlägt die letzte Seite zu und hat das Gefühl, einen Traum verlassen zu haben – einen Traum, der zugleich fremd und seltsam vertraut ist. Und vielleicht ist das das größte Kompliment, das man einem Roman machen kann: dass er nicht einfach gelesen wird, sondern sich in die eigene Erinnerung einschreibt. Ein Abend bei Claire ist genau ein solches Buch – eines, das nicht vergeht, sondern im Inneren weiterlebt, wie die orangefarbene Flamme jener unterirdischen Sonne, die der Erzähler einmal gesehen zu haben glaubt.
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Ein autobiographisch gefärbter Roman, der Gasdanows Jugend im Russland der untergehenden Romanow Dynastie beschreibt. Selten wurde das Gefühl der Einsamkeit eines jungen Menschen so elegant und schön in Worte gefasst!
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