Als die älteste Bewohnerin des kleinen Ortes Gromzell mit 108 Jahren verstirbt, ist die Dorfgemeinschaft schwer erschüttert. Der Tod hat sich ausgerechnet Marie geholt, die ihm doch so lange von der Schippe gesprungen war. Die Trauernden suchen Trost bei Gott, doch als der Tod weiter um sich greift, wächst der Drang, selbst zur Tat zu schreiten und den Dorffrieden wiederherzustellen. Gestört wird dieser auch durch die aus Berlin zurückgekehrte Anna, deren Großeltern einst die umstrittene Deibelstube betrieben. Zudem ist da noch dieser Journalist, der über Maries Tod berichten will. Und stimmt es eigentlich, dass eine Berührung des Bestatters Eric Schade einem den eigenen, baldigen Tod ankündigt? Während zwischen Glaube und Aberglaube nach dem Schuldigen für all das Unheil gesucht wird, schwebt über dem Dorf ein ungewöhnlich großer schwarzer Vogel mit seltsam menschlichen Augen.
»Gromzell« erzählt vom ewigen Widerstreit zwischen Leben und Tod sowie der Unfähigkeit des Menschen, aus freien Stücken zu verwelken, was bisweilen groteske Blüten trägt.
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... beginnt das Buch. Doch der Inhalt hat es in sich, welchen ich so noch nicht gelesen habe.
Dis Protagonisten im Buch ziehen mich in eine Wahrheit, in eine Wirklichkeit, deren Charaktere ganz sicher auch unter uns zu finden sind - erschreckend, bestürzend. Gedanken und Taten laufen zusammen - der Mensch als Herdentier, dem Aberglauben zugetan. Der Autor hat wissentlich auf einen Dorfpolizisten verzichtet, denn Aufdeckung ist nicht gefragt und nicht gewollt.
Dirk Bernemann zeigt uns Zeichen der Zeit, die auf so viel Gegenwärtiges projiziert werden können, wenn man darüber nach und weiter denkt.
Trotz beider Daumen nach oben gestreckt, ist es mir ein Bedürfnis, kräftig und lang anhaltend zu applaudieren.
Edith Hornauer
Von wegen Heimat
misspider am 26.01.2026
Bewertungsnummer: 3025197
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Hinter diesem so harmlos als "Heimatroman" bezeichneten Buch verbirgt sich eine bitterböse Abrechnung mit der kleingeistigen Dorfkultur. Als die 108-jährige Marie stirbt, setzt dies eine Lawine in Gang: nachdem die Menschen in Gromzell scheinbar ewig leben, wird nun die Sterblichkeit wieder präsent, der sichere Kokon platzt auf und die Saat sind Zweifel und Zwietracht. Es brodelt in der scheinbar so harmonischen Dorfgemeinschaft, Aberglaube greift um sich und beinah sieht man die Dörfler schon mit den Mistgabeln zum Schloss ziehen...aber nein, das ist ja eine andere Geschichte. Obwohl nicht viel fehlt, um diese Assoziation zu wecken, vor allem gegen Ende. Besonders erstaunt hat mich das Schicksal von Anna, die einst aus dem Dorf nach Berlin gezogen war, aber nun zur Beerdigung zurückkehrt. Ihre anfängliche Ablehnung gegen das kleinbürgerliche Brauchtum, dem sie einst nur zu gerne entflohen ist, gerät ins Wanken - ist es nicht auch schön, statt in der Anonymität der Großstadt hier in der Gemeinschaft behütet zu sein? Mich hat es jedenfalls total gegruselt, je weiter diese skurrile und makabre Geschichte voranschritt. Und richtig unheimlich wurde es dann ja auch noch. Fazit: ganz unerwartetes, daher besonders schönes Lese-Highlight.
Meinung aus der Buchhandlung
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Das Wort “Heimatroman” beschert mir normalerweise eine ungute Gänsehaut. Nun ist
dieser sogenannte Heimatroman allerdings von niemand geringerem als Dirk
Bernemann – entsprechend sollte diesem Begriff hier nicht allzu viel Aufmerksamkeit
geschenkt werden. Die Dorfälteste von Gromzell (genannt Marie) verstirbt mit stolzen
108 Jahren. Was im Grunde normal sein sollte, erschüttert das Dorf in seinen
Grundfesten. Die Illusion des ewigen Lebens ist mit Marie gegangen und tritt eine Reihe
von Eskalationen und Unruhen los. Wie bei Bernemann üblich geht es ans
Eingemachte.
Gromzell beginnt, wo “Schützenfest” aufgehört hat. Wer mit den Werken Dirk
Bernemanns vertraut ist, weiß, dass es schwer ist etwas zu erwarten. Zu verschieden
die einzelnen Romane, zu verstreut die Geschichten. Doch auf eines ist immer Verlass:
Es wird abgerechnet. Sprachlich zählt Dirk Bernemann zur absoluten Speerspitze der
deutschen Underground-Literaturszene. Umgangssprache trifft Scharfsinn, Scharfsinn
trifft auf philosophisch genial verarbeitete übergeordnete Themen. Lest selbst!
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Mein Kollege sagt, Dirk Bernemann sei nicht für jeden etwas. Aus verschiedenen Gründen - hauptsächlich buchhändlerischer Neugier - habe ich mich trotzdem an eines seiner Werke gewagt.
Worum geht es? Marie ist tot. Marie, die älteste Bewohnerin des kleinen Dorfes Gromzell, in dem jahrelang niemand gestorben ist. Doch damit nicht genug: Plötzlich häufen sich die Todesfälle, Bewohner verschwinden und alte Geschichten werden wieder aufgewärmt. Die Konsequenzen? Das Dorf sucht sich einen Sündenbock...
Im Laufe der Geschichte begegnen wir freundlichen Menschen, vorurteilsbehafteten Menschen, alten und jungen, egoistischen, starrköpfigen und offenen Menschen. Ein Querschnitt durch die Gesellschaft, wie er authentischer nicht sein könnte, ohne Rücksicht darauf, ob uns Lesenden die Charaktere und ihr Handeln gefallen.
Was wiederum sehr gut gefällt, ist der Schreibstil. Mit wenigen Sätzen wird viel gesagt, an manch einer Stelle überrascht der Text zudem mit gekonnten Wortspielen. Wie die Handlung zeigt auch die Sprache sich authentisch, bisweilen sogar schonungslos brutal.
Bin ich plötzlich Dirk Bernemann Fan? Bleibt abzuwarten. Ich bin jedenfalls gespannt, was wir noch von ihm zu lesen bekommen und lasse mich in der Zwischenzeit gerne von bereits erschienenen Werken überzeugen.
Um den Kreis zu schließen: "Gromzell" ist tatsächlich keine Lektüre für jede*n. Eine klare Empfehlung geht jedoch raus an alle, die sich literarisch gerne an Neuem versuchen und dabei weder auf ein hohes sprachliches Niveau, noch auf gelegentliches Schmunzeln verzichten möchten. Stammlesende des Autors werden sich dieses Buch sicher längst bestellt haben. Falls nicht, solltet ihr das schnellstmöglich nachholen.
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