Marie ist tot. Als die älteste Bewohnerin der kleinen Ortschaft Gromzell mit 108 Jahren verstirbt, ist die Dorfgemeinschaft schwer erschüttert. Der Tod ist zurück und er hat sich ausgerechnet Marie geholt, die ihm so lange von der Schippe gesprungen war. Die Trauernden suchen Trost bei Gott, doch als der Tod weiter um sich greift, wächst der Drang, selbst zur Tat zu schreiten und den Dorffrieden wiederherzustellen. Zu allem Überfluss kehrt auch noch Anna aus Berlin ins Dorf zurück und ein neugieriger Journalist will über Maries Tod berichten. Während zwischen Glaube und Aberglaube nach dem Schuldigen für all das Unheil gesucht wird, schwebt über dem Ort ein ungewöhnlich großer schwarzer Vogel mit seltsam menschlichen Augen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
5/5
05.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mit einem harmlosen Titel....
... beginnt das Buch. Doch der Inhalt hat es in sich, welchen ich so noch nicht gelesen habe.
Dis Protagonisten im Buch ziehen mich in eine Wahrheit, in eine Wirklichkeit, deren Charaktere ganz sicher auch unter uns zu finden sind - erschreckend, bestürzend. Gedanken und Taten laufen zusammen - der Mensch als Herdentier, dem Aberglauben zugetan. Der Autor hat wissentlich auf einen Dorfpolizisten verzichtet, denn Aufdeckung ist nicht gefragt und nicht gewollt.
Dirk Bernemann zeigt uns Zeichen der Zeit, die auf so viel Gegenwärtiges projiziert werden können, wenn man darüber nach und weiter denkt.
Trotz beider Daumen nach oben gestreckt, ist es mir ein Bedürfnis, kräftig und lang anhaltend zu applaudieren.
Edith Hornauer
misspider
5/5
26.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Von wegen Heimat
Hinter diesem so harmlos als "Heimatroman" bezeichneten Buch verbirgt sich eine bitterböse Abrechnung mit der kleingeistigen Dorfkultur. Als die 108-jährige Marie stirbt, setzt dies eine Lawine in Gang: nachdem die Menschen in Gromzell scheinbar ewig leben, wird nun die Sterblichkeit wieder präsent, der sichere Kokon platzt auf und die Saat sind Zweifel und Zwietracht. Es brodelt in der scheinbar so harmonischen Dorfgemeinschaft, Aberglaube greift um sich und beinah sieht man die Dörfler schon mit den Mistgabeln zum Schloss ziehen...aber nein, das ist ja eine andere Geschichte. Obwohl nicht viel fehlt, um diese Assoziation zu wecken, vor allem gegen Ende. Besonders erstaunt hat mich das Schicksal von Anna, die einst aus dem Dorf nach Berlin gezogen war, aber nun zur Beerdigung zurückkehrt. Ihre anfängliche Ablehnung gegen das kleinbürgerliche Brauchtum, dem sie einst nur zu gerne entflohen ist, gerät ins Wanken - ist es nicht auch schön, statt in der Anonymität der Großstadt hier in der Gemeinschaft behütet zu sein? Mich hat es jedenfalls total gegruselt, je weiter diese skurrile und makabre Geschichte voranschritt. Und richtig unheimlich wurde es dann ja auch noch. Fazit: ganz unerwartetes, daher besonders schönes Lese-Highlight.
Jürg K.
5/5
13.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindrücklicher Heimatroman
Der Roman beginnt mit einem Tod, der eigentlich keiner Überraschung bedürfte, 108 Jahre sind ein langes Leben und doch wirkt Maries Sterben wie ein Riss im Gefüge eines ganzen Dorfes. Die Trauernden suchen Trost bei Gott, doch als der Tod weiter um sich greift, wächst der Drang, selbst zur Tat zu schreiten und den Dorffrieden wiederherzustellen. Je mehr der Tod um sich greift, desto stärker kippt die Gemeinschaft in eine Art moralische Panik. Der schwarze Vogel schwebt über dem Dorf wie ein schlechtes Gewissen, wie ein Mahner, wie ein Wesen, das mehr weiss als die Menschen selbst. Annas Rückkehr bringt eine zweite Ebene ins Spiel. Da taucht ein Journalist auf und verschärft die Spannung. Er bringt eine Aussenperspektive, die das Dorf nicht will. Er ist der Funke, der das fragile Gleichgewicht endgültig ins Wanken bringt. Meine persönliche Meinung zu diesem Buch ist. dass es kein Krimi im klassischen Sinn ist. Sondern ein psychologisches Dorfpanorama, das sich langsam, aber unaufhaltsam verdichtet. Es ist ein Roman über Menschen, die den Tod fürchten und dabei vergessen, dass das wahre Unheil oft aus ihnen selbst kommt. Ein eindrückliches Buch.
Hornita
aus Augsburg
5/5
03.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein schöner, bitterböser Heimatroman
Aus den verschiedenen Perspektiven seiner Bewohner und Bewohnerinnen schildert der Autor das Leben in einem Bergdorf namens Gromzell. Die Strukturen einer dörflichen Gemeinschaft werden mit Humor offengelegt und analysiert. Ausgehend vom Tod der ältesten Bewohnerin Marie werden die Charaktere treffend in einer Ausnahmesituation in der Enge des Dorfes beschrieben. Er demaskiert Aberglauben, Borniertheit und Beharrungswillen durch die bedrohlich wahrgenommene Veränderung aufgrund des Todesfalls. Dirk Bernemann gelingt es meisterhaft, Gromzell und seine Bevölkerung verdichtet aus Klischees, Vorurteilen, Glaube und Abhängigkeiten zu schildern. Das Ganze geschieht mit einer großen psychologischen Tiefe, ist nachvollziehbar, intelligent und aufgrund der guten Beobachtungs- und Analysegabe des Autors bitterböse und sehr unterhaltsam. Mich hat das Buch sehr gut unterhalten, die Charaktere fand ich glaubhaft und das auch manchmal absurde Verhalten in ihrer speziellen Gedanken- und Erlebniswelt nachvollziehbar.
Hornita
aus Augsburg
5/5
03.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein schöner, bitterböser…
Ein schöner, bitterböser Heimatroman; Aus den verschiedenen Perspektiven seiner Bewohner und Bewohnerinnen schildert der Autor das Leben in einem Bergdorf namens Gromzell. Die Strukturen einer dörflichen Gemeinschaft werden mit Humor offengelegt und analysiert. Ausgehend vom Tod der ältesten Bewohnerin Marie werden die Charaktere treffend in einer Ausnahmesituation in der Enge des Dorfes beschrieben. Er demaskiert Aberglauben, Borniertheit und Beharrungswillen durch die bedrohlich wahrgenommene Veränderung aufgrund des Todesfalls. Dirk Bernemann gelingt es meisterhaft, Gromzell und seine Bevölkerung verdichtet aus Klischees, Vorurteilen, Glaube und Abhängigkeiten zu schildern. Das Ganze geschieht mit einer großen psychologischen Tiefe, ist nachvollziehbar, intelligent und aufgrund der guten Beobachtungs- und Analysegabe des Autors bitterböse und sehr unterhaltsam. Mich hat das Buch sehr gut unterhalten, die Charaktere fand ich glaubhaft und das auch manchmal absurde Verhalten in ihrer speziellen Gedanken- und Erlebniswelt nachvollziehbar.
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4/5
18.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gromzell ist nach Schützenfest
Das Wort “Heimatroman” beschert mir normalerweise eine ungute Gänsehaut. Nun ist
dieser sogenannte Heimatroman allerdings von niemand geringerem als Dirk
Bernemann – entsprechend sollte diesem Begriff hier nicht allzu viel Aufmerksamkeit
geschenkt werden. Die Dorfälteste von Gromzell (genannt Marie) verstirbt mit stolzen
108 Jahren. Was im Grunde normal sein sollte, erschüttert das Dorf in seinen
Grundfesten. Die Illusion des ewigen Lebens ist mit Marie gegangen und tritt eine Reihe
von Eskalationen und Unruhen los. Wie bei Bernemann üblich geht es ans
Eingemachte.
Gromzell beginnt, wo “Schützenfest” aufgehört hat. Wer mit den Werken Dirk
Bernemanns vertraut ist, weiß, dass es schwer ist etwas zu erwarten. Zu verschieden
die einzelnen Romane, zu verstreut die Geschichten. Doch auf eines ist immer Verlass:
Es wird abgerechnet. Sprachlich zählt Dirk Bernemann zur absoluten Speerspitze der
deutschen Underground-Literaturszene. Umgangssprache trifft Scharfsinn, Scharfsinn
trifft auf philosophisch genial verarbeitete übergeordnete Themen. Lest selbst!
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4/5
08.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zuhause ist es doch am schönsten!
Mein Kollege sagt, Dirk Bernemann sei nicht für jeden etwas. Aus verschiedenen Gründen - hauptsächlich buchhändlerischer Neugier - habe ich mich trotzdem an eines seiner Werke gewagt.
Worum geht es? Marie ist tot. Marie, die älteste Bewohnerin des kleinen Dorfes Gromzell, in dem jahrelang niemand gestorben ist. Doch damit nicht genug: Plötzlich häufen sich die Todesfälle, Bewohner verschwinden und alte Geschichten werden wieder aufgewärmt. Die Konsequenzen? Das Dorf sucht sich einen Sündenbock...
Im Laufe der Geschichte begegnen wir freundlichen Menschen, vorurteilsbehafteten Menschen, alten und jungen, egoistischen, starrköpfigen und offenen Menschen. Ein Querschnitt durch die Gesellschaft, wie er authentischer nicht sein könnte, ohne Rücksicht darauf, ob uns Lesenden die Charaktere und ihr Handeln gefallen.
Was wiederum sehr gut gefällt, ist der Schreibstil. Mit wenigen Sätzen wird viel gesagt, an manch einer Stelle überrascht der Text zudem mit gekonnten Wortspielen. Wie die Handlung zeigt auch die Sprache sich authentisch, bisweilen sogar schonungslos brutal.
Bin ich plötzlich Dirk Bernemann Fan? Bleibt abzuwarten. Ich bin jedenfalls gespannt, was wir noch von ihm zu lesen bekommen und lasse mich in der Zwischenzeit gerne von bereits erschienenen Werken überzeugen.
Um den Kreis zu schließen: "Gromzell" ist tatsächlich keine Lektüre für jede*n. Eine klare Empfehlung geht jedoch raus an alle, die sich literarisch gerne an Neuem versuchen und dabei weder auf ein hohes sprachliches Niveau, noch auf gelegentliches Schmunzeln verzichten möchten. Stammlesende des Autors werden sich dieses Buch sicher längst bestellt haben. Falls nicht, solltet ihr das schnellstmöglich nachholen.
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