Produktbild: Zsömle ist weg

Zsömle ist weg Roman | Nobelpreis für Literatur 2025

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ePUB 3

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Nein

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Ja

Text-to-Speech

Ja

Verkaufsrang

12052

Erscheinungsdatum

10.12.2025

Verlag

Fischer E-Books

Seitenzahl

304 (Printausgabe)

Dateigröße

8205 KB

Auflage

1. Auflage

Übersetzt von

Heike Flemming

Sprache

Deutsch

EAN

9783104921341

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ePUB 3

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10.12.2025

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Fischer E-Books

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9783104921341

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  • drawe

    aus Landau

    5/5

    26.01.2026

    eBook (ePUB 3)

    Die Ewig-Gestrigen

    Mein Lese-Eindruck: Zsömle heißen die jeweiligen Hunde, und ihr Herr heißt Jozsef Kada, ein 91jähriger Rentner. Über die Anlehnung an Josef K. aus Kafkas Roman „Der Prozess“ kann sich der Leser seine Gedanken machen. Joszef Kada wohnt auf dem Lande, oberhalb eines kleinen Dorfes, und er liebt seinen Kaffee und den Blick von seiner Terrasse auf die Landschaft. Von einer Kriegsverletzung hat er einen Splitter im Schädel zurückbehalten, und auch hier kann der Leser sich Gedanken machen, inwieweit diese Verletzung ursächlich ist für Joszef Kadas Überzeugung, der rechtmäßige Erbe des ungarischen Throns zu sein. Er sei der einzige lebende Erbe der Arpaden, der ersten Herrscherdynastie Ungarns. Um Onkel Joszi, wie er sich leutselig nennen lässt, sammelt sich nun eine Gruppe von Ewig-Gestrigen auf der Suche nach einem starken Führer: Männer, die sich mit der Gegenwart nicht arrangieren können, die sich nach den vermeintlich besseren alten Zeiten zurücksehnen und Glanz und Gloria des Königreichs Umgarn wieder errichten wollen. Onkel Joszi liebt es, der Mittelpunkt dieses Kreises zu sein, und er erzählt ihnen seine Geschichten von illustren Bekanntschaften rund um die Welt, seinen Freundschaften mit amerikanischen Präsidenten, seinen Liebesbeziehungen zu Hollywood-Größen, seinen Ehren und Auszeichnungen. Auch er ist ein Ewig-Gestriger und beschwört seine Verehrung zu völkischen Künstlern. Geschmeichelt lässt er sich in die Planungen für einen Staatsstreich einspinnen. Krasznahorkai erzählt hier eine befremdliche und groteske Geschichte, die den Leser immer wieder zum Lachen bringt, wobei ihm das Lachen aber manchmal in der Kehle stecken bleibt. Immerhin hat Onkel Joszi gute Freunde in Deutschland, wie er erzählt. Und die Entwicklung der ungarischen Demokratie unter Orban hat zwar nicht das Eruptive eines Staatsstreichs, aber dennoch ist der Abbau der Demokratie zu beobachten. Es gelingt dem Autor aber immer wieder, für Leichtigkeit und Heiterkeit zu sorgen, z. B. wenn er sich selber in dem Roman die Rolle eines verkannten Künstlers und eines unbeirrt treuen Vasallen zuweist. Diese Mischung aus Groteskem, Absurdem und Skurrilem und vor allem die unübersehbare Freude am Erzählen machen die Lektüre zu einem Vergnügen. Krasznahorkai schreibt seinen Roman in kapitellangen Sätzen, quasi ohne Punkt und Komma. Dieses endlose Erzählen passt sicher zu den endlosen Gesprächen, die die Rückwärtsgewandten in Onkel Joszis Küche führen. Es passt auch zu den selbstverliebten Erzählungen Onkel Joszis. Aber das Erzählen wird dadurch auch sprunghaft. Bezüge wechseln, die Zeiten geraten durcheinander, Handlung und Gedanken ebenso. An einigen Stellen hätten problemlos Punkte gesetzt werden können, sodass sich mir der Sinn des Stilmittels nicht ganz erschließt. 4,5/5*

  • Clara

    5/5

    24.05.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Eigen-artige Geschichtsschreibung

    Der Hund ist der treue Begleiter des Menschen und insbesondere der "treue Freund eines jeden Ungarn" (Buch S. 63). Zsömle ist weg. Onkel Joszi, so heißt die Hauptfigur des Romans, holt sich jedoch gleich nach dem Ableben des treuen Hundes einen neuen Welpen, den er ebenfalls Zsömle nennt. In dreiunddreißig Jahren hatten alle Hunde diesen Namen. Zsömle hat nur eine kurze Jugendzeit und muss dann an die Kette (in Ungarn werden meines Wissens die Hunde oft angekettet und bewachen das Haus). Sein Herrl läßt ihn aber manchmal frei laufen und verpflegt ihn liebevoll. Onkel Joszi, Joszef Kada oder nach seiner Vorstellung bereits gekrönter und rechtmäßiger König der Ungarn, ist der Protagonist des Romans. Er stammt vom Geschlecht der Arpaden ab, eines Adelsgeschlechts, das in Ungarn von ca. 1000 bis 1300 (1301) regierte. In seiner Vorfahrenslinie sieht Onkel Joszi väterlicherseits auch eine Blutsverwandschaft zu Dschingis Khan. Onkel Joszi lebt in einem Dorf am Berg und ist ein gebildeter Mann. Er hat eine Tochter, zu der aber kaum ein Kontakt besteht. Eine Schar Aufständischer formiert sich um ihn. Sie wollen die regierenden Eliten stürzen und eine Monarchie ausrufen oder einfach einen Umsturz des Regimes hervorrufen. Es ist nicht so klar, ob sie Onkel Joszi als Führer und Herrscher ansehen oder eher als Repräsentationsfigur für ihr neues Reich. Onkel Joszi scheint Beziehungen zu höheren Kreisen zu haben und wird zum Missfallen seines "Drübennachbarn" mit Autos abgeholt bzw. trifft er Sondergesandte im Untergrund von Budapest. Als er realisiert, dass hier Waffengewalt im Spiel ist, lehnt er das strikt ab. Die Aktivitäten der Truppe werden vereitelt und die Rädelsführer landen zum Teil mit mehrjährigen Haftstrafen im Gefängnis. Auch Onkel Joszi trifft es hart und er wird mit Gefängnis und dann mit Abschottung in der Psychiatrie bestraft. Er ist ein Kämpfer, der sich im Krieg eine Verletzung am Kopf zugezogen hat. Ein bleibender Splitter stellt stets eine Gefahr für ihn dar. Er ist einige Unbillen des Lebens gewohnt. Die Haft kann er schließlich mit Geld und mit allmählich auftauchenden Besuchen etwas erleichtern (er ist jetzt bereits zumindest 91 Jahre alt). Der Wirt aus seinem Dorf und die Etelka, die er anbetet, finden ihn. Dann auch der Laci. Etelka erreicht schließlich auch, dass sein Hund Zsömle zu ihm kommen kann. Die Besuche der Menschen von außen werden aber immer rarer bis sie vollständig zum Erliegen kommen. War er anfangs schon in einer Art Endzeitstimmung (er wollte den Ofen nicht mehr einheizen), so ist jetzt sein Ende tatsächlich nah. Ist Onkel Joszi ein Don Quijote? Ist er verrückt? Der Roman hat eine sehr eigenwillige Sprache und eine poetische Form. Manche moderne Wörter werden in Lautschrift verfasst, was einem ein Schmunzeln, zuweilen sogar ein Lachen entlockt. Insgesamt gibt es in dem Roman aber nichts zu lachen. Das herrschende Regime ist grausam und korrupt, das andere wäre eventuell noch grausamer. Was machen die Umstände aus Menschen? Wer kommt in dem Roman menschlich gut weg? Wie erscheint das Leben? Wer hält zu dir? Was macht Überzeugtheit aus einem Menschen? Wer hält zusammen? Die Schar der Aufständischen verflüchtigt sich. Es bleiben ein paar Menschen übrig, die schlussendlich aber auch nicht mehr auftauchen. Mensch und Tier sind gefangen - innerlich und äußerlich. Etelka, seine Angebetete, eine sehr religiöse Frau, die ihn liebgewonnen hat, beschreibt zumindest einen Versuch, entkommen zu wollen. Sie ist es auch, die erwirkt, dass sein Hund Zsömle zu ihm kommen kann. Zum Schluss gelingt es dem Protagonisten auch noch, dass er einen Wärter für sich einnehmen kann und ihm seine Medaillensammlung und seine Auszeichnungen hinterlässt. Keine einfache, eine nachdenklich stimmende und sehr politische wie auch melancholische Lektüre.

  • Bories vom Berg

    aus München

    4/5

    23.02.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Zwischen Wahnsinn und Realität

    Der ungarische Schriftsteller Lásló Krasznahorkai wurde 2025 mit dem Nobelpreis des Jahres ausgezeichnet «für sein fesselndes und visionäres Werk, das inmitten apokalyptischen Schreckens die Macht der Kunst bekräftigt». Passend dazu erschien im gleichen Jahr auch sein neuester Roman unter dem kryptischen Titel «Zsömle ist weg», der, als politische Satire angelegt, eine aberwitzige Geschichte erzählt, die vor sarkastischem Humor geradezu strotzt, wobei sie aber auch mit einem Schleier der Melancholie überzogen ist. Der Plot regt immer wieder zum Nachdenken an in Hinblick auf die politischen Realitäten der Jetztzeit, in denen er angesiedelt ist, und zwar im autokratisch regierten Ungarn eines Viktor Orbán. «Er wolle eigentlich über Hoffnung sprechen», sagte der Autor in Stockholm anlässlich der Verleihung des Nobelpreises, «… aber meine Vorräte an Hoffnung sind eindeutig an ihr Ende gekommen». Gleichwohl, er nimmt es mit Galgenhumor, das beweist eindrucksvoll dieser neue Roman! Der 91jährige József Kada, ein ehemaliger Elektriker, der als Witwer etwas abseits von seiner Gemeinde mit seinem Hund Zsömle (sic) einsam auf einem Berg wohnt, erhält eines Tages überraschend Besuch von einer bunten Truppe von Royalisten, die ihn nach langen Recherchen als Nachfolger der 1301 verschwundenen Dynastie der Arpaden, und damit als legitimer Anwärter auf dem ungarischen Thron, ausfindig gemacht haben. Er allein, so ihre Überzeugung, könne in die korrupte und machtgeile, autokratische Gegenwarts-Politik des Landes so etwas wie Moral zurückbringen als Oberhaupt eines neu auszurufenden Königreichs Ungarn. Wenig erfreut über die Störung seines beschaulichen Rentnerlebens erklärt er den Royalisten: «Ich möchte Sie bitten, dass das, was Sie entdeckt haben, also dass es mich gibt und wir uns hier treffen, ein gut gehütetes Geheimnis bleibt, niemand, verstehen Sie, niemand darf wissen, wer ich bin und wo ich zu finden bin». Nach weiteren Treffen mit seiner stetig wachsenden Anhängerschar, die ihn inzwischen nur noch liebevoll als Onkel Józsi anredet, weil er sich «Majestät» als Anrede verbeten hat, willigt er schließlich zögernd ein, dieses Amt zu übernehmen, wenn es denn an ihn herangetragen würde. Als ihm die Monarchisten aber ein geheimes Waffenlager zeigen, dass sie für einen Putsch bereits angelegt haben, will er davon nichts wissen, - er möchte nur auf politisch korrekte Weise König werden, sonst verzichte er gerne. Man muss Einiges wissen oder nachschlagen über die ungarische Geschichte, um all die Anspielungen im Roman verstehen zu können. Onkel Józsi versinkt immer mehr in Träume von den guten alten Zeiten, von dem völkischen Schriftsteller Albert Wass beispielsweise, der unter Viktor Orbán, als Ersatz für das Holocaust-Opfer Imre Kertész, als ungarischer Schriftsteller zur Pflichtlektüre an den Schulen bestimmt wurde. Oder er schwärmt von der ungarischen Sängerin Zita Szeleczky, die als glühende Faschistin zeitweise auch mit Wass liiert war und deren Lieder ihn damals zutiefst berührt haben. Er sei auch, sagt Onkel Józsi, mit vielen Persönlichkeiten in Deutschland gut befreundet, «… mit ‹Heinrich XIII Prinz von Reuß›, vor allem mit dem, ich spreche perfekt Deutsch, wir verstehen uns also in jeder Hinsicht gut, er will das Gleiche wie ich, doch seine Mittel sind andere». Schon im Roman «Baron Wenckheim kehrt zurück» findet sich das Motiv des politischen Hoffnungsträgers, eine Figur, die übrigens auch in diesem Roman eine Gastrolle hat. Erzählt wird in dem für Lásló Krasznahorkai typischen Stil als ununterbrochener Gedankenstrom, also hier in elf Langsätzen, in denen sich sprunghaft Geschehen und Dialoge abwechseln, und die erst am Schluss des jeweiligen Teils mit einem Punkt beendet werden, ein endloses Palaver also, das leider auch einige Längen und Wiederholungen aufweist. «Schönheit in der Sprache. Spaß in der Hölle» ist stilistisch das Motto des Autors, wie er betont hat. Er lotet narrativ gerne die Grenzbereiche zwischen Wahnsinn und Realität aus, was hier aber nicht parabelartig endet, ganz im Gegenteil!

  • Jürg Stocker

    aus Scuol

    4/5

    23.01.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein sehr spezielles literarisches Werk

    Zum Inhalt: Zsömle ist weg, so der Titel des Buches. Doch wer ist Zsömle? Eine der Erzählstränge führt uns zu Onkel Józsi, 91-jährig, seine Herkunft unklar. Ist er ein Spross einer Adelslinie? Könnte er der geheime Thronfolger Ungarns sein? Ob diese Erzählung der Realität entspricht oder ein Gerücht ist, wird nicht geklärt. Auch nicht durch den Besuch einer eigenartigen Gruppe von Anhängern der Monarchie. Zitat: „… sie sind auf mich böse, aber das können wir uns in einer Familie wie der unseren nicht erlauben, denn ich habe, wie ich schon sagte, keine Kinder, meine Tochter aber hat sogar zwei“ (wie geht das denn?) Meine Eindrücke: Es war dies mein erstes Buch des Nobelpreisträgers für Literatur 2025. Seine Technik, über mehrere Seiten keinen Punkt zu setzen (erster Punkt auf Seite 28) ist gewöhnungsbedürftig. Dennoch finde ich ist der Text sehr gut lesbar und stellenweise humoristisch. Alles wirkt wie ungefiltertes Denken, erhöht das Lesetempo und dadurch das emotionelle Erleben der Geschichte. Ich verstehe zu wenig von Literatur würde aber diese Art zu schreiben mit einem Bild eines Kunstmalers vergleichen. Schreiben und malen können viele, aber kunstvoll ist etwas völlig anderes. Mein Fazit: Um Freude an diesem literarischen Buch zu haben muss man bereit sein, die spezielle Schreibweise sowie die kunstvolle Sprache zu akzeptieren - sonst lieber Finger weg. Ehrlich gesagt: Hätte der Schriftsteller nicht den Nobelpreis gewonnen, ich hätte das Buch kaum fertiggelesen.

  • Jürg K.

    4/5

    14.12.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Eindrückliche Geschichte

    László Krasznahorkai überrascht mit einem Roman voll milder Melancholie, sarkastischem Humor und grosser Seltsamkeit. Im Zentrum steht Onkel Józsi, der sich der Welt entzieht und seine Herkunft verschleiert ein Mann, der Anspruch auf den ungarischen Thron erheben könnte, es aber nicht will. Gerade dieser Widerstand gegen die Politik macht ihn zum Ziel einer Gruppe von Monarchisten und Archivaren, die in ihm die letzte Hoffnung auf ein verlorenes Ungarn sehen. Die Gedanken jagen sich, die Zeit scheint stillzustehen, und das Glück existiert nur noch in der Rückschau. Krasznahorkai zeichnet die Begegnung zwischen Rückzug und Aufdringlichkeit als ein groteskes Schauspiel, in dem die Fäden der Geschichte sich verheddern und die Figuren in einem Netz aus Illusionen und Erinnerungen gefangen sind. Es ist ein Roman, der den Leser in einen hypnotischen Sog zieht. Man liest eine eindrückliche Geschichte über das Verschwinden von Menschen, von Ideen, von Glanz und zugleich ein bitterkomisches Panorama über die Unmöglichkeit, der Politik und der Geschichte zu entkommen. Ein Werk, das nachhallt und den Leser mit seiner eigentümlichen Mischung aus Schwere und Ironie lange begleitet. Nicht verpassen.

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    R. Tappenbeck

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    3/5

    07.01.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Monarchismus Satire auf hohem literarischem Niveau

    Dieser Roman schafft es zwar durchaus einen Sog aufzubauen und ist von einem rein literarischen Standpunkt aus wirklich lesenswert. Ich muss leider sagen, dass die Satire auf den Monarchismus mich ziemlich kalt gelassen hat. Dies mag einem Mangel an Berührungspunkten mit diesem geschuldet sein, hat aber mein Interesse an der Handlung doch deutlich geschmälert.

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