Das lang erwartete Debüt von Spiegel-Bestsellerautor Jean-Philippe KindlerDrei Tage vor der Bundestagswahl 2029 verliert Jonas seinen Vater. Während er mit der Trauer ringt und versucht, seinem kleinen Sohn den Tod des Opas zu erklären, kämpft Estelle im Team von Spitzenkandidatin Sandra Terzinger-Köhn um politischen Einfluss – und gegen die Kälte im Bundestag. Selbst ein Neonazi-Anschlag auf friedliche Demonstrierende ist dort kaum der Rede wert. Jonas und Estelle verbindet indes eine fragile Situationship – intensiv, wenn sie sich sehen, fast wortlos dazwischen. In einer Welt, die immer kälter und rauer wird, suchen sie beide nach Halt – und fragen sich: Was ist, wenn ich dich brauche?Jean-Philippe Kindler gibt seiner Geschichte im Hörbuch höchstselbst seine Stimme und erzählt sehr persönlich von der Zerreißprobe zwischen Privatem und Politischem, von Verlust und Hoffnung – und von dem Mut, Haltung zu zeigen in einer Welt, die kippt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
ancla_books4life
aus Schwerte
5/5
04.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein literarischer Blick auf Angst, Gesellschaft und Generationen
**** Mein Eindruck ****
Dieses Buch bewegt sich zwischen vielen Ebenen: Leben und Tod, Kindheit und Erwachsensein, Alter, Politik, Angst und dem Wunsch nach Veränderung. Es ist anregend, provokativ und bewusst nicht eindeutig – genau das macht seinen Reiz aus.
Wir befinden uns im Jahr 2029, nur wenige Jahre in der Zukunft. Während ein Vater im Sterben liegt, stellt ein Kind kluge, manchmal erschreckend klare Fragen. Gleichzeitig rückt die politische Situation immer stärker in den Fokus: Eine Bundestagswahl steht bevor und mit ihr die reale Angst vor einem politischen Wandel, der viele verunsichert.
Diese Verbindung aus persönlichem Schicksal und gesellschaftlicher Entwicklung wirkt intensiv und regt zum Nachdenken an. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass sich Vergangenheit und Zukunft berühren – als würden sich bestimmte Muster wiederholen. Ob bewusst gesetzt oder eigene Interpretation, genau diese Gedanken machen das Buch spannend.
Die Geschichte liefert keine klaren Antworten. Stattdessen zeigt sie Facetten: Generationen, Hierarchien, soziale Strukturen und unterschiedliche Blickwinkel auf das Leben. Besonders die Perspektive des Kindes bringt dabei eine eigene, fast schon hoffnungsvolle Note hinein, die im Kontrast zu den düsteren politischen und gesellschaftlichen Themen steht.
Sprachlich treffen kluge, prägnante Sätze auf teilweise verschrobene Gedankengänge. Nicht immer wirkt alles vollständig ausgearbeitet oder zielgerichtet, stellenweise empfand ich die Geschichte sogar als etwas ziellos. Gleichzeitig liegt genau darin auch eine gewisse Authentizität – wie ein Gedankengeflecht, das sich nicht vollständig ordnen lässt, weil es so nah an der Realität ist.
Das gemeinsame Ende, in dem mehrere Generationen auf einer Demonstration zusammenkommen, wirkt symbolisch. Doch auch hier bleibt vieles offen – das Ziel, die Wirkung, die Zukunft. Es ist ein Abschluss, der eher Fragen stellt als Antworten gibt.
Für mich ist dieses Buch vor allem ein Denkanstoß. Eine literarische Auseinandersetzung mit einer möglichen Zukunft, die sich manchmal erschreckend nah anfühlt.
**** Empfehlung? ****
Für alle, die sich auf politische und gesellschaftliche Themen in literarischer Form einlassen möchten. Wer Bücher schätzt, die mehr Fragen stellen als Antworten geben und Raum für eigene Gedanken lassen, wird hier eine spannende, wenn auch nicht immer greifbare Lektüre finden.
Bewertung
5/5
25.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ungewöhnlich inspirierend
Jonas verliert in Hamburg seinen Vater, Estelle kämpft in Berlin um ihre Überzeugungen. Während der Eine zurückschaut und um Worte für Unsagbares ringt, sucht die Andere nach Aussprache, um Zukunft zu gestalten. Die Verbindung der beiden pendelt zwischen Distanz und Nähe, sucht sich ihre eigenen Wege. Derweil findet die Bundestagswahl 2029 statt. Im Polit-Business stehen Strategien, Auftritte bei Markus Lanz und das Umgarnen von Förderern an, während die Bevölkerung immer deutlicher skandiert "Es reicht". Aber was ist dieses "Es" und wie findet man wieder zueinander?
Die Grundfrage dieses intelligenten Romans scheint mir zu sein: Wann beginnt eine Stimmung, ein Gefühl und wann ist da eine Grenze, ein Übergang, etwas, das kippt? Können wir dies noch in Worte fassen, die exakte Situation, den Beginn und das Ende benennen? Oder bauschen sich feine Dissonanzen, wahrnehmbare Widersprüche, subtile Entwertung und latente Ausgrenzung in der täglichen Kommunikation und im Umgang miteinander zu einer irgendwann nicht mehr nachverfolgbaren, monströsen Entfremdung und Spaltung?
Der Anfang von Kindlers Roman liest sich recht kantig und sperrig. Das Erwartbare habe ich nicht gefunden und das Ungewöhnliche hat andere neuronale Netze angesprochen, sogar Kindheitserinnerungen wurden wach. Was bleibt am Ende? "No man is an island" - wir Menschen brauchen einander in unseren Krisen, in unseren Möglichkeiten. Wir brauchen jemanden, der da ist, jemanden, der zuhört, jemanden, der sieht und jemanden, dem es nicht egal ist, was wird - ein Bekenntnis, eine Hinwendung, eine Fürsorge, eine Bewegung.
Kindler schreibt wie ein Mensch, der lebt und nicht wie ein Autor, der Leben konstruiert.
Ein sehr schöner Roman durch den man sich durchboxen muss! Etwas für Leser, die zwischen den Zeilen lesen und inspiriert werden wollen.
Bewertung
4/5
03.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Von Kälte und Nähe in Beziehungen
„Hier ist der Beginn und das Ende ist dort“ fasziniert durch seine Sprache. Jean-Philippe Kindler schreibt, beeinflusst durch persönliche Erfahrungen, abwechselnd aus den Perspektiven der miteinander lose befreundeten Jonas und Estelle über soziale Beziehungen und wie sie durch die Lebensumstände verändert werden.
Jonas ist ein in der Energiebranche tätiger alleinerziehender Mann, dessen Vater drei Tage vor der Bundestagswahl stirbt. Estelle ist als Redenschreiberin einer mit ihr befreundeten Bundeskanzlerkandidatin in den Wahlkampf involviert. Das Buch ist im Präteritum geschrieben, obwohl die Handlung in der Zukunft, im Jahr 2029 liegt.
Jonas beschreibt sein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater, der zwischen übertriebener Zuneigung und totaler Ablehnung schwankt. Das fand ich teilweise etwas befremdlich, ebenso wie das Verhältnis von Estelle zu Jonas. Sie hat Angst vor einer engen Beziehung, vor zu großer Nähe zu ihm. Interessanter für mich war die Beschreibung des beruflichen Umfelds von Estelle. Der Auftritt der Kandidatin bei Markus Lanz, die gleichgültige kühle Reaktion auf einen rechtsradikalen Anschlag, das Verstellen der eigenen Ideale zu Gunsten der Wählerstimmen, einfach schrecklich realistisch. Dass die politisch Aktiven die Zwiespalte nur mit Koksen aushalten, mag sein, ich fand es abstoßend.
Schön beschreibt Kindler, wie Jonas den Tod des Großvaters seinem Sohn erklärt. Der wiederum kommt mir wie ein kleiner Erwachsener vor. Früher sagte man „altklug“, der Autor bzw. Jonas findet es offensichtlich schön, ich weniger.
Letztendlich schlägt das Pendel in den Beziehungen zum Wunsch nach Nähe um. Auch wenn häufig offen und unklar bleibt, was der Autor dem Leser vermitteln will, ist das Ende versöhnlich..
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5/5
30.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gelungenes Debüt
Kindlers Debüt-Roman klang vielversprechend und hat mir richtig gut gefallen. 2029 die Bundestagswahlen stehen an und wir haben teil an Jonas' und Estelles Leben die wunderbar schmerzhaft miteinander verwoben sind.
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5/5
14.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Über das Private und das Politische
Jean-Philippe Kindler war schon vor seinem Romandebüt eine wichtige politische Stimme, nun hat er seinen ersten Roman geschrieben. Dieser erzählt von zwei Menschen in der Großstadt, die sich mögen, vielleicht sogar lieben, aber nicht zueinander finden. Von einem jungen Vater, der den Verlust seines eigenen Vaters verarbeitet und von einer Frau im politischen Betrieb, die Angst hat, ihre Ideale zu verraten. Ein Roman über Verlust, das Zulassen von Nähe und ein Land ab rechten Abgrund. Was für ein berührender Roman, der nachwirkt!
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4/5
05.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großes literarisches Debüt.
Jean-Philippe Kindler schreibt mit diesem Buch eine nahe Zukunftsvision, die gleichermaßen dystopisch wie hoffnungsvoll wirkt. Denn neben den politischen Wirren einer nervenzerreißenden Bundestagswahl begeben wir uns auf die Reise von Jonas und Estelle - zueinander uns voneinander weg -, drehen uns dabei um Ängste und Verluste, um Liebe und Freundschaft. In einer erkalteten Umgebung entsteht so ein Buch der Wärme, das abgesehen von einigen etwas zu klischeehaften Szenen wirklich gelungen ist.
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4/5
13.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wo Anfang und Ende sich begegnen
Jean-Philippe Kindlers Roman - benannt nach einem Zitat von Rainer Maria Rilke - weckt früh die Erwartung, dass Sprache und Gefühl eng miteinander verwoben sind. Die Handlung spielt in naher Zukunft, in der Woche vor der Bundestagswahl, und begleitet mit Jonas und Estelle zwei junge Leute, die auf unterschiedliche Weise nach Halt suchen. Einst durch eine kurze Liaison verbunden, halten sie sporadisch Kontakt. Während Jonas mit einem sehr persönlichen Verlust ringt, bewegt sich Estelle in der distanzierten Welt der Politik. Die Passagen, in denen politische Dynamiken und Verhaltensweisen geschildert werden, zeigen besonders eindrücklich, wie sich gesellschaftliche Entwicklungen zuspitzen können. Berührt hat mich vor allem Jonas’ Trauer, gleichzeitig habe ich manches nicht ganz greifen können. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich daraus mitnehme.
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