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Die Holländerinnen Roman. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2025

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Beschreibung

Produktdetails

Zustand

Gut

Verkaufsrang

32481

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

19.08.2025

Verlag

Carl Hanser

Seitenzahl

160

Maße (L/B/H)

12,5/20,5/2,2 cm

Gewicht

272 g

Auflage

5

Sprache

Deutsch

EAN

2710002478407

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Zustand

Gut

Verkaufsrang

32481

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

19.08.2025

Verlag

Carl Hanser

Seitenzahl

160

Maße (L/B/H)

12,5/20,5/2,2 cm

Gewicht

272 g

Auflage

5

Sprache

Deutsch

EAN

2710002478407

Herstelleradresse

Carl Hanser Verlag
Vilshofener Straße 10
81679 München
DE

Email: info@hanser.de

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hat den deutschen Buchpreis 2025 absolut verdient

Bewertung am 15.04.2026

Bewertungsnummer: 3110178

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Eine erfrischend andere Lektüre, intellektuell etwas anspruchsvoll, weil alles im Konjunktiv geschrieben wird. Man mag das als "zu akademisch" abtun, aber ja, das Buch spielt ja auch in einem akademischen Umfeld. So be it. Man hört der Hauptdarstellerin bei einer wissenschaftlichen Vorlesung zu, erfährt dabei aber eigentlich nichts Wissenschaftliches, sondern von einer Exkursion in den südamerikanischen Dschungel, wo ein Regisseur seine handverlesenen Protagonisten zu einem Experiment mit offenem Ausgang einlädt. Dabei passiert so einiges. Funktioniert total für mich.

hat den deutschen Buchpreis 2025 absolut verdient

Bewertung am 15.04.2026
Bewertungsnummer: 3110178
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Eine erfrischend andere Lektüre, intellektuell etwas anspruchsvoll, weil alles im Konjunktiv geschrieben wird. Man mag das als "zu akademisch" abtun, aber ja, das Buch spielt ja auch in einem akademischen Umfeld. So be it. Man hört der Hauptdarstellerin bei einer wissenschaftlichen Vorlesung zu, erfährt dabei aber eigentlich nichts Wissenschaftliches, sondern von einer Exkursion in den südamerikanischen Dschungel, wo ein Regisseur seine handverlesenen Protagonisten zu einem Experiment mit offenem Ausgang einlädt. Dabei passiert so einiges. Funktioniert total für mich.

Fordernd

Bewertung aus Vaihingen am 05.01.2026

Bewertungsnummer: 2692666

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ein Text, der so herausfordernd ist, dass er die Leser/Leserinnen spalten muss. Die Autorin wagte es, einen völlig neuen Weg einzuschlagen. Keine Kapitel, keine erkennbaren Charaktere, keine abgeschlossenen logischen Handlungen und Folgen daraus - für den nach Sicherheit suchenden Leser völlig unbefriedigend. Aber so ist "das Leben" eben auch. Unvorhersehbar, beängstigend, oft irrational. Wie wir Menschen. Verstärkt wird diese Angst durch das Stilmittel der indirekten Rede. Raffiniert. Schon früh erinnerte mich die Atmosphäre im Buch an Max Frischs Homo Faber. Als Walter Faber mit seinem Freund Herbert Hencke in Guatemala nach dessen Bruder Joachim sucht und ihn - im verwesenden Sumpf südamerikanischer Hitze - erhängt vorfindet. Homo Faber, der Rationalist, steht vor der unberechenbaren Vergänglichkeit. So eindeutig zu lesen ist Dorothee Elmigers Buch (leider) nicht.

Fordernd

Bewertung aus Vaihingen am 05.01.2026
Bewertungsnummer: 2692666
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ein Text, der so herausfordernd ist, dass er die Leser/Leserinnen spalten muss. Die Autorin wagte es, einen völlig neuen Weg einzuschlagen. Keine Kapitel, keine erkennbaren Charaktere, keine abgeschlossenen logischen Handlungen und Folgen daraus - für den nach Sicherheit suchenden Leser völlig unbefriedigend. Aber so ist "das Leben" eben auch. Unvorhersehbar, beängstigend, oft irrational. Wie wir Menschen. Verstärkt wird diese Angst durch das Stilmittel der indirekten Rede. Raffiniert. Schon früh erinnerte mich die Atmosphäre im Buch an Max Frischs Homo Faber. Als Walter Faber mit seinem Freund Herbert Hencke in Guatemala nach dessen Bruder Joachim sucht und ihn - im verwesenden Sumpf südamerikanischer Hitze - erhängt vorfindet. Homo Faber, der Rationalist, steht vor der unberechenbaren Vergänglichkeit. So eindeutig zu lesen ist Dorothee Elmigers Buch (leider) nicht.

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Die Holländerinnen

von Dorothee Elmiger

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Jérôme Wiedenhaupt

Thalia Hildesheim

Zum Portrait

5/5

Die Ethik der Verlangsamung: Dorothee Elmigers poetischer Widerstand gegen das Eindeutige.

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Der Roman "Die Holländerinnen" von Dorothee Elmiger liest sich wie ein gemessener Einzug in eine verborgene Zone der Literatur – zart, entschleunigt, zugleich wach und dunkel; er überzeugt durch eine Stimme, die sich auf das Unsagbare richtet und dabei die ganze literarische Tradition in den Blick nimmt. Es ist kein Abenteuer im herkömmlichen Sinne, aber es ist eine Expedition – eine Expedition in die Tiefen des Erzählens, in die Verwerfungslinien zwischen Kultur und Natur, Macht und Ohnmacht, Sprache und Schweigen. In einer Zeit, in der viele Romane eher konsumieren lassen als nachdenken, stellt Elmiger einen Text entgegen, der fordert und belohnt, der entschleunigt und dennoch pulsiert, der sich ganz bewusst entzieht der einfachen Handlung und doch alle Facetten einer großen Erzählung in sich trägt. Und doch ist dieser Roman keine bloße Parabel über das Verschwinden, keine symbolische Fingerübung über das Sagen und Nicht-Sagen. Er ist, in seinem inneren Kern, eine geduldige, beinahe asketische Untersuchung darüber, was bleibt, wenn sich die Gewissheiten der Moderne auflösen – eine poetische Rekonstruktion des Unwiederbringlichen. Eine namenlose Erzählerin, eine Schriftstellerin, steht im Zentrum dieser Schwebe, und sie berichtet – nicht ohne Zögern, nicht ohne das Bewusstsein, dass jedes Wort zu viel sein könnte – von einer Reise mit einer Theatergruppe in ein tropisches Grenzgebiet, in dem zwei junge Niederländerinnen spurlos verschwunden sind. Doch je weiter der Text in diese Landschaft vordringt, desto deutlicher wird, dass das Verschwinden nicht die Geschichte ist, sondern ihr Schleier. Der Urwald, das Projekt, die Expedition – sie werden zum Resonanzraum für Fragen nach Darstellung, Erinnerung, Macht und dem Preis der Erkenntnis. Elmiger schafft es, dass die Handlung, dieses fragile Gerüst des Romans, sich fast vollständig in Atmosphäre verwandelt. Ihre Sprache tastet sich voran wie Lichtfinger im Nebel, sie bleibt vorsichtig, verlangsamt, stets am Rand des Verstummens. Es ist, als lausche der Text sich selbst beim Sprechen, als prüfe er jedes Wort auf seine Fähigkeit, das Dunkel zu erhellen, und verwerfe es im selben Moment wieder. In dieser oszillierenden Bewegung entsteht jene eigentümliche Spannung, die an Joseph Conrad erinnert, dessen Heart of Darkness ein unüberhörbares Echo in Elmigers Werk findet – nicht als bloße Referenz, sondern als Weiterdenken eines Grundgefühls: dass der Mensch, wenn er sich aufmacht, das Fremde zu durchdringen, immer auch in sich selbst eindringt. So wird der Dschungel, den Elmiger beschreibt, nicht nur Schauplatz, sondern Spiegel, ein lebendiges Archiv des Unbewussten, in dem Geschichte, Schuld und Sehnsucht ineinanderfließen. Diese literarische Expedition erinnert in ihrem Anspruch, das Unsagbare sichtbar zu machen, an Francis Ford Coppolas Apocalypse Now, jenen Film, der Conrad in das 20. Jahrhundert übersetzte und die Expedition in ein mythisches Gleichnis über Macht, Wahnsinn und künstlerische Hybris verwandelte. Auch Elmiger führt uns in eine Zone der Überreizung, in der das Dokumentarische kippt, das Theater sich auflöst und das Spiel mit der Wirklichkeit gefährlich wird. Ihre Theatergruppe, die in den Tropen ein Stück aufführen will, gerät in dasselbe Paradox, das Coppolas Filmcrew heimsuchte: Je näher sie dem „Echten“ kommen wollen, desto mehr verlieren sie die Kontrolle über das eigene Narrativ. Es ist diese Selbstspiegelung, die Die Holländerinnen zu einem der seltenen Werke macht, das Kunst nicht als Abbild, sondern als Selbstprüfung versteht – als Versuch, Wahrheit zu berühren und dabei die eigene Ohnmacht zu erkennen. Was Dorothee Elmiger dabei gelingt, ist die Herstellung einer Sprache, die dem Nicht-Darstellbaren eine Form gibt, ohne es zu verraten. Sie arbeitet mit indirekter Rede, mit Verweigerung, mit dem Konjunktiv als poetischer Grundhaltung. Alles in diesem Roman scheint sich einen Hauch entfernt von der Wirklichkeit zu halten, als spräche jemand durch ein Gewebe aus Erinnerung, Nebel und Schuld hindurch. Die Sätze sind rhythmisch, geschliffen, aber nie manieriert. Man liest sie, wie man einem Flusslauf folgt: langsam, tastend, wissend, dass man irgendwann nicht mehr unterscheidet, ob man selbst fließt oder getragen wird. Elmigers Prosa ist ein Instrument der Entschleunigung. Sie verlangt, dass man innehält, dass man liest, als würde man atmen lernen. Gerade in dieser Langsamkeit entfaltet der Text seine Kraft. Er befreit das Lesen von der Ungeduld der Gegenwart, von der permanenten Notwendigkeit des Verständnisses. Denn dieser Roman erklärt nichts – er zeigt, er lässt ahnen, er lässt stehen. Was bleibt, ist eine Form von Schweigen, die nicht Leere meint, sondern Tiefe. Ein Schweigen, das sich mit den großen Fragen der Literatur berührt: Was heißt es, zu erzählen? Was geschieht mit der Wahrheit, wenn sie in Sprache gefasst wird? Und wo verläuft die Grenze zwischen Zeugenschaft und Aneignung? In dieser Haltung liegt eine große moralische Ernsthaftigkeit, die Elmigers Werk über viele ihrer Zeitgenossen erhebt. So wird Die Holländerinnen zu einem literarischen Versuch, das Ethos des Erzählens neu zu denken. Der Dschungel, die verschwundenen Frauen, die Theatergruppe – sie sind Chiffren, nicht Motive. Was Elmiger beschreibt, ist nicht der äußere Vorgang, sondern das Innenleben einer Welt, die sich selbst nicht mehr erkennt. Das Theaterprojekt, das scheitert, ist zugleich das Scheitern jeder künstlerischen Aneignung des Fremden. Die Erzählerin, die sprechen muss, obwohl sie weiß, dass jedes Wort zu wenig ist, ist das Symbol einer Generation, die sich zwischen Aufklärung und Überforderung bewegt. In dieser Dialektik liegt die Schönheit dieses Buches: Es ist ein Werk der Demut, nicht der Geste. Die Rezeption hat diese Zartheit sofort erkannt. Die Zeit schrieb von einem „Roman, der die Sprache prüft, indem er sie erschöpft, und gerade im Zögern seine Musik findet“ – ein Lob, das selten so genau trifft, was Elmiger tut. Auch andere Feuilletons betonen den Mut zum Ungefähren, zum Schweben, zum tastenden Denken. In einer literarischen Landschaft, die oft den Plot über die Poetik stellt, erinnert Die Holländerinnen daran, dass Literatur eine Kunst der Form ist, nicht der Effekte. Die Sprache ist das Ereignis. Ihre Leuchtkraft liegt im Understatement. Dass dieses Werk für den Deutschen Buchpreis prädestiniert war, überrascht daher kaum. Es vereint alles, was diese Auszeichnung in ihrer besten Ausprägung würdigt: formale Radikalität, inhaltliche Relevanz, ästhetische Konsequenz. Elmiger wagt, was viele vermeiden: Sie riskiert das Missverständnis. Ihr Roman ist nicht bequem, nicht gefällig, aber er ist notwendig. Er spricht von der Verantwortung des Erzählens, von der Versuchung, das Fremde zu deuten, und von der Notwendigkeit, dabei zu scheitern. In dieser Haltung liegt eine Wahrheit, die über das Literarische hinausweist – eine Haltung, die an die großen moralischen Erzählungen des 20. Jahrhunderts anschließt, an Conrad, an Sebald, an Handke, und sie zugleich behutsam in die Gegenwart trägt. Elmigers Prosa ist kein Ornament, sondern eine Ethik. Ihre Poesie entsteht aus dem Widerstand gegen die Eindeutigkeit, aus der Einsicht, dass das Wirkliche nur in Fragmenten zugänglich bleibt. Wenn man den Roman beendet, bleibt ein Gefühl, als hätte man eine Landschaft betreten, die sich nicht abbilden lässt, sondern nur erinnern. Der Nachhall ist still, aber anhaltend. So, wie sich eine ferne Melodie im Gedächtnis einnistet, ohne dass man sie wiedergeben kann. Die Holländerinnen ist weniger eine Geschichte als ein Zustand – ein Schweben zwischen Erkenntnis und Rätsel, zwischen Dokument und Traum. Vielleicht ist das das Größte, was Literatur heute leisten kann: nicht die Welt zu erklären, sondern sie auszuhalten. Dorothee Elmiger hat ein Werk geschrieben, das nicht nur gelesen, sondern erfahren werden muss – ein Roman, der die Wahrnehmung schärft, das Denken verlangsamt, das Schweigen lehrt.
  • Jérôme Wiedenhaupt
  • Buchhändler/-in

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5/5

Die Ethik der Verlangsamung: Dorothee Elmigers poetischer Widerstand gegen das Eindeutige.

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Der Roman "Die Holländerinnen" von Dorothee Elmiger liest sich wie ein gemessener Einzug in eine verborgene Zone der Literatur – zart, entschleunigt, zugleich wach und dunkel; er überzeugt durch eine Stimme, die sich auf das Unsagbare richtet und dabei die ganze literarische Tradition in den Blick nimmt. Es ist kein Abenteuer im herkömmlichen Sinne, aber es ist eine Expedition – eine Expedition in die Tiefen des Erzählens, in die Verwerfungslinien zwischen Kultur und Natur, Macht und Ohnmacht, Sprache und Schweigen. In einer Zeit, in der viele Romane eher konsumieren lassen als nachdenken, stellt Elmiger einen Text entgegen, der fordert und belohnt, der entschleunigt und dennoch pulsiert, der sich ganz bewusst entzieht der einfachen Handlung und doch alle Facetten einer großen Erzählung in sich trägt. Und doch ist dieser Roman keine bloße Parabel über das Verschwinden, keine symbolische Fingerübung über das Sagen und Nicht-Sagen. Er ist, in seinem inneren Kern, eine geduldige, beinahe asketische Untersuchung darüber, was bleibt, wenn sich die Gewissheiten der Moderne auflösen – eine poetische Rekonstruktion des Unwiederbringlichen. Eine namenlose Erzählerin, eine Schriftstellerin, steht im Zentrum dieser Schwebe, und sie berichtet – nicht ohne Zögern, nicht ohne das Bewusstsein, dass jedes Wort zu viel sein könnte – von einer Reise mit einer Theatergruppe in ein tropisches Grenzgebiet, in dem zwei junge Niederländerinnen spurlos verschwunden sind. Doch je weiter der Text in diese Landschaft vordringt, desto deutlicher wird, dass das Verschwinden nicht die Geschichte ist, sondern ihr Schleier. Der Urwald, das Projekt, die Expedition – sie werden zum Resonanzraum für Fragen nach Darstellung, Erinnerung, Macht und dem Preis der Erkenntnis. Elmiger schafft es, dass die Handlung, dieses fragile Gerüst des Romans, sich fast vollständig in Atmosphäre verwandelt. Ihre Sprache tastet sich voran wie Lichtfinger im Nebel, sie bleibt vorsichtig, verlangsamt, stets am Rand des Verstummens. Es ist, als lausche der Text sich selbst beim Sprechen, als prüfe er jedes Wort auf seine Fähigkeit, das Dunkel zu erhellen, und verwerfe es im selben Moment wieder. In dieser oszillierenden Bewegung entsteht jene eigentümliche Spannung, die an Joseph Conrad erinnert, dessen Heart of Darkness ein unüberhörbares Echo in Elmigers Werk findet – nicht als bloße Referenz, sondern als Weiterdenken eines Grundgefühls: dass der Mensch, wenn er sich aufmacht, das Fremde zu durchdringen, immer auch in sich selbst eindringt. So wird der Dschungel, den Elmiger beschreibt, nicht nur Schauplatz, sondern Spiegel, ein lebendiges Archiv des Unbewussten, in dem Geschichte, Schuld und Sehnsucht ineinanderfließen. Diese literarische Expedition erinnert in ihrem Anspruch, das Unsagbare sichtbar zu machen, an Francis Ford Coppolas Apocalypse Now, jenen Film, der Conrad in das 20. Jahrhundert übersetzte und die Expedition in ein mythisches Gleichnis über Macht, Wahnsinn und künstlerische Hybris verwandelte. Auch Elmiger führt uns in eine Zone der Überreizung, in der das Dokumentarische kippt, das Theater sich auflöst und das Spiel mit der Wirklichkeit gefährlich wird. Ihre Theatergruppe, die in den Tropen ein Stück aufführen will, gerät in dasselbe Paradox, das Coppolas Filmcrew heimsuchte: Je näher sie dem „Echten“ kommen wollen, desto mehr verlieren sie die Kontrolle über das eigene Narrativ. Es ist diese Selbstspiegelung, die Die Holländerinnen zu einem der seltenen Werke macht, das Kunst nicht als Abbild, sondern als Selbstprüfung versteht – als Versuch, Wahrheit zu berühren und dabei die eigene Ohnmacht zu erkennen. Was Dorothee Elmiger dabei gelingt, ist die Herstellung einer Sprache, die dem Nicht-Darstellbaren eine Form gibt, ohne es zu verraten. Sie arbeitet mit indirekter Rede, mit Verweigerung, mit dem Konjunktiv als poetischer Grundhaltung. Alles in diesem Roman scheint sich einen Hauch entfernt von der Wirklichkeit zu halten, als spräche jemand durch ein Gewebe aus Erinnerung, Nebel und Schuld hindurch. Die Sätze sind rhythmisch, geschliffen, aber nie manieriert. Man liest sie, wie man einem Flusslauf folgt: langsam, tastend, wissend, dass man irgendwann nicht mehr unterscheidet, ob man selbst fließt oder getragen wird. Elmigers Prosa ist ein Instrument der Entschleunigung. Sie verlangt, dass man innehält, dass man liest, als würde man atmen lernen. Gerade in dieser Langsamkeit entfaltet der Text seine Kraft. Er befreit das Lesen von der Ungeduld der Gegenwart, von der permanenten Notwendigkeit des Verständnisses. Denn dieser Roman erklärt nichts – er zeigt, er lässt ahnen, er lässt stehen. Was bleibt, ist eine Form von Schweigen, die nicht Leere meint, sondern Tiefe. Ein Schweigen, das sich mit den großen Fragen der Literatur berührt: Was heißt es, zu erzählen? Was geschieht mit der Wahrheit, wenn sie in Sprache gefasst wird? Und wo verläuft die Grenze zwischen Zeugenschaft und Aneignung? In dieser Haltung liegt eine große moralische Ernsthaftigkeit, die Elmigers Werk über viele ihrer Zeitgenossen erhebt. So wird Die Holländerinnen zu einem literarischen Versuch, das Ethos des Erzählens neu zu denken. Der Dschungel, die verschwundenen Frauen, die Theatergruppe – sie sind Chiffren, nicht Motive. Was Elmiger beschreibt, ist nicht der äußere Vorgang, sondern das Innenleben einer Welt, die sich selbst nicht mehr erkennt. Das Theaterprojekt, das scheitert, ist zugleich das Scheitern jeder künstlerischen Aneignung des Fremden. Die Erzählerin, die sprechen muss, obwohl sie weiß, dass jedes Wort zu wenig ist, ist das Symbol einer Generation, die sich zwischen Aufklärung und Überforderung bewegt. In dieser Dialektik liegt die Schönheit dieses Buches: Es ist ein Werk der Demut, nicht der Geste. Die Rezeption hat diese Zartheit sofort erkannt. Die Zeit schrieb von einem „Roman, der die Sprache prüft, indem er sie erschöpft, und gerade im Zögern seine Musik findet“ – ein Lob, das selten so genau trifft, was Elmiger tut. Auch andere Feuilletons betonen den Mut zum Ungefähren, zum Schweben, zum tastenden Denken. In einer literarischen Landschaft, die oft den Plot über die Poetik stellt, erinnert Die Holländerinnen daran, dass Literatur eine Kunst der Form ist, nicht der Effekte. Die Sprache ist das Ereignis. Ihre Leuchtkraft liegt im Understatement. Dass dieses Werk für den Deutschen Buchpreis prädestiniert war, überrascht daher kaum. Es vereint alles, was diese Auszeichnung in ihrer besten Ausprägung würdigt: formale Radikalität, inhaltliche Relevanz, ästhetische Konsequenz. Elmiger wagt, was viele vermeiden: Sie riskiert das Missverständnis. Ihr Roman ist nicht bequem, nicht gefällig, aber er ist notwendig. Er spricht von der Verantwortung des Erzählens, von der Versuchung, das Fremde zu deuten, und von der Notwendigkeit, dabei zu scheitern. In dieser Haltung liegt eine Wahrheit, die über das Literarische hinausweist – eine Haltung, die an die großen moralischen Erzählungen des 20. Jahrhunderts anschließt, an Conrad, an Sebald, an Handke, und sie zugleich behutsam in die Gegenwart trägt. Elmigers Prosa ist kein Ornament, sondern eine Ethik. Ihre Poesie entsteht aus dem Widerstand gegen die Eindeutigkeit, aus der Einsicht, dass das Wirkliche nur in Fragmenten zugänglich bleibt. Wenn man den Roman beendet, bleibt ein Gefühl, als hätte man eine Landschaft betreten, die sich nicht abbilden lässt, sondern nur erinnern. Der Nachhall ist still, aber anhaltend. So, wie sich eine ferne Melodie im Gedächtnis einnistet, ohne dass man sie wiedergeben kann. Die Holländerinnen ist weniger eine Geschichte als ein Zustand – ein Schweben zwischen Erkenntnis und Rätsel, zwischen Dokument und Traum. Vielleicht ist das das Größte, was Literatur heute leisten kann: nicht die Welt zu erklären, sondern sie auszuhalten. Dorothee Elmiger hat ein Werk geschrieben, das nicht nur gelesen, sondern erfahren werden muss – ein Roman, der die Wahrnehmung schärft, das Denken verlangsamt, das Schweigen lehrt.

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C. Schneider

Thalia Bielefeld

Zum Portrait

4/5

Kopf aus, Sinne an

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

"Die Holländerinnen" von Dorothee Elmiger ist ein spannendes und teilweise sehr kurioses Buch. Der Schreibstil wirkt wie ein Protokoll oder Bericht, welcher vorgelesen wird. Die Geschichte zweier verschwundenen Mädchen soll im Theater nachgespielt werden und dafür sollen sich die Darsteller in die, im Urwald verschwundenen Mädchen hineinversetzen. Besonders mochte ich die tropische und unheilvolle Atmosphäre, die sich durch die ganze Geschichte zieht. Insgesamt ist das Buch eine Herausforderung für den Leser, die sich manchmal wie ein Traum angefühlt hat und mit der Andersartigkeit überzeugt. Es regt dazu an, das Denken zu verlangsamen und sich ganz auf die Atmosphäre des Romans einzulassen.
  • C. Schneider
  • Buchhändler/-in

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4/5

Kopf aus, Sinne an

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

"Die Holländerinnen" von Dorothee Elmiger ist ein spannendes und teilweise sehr kurioses Buch. Der Schreibstil wirkt wie ein Protokoll oder Bericht, welcher vorgelesen wird. Die Geschichte zweier verschwundenen Mädchen soll im Theater nachgespielt werden und dafür sollen sich die Darsteller in die, im Urwald verschwundenen Mädchen hineinversetzen. Besonders mochte ich die tropische und unheilvolle Atmosphäre, die sich durch die ganze Geschichte zieht. Insgesamt ist das Buch eine Herausforderung für den Leser, die sich manchmal wie ein Traum angefühlt hat und mit der Andersartigkeit überzeugt. Es regt dazu an, das Denken zu verlangsamen und sich ganz auf die Atmosphäre des Romans einzulassen.

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Die Holländerinnen

von Dorothee Elmiger

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