Dorothee Elmigers bildgewaltiger Roman – eine mitreißende Erfahrung. Wer diesen Text betritt, fällt in den Abgrund unserer Welt und blickt mit aufgerissenen Augen in die Finsternis. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis, dem Schweizer Buchpreis und dem Bayerischen Buchpreis 2025Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter Theatermacher, der sie für sein neuestes Vorhaben zu gewinnen versucht – ein in den Tropen angesiedeltes Stück, die Rekonstruktion eines Falls. Wenige Wochen später bricht sie auf, um sich der Theatergruppe auf ihrem Gang ins tiefe Innere des Urwalds anzuschließen. Dorothee Elmiger erzählt eine beunruhigende Geschichte von Menschen und Monstren, von Furcht und Gewalt, von der Verlorenheit im Universum und vom Versagen der Erzählungen.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Eine erfrischend andere Lektüre, intellektuell etwas anspruchsvoll, weil alles im Konjunktiv geschrieben wird. Man mag das als "zu akademisch" abtun, aber ja, das Buch spielt ja auch in einem akademischen Umfeld. So be it. Man hört der Hauptdarstellerin bei einer wissenschaftlichen Vorlesung zu, erfährt dabei aber eigentlich nichts Wissenschaftliches, sondern von einer Exkursion in den südamerikanischen Dschungel, wo ein Regisseur seine handverlesenen Protagonisten zu einem Experiment mit offenem Ausgang einlädt. Dabei passiert so einiges. Funktioniert total für mich.
Bewertung
aus Vaihingen
5/5
05.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fordernd
Ein Text, der so herausfordernd ist, dass er die Leser/Leserinnen spalten muss.
Die Autorin wagte es, einen völlig neuen Weg einzuschlagen. Keine Kapitel, keine erkennbaren Charaktere, keine abgeschlossenen logischen Handlungen und Folgen daraus - für den nach Sicherheit suchenden Leser völlig unbefriedigend. Aber so ist "das Leben" eben auch. Unvorhersehbar, beängstigend, oft irrational. Wie wir Menschen. Verstärkt wird diese Angst durch das Stilmittel der indirekten Rede. Raffiniert.
Schon früh erinnerte mich die Atmosphäre im Buch an Max Frischs Homo Faber. Als Walter Faber mit seinem Freund Herbert Hencke in Guatemala nach dessen Bruder Joachim sucht und ihn - im verwesenden Sumpf südamerikanischer Hitze - erhängt vorfindet.
Homo Faber, der Rationalist, steht vor der unberechenbaren Vergänglichkeit.
So eindeutig zu lesen ist Dorothee Elmigers Buch (leider) nicht.
Bewertung
aus Graz
5/5
27.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartig
Ein fantastischer Roman, der viel wagt und mich als Leser auf eine literarische Reise ins Herz der Finsternis einlädt. Sehr vieles daran ist außergewöhnlich gemacht. Jeder Literaturpreis ist hochverdient. Es scheint aber auch ersichtlich zu sein (anderen Rezensionen) dass es nicht für jede/n Leser:in geeignet ist. Vielleicht ist da die Erwartungshaltung eine Irreführende. Für mich persönlich war dieser Roman ein absolutes Jahreshighlight.
Bewertung
Book Circle Community
5/5
26.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Grusel in allen Variationen
Intensives Buch – komplex und gruselig. Funktioniert besonders gut, wenn man sich danach noch darüber unterhält. Man muss sich darauf einlassen und damit klarkommen, vermutlich nicht alles zu verstehen. Wenige Seiten, viel Atmosphäre und Grusel in allen Variationen. Sicher auch ein schwieriges Buch, bei dem man eher einschalten muss, als abschalten kann. Trotzdem finde ich, darf man diesem Buch den Humor nicht absprechen. Ich zumindest habe nicht alle Figuren ganz so ernst gelesen. Wo sie einen mit schwierigen Wörtern vielleicht kurz verliert, lässt sie einen beim Erzählen ihrer Geschichten dafür umso weniger los. Genau an diesen Stellen wird klar, wie gut sie schreiben kann. Und dass sie das ganze Buch im Konjunktiv geschrieben hat, ist einfach eine geniale Idee. Mir hat es gut gefallen, fand es allerdings auch anspruchsvoll. Erwartet man eine literarische Umsetzung von True Crime, wird man wohl enttäuscht.
Bewertung
5/5
25.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Dickicht der Intertextualität
Elmigers Roman ist erzähltechnisch außerordentlich facettenreich und arbeitet mit einem komplexen intertextuell verschlungenen Netzwerk von Anspielungen. Der Text ist zutiefst selbstreflexiv. Er reflektiert über den Akt des Schreibens und verweigert dabei die Möglichkeit einer einzigen, großen linearen Erzählung. Die Geschichten, die die Welt des Romans ausmachen, verflechten sich ineinander und umkreisen einander, sodass ein dichtes, lebendiges Textgewebe entsteht - ähnlich dem üppigen Pflanzenwuchs des Dschungels, in dem die Handlung spielt. Für die Lesenden wird das Eintauchen in diesen Wald aus literarischen Anspielungen und unterschiedlichen textuellen Schichten zu einem spannenden Spiel. Für die Figuren hingegen ist der Dschungel ein unüberschaubarer, erschütternder Ort, ein Raum der ungestalteten, unbestimmbaren Schreckens, in dem sie sich ihren eigenen Ängsten und Grenzen stellen müssen.
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5/5
01.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kein Krimi, sondern ein Blick in kaum Erklärbares
Deutscher Buchpreis 2025- verdient, wie ich finde! Denn dieses Buch hebt sich durch seine besondere Erzählweise und Sogwirkung absolut hervor. Dieser, anhaltend im Konjunktiv vorgetragene Erzählmonolog, hält die LeserInnen, wenn einmal eingetaucht in die Szene, gefesselt bis zum Ende des schmalen Büchleins. Er suggeriert ein andauerndes Unsicherheitsgefühl und einen gewissen Argwohn der Protagonistin, den Erlebnissen und Begegnungen gegenüber, von denen sie schildert- von sich selbst und von anderen. Die Autorin blickt in Abgründe, bildgewaltig und ungeschönt. Nichts für schwache Nerven, doch wer es wagt, nach links und rechts ins Dunkle zu blicken, erwartet eine düstere, zwar schwer greifbare Geschichte- die jedoch versucht, Unsagbares in bildhafte Sprache umzuwandeln.
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5/5
26.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Ethik der Verlangsamung: Dorothee Elmigers poetischer Widerstand gegen das Eindeutige.
Der Roman "Die Holländerinnen" von Dorothee Elmiger liest sich wie ein gemessener Einzug in eine verborgene Zone der Literatur – zart, entschleunigt, zugleich wach und dunkel; er überzeugt durch eine Stimme, die sich auf das Unsagbare richtet und dabei die ganze literarische Tradition in den Blick nimmt. Es ist kein Abenteuer im herkömmlichen Sinne, aber es ist eine Expedition – eine Expedition in die Tiefen des Erzählens, in die Verwerfungslinien zwischen Kultur und Natur, Macht und Ohnmacht, Sprache und Schweigen. In einer Zeit, in der viele Romane eher konsumieren lassen als nachdenken, stellt Elmiger einen Text entgegen, der fordert und belohnt, der entschleunigt und dennoch pulsiert, der sich ganz bewusst entzieht der einfachen Handlung und doch alle Facetten einer großen Erzählung in sich trägt.
Und doch ist dieser Roman keine bloße Parabel über das Verschwinden, keine symbolische Fingerübung über das Sagen und Nicht-Sagen. Er ist, in seinem inneren Kern, eine geduldige, beinahe asketische Untersuchung darüber, was bleibt, wenn sich die Gewissheiten der Moderne auflösen – eine poetische Rekonstruktion des Unwiederbringlichen. Eine namenlose Erzählerin, eine Schriftstellerin, steht im Zentrum dieser Schwebe, und sie berichtet – nicht ohne Zögern, nicht ohne das Bewusstsein, dass jedes Wort zu viel sein könnte – von einer Reise mit einer Theatergruppe in ein tropisches Grenzgebiet, in dem zwei junge Niederländerinnen spurlos verschwunden sind. Doch je weiter der Text in diese Landschaft vordringt, desto deutlicher wird, dass das Verschwinden nicht die Geschichte ist, sondern ihr Schleier. Der Urwald, das Projekt, die Expedition – sie werden zum Resonanzraum für Fragen nach Darstellung, Erinnerung, Macht und dem Preis der Erkenntnis.
Elmiger schafft es, dass die Handlung, dieses fragile Gerüst des Romans, sich fast vollständig in Atmosphäre verwandelt. Ihre Sprache tastet sich voran wie Lichtfinger im Nebel, sie bleibt vorsichtig, verlangsamt, stets am Rand des Verstummens. Es ist, als lausche der Text sich selbst beim Sprechen, als prüfe er jedes Wort auf seine Fähigkeit, das Dunkel zu erhellen, und verwerfe es im selben Moment wieder. In dieser oszillierenden Bewegung entsteht jene eigentümliche Spannung, die an Joseph Conrad erinnert, dessen Heart of Darkness ein unüberhörbares Echo in Elmigers Werk findet – nicht als bloße Referenz, sondern als Weiterdenken eines Grundgefühls: dass der Mensch, wenn er sich aufmacht, das Fremde zu durchdringen, immer auch in sich selbst eindringt. So wird der Dschungel, den Elmiger beschreibt, nicht nur Schauplatz, sondern Spiegel, ein lebendiges Archiv des Unbewussten, in dem Geschichte, Schuld und Sehnsucht ineinanderfließen. Diese literarische Expedition erinnert in ihrem Anspruch, das Unsagbare sichtbar zu machen, an Francis Ford Coppolas Apocalypse Now, jenen Film, der Conrad in das 20. Jahrhundert übersetzte und die Expedition in ein mythisches Gleichnis über Macht, Wahnsinn und künstlerische Hybris verwandelte. Auch Elmiger führt uns in eine Zone der Überreizung, in der das Dokumentarische kippt, das Theater sich auflöst und das Spiel mit der Wirklichkeit gefährlich wird. Ihre Theatergruppe, die in den Tropen ein Stück aufführen will, gerät in dasselbe Paradox, das Coppolas Filmcrew heimsuchte: Je näher sie dem „Echten“ kommen wollen, desto mehr verlieren sie die Kontrolle über das eigene Narrativ. Es ist diese Selbstspiegelung, die Die Holländerinnen zu einem der seltenen Werke macht, das Kunst nicht als Abbild, sondern als Selbstprüfung versteht – als Versuch, Wahrheit zu berühren und dabei die eigene Ohnmacht zu erkennen.
Was Dorothee Elmiger dabei gelingt, ist die Herstellung einer Sprache, die dem Nicht-Darstellbaren eine Form gibt, ohne es zu verraten. Sie arbeitet mit indirekter Rede, mit Verweigerung, mit dem Konjunktiv als poetischer Grundhaltung. Alles in diesem Roman scheint sich einen Hauch entfernt von der Wirklichkeit zu halten, als spräche jemand durch ein Gewebe aus Erinnerung, Nebel und Schuld hindurch. Die Sätze sind rhythmisch, geschliffen, aber nie manieriert. Man liest sie, wie man einem Flusslauf folgt: langsam, tastend, wissend, dass man irgendwann nicht mehr unterscheidet, ob man selbst fließt oder getragen wird. Elmigers Prosa ist ein Instrument der Entschleunigung. Sie verlangt, dass man innehält, dass man liest, als würde man atmen lernen.
Gerade in dieser Langsamkeit entfaltet der Text seine Kraft. Er befreit das Lesen von der Ungeduld der Gegenwart, von der permanenten Notwendigkeit des Verständnisses. Denn dieser Roman erklärt nichts – er zeigt, er lässt ahnen, er lässt stehen. Was bleibt, ist eine Form von Schweigen, die nicht Leere meint, sondern Tiefe. Ein Schweigen, das sich mit den großen Fragen der Literatur berührt: Was heißt es, zu erzählen? Was geschieht mit der Wahrheit, wenn sie in Sprache gefasst wird? Und wo verläuft die Grenze zwischen Zeugenschaft und Aneignung? In dieser Haltung liegt eine große moralische Ernsthaftigkeit, die Elmigers Werk über viele ihrer Zeitgenossen erhebt.
So wird Die Holländerinnen zu einem literarischen Versuch, das Ethos des Erzählens neu zu denken. Der Dschungel, die verschwundenen Frauen, die Theatergruppe – sie sind Chiffren, nicht Motive. Was Elmiger beschreibt, ist nicht der äußere Vorgang, sondern das Innenleben einer Welt, die sich selbst nicht mehr erkennt. Das Theaterprojekt, das scheitert, ist zugleich das Scheitern jeder künstlerischen Aneignung des Fremden. Die Erzählerin, die sprechen muss, obwohl sie weiß, dass jedes Wort zu wenig ist, ist das Symbol einer Generation, die sich zwischen Aufklärung und Überforderung bewegt. In dieser Dialektik liegt die Schönheit dieses Buches: Es ist ein Werk der Demut, nicht der Geste.
Die Rezeption hat diese Zartheit sofort erkannt. Die Zeit schrieb von einem „Roman, der die Sprache prüft, indem er sie erschöpft, und gerade im Zögern seine Musik findet“ – ein Lob, das selten so genau trifft, was Elmiger tut. Auch andere Feuilletons betonen den Mut zum Ungefähren, zum Schweben, zum tastenden Denken. In einer literarischen Landschaft, die oft den Plot über die Poetik stellt, erinnert Die Holländerinnen daran, dass Literatur eine Kunst der Form ist, nicht der Effekte. Die Sprache ist das Ereignis. Ihre Leuchtkraft liegt im Understatement.
Dass dieses Werk für den Deutschen Buchpreis prädestiniert war, überrascht daher kaum. Es vereint alles, was diese Auszeichnung in ihrer besten Ausprägung würdigt: formale Radikalität, inhaltliche Relevanz, ästhetische Konsequenz. Elmiger wagt, was viele vermeiden: Sie riskiert das Missverständnis. Ihr Roman ist nicht bequem, nicht gefällig, aber er ist notwendig. Er spricht von der Verantwortung des Erzählens, von der Versuchung, das Fremde zu deuten, und von der Notwendigkeit, dabei zu scheitern. In dieser Haltung liegt eine Wahrheit, die über das Literarische hinausweist – eine Haltung, die an die großen moralischen Erzählungen des 20. Jahrhunderts anschließt, an Conrad, an Sebald, an Handke, und sie zugleich behutsam in die Gegenwart trägt.
Elmigers Prosa ist kein Ornament, sondern eine Ethik. Ihre Poesie entsteht aus dem Widerstand gegen die Eindeutigkeit, aus der Einsicht, dass das Wirkliche nur in Fragmenten zugänglich bleibt. Wenn man den Roman beendet, bleibt ein Gefühl, als hätte man eine Landschaft betreten, die sich nicht abbilden lässt, sondern nur erinnern. Der Nachhall ist still, aber anhaltend. So, wie sich eine ferne Melodie im Gedächtnis einnistet, ohne dass man sie wiedergeben kann. Die Holländerinnen ist weniger eine Geschichte als ein Zustand – ein Schweben zwischen Erkenntnis und Rätsel, zwischen Dokument und Traum. Vielleicht ist das das Größte, was Literatur heute leisten kann: nicht die Welt zu erklären, sondern sie auszuhalten. Dorothee Elmiger hat ein Werk geschrieben, das nicht nur gelesen, sondern erfahren werden muss – ein Roman, der die Wahrnehmung schärft, das Denken verlangsamt, das Schweigen lehrt.
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4/5
30.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
ausgestattet mit dem Deutschen Buchpreis
Was sehr selten ist, fast ausschließlich im Konjunktiv, meist sogar im Konjunktiv Perfekt geschrieben, was es einem nicht gerade erleichtert, der Autorin in allem zu folgen, zumal dadurch die wörtliche Rede meistens fehlt und man sich ziemlich konzentrieren muss, was sicherlich nicht immer leicht fällt, ist das Buch dennoch gut gelungen.
Die Protagonisten, die sich auf den Weg machen, im amerikanischen Dschungel auf den Spuren zweier vermisster Holländerinnen zu wandeln, wobei dieses von einem Theatermacher in die Wege geleitet wurde, der das Feeling der verschiedenen Situationen dort nachempfinden will, durchleben in diesem Roman, der wirklich wortgewaltig und dabei auch sehr emotional daherkommt, sämtliche Ängste, die man in einer solchen Situation haben kann. Sehr anschaulich gelingt es der Autorin, die Gefühle darzustellen und den Leser dabei mitzunehmen, wobei die plastische Schilderung des Urwalds, vor allem nachts, als absolut gelungen zu bezeichnen ist. Leider kommt es aber zum Ende des Romans nicht zu einer Auflösung, so dass der Leser/die Leserin mit einigen Fragezeichen zurück gelassen wird. Keine leichte Lektüre, aber, wer sich von den Stimmungen mitnehmen lässt, erfährt in diesem Roman mal eine ganz andere Seite von Literatur.
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4/5
15.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kopf aus, Sinne an
"Die Holländerinnen" von Dorothee Elmiger ist ein spannendes und teilweise sehr kurioses Buch. Der Schreibstil wirkt wie ein Protokoll oder Bericht, welcher vorgelesen wird. Die Geschichte zweier verschwundenen Mädchen soll im Theater nachgespielt werden und dafür sollen sich die Darsteller in die, im Urwald verschwundenen Mädchen hineinversetzen. Besonders mochte ich die tropische und unheilvolle Atmosphäre, die sich durch die ganze Geschichte zieht. Insgesamt ist das Buch eine Herausforderung für den Leser, die sich manchmal wie ein Traum angefühlt hat und mit der Andersartigkeit überzeugt. Es regt dazu an, das Denken zu verlangsamen und sich ganz auf die Atmosphäre des Romans einzulassen.
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4/5
10.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Meer aus Geschichten und Metaphern - ein feministisches Plädoyer?
Lange habe ich mich nicht an das mysteriöse Werk der Buchpreisgewinnerin 2025 herangetraut. "Zu komplex" schien der allgemeine Konsens zu sein. Und ja, das Werk fordert heraus. Sprachlich, visuell, aber auch emotional. Liest man gewisse Passagen über die dunkelsten alle Nächte im Urwald und den damit einkehrenden Orientierungsverlust kann einem klamm ums Herz werden. Aufwühlend waren für mich aber auch viele der Geschichten, die verschiedene Teilnehmende der vom Theaterleiter angezettelten Exkursion im Zusammenhang der Ereignisse berichten. Überall scheint eine tiefere Bedeutung zu lauern, die bedrohliche Ahnung einer Katastrophe oder Ungerechigkeit und insbesondere die Gefahr der Teilnahmslosigkeit. Ab Seite 58 kam ich nicht mehr umhin, mich zu fragen, ob es sich bei Elmigers Buch um eine Art "feministisches Plädoyer" handelt. Viele der Metaphern und Geschichten setzen sich mit Unterdrückung auseinander, ganz als ob bestimmte Tendenzen zu ungleichwertigen Machtverhältnissen für jedermann ersichtlich, aber eine gewisse Hilflosigkeit in der Konfrontation mit ihnen bestünde. Viele Fragen bleiben nach der ersten Lektüre, die ich sehr erfrischend und bewegend empfunden habe, offen. Für mich steht außer Frage, dass ich es noch einmal lesen muss, in der Hoffnung, noch tiefer vordringen zu können.
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