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Dieses Buch ist ein Juwel. Aufrüttelnd, informativ, sehr fundiert und sprachlich und inhaltlich sehr gelungen. Ich bin sehr beeindruckt über den Mut, sich den Konfrontationen zu stellen. Herr Schreiber schreibt mit viel Liebe, man merkt, dass er sein Fachgebiet sehr gut kennt. Danke sehr für dieses sehr aufschlussreiche Buch.
Bewertung
4/5
03.07.2026
Buch (Taschenbuch)
"Ihr könnt nicht Demokrat und Schiit sein" – Was in deutschen Moscheen gepredigt wird
Man stelle sich vor: Ein Mann betritt eine Moschee in Berlin, hört sich eine Predigt an, blättert nebenbei in einem ausliegenden Buch – und findet einen Text des verurteilten Holocaust-Leugners Roger Garaudy. Der Imam versucht ihm das Buch aus der Hand zu reißen. Ein Besucher fragt ihn kurz darauf, warum Christen "Mordwerkzeuge" um den Hals trügen. Das ist keine Szene aus einem Politthriller, das ist der Auftakt zu Constantins Schreibers achtmonatiger Reise durch Deutschlands Moscheen.
Hellmuth Karasek, der große Literaturkritiker, hätte diese Szene geliebt. Sie hat alles, was eine gute Reportage braucht: Irritation, Konflikt, eine Prise Absurdität – und vor allem einen Journalisten, der nicht wegschaut, sondern nachfragt. Schreiber, "Tagesschau"-Sprecher und Arabisch-Experte, tut genau das: Er geht hin, hört zu, übersetzt und analysiert. Was er findet, ist ernüchternd.
Dreizehn Freitagspredigten hat er dokumentiert, von Berlin über Hamburg bis Magdeburg. Sunnitische und eine schiitische Moschee, arabische und türkische Predigten, repräsentative Bauten und Hinterhofmoscheen hinter dem Penny-Markt. Das Buch ist keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern eine journalistische Spurensuche – und das ist seine große Stärke. Schreiber schreibt, wie er moderiert: klar, präzise, ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit einem untrüglichen Gespür für die brisante Stelle.
Der Autor beklagt nicht, er dokumentiert. Jede Predigt wird vollständig übersetzt wiedergegeben, eingeordnet in die politische Woche, kommentiert von Islamwissenschaftlern wie Susanne Schröter oder Abdelhakim Ourghi. Das ist transparent, fair und macht das Buch zu einem einzigartigen Zeitdokument. Man merkt, wie schwer sich Schreiber mit der Frage tut, ob er nicht doch nur Einzelfälle findet – bis er feststellt, dass sich die Muster wiederholen: Warnungen vor dem "auslöschenden" Westen, Aufrufe zur Abgrenzung, politische Propagande für Ankara oder gegen Ägyptens Regime. Eine Predigt warnt am Tag vor Heiligabend vor der "größten aller Gefahren" – Weihnachten.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist Schreibers Fähigkeit, scheinbar harmlose theologische Ausführungen (über die Besteuerung von Kamelen oder das Fasten im Ramadan) als das zu entlarven, was sie oft sind: Instrumente der Abgrenzung, der Identitätsstiftung gegen Deutschland. Die Gläubigen werden in einer orientalischen Welt gehalten, die mit Berlin oder Hamburg nichts zu tun hat. Die Imame sprechen kein Deutsch, die Predigten sind auf Arabisch oder Türkisch, und wenn Deutschland vorkommt, dann als Gefahr.
Meine Lieblingsszene: Schreiber steht in einer überfüllten Moschee in Berlin-Wedding, als das Gebet beginnt – und bleibt stehen, weil er sich nicht verstellen will. Hunderte knien sich nieder, er allein steht in der Mitte des Raumes und erntet verwunderte Blicke. Das ist die Situation eines Nicht-Muslims in einer Moschee, exakt auf den Punkt gebracht: Man ist Gast, aber nicht wirklich willkommen – zumindest nicht, wenn man nicht mitmacht. Diese Szene ist so stark, weil sie zeigt, was das Buch im Kern ausmacht: die ehrliche, ungeschönte Beobachtung.
Das Buch lässt sich flüssig lesen wie ein guter Krimi. Die Kapitel sind kurz, die Sprache lebendig, die Übersetzungen der Predigten zwar manchmal zäh, aber notwendig für die Beweisführung. Schreiber verliert sich nicht in theologischen Spitzfindigkeiten, sondern bleibt bei dem, was er gesehen und gehört hat. Das ist kein Buch für Fachislamwissenschaftler, aber genau das ist sein Verdienst: Es macht eine komplexe, oft verschlossene Welt für ein breites Publikum zugänglich.
Ein kleiner Wermutstropfen: Das Buch ist 2017 erschienen, die politische Lage in der Türkei und die Flüchtlingsbewegungen haben sich weiterentwickelt. Auch fehlen Stimmen liberaler Muslime oder alevitischer Gemeinden. Das relativiert die Ergebnisse etwas – aber es widerlegt sie nicht. Schreibers Befund ist eindeutig: Die Moscheen, die er besucht hat, sind politische Räume, keine neutralen Gebetsstätten.
Man könnte sich dieses Buch übrigens hervorragend als Verfilmung vorstellen – als kurzweilige Dokumentation im Stil von "Die große Reise" oder einer investigativen Arte-Reportage. Der Autor selbst als Protagonist, der von Moschee zu Moschee zieht, die Kamera im Nacken, immer auf der Suche nach der nächsten brisanten Predigt. Das wäre kein Action-Kino, aber spannendes Fernsehen – und genau das ist auch das Buch: eine Reportage, die einen nicht mehr loslässt, auch wenn man es längst zugeklappt hat.
Vier von fünf Sternen vergebe ich, weil Schreiber ein mutiges, wichtiges und höchst unterhaltsames Buch geschrieben hat, das in der Integrationsdebatte fehlt. Den fünften Stern gibt es nicht, weil das Buch stellenweise etwas zu sehr in den Predigt-Transkripten versinkt und die Vielfalt muslimischen Lebens in Deutschland nur am Rande streift. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Wer wissen will, was in Deutschlands Moscheen wirklich gesagt wird, kommt an diesem Buch nicht vorbei.
Fazit: Eine schonungslose, faktenbasierte und dennoch unterhaltsame Reportage, die zeigt, warum Integration ohne Transparenz in den Moscheen ein frommer Wunsch bleibt.
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4/5
16.01.2025
eBook (ePUB 3)
Inside Islam
Ein durchaus kontroveres, aber nach wie vor brandaktuelles Buch, in dem der Nachrichtensprecher Constantin Schreiber sehr spannende Einblicke in die Moscheen Deutschlands und deren Strukturen liefert.
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4/5
07.07.2017
Buch (Taschenbuch)
Ein brisantes Thema: Werden sich...
Ein brisantes Thema: Werden sich Moslems in unsere Gesellschaft integrieren?
Die hier nachzulesenden Predigten verschiedener Imame tragen zu diesem Glauben leider nicht bei.
Moscheen in der Kritik!
Der Autor war in arabischen und türkischen Moscheen unterwegs und seine Recherchen liefern Gesprächsstoff zum Thema Integration.
Hochaktuelles Thema!
Ausgewogene Bestandsaufnahme eines Journalisten, der festhält, was wirklich gepredigt wird. In Zeiten hitziger Debatten ein wohltuend sachlicher Blick auf den Islam in Deutschland.
Dass ein solches Buch zu einem Bestseller wird, nein, wundert angesichts der aktuellen Lage keineswegs. Und so ist es auch durchaus als bewundernswert, wenn nicht gar überfällig zu erachten, was der Journalist Constantin Schreiber hier unternimmt: der Versuch uns eine kaum bis gar nicht verständliche Sprache, Kultur und letztlich Welt- und Menschensicht zwar nicht gleich zu öffnen, aber doch zu zeigen.
Kaum jemand wäre besser geeignet für einen solchen Job als der ehemalige n-tv und neuerdings Tagesschau-Moderator Schreiber, der fließend Arabisch spricht und seine Fachexpertise in Sachen arabischer Kultur bereits mehrfach, auch preisgekrönt, unter Beweis hat Stellen können.
Für uns hat Schreiber sich nun über mehrere Monate hinweg zu Freitagspredigten in Moscheen begeben, die dort gehaltenen Vorträge transkribiert, übersetzt und mit diversen Experten diskutiert. Um uns, so das Ansinnen, ein Gefühl dafür zu geben, ob das, was unseren "Mitbürgern mit Migrationshintergrund", denen wir doch zunehmend weniger Vertrauen, in ihren Moscheen eingetrichtert wird nun hochexplosiv oder doch eher belanglos ist. Dass dieser Versuch gelungen ist, kann, so viel vorneweg, leider nicht gesagt werden. Das ist jedoch weniger Schreibers Versagen, sondern vielmehr der arg gesplitterten islamischen Szene geschuldet, die in derart viele Strömungen zerfasert ist, dass eine konkrete Aussage, ganz zu schweigen, dass auch - natürlich - unter Moslems subjektive Meinungen anhand tagesaktueller Ereignisse gerne mal variieren, schwanken können.
Interessant ist "Inside Islam" allemal, gerade zu Beginn. In knappen Worten zeigt Schreiber auf, wie schwierig es selbst für öffentliche Institutionen (Bürgerämter, Verfassungsschutz etc.) ist sich einen Überblick zu verschaffen. Was nötig ist, um auch nur einen Raum als "Moschee" zu deklarieren, wie viele Moscheen es in Deutschland gibt, wo sie liegen, von wem sie geleitet werden - nichts genaues weiß man nicht. Ein beunruhigendes Gefühl, wie nicht nur Schreiber findet. Ebenfalls interessant seine knappen Schilderungen der Moscheen, seine Anfahrtswege dorthin und die Begegnungen mit Besuchern und Imamen. All das macht die Lektüre des Buches durchaus spannend.
Wenn da nur nicht die Predigten wären, die, logisch, den Hauptteil des Buches bilden. Das mag nun wenig religions- oder gar islaminteressiert klingen, oberflächlich vielleicht sogar: aber sich seitenlange Predigten "reinzuziehen" kostet Nerven. Das mag am Sprachstil der Predigten liegen, auf die sich das westeuropäische Gehirn auch erst einmal einstellen muss, es mag auch an vielen Bezügen liegen, die einem Muslimen nicht erst in 150 Fußnoten ellenlang erklärt werden müssen, einem Christen oder Atheisten aber durchaus. Vor allem liegt es aber letztlich daran, dass der verbale Zündstoff, den man intuitiv erwartet, schlichtweg nicht gegeben ist. Sicher gibt es viel zu analysieren und interpretieren in theologischer, auch politischer Hinsicht. Sehr wichtig auch Schreibers Ansatz die wenig bis gar nicht vorhandenen integrativen Bemühungen der Imame herauszuarbeiten, sowie zu erläutern wo vermeintlich religiöses Heilsgerede einen durchaus aktuellen und gefährlichen Nährboden für kommende Konfliktfelder schafft. Und doch sticht einem die auffällige Kürze ins Auge, mit der der Autor die Inhalte der Predigten mit den Experten bespricht. Es scheint fast als sei, auch wenn er es im Fazit des Buches anders benennt, so verdammt viel Anstößigkeit darin denn doch nicht zu finden.
Eines aber wird dank Schreibers Bemühungen klar: Integration kann nur gelingen, wenn sie von allen Seiten angegangen wird. So sehr sich viele türkische oder arabischstämmige Mitbürger auch bemühen in der deutschen Gesellschaft Wurzeln zu schlagen, Fuß zu fassen - ausgerechnet von ihrer eigenen größten moralischen Instanz werden sie dabei kaum unterstützt, mitunter gar behindert. Zwar hält sich die Vermittlung vermeintlich gefährlicher Inhalte in Grenzen wer jedoch die Möglichkeit hat jeden Freitag über eine halbe Stunde vor hunderten von Muslimen zu sprechen, die einem (in den meisten Fällen) geradezu an den Lippen hängen, darf auch mal etwas Positives zu Deutschland, den Christen, unseren Werten fallen lassen. Kann doch so schwierig nicht sein.
Dass gerade das offenbar kaum geschieht, stellt das große, nicht zu entschuldigende Versäumnis der islamischen Community dar. Dass uns hoffentlich nicht schon eines nahen Tages auf die Füße fällt, um die Ohren fliegt.
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