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Wie kann sich der Einzelne in einer Welt, die zunehmend einengender wird, seine Freiheit bewahren? Ein Mann, der Inseln liebt, versucht es auf seine Weise: Er zieht auf eine einsame Insel, um sein eigenes kleines Paradies zu finden. Als er merkt, dass es dort nicht einsam genug ist, sucht er sich eine neue, noch einsamere Insel. Bis er schließlich ganz allein lebt, auf einer Insel mitten im Meer, nur den Elementen ausgesetzt. D. H. Lawrence schrieb diese kurze, geheimnisvolle Anti-Robinsonade 1926, gegen Ende seines Lebens. Wie eine lange verschollene Flaschenpost offenbart sie noch heute, fast hundert Jahre nach der Niederschrift, magische Botschaften. Ob der Mann, der Inseln liebt, am Ende sein Glück findet?
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„Es war einmal ein Mann, der liebte Inseln.“ (Seite 7) … so beginnt diese kurz verweilende und imposante Dreiteiligkeit.
Wir begegnen ein Leben eines Mannes nach seinem eigenen Willen ohne den Einfluss anderer Mitmenschen und der Natur.
Ein aufregender Weg zur Erfüllung der eigenen Wünsche bis zur unendlichen friedvollen Stille.
Er zieht auf eine einsame Insel und bemerkt nach längerer Zeit, dass es ihm dort nicht einsam genug ist und zieht kurzerhand auf eine zweite Insel. Aber auch hier ist es ihm noch nicht einsam genug. Die dritte Insel wird schließlich sein Paradies.
„Dass all sein Begehren so still in ihm geworden war, darüber konnte der Inselbewohner nur staunen. Er wünscht sich überhaupt nichts mehr. Seine Seele war endlich zur Ruhe gekommen, sein Geist war wie eine spärlich erleuchtete unterseeische Höhle […]. Alles leise und sanft, kein Geschrei, und doch lebendig, so wie Seetang, wenn er noch verwurzelt ist, lebendig ist.“ (Seite 48-49)
„Ist das Glück?“ […] anscheinend verwandle ich mich in einen Traum. Ich spüre nichts, oder ich weiß nicht, was ich spüre. Aber mir scheint, ich bin glücklich.“ (Seite 49)
„Die einzige Befriedigung, die er noch kannte, war diejenige allein zu sein, vollkommen allein, den Raum um sich her in seinen Körper aufzunehmen. Die graue See allein, und der Felsengrund seiner seeumspülten Insel.“ (Seite 74)
Was bedeutet Einsamkeit für -mich-? Was ist -mein- Paradies? Was erfüllt -mich-?
Das Buch ging mir unheimlich nah. Ist es der innerliche Wunsch und Drang, selbst in eine neue -meine neue- Wirklichkeit tiefeinatmend abzutauchen?
… unendlich - gedankenvertieft …
Geschrieben wurde die Geschichte 1926, vier Jahre vor dem Tod von D. H. Lawrence. Sie scheint seine „philosophischste Erzählung“ zu sein, so David Ellis.
Die Übersetzung aus dem Englischen von Manfred Allié war sehr wertvoll. Ein leichtes gleiten über die Schwere seiner Welt.
auf der Suche nach der Freiheit
Bewertung am 28.04.2025
Bewertungsnummer: 2477408
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
ein Mann, der losgelöst von der Gesellschaft leben möchte ,kauft sich eine Insel. Hier ist er der Herr, Herr über sein Leben und das seiner Leute. Aber er entdeckt doch das er nicht wirklich frei ist, getrieben von dem Anspruch Erfolgt zu haben, damit das Leben aller gesichert ist. Er flieht auf die nächste Insel.kleiner , weniger Menschen, weniger Verantwortung. Aber auch hier fühlt er sich nicht frei, erst Recht nicht als seine Geliebte ein Kind bekommt. Er sucht sich eine neue ganz kleine Insel. hier lebt er alleine nur mit ein paar Schafen und einer Katze . Aber auch die Tiere überfordern Ihn. Letztlich ist er allein mit den Gewalten der Natur. Allein zu sterben.
Freiheit ist totale Einsamkeit und Tod.
Meinung aus der Buchhandlung
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"Es gefiel ihm, wenn sein Verstand verschwamm, zerfloss wie der dunstige Ozean"
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ja, dieser Mann scheint Inseln zu lieben, doch mehr noch scheint er das Nichts zu ersehnen. Im Verlauf seiner Insel Odyssee werden nach und nach das Symbolische, das Imaginäre und das Reale in ihrer erstrebenswerten Realisierbarkeit für unerreichbar befunden. Cathart, so der Name des Inselliebhabers, scheint in den Sog einer erhabenen Kraft geraten zu sein, die ihn anfangs unwissentlich und später durchaus luzide, den befreienden Weg aus den Fesseln einer profan anmutenden, menschlichen Innerweltlichkeit, hat gehen lassen. Cathart ist eine jener Gestalten, die versuchen die Welt so erblicken zu können, ohne, dass sich immerzu die Banalität menschlicher Unvollkommenheit beimischt. Inseln zu lieben, so könnte man konstatieren, bedeute in gewisser Weise, sich selbst nur mit einem Mindestmaß an Sein zu wollen, ja sich selbst gegenüber eine unbestimmte Überflüssigkeit zu empfinden. Der Geist wäre dann nur das Werkzeug, um im Blick auf die Welt, gerade diesen Geist ausgeklügelt zu verbergen und somit dadurch das Erfahren von Welt, ohne sich selbst möglich machen zu können. So wie die Inseln für Cathart Medien sind, um die Unendlichkeit der Zeit fühlbar machen zu können, so stellt seine eigene Seele gleichermaßen jene Form da, um mit den Elementen der Welt in Berührung kommen zu können. Eine Berührung, die jedoch erst in sich reifen, sich zur Blüte gleichsam erheben muss, weswegen die lehrreiche Zeit auf den ersten beiden Inseln auch als Vorbereitung angesehen werden kann. Cathart fühlt bereits zu Beginn wie das Unendliche ihn umgarnt, wie ein diffuses Gefühl der Unruhe sich seiner bemächtigt, geradezu Furcht stellt sich ein. Das Materielle der Insel, ihre phänomenale Greifbarkeit und Funktionalisierbarkeit, sie sollen die Unermesslichkeit von Raum und Zeit behutsam in den Hintergrund rücken, sie vergessen lassen. Noch möchte Cathart entrinnen, die Erkenntnis um das eigene Unbedeutendsein, die er bereits dunkel zu empfinden begonnen hat, in Tätigkeiten zum Vergessen bringen. Lawrence zeigt uns in dieser vollkommen anmutenden Erzählung aus dem Jahre 1926, wie sich die kontinuierliche Rückabwicklung von Weltlichkeit, über soziale Identität auf der ersten Insel, leidenschaftlichem Begehren auf der zweiten Insel, mit einer daraus resultierenden Beschwörung der Innerlichkeit verwoben ist. Cathart wird zusehends ruhiger, weiser, ja man könnte sagen er hörte zunehmend mehr dem Augenblick beim Atmen zu oder mit den Worten des Erzählers ausgedrückt: „Die sanfte Vergänglichkeit von Spinnwebfäden schien ihm nun das Einzige, was Bestand hatte. Der Dunst der Ewigkeit fing sich darin. Kathedralen etwa, schienen ihm geradezu schreiend vor vergänglichem Widerstand, wussten sie doch, dass sie am Ende fallen würden.“ Ja selbst die Fertigstellung seines Buches erschien ihm irrelevant mittlerweile. Auf der dritten, der kleinsten Insel, kommt nun von neuem eine Form der Unruhe auf, die wir näher ins Auge fassen sollten. Statt der Erhabenheit eines unermesslichen Seins, das ihn anfangs nervös werden ließ, ist es nun eine Form von Intentionalität, von teleologischer Künstlichkeit, die ihn furchtbar irritiert. Ob sich nähernde Boote am Horizont, das eigene Vernehmen der Stimme, Tiergeräusche oder gar Überbleibsel von schriftlichen Bezeichnungen, sie alle bereiten ihm nun ungeheure Qualen. Catharts Sinn für die erhabene See, seine weiten Blicke in die Tiefe der Nacht, sie haben ein Bewusstsein geprägt, in welchem kein Platz mehr für kleine, vergängliche Willensregungen verbleibt. Im Fühlen von alles zerberstender Unendlichkeit, kann jedwede Form von menschlicher Kleingeisterei nur stören, ja sie kann regelrecht in einen existentiellen Ekel münden. Kontemplation und Selbstvergessenheit, hierin findet Cathart nun Ruhe und Frieden. „Er saß gerne auf der kleinen Anhöhe seiner Insel und betrachtete die See, nichts als die blasse, stille See. Es gefiel ihm, wenn sein Verstand verschwamm, zerfloss wie der dunstige Ozean.“
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Wie bewahrt man seine Freiheit in einer modern werdenden Welt? Der Protagonist versucht es auf seine eigene Art, indem er auf eine einsame Insel zieht. Diese ist ihm nicht einsam genug, und so zieht er auf eine noch kleinere Insel, wo er auf das gleiche Problem stößt.. Sind die Inseln, die er doch eigentlich liebt, wirklich die Lösung, oder nur eine Fluchtmöglichkeit, die letztlich für seine Vereinsamung sorgt? Durch das Ende bleiben verschiedene Interpretationsmöglichkeiten offen, und so hat man ein philosophisches und tiefgehendes Werk auf wenigen Seiten. Interessante Geschichte und rhetorisch durchdacht dargestellt.
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