Benetzko im Riesengebirge in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Hier wachsen zwischen Regimewechseln und verheerenden Kriegen auch Zdenka und Anežka auf. Die eine tschechisch, die andere deutsch, werden sie beide eigensinnige Frauen, die im Laufe der Jahrzehnte mit so einigem kämpfen und hadern - wildernden Männern, keifenden Schwiegermüttern, desertierenden Kindern oder ihren Nationalitäten - und vieles verlieren, aber niemals ihre Freundschaft.
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„Geteiltes Haus“ ist ein beeindruckendes und tief bewegendes Buch über eine Dorfgemeinschaft im Riesengebirge, die lange Zeit mehr verbindet als trennt. Tschechen und Deutsche leben hier zunächst als Einheit – als Berggemeinschaft, in der Herkunft keine entscheidende Rolle spielt. Doch mit den politischen Umbrüchen und den beiden Weltkriegen verändert sich dieses Gleichgewicht zunehmend.
Im Mittelpunkt stehen zwei starke, eigensinnige Frauen, deren Freundschaft all den Spannungen trotzt. Ihre Lebenswege sind geprägt von Verlust, Herausforderungen und persönlichen Kämpfen, aber auch von einer bemerkenswerten Widerstandskraft. Besonders eindrücklich ist, wie das Buch zeigt, dass Konflikte nicht plötzlich entstehen, sondern sich schleichend entwickeln – indem Menschen immer mehr auf ihre Nationalität reduziert werden, statt als Individuen gesehen zu werden.
Die wechselnden Perspektiven machen die Geschichte besonders lebendig und nachvollziehbar. Man versteht die unterschiedlichen Sichtweisen, ohne dass das Buch einfache Antworten liefert. Auch der große zeitliche Rahmen ist ein echter Gewinn: Über mehrere Jahrzehnte hinweg erlebt man hautnah, wie sich Stimmungen verändern und wie sich das Leben der Dorfbewohner mit den historischen Ereignissen wandelt.
Ein großartiges, vielschichtiges Buch über Freundschaft, Identität und die zerstörerische Kraft von Grenzen in den Köpfen – absolut verdient fünf Sterne.
Lesenswert
aus Bielefeld
5/5
19.08.2026
eBook (ePUB)
Ein besonderes Zeitdokument
"Geteiltes Haus" von Alice Horáčková ist ein Roman, der auf der Familiengeschichte der Autorin beruht.
Auf über 800 Seiten beschreibt die Autorin die Geschehnisse in Benetzko im Sudetenland über den Zeitraum von der K.-u.-k.-Monarchie bis zur Nachkriegszeit. Der Roman ist zum einen eine Familiensaga, zum anderen aber auch ein Zeitdokument der besonderen Art. In Benetzko leben Zdenka und Anežka, die eine tschechisch, die andere deutsch. Um deren Familien und natürlich sie selbst geht es in diesem Roman. Die Autorin beschreibt spannend und fesselnd die Geschichte in einer Region, die mir nicht näher bekannt ist. Natürlich haben wir alle wohl schon einige historische Romane aus dieser Zeit gelesen, trotzdem ist der Roman etwas besonderes. Er zeigt nicht nur die Schicksale von Zdenka und Anežka und ihren Familien auf, er beschreibt auch sehr eindrücklich, wie aus Freunden aus zwei Nationen Feinde werden können. Wir erleben Denunziationen, Machtgehabe, Rache, Widerstand und vieles mehr.
Horáčková lässt uns an ihrer Familiengeschichte aus verschiedenen Perspektiven teilhaben. Dabei geht sie sehr empathisch auf die unterschiedlichen Gefühle der verschiedenen Protagonist*innen ein. Daneben beschreibt sie aber auch das schwere Leben im Riesengebirge. "Ein halbes Jahr schneit es, den Rest des Jahres ist es kalt" Wir erfahren von Wilderern, aber auch von ungeliebten Schwiegermüttern, von Profiteuren und Benachteiligten dieser schrecklichen Zeit. Trotz der über 800 Seiten ist mir der Roman nie langweilig geworden. Einmal begonnen, wollte ich ihn auch nicht mehr weglegen.
Ich empfehle dieses Zeitdokument sehr gerne weiter! Es zeigt, wie schnell aus Freundschaften Feindschaften werden können, was politische Indoktrination bewirken kann. Es zeigt aber auch, dass trotz den Unterschiede Freundschaften bestehen können. Mich hat der Roman sehr beeindruckt. Leider werden genau die Personen, die es eigentlich lesen sollten, es nicht lesen...
Ein großartiger Roman, der die 5 Sterne verdient hat! Ich bin übrigens mit Google-Earth extra nach Benetzko "gereist", um mir ein besseres Bild von der Landschaft zu machen.
Bewertung
5/5
07.07.2026
eBook (ePUB)
Ein starkes Buch in allen Belangen.
Dies ist ein Roman, den man sich ob seiner Mächtigkeit erstmal zutrauen muss.
Tut man dies, so offenbart sich einem ein Stück Historie, in einem Landstrich, welchen man als Außenstehende*r oft nicht kennt - das Riesengebirge in Tschechien, mit seiner wechselhafter Geschichte und dem starken Einfluss deutscher Bewohner.
Dies wird von der tschechischen Autorin äußerst interessant und spannend erzählt.
Die Gepflogenheiten der damaligen Zeit, mögen einen manchmal erschrecken, doch der Umgang miteinander nach Ende des 1. Weltkrieges, bis nach Ende des 2. war ein gänzlich anderer. Man fügte sich in Gegebenheiten ein, arrangierte sich. Erst recht die kleinen Leute. Dass dieses sich fügen erneut in einer großen Katastrophe endete, ist dann den Deutschen, als sie man vertrieb, schmerzlich bewusst geworden. So wurden Freundschaften, teils gar Beziehungen, zerrissen.
Da ich über die Historie Tschechiens, in der damaligen Zeit, so gut wie nichts weiß, fand ich den Roman sehr interessant.
Lebenswege, Schicksale und Entwicklungen der Charaktere sind nachvollziehbar und schlüssig.
Auf einzelne Aspekte einzugehen, würde den Rahmen hier sprengen, da es doch eine sehr komplexe Geschichte ist. Hauptprotagonistinnen sind Zdenka und Anežka, ihre unerschütterliche Freundschaft zueinander. Auch wenn die Wirren der Ereignisse sie letztlich gnadenlos in andere Richtungen treiben.
Fazit: das perfekte Buch für Geschichtsinteressierte und welche, die auch gern Familiensagas lesen.
Mich regte dieses Buch außerdem an, einige historische Ereignisse im Nachhinein selber zu recherchieren.
Das Cover ist schlicht und passend gestaltet, wie man es vom Verlag gewöhnt ist.
Bewertung
aus Quickborn
4/5
08.09.2026
eBook (ePUB)
»Macht euch keine Sorgen!«
Die Tschechische Autorin Alice Horáčková hat die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in ein Buch gefasst, zwischen zwei Briefen die Geschichte der Sudetendeutschen, der Tschechen aus dem Sudetenland und ihrer Heimat beschrieben. »Macht euch keine Sorgen!« könnte der Spruch sein, der über jedem Kapitel schwebt, die vielen Kapitel haben aber andere Überschriften, sie sind alle kurz und prägnant, lassen den Leser manchmal ahnen, dass man sich doch Sorgen machen müsste, wenn es heißt "Zur Front" oder "Das Hakenkreuz". Man erlebt die Zeit wie ein heimlich das Tagebuch der besten Freundin Lesender, so vertraut werden einem die Protagonisten. Anežka und Zdenka, das Örtchen Benetzko im Riesengebirge und seine Bewohner, die Honcůs und die Hollmanns und viele andere.
Jedes Kapitel für sich liest sich wunderschön, traurig und auch manchmal lustig, aber insgesamt waren es zu viele Kapitel, das Buch nahm für mich überhaupt kein Ende, mein Interesse wurde von der Vielzahl der kleinen und großen Ereignisse regelrecht aufgefressen.
Fazit: Ein großer Roman, der Geschichte anhand der kleinen Geschichten und der kleinen Menschen erzählt, die einst im Sudetenland friedlich miteinander lebten. Das 20. Jahrhundert hat diesen Frieden zerrissen.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Ingrid
aus Düsseldorf
5/5
07.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Üppige Familien- und Zeitgeschichte
In ihrem Roman „Geteiltes Haus“ erzählt Alice Horáčková ein Stück Geschichte des Sudetenlandes, mit dem ihre eigene Familie eng verbunden ist. Die Handlung erstreckt sich vom Beginn des vorigen Jahrhundert an bis 1948 und spielt hauptsächlich in der kleinen Gemeinde Benetzko im westlichen Riesengebirge, am Westabhang des Heidelbergs. Während die politischen Zugehörigkeiten wechselten, lebten Tschechen und Deutsche Seite an Seite, lachten und weinten miteinander, heirateten untereinander und und gerieten ebenso häufig über vermeintliche oder tatsächliche Vorrechte aneinander.
Benetzko ist die Heimat des Vaters der in Prag geborenen Autorin. Da er nur wenig über seine Kindheit und Jugend erzählte, machte Alice Horáčková auf die Suche nach weiteren lebenden Verwandten, um mehr über ihre familiären Wurzeln zu erfahren. Im Rahmen einer umfangreichen Recherche sichtete sie Dokumente in Archive, bereiste die Gegend und sprach mit den Menschen vor Ort. Die Figuren ihres Romans sind fiktiv, tragen jedoch Eigenschaften und Wesenszüge, die von denen ihrer Familienmitglieder inspiriert sind.
Als die Tschechin Zdenka Honců und die Deutsche Anežka Braun sich als Kinder anfreunden, ahnen sie noch nicht, dass sie später beide in die Familie Hollmann aus Benetzko einheiraten werden. Obwohl ihre Ehemänner Brüder sind, unterscheiden sie sich in ihren Lebenszielen und ihrer Weltanschauung. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie ihre Haltung gegenüber gesellschaftlichen Veränderungen im Rahmen ihrer Möglichkeiten immer wieder daran ausrichten, welchen persönlichen Vorteil sie daraus ziehen können. Allerdings trägt auch ein Portion Glück zum Gelingen ihrer Anliegen bei.
Eine wichtige Rolle im Roman nimmt auch der Lehrer der tschechischen Schule im Ort ein. An seiner Anstellung und seines Ansehens lassen sich die Veränderungen im politischen Geschehen nachvollziehen. Zu ersten größeren Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen Nordböhmens kommt es zu Beginn der ersten Tschechoslowakischen Republik im Herbst 1918. Das Münchner Abkommen, das eine Angliederung an das Deutsche Reich vorsah, führte zu Ressentiments gegenüber den Tschechen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde hingegen die vorige Ordnung wieder hergestellt und die deutschsprachigen Bewohner vertrieben.
Alice Horáčková gestaltet ein lebendiges Miteinander der Einwohner im Randgebiet Böhmens, statt auf historische Daten zu schauen. Es finden sich wenige Geschichtszahlen im Text, die Handlung spricht für sich. Der Erzählstil der Autorin umfasst üppig ausgestaltete Szenen im Wandel der Zeiten, die Bilder im Kopf entstehen lassen, sodass man sich beinahe mitten im Geschehen wähnt. Sie schildert den Alltag, die beruflichen Verrichtungen, gleichwohl auch Gedanken der Hauptfiguren über ihre Mitmenschen und aktuellen Entwicklungen. Dabei eröffnet sie immer wieder neue Perspektiven auf die Personen und ihre Lebensumstände, sodass die Geschichte facettenreich und abwechslungsreich bleibt. Eine Vielzahl der auftretenden Personen ist unumgänglich, wobei die wichtigsten Figuren am Ende des Buches in einem Überblick zusammengestellt sind. Es hat mir gefallen, dass manches Kapitel mit einer kleinen Ausblick auf die Zukunft einer Person endet, von der diese noch nichts ahnt.
„Geteiltes Haus“ von Alice Horáčková ist nicht nur ein Roman, der auf wahren Familienereignissen der Autorin beruht, sondern zugleich auch eine Dokumentation des Geschehens im Sudetenland in der ersten Hälfe des 20. Jahrhunderts. Die Autorin zeigt, wie eng persönliche Lebenswege mit den politischen Umbrüchen ihrer Zeit verbunden sind und wie schwierig es für die Menschen sein konnte, zwischen nationaler Zugehörigkeit, persönlichen Überzeugungen und eigenen Interessen ihren Weg zu finden Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter.
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5/5
23.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die schwierige Tschechisch-Deutsche Geschichte
Dieses Jahr ist Tschechien das Gastland der Frankfurter Buchmesse. Gerade rechtzeitig wurde neu ein Buch ins Deutsche übersetzt, das die Tschechisch-Deutsche Geschichte in der Zeit zwischen der K.-und-K.-Monarchie und dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschreibt. In diesem Roman erzählt die tschechische Autorin Alice Horáckova eine tschechisch-deutsche Familiensaga aus dem Riesengebirge über drei Generationen hinweg, basierend auf einer wahren Geschichte. Dieser außergewöhnlich gute und lehrreiche Roman, der sowohl die tschechische als auch die "sudetendeutsche" Sicht beleuchtet, beweist am Ende, dass Freundschaft wichtiger ist, als das Festhalten an Nationalitäten. Sehr lesenswert!
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5/5
17.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Nationalismus und seine Folgen
Dies ist eine Geschichte der Bewohner des Dorfes Bentezko im Riesengebirge im Sudetenland. Zu Beginn sind die deutsch- und tschechischstämmigen Bewohner Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie und sie leben mehr oder weniger friedlich mit den üblichen Vorurteilen miteinander. Das ändert sich nach dem Ersten und vor allem mit Beginn des Zweiten Weltkriegs. Auf beiden Seiten bricht sich der Nationalismus Bahn und es wird der Hass auf die "Anderen" geschürt, Lügen verbreitet, Menschen willkürlich verhaftet. Die Autorin erzählt das Schicksal zweier Familien vor dem Hintergrund der Weltgeschichte. Ein beeindruckendes Buch
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