Für Noboru und seine Freunde ist die Erwachsenenwelt illusionär, heuchlerisch und sentimental. Nur der Seemann Ryuji bildet eine Ausnahme. Fasziniert vergöttert der vaterlose Noboru den Mann vom Meer und prahlt vor seinen Freunden mit dem Liebhaber seiner Mutter. Als sich Ryuji jedoch gegen das Leben auf See und für die Ehe an Land entscheidet, fühlt der Junge sich verraten. Seine Freunde und er sehen nur eine Möglichkeit, Ryujis Ehre wiederherzustellen …Sprachlich brillant und ungemein klug erzählt Der Held der See vom Konflikt zwischen traditionellen Werten und modernen Sehnsüchten und von den unterschiedlichen Formen, die Liebe annehmen kann. Eine meisterhafte Erzählung darüber, wie die harte Realität des Alltags Idealbilder zum Zerbrechen bringen kann. Yukio Mishima zählt zu den bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Der Held der See ist sein berühmtester Roman.
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"...er hatte es hier nicht mit einem Sturm auf dem Ozean zu tun, sondern mit einem stetigen Landwind."
Ryuji ist ein Seemann, der mehr Zeit auf dem Wasser als auf festen Boden verbringt. Sein Leben wird aus den Widrigkeiten des Meeres und der Einsamkeit einer sich stetig in Bewegung befindenen Seele geleitet. Als Ryuji der verwitweten Fusako begegnet, begegnen sich gleichzeitig zwei Menschen auf der Suche nach Nähe. Beide finden sich schnell und bemerken gar nicht, dass Fusakos Sohn Noburo die beiden bei ihrer Sehnsucht durch ein kleines Loch in der Wand beobachtet.
Für Noburo ist Ryuji ein Mensch voller Abenteuer, ein Held der See und ein Sinnbild von Identität und Verortung. Doch was passiert mit dem freiheitsliebenden Seemann, der westlich und selbstbestimmten Fusako und dem ruhelosen und nach Antworten suchenden Jungen, wenn der Seemann die See verrät?
»Der Held der See« ist ein japanischer Klassiker, bei dem das Meeresrauschen auf jeder Seite zu spüren ist. Es ist eine Art Liebes- und Identitätsroman, der Themen der Nachkriegszeit und Mishimas Leitsymbolik mit aufgreift. So finden sich typischerweise immer wieder diese Vergleiche und Nähe zum Tod wieder, die merkwürdig faszinieren und einen Hauch Verstörtheit mitschwingen lassen.
"Der Tod war aus dem gleißenden Meer gestiegen, hatte sich wie eine Gewitterwolke ausgebreitet. Wie berauscht träumte Ryuji von einem erhabenen, heldenhaften und beispiellosen Tod vor aller Augen [..]. Wenn seine Welt für einen solch glorreichen Tod bereit war, warum sollte sie nicht gleichzeitig mit ihm untergehen?"
Eine einzigartige Besonderheit des Romanes sind die endlosen und nie versiegenden Metaphern mit dem Meer, die gemeinsam mit der Sprachgewalt Mishimas eine meditative Ruhe verströmen als wenn man den Wellenbergen beim sanften Einstürzen am Strand selbst beiwohnen würde.
Wieder einmal ein phänomenales Werk und ein Beleg dafür, dass Mishima immer ein lohnendes Leseerlebnis ist.
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»Der Held der See« von Yukio Mishima. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe, kein&aber.
Bewertung
4/5
09.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Verstörend und Betörend zugleich
Ein zutiefst verstörendes Buch. Ich leide mit den drei Hauptfiguren mit, auf ihrem unheilvollen Weg. Diese Geschichte lässt mich nicht los, obwohl ich sie eigentlich nicht besonders mag. Mishima gelingt es, durch seinen Schreibstil, der betörend, brutal, verstörend und poetisch zugleich ist, mich zu fesseln. Eine Tragödie über Liebe, Tod und Selbstfindung. Unbedingt lesen, man vergisst es nie mehr.
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5/5
24.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Die Katze war nur Oberfläche, Leben, das sich als Katze ausgegeben hatte"
Der Held der See, einsam hat er zu sein, schmerzlich einsam. Zu dieser Einsamkeit gibt es keinen Zugang von außen, nur die Sehnsucht nach Erhabenheit und Größe verbleibt ihr als besänftigendes Elixier, für die keine Sprache, keine richtigen Worte gefunden werden können. Einen unbestimmten, gänzlich undefinierbaren Ruhm, der gleich einem Lichtpunkt in den Tiefen der Welt zu finden wäre, ihm widmet der Seemann Ryuji Tsukazaki sein unermüdliches Streben. Ein Suchender ist er, einer der sich auf die Meere begab, um dem Traum vom wahrhaftigen Leben nah sein zu können. Er ist sich den Verlockungen des Landes bewusst, sah zu oft wie Gefährten dem Sirenengesang weiblicher Lockungen erlagen und sich in das Gewand der Weltlichkeit kleideten. Doch Ryujis Standhaftigkeit und Heroismus, sie haben über die Jahre hinweg an Energie verloren und ein nagender Durst nach Heimat und Geborgenheit dafür an Macht gewonnen. Die Unendlichkeit des Ozeans, die für ihn immer die Mutter aller Weiblichkeit symbolisierte, ihr vermag er nicht mehr die Treue zu leisten aufgrund von maritimer Überdrüssigkeit. Trotz ihrer Fülle vermochte sie keinen Einlass in universelle Geheimnisse zu geben, versagte ihm die Stillung seines Durstes und zeigte ihm letztlich seine Belanglosigkeit. Das Schicksal führt ihm schließlich Fusako Kuroda zu, einer auf westlichen Import spezialisierten Geschäftsinhaberin und mit ihr dessen Sohn Noboru. Dieser ist ein leidenschaftlicher Bewunderer rauer Seemänner und sieht in Ryujis Vergehen, seiner Abtrünnigkeit von Heldenhaftigkeit und Unerschütterlichkeit, einen nicht wieder gut zu machenden Verrat. „Der Seemann, der die See verriet“, so lautete auch der Titel der Übersetzung von 1970 und lässt damit auch die Grunddynamik des Buches anders erklingen, lässt einer anderen Interpretation den Vorzug. Hier ein begangener Verrat, dort das Bestreben dem Held sein Heldentum womöglich wiederzugeben. Durch die Figuren Ryuji und Noboru etabliert Yukio Mishima den Konflikt zwischen dem Existentialismus als Philosophie, nach der der Einzelne durch seine Existenz Werte und Sinn erschaffen kann und dem Nihilismus nach dem dies nicht möglich ist. Ryujis Verrat am Meer ist für Noboru auch ein nicht zu verzeihendes Eingeständnis in die Ausweglosigkeit allen menschlichen Strebens, in dessen immerwährendes Ohnmachtsgefühl. Noboru teilt zwar die Prämisse, nach der die Welt nicht zu rechtfertigen sei, folgt jedoch einer Konklusion, die wir am ehesten mit Friedrich Nietzsches Willen zur Macht wiedergeben können. Noboru ist Teil einer Gruppe Jugendlicher, die sich als Ordnungshüter verstehen und ein Weltverständnis teilen, das so offensichtlich und unerhört zugleich ist. „Leben“, so erfahren wir vom geistigen Führer dieser ausschließlich durch Nummern zu unterscheidenden Mitglieder, „ist die verrückte Aufgabe, die eigene Existenz Augenblick für Augenblick in ihr ursprüngliches Chaos zu zerlegen und sie dann, Augenblick für Augenblick aus der Angst, die dieses Chaos hervorruft, neu zu gestalten“. Gestalten bedeutet Verantwortung zu übernehmen und somit die Gefahr kennenzulernen. Für Noboru ist Ryuji hoffnungslos gestrandet und die Tatsache, dass sich hier darüber hinaus eine Transformation vom unerschütterlichen Fels hin zu einer abzulehnenden Vaterfigur abzuzeichnen beginnt, kann nicht geduldet werden. Väter sind das größte Übel der Welt, so der Gruppenkonsens, als Hüter der gesellschaftlichen Ordnung repräsentieren sie einen Wertekonsens, der nur die Realität verschleiert. Ryuji kann nicht mehr gerettet werden oder vielleicht doch? Die Kraft, die Ryuji fehlte, um seinem bisherigen Leben treu zu bleiben, sie vermag sich zwar niemals wieder zu entzünden, doch die Gruppe denkt bereits über ihn hinaus. Viel größer, haben sie die Ordnung als ganze im Blick, ist ihr Fanatismus jenem geschwisterlich verwand, den auch Dostojewskis Rodion Raskolikow nur zur Genüge empfand. Während dieser noch durch Sühne vom Nihilismus Abstand nahm, kennt die Gruppe keinen Halt mehr, weiß sie um die falsche Symbolhaftigkeit der Welt. Sie suchen das nackte Leben, suchen jenen Willen, den die Oberfläche allen Seins nicht preiszugeben vermag. Mishima ist mutig, seine Sprache, wenngleich äußerst metaphorisch, kann auch unerträglich schmerzhaft werden. Mishima skalpiert die sichtbare Wirklichkeit um Einblick in das nackte Sein zu gewähren. Ryuji und Noboru, sie beide zeigen Wege und Irrwege, wie es sich leben, bzw. weiterleben lässt nach einem Blick ins Innere der Welt.
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4/5
03.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Klassiker aus Japan!
Anspruchsvolles Werk eines zerrissenen Autors.
Der Text liest sich gut wobei viel unausgesprochen wird sprich zwischen den Zeilen gelesen werden muss.
Bleibt für alle Tage im Gedächtnis, garantiert!
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