Nach dem Tod ihrer Mutter verliert die Schauspielerin Nina ihre Stimme. Das Schweigen ihrer Mutter schnürt ihr die Luft ab. Zu viele Fragen sind noch offengeblieben: Was hat Irma so erschüttert, dass sie der ältesten Tochter nie die ersehnte Wärme geben konnte? Was geschah damals, in jenem letzten Sommer am Elbufer, als Ninas Schwester Katja über die grüne Grenze verschwand und die Familie für immer zerbrach? Auf der Suche nach verschütteten Wahrheiten folgt Nina den Spuren ihrer Familie ins tschechische Riesengebirge. Hier spürt sie endlich wieder die Sonne auf ihrer Haut und Boden unter den Füßen. Und sie gelangt an ein Foto, das sie zu den Wurzeln des Schweigens führt. In Rückblenden entfaltet sich die Geschichte der sudetendeutschen Vertreibung, die schmerzhaft bis in die Gegenwart wirkt. Denn erst wenn das Verschwiegene endlich ans Licht tritt, kann Heilung beginnen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
Orell Füssli Book Circle Community
5/5
13.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
hat mich berührt
Ein wunderbares Buch, hat mich sehr berührt und angesprochen.
Sehr lesenswert!
Worum geht es?
Zitat Klapptext/Buchvorstellung
Als ihre Mutter Irma stirbt, verliert Nina den Boden unter den Füßen. Nach Jahren des Ausharrens an der Seite dieser gebrochenen Frau ist sie plötzlich frei und fühlt sich verlorener denn je. Um wieder festen Grund zu finden, reist sie ins tschechische Riesengebirge, wo die Familie ihren letzten gemeinsamen Urlaub verbracht hat. Nina will ergründen, was die Familie damals auseinandertrieb – und was das Land für sie bereithält, das ihre Mutter einst Heimat nannte: Böhmen.
So tiefsinnig wie schwebend schön ergründet Claudia Rikl, was beim Verlassen der Heimat zurückbleibt und was uns das Bleiben kostet.
»Claudia Rikl schreibt mit großer Empathie und Leidenschaft über die Lebenslügen einer leidgeprüften Generation und das erdrückende Erbe des Ungesagten.« Kristina Hauff
mimitatis_buecherkiste
aus Krefeld
5/5
23.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Berührende Story
»Sie sammelt Kraft. »Meine Mutter war Sudetendeutsche.« Das Wort klingt trotzig, derb. Nach Draußenstehen, nach Fremdsein.« (Seite 165)
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Als Irma stirbt, begibt sich Nina, eine ihrer beiden Töchter, auf Spurensuche, die auch ein bisschen die Suche nach ihr selbst beinhaltet, nachdem sie sich jahrelang verpflichtet gefühlt hat, Irma beizustehen, sodass ihr eigenes Leben auf der Strecke blieb. Zeit ihres Lebens war die Mutter stumm, was ihre Kindheit betrifft, ihre Heimat in Böhmen Nina unbekannt. Wer war die Frau, die zwei Kinder großgezogen hat und ihnen dennoch bis zuletzt fremd geblieben ist?
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»Zweiunddreißig Jahre, in denen Nina allein mit einer unlösbaren Aufgabe zurückgeblieben war: dafür zu sorgen, dass Mutti ihr Leben erträgt.« (Seite 37)
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Der Autorin Claudia Rikl ist mit dem vorliegenden Buch etwas gelungen, was selten bei mir geschieht. Sie hat es geschafft, die Gefühlslage der Hauptfigur so abzubilden, dass diese auf mich abfärbte. So habe ich zu Beginn des Romans eine Distanz verspürt, die Nina zueigen ist, die anfangs sogar dazu geführt hat, dass ich mich abgekoppelt fühlte, obwohl die Geschichte doch ziemlich emotional ist. Dies war wichtig und richtig, um zu verstehen, wie einschneidend die Kindheit der Mutter war, welche Auswirkungen deren Erlebnisse besonders auf die ältere Tochter hatten, aber natürlich auch die Jüngste.
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»Da ist auch eine Traurigkeit, die tiefer ist als die, die sie in den letzten Tagen gespürt hat, größer, monströser. Schmerz, der nicht ihrer ist und doch immer da war, der nie heilen konnte. Der verborgen liegt im tiefen Graben ihrer Vorgeschichte.« (Seite 239)
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Erst im weiteren Verlauf wurde ich mit der Erzählung warm, habe zusammen mit Nina das Geheimnis ihrer Mutter gelüftet, erfuhr Fakten und Hintergründe, war bewegt, erschrocken, traurig und wütend, aber oft auch den Tränen nah. Je näher sich Nina der Lösung näherte, desto mehr bewegte mich der Roman, aus Abstand wurde Nähe, mit dem Verstehen kam letztendlich Akzeptanz. Kurz vor dem Finale war ich total aufgelöst, das Ende ließ mich weinend lächeln, nun waren Nina und ich am Ziel. Gerne empfehle ich dieses wunderbare Buch weiter.
Nähpummelchen
5/5
21.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fesselnde Familiengeschichte
Dieses Buch erzählt eine spannende und vielschichtige Familiengeschichte über mehrere Generationen. Besonders interessant sind die historischen Ereignisse und Hintergründe, die mir nicht so bekannt oder präsent sind und mir deshalb neue Einblicke in die Vergangenheit geben. Ich habe diese Region von Spindlermühle und Oberelbe schon oft bereist und kann beim nächstes Besuch noch einmal mit ganz anderen Augen gucken.
Die Autorin verbindet die Schicksale der Familienmitglieder geschickt mit der Geschichte ihrer Zeit. Dadurch entsteht ein lebendiges Bild davon, wie sich historische Ereignisse auf das Leben einzelner Menschen auswirken können. Die Figuren wirken glaubwürdig und ihre Geschichten berühren.
Teilweise war es jedoch schwierig, den Wechseln zwischen den verschiedenen Zeiten zu folgen. Die Sprünge zwischen den Epochen innerhalb der Kapitel waren nicht immer sofort klar, sodass man manchmal überlegen musste, in welcher Zeit die Handlung gerade spielt.
Trotzdem ist Elbland ein lesenswertes Buch. Die besondere Familiengeschichte und die weniger bekannten historischen Themen machen den Roman interessant und abwechslungsreich. Wer Familiengeschichten mit historischem Hintergrund mag, wird an diesem Buch Freude haben.
Leseprinzessin59
5/5
20.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vergangenheitsbewältigung
Es ist März und ich habe mein erstes, persönliches Jahreshighlight gelesen.
Mit "Elbland" hat Claudia Rikl ein sehr berührendes, gefühlvolles Buch über Familie, Zurückweisung und Schweigen, bzw. "nicht miteinander reden", geschrieben.
Der Schreibstil liest sich leicht und trotzdem musste ich oft inne halten und das Gelesene "sacken" lassen.
Es ist die Geschichte von Nina. Als ihre Mutter stirbt, die zeitlebens an Depressionen litt, begibt sie sich auf eine Reise in deren Vergangenheit.
Der Prolog beginnt mit der Reise nach Böhmen, dem letzten gemeinsamen Familienurlaub mit ihrer Schwester Katja.
Anschließend wird die Handlung in drei Zeitebenen erzählt. Von 1945 über 1987 bis in die Gegenwart.
Weil mir der Schreibstil irgendwie bekannt vorkam habe ich etwas "nachgeforscht" und festgestellt, daß Claudia Rikl das Buch "Wellenkinder", welches mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, unter ihrem Pseudonym Liv Marie Bahrow geschrieben hat
Uneingeschränkte Leseempfehlung
Bellis-Perennis
aus Wien
5/5
19.06.2026
eBook (ePUB 3)
Auf den Spuren der Vergangenheit
Claudia Rikl ist, wie sie erzählt, zu diesem historischen Roman durch ihre eigene Familiengeschichte inspiriert worden. Die Autorin nimmt ihre Leserschaft in drei Zeitebenen (1945/1987 und Gegenwart) in die Geschichte einer dysfunktionalen Familie mit, die vor allem durch Sprachlosigkeit und fehlender Herzenswärme gezeichnet ist.
Der Roman ist die Geschichte eines Traumas, das am Ende des Zweiten Weltkrieges beginnt und über die Jahrzehnte wie eine schwärende Wunde keine Heilung erfährt, erfahren kann, weil Mutter Irma über die Ereignisse nicht sprechen kann. Weder mit ihrem Ehemann noch mit ihren Töchtern Nina und Katja.
1987, nach einem Sommerurlaub an Irmas Geburtsort Arnau, heute Hostinné, in der damaligen Tschechoslowakei, bei der die Familie entdeckt, dass ihre Mutter fließend tschechisch spricht, geschieht einiges Unvorhergesehenes, über das geschwiegen wird. Warum stellt niemand die Frage nach den Sprachkenntnissen? Tschechisch ist ja nicht unbedingt eine Sprache, die man nebenher lernt.
Wenig später zerreißt es die fragile Familie endgültig, wie wenig später die DDR. Katja macht im Westen Karriere und der Ehemann verlässt den traurigen Rest seiner Familie. Nina, die ältere der Schwestern kümmert sich um ihre Mutter, die zusehends immer tiefer in Depressionen versinkt. Sie stellt ihre eigenen Bedürfnisse stets zugunsten jener der Mutter zurück. Nur einmal, hat sie sich durchgesetzt. Statt Medizin zu studieren, ist sie Schauspielerin geworden.
Als die unnahbare Irma stirbt, fällt ihre Tochter Nina selbst in ein tiefes schwarzes Loch. Obwohl, oder vielleicht genau deswegen, weil die Belastung, ihre depressive Mutter zu pflegen, wegfällt, rebelliert ihr eigenen Körper. Nina verliert das wichtigste Instrument einer Schauspielerin - ihre Stimme. Krank geschrieben, stöbert sie in der Hinterlassenschaft und findet ein paar vergilbte Fotos und ein Rechenbuch. Neugierig macht sie sich auf eine Reise nach Tschechien, um den wenigen Spuren, die ihre Mutter hinterlassen hat, zu folgen.
Meine Meinung:
Obwohl ich natürlich aus zahlreichen Biografien bzw. historischen Romanen und Zeitzeugenberichten weiß, was in den Tagen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit der deutschstämmigen Bevölkerung in der Tschechoslowakei passiert ist, ist es dennoch sehr interessant zu lesen, was Irma als Kind erlebt hat. In abwechselnden Rückblenden erfahren wir Details aus Irmas Kindheit und welche Dynamik aus der Tragödie entwickelt hat. Dieses transgenerationale Trauma, das auch beinahe Ninas Leben zerstört hat. Gleichzeitig eröffnet diese Reise nach Arnau, dem heutigen Hostinné, die Möglichkeit, einer Versöhnung der beiden Schwestern. Beide haben die jeweils andere als bevorzugtes Kind gefunden sowie des Verrats schuldig am Zerwürfnis verdächtigt. Dass hier ganz andere Mechanismen im Spiel sind, ist ihnen nicht bewusst.
Für mich, die sich schon länger mit Epigenetik und transgenerationalen Traumata beschäftige, ist die Auflösung sehr gut gelungen. Allerdings liegt vor den beiden noch ein langer Weg, mit den neuen Erkenntnissen umgehen zu lernen und eine neue Beziehung zueinander aufzubauen.
Die Autorin zeigt eindrucksvoll, welche Auswirkungen unausgesprochene Wahrheiten haben können. Vor allem kleine Kinder nehmen an, zum Beispiel an einer Trennung der Eltern „schuld“ zu sein, oder es „verdient“ zu haben, dass das Geschwisterkind augenscheinlich mehr geliebt wird als es selbst. Hier wären die Erwachsenen gefordert, den Kleinen zu helfen, in dem sie ihnen Vertrauen und Liebe schenken. Doch das ist ihnen oft, wie im Fall von Irma, nicht möglich, weil sie selbst emotional bedürftig sind.
Die Charaktere wirken authentisch, vor allem weil sie kaum eine emotionale Bindung zueinander aufbauen können. Auch die eine oder andere Leserin wird hier ihre Schwierigkeiten haben, Zuneigung oder Nähe zu den Figuren zu entwickeln. Das ist für mich aber die große Kunst der Autorin, keine rührselige Geschichte zu erzählen, sondern eine doch sachliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit auszufechten.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser komplexen Familiengeschichte 5 Sterne.
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4/5
08.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr bewegend!
Als ihre Mutter Irma stirbt, fällt Tochter Nina in ein großes Loch. Sie, die Schauspielerin,droht ihre Stimme zu verlieren und muss bei den Proben eine Zwangspause einlegen. Sie spürt, dass es ihre Aufgabe ist, dem Leben ihrer Mutter, geprägt durch die traumatischen Erlebnisse während der Flucht aus Böhmen, nachzuspüren. Nina reist an den Ort, an dem es in ihrer Kindheit zu einem Zerwürfnis kam. Alles fügt sich nun nach und nach zusammen, Dinge, über die nie gesprochen wurde, fügen sich zusammen.
Ein emotionaler, atmosphärischer und sprachlich wunderbar zu lesender Roman über die Langzeitwirkung von Familiengeheimnissen und die erlösende Wirkung, wenn es gelingt diese ans Tageslicht zu holen.
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