Beschreibung
Produktdetails
Format
ePUB 3
Kopierschutz
Nein
Family Sharing
Ja
Text-to-Speech
Ja
Verkaufsrang
49994
Erscheinungsdatum
02.07.2026
Verlag
Friedenauer PresseSeitenzahl
254 (Printausgabe)
Dateigröße
569 KB
Auflage
1. Auflage
Übersetzt von
Klaudia Ruschkowski
Sprache
Deutsch
EAN
9783751880794
Bei seinem Erscheinen galt das Buch als skandalös, weil darin ein Geschwisterinzest thematisiert wird. Ein »Skandal« aber war es, weil hier eine Frau über die Mafia schreibt, »und die ist ein Tabu, besonders in der Literatur«. Offiziell existierte die Mafia nicht. So dröhnte es seinerzeit auch von den Kirchenkanzeln.
Wie mächtig und aufs Wirksamste mit den weltlichen Mächten verbunden die Kirche in Sizilien war, lässt sich u. a. in Leonardo Sciascias Mafia-Roman Tag der Eule (Il giorno della civetta, 1961) ablesen: Darin ist die Figur des anonymen hohen Prälaten leicht identifizierbar mit dem Erzbischof von Palermo, Ernesto Ruffini, jenem »unbeugsamen Verfechter der Nicht-Existenz der Mafia« (Giuseppe Traina). Dieses Erzählwerk galt bislang als das erste, in dem die Mafia Hauptthema ist - und so ist der Kanon nun neu zu setzen.
De Stefani schildert in einem »Ton von bestechender Unerschrockenheit« (Eugenio Montale) Aufstieg und Fall von Casimiro Badalamenti, einem Mann mit starken Leidenschaften und dem »angeborenen Sinn für Autorität und Verdienst der Männer«. Er ist Besitzer eines Weinbergs mit schwarzen Trauben, einer absoluten Rarität in der Gegend von Alcamo, berühmt für ihren Weißwein. Der Weinberg ist das materielle, ideelle, mystische Zentrum seines Lebens. Alles ordnet sich ihm unter. Schwarz ist auch sein Wille, in der Hierarchie der Mafia aufzusteigen. Um jeden Preis - selbst um den, (für längere Zeit) seinen Weinberg zu opfern - muss er dieser allmächtigen »ehrenwerten« Gesellschaft angehören. Aus obskuren Gründen unmittelbar nach dem Tod des Vaters und des Bruders, die irrtümlich in einem Hinterhalt ermordet wurden, verlässt er dieses Zentrum und nistet sich in der »Fremde« ein, in Cinisi bei Concetta, einer verrufenen Frau, verfällt ihrem »marmorweißen Fleisch«. Nachwuchs will er keinen, doch seine Schwachstelle ausmachend - »Mutter Natur hatte ihn als Drohne erschaffen, er kann sich nur mit einem einzigen Weibchen paaren« -, versteht sie es, seinen Manneswahn zu reizen, gebärt ihm vier Kinder, die er gleich nach der Geburt zu Familien im Umland gibt. In der Fremde verschafft er sich mit viel krimineller Energie eine gefürchtete Position. Doch für den wahren Ehrenmann braucht es den bürgerlichen Anschein: machtberauscht ehelicht er Concetta Jahre später, reißt drei der vier Kinder an sich. Und eine Tragödie biblischen Ausmaßes nimmt ihren Verlauf.
Die zwei Erstgeborenen, Nicola und Rosaria, finden in Liebe zueinander, als der Vater den Stammhalter immer wieder in Ketten legt, um ihn an der Flucht zu hindern. Die sich bald abzeichnenden Folgen der Liebe sind Schande und größter Verrat an Casimiros Ehre und nur mit Blut reinzuwaschen. So inszeniert der Vater den Selbstmord der Tochter. Zu spät spielt die in lebenslangem Gehorsam ihrem »Herrn und Gebieter« unterworfene Mutter »dem Schicksal in die Karten (...) und es zückte die, die Badalamentis Hochmut auf immer zu Fall bringen sollte«.
Es ist der erste Roman der 1913 in Palermo, in einer aristokratischen sizilianischen Großgrundbesitzerfamilie geborenen Livia De Stefani, und ein großer verlegerischer Erfolg; die 4. Auflage 1975 erschien mit einem Vorwort von Carlo Levi, dem Autor von Christus kam nur bis Eboli. 1984 verfilmte die RAI La vigna di uve nere in zwei jeweils 90-minütigen Teilen, unter der Regie von Sandro Bolchi, mit Mario Adorf als Casimiro Badalamenti.
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