Das Kultbuch: bissige Satire mit fantastischen Elementen
Moskau zu Beginn der 1930er-Jahre: Der Teufel sucht die Stadt heim und stürzt ihre Bewohner mit tatkräftiger Unterstützung seiner Zauberlehrlinge in ein Chaos aus Hypnose, Spuk und Zerstörung. Es ist die verdiente Strafe für Heuchelei, Korruption und Mittelmaß. Doch zwei Gerechte genießen Satans Sympathie: der im Irrenhaus sitzende Schriftsteller, genannt »Meister«, und Margarita, dessen einstige Geliebte. Bulgakows Gesellschaftssatire aus der Sowjetzeit ist ein faustisch-fantastisches Meisterwerk.
»Bulgakow ist eine Bombe.« August Diehl
»Mein Lieblingsbuch – einfach die großartigste Explosion von Fantasie, Verrücktheit, satirischem Witz und Gefühl, die man sich vorstellen kann.« Daniel Radcliffe
Der »russische Faust« (BR)
»Wer hätte gedacht, dass aus dem Verlag für preiswerte Klassikerausgaben der spannendste Bulgakow kommt? Alexandra Berlina hat mit der Übersetzung von "Meister und Margarita" bereits 2020 eine zum Wiehern komische und durchwegs eingängige Übertragung von Bulgakows Meisterwerk vorgelegt« Opernregisseur Valentin Schwarz
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Das Buch ist viel tiefer und komplexer als die Beschreibung „sowjetisches System in seiner Absurdität und Brutalität auf eine so humorvolle Weise“. Nur jemand, der nie in der UdSSR gelebt hat, kann eine solche Einschätzung abgeben, wie ich oben gelesen habe. Ich empfehle dieses Buch als ein Buch mit tiefem und vielseitigem Inhalt, geschrieben mit Liebe zum Land und leichtem Humor, der bitter schmeckt. In diesem Buch geht es um Glauben, um das Gewissen, um Vergebung.
Einzigartig
Bewertung am 13.10.2023
Bewertungsnummer: 2043132
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch, das mit keinem anderen zu vergleichen ist. Es ist zu empfehlen, dass man sich vor der Lektüre ein bisschen für die Zeit und die politische Situation der 30-er Jahre in Russland interessiert. Und vielleicht ein bisschen mehr über das persönliche Schicksals Bulgakows weiß.
Meinung aus der Buchhandlung
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In den 20er Jahren beherbergt Moskau einen ganz besonderen Gast: den Teufel. Getarnt als Professor für schwarze Magie knüpft er sich die sojwetische Gesellschaft vor - und treibt teils sehr grausame Späße mit den Einwohnern der Stadt.
Und was nicht alles passiert in diesem Buch: Hexen reiten durch die Stadt, Vampire treiben ihr Unwesen, ein großer, schwarzer Kater zückt eine Kalaschnikow. Philosophen trinken Zitronenlimonade und verlieren dabei buchstäblich ihren Kopf. Es wird zu heißem Jazz getanzt. Nackte Menschen fliehen aus einem Theater. Dann gibt es noch eine große Liebesgeschichte zwischen einem Schriftsteller im Irrenhaus und seiner Geliebten, die Ballkönigin beim Satan wird. Die Passionsgeschichte aus der Bibel wird auch noch vollkommen verdreht neu erzählt.
Klingt verrückt? Oh ja! Das ist es. Ich liebe dieses Buch so sehr, ich lese es immer wieder und immer wieder entdecke ich neue Dinge. Und die Sprache Bulgakows! Und seine Künste als Satiriker, man kann ganz viel lachen und schmunzeln beim Durchstreifen dieser Verrücktheiten. Ein Leserausch!
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Welch amüsanter, komischer Klassiker von Bulgakov. Die Rede ist von "Meister und Margarita". Der Roman, entstanden zwischen 1928 und 1940 und erst Jahrzehnte nach dem Tod des Autors veröffentlicht, ist ein Monument der Weltliteratur, das die Grenzen zwischen Realität und Fantastik aufhebt und die großen Fragen des Menschseins in poetischer und grotesker Form verhandelt.
Bereits die Eröffnungsszene markiert das, was den Ton des gesamten Werkes prägt: Zwei sowjetische Intellektuelle sitzen in einem Moskauer Park und diskutieren über die Nichtexistenz Jesu – bis ihnen plötzlich der Teufel höchstpersönlich erscheint. Dieser Einbruch des Übernatürlichen in die banale Alltagswelt ist mehr als ein literarischer Gag: Er ist der Beginn einer metaphysischen Komödie, die das Gewöhnliche mit dem Absoluten konfrontiert. Der Teufel tritt nicht als finsterer Widersacher auf, sondern als Ironiker, als Beobachter, als Prüfstein für die Wahrheit der menschlichen Seele.
Woland – so nennt sich der diabolische Gast – und seine bizarre Gefolgschaft, darunter der sprechende Kater Behemoth, der sadistische Azazello und die geisterhafte Hella, entfesseln in Moskau ein infernalisches Spektakel. Sie entlarven Gier, Heuchelei und Selbstbetrug in einer Gesellschaft, die sich moralisch an den Rand der Lächerlichkeit manövriert hat. Bulgakow nutzt diese Szenen als messerscharfe Satire auf das sowjetische Alltagsleben der 1930er Jahre: auf die Bürokratie, die Zensur, die opportunistische Intelligenzija und den Verlust jeder spirituellen Dimension im Zeitalter des staatlich verordneten Materialismus.
Das Groteske ist hier nicht Selbstzweck, sondern Methode. Indem das Dämonische in den Alltag einbricht, wird die scheinbare Ordnung der Welt als Fassade entlarvt. Die Bewohner Moskaus reagieren auf Wolands übernatürliche Phänomene nicht mit Glauben oder Furcht, sondern mit Misstrauen und bürokratischer Routine. In dieser ironischen Verkehrung zeigt sich Bulgakows Meisterschaft: Die eigentliche Hölle ist nicht das Übernatürliche, sondern die geistige Leere einer Gesellschaft, die die Fähigkeit zum Staunen verloren hat.
Der Roman entfaltet sich auf drei Ebenen, die miteinander verwoben sind und sich gegenseitig deuten. Die erste Ebene zeigt das von Woland heimgesuchte Moskau; die zweite erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem „Meister“, einem verkannten Schriftsteller, und seiner Geliebten Margarita; die dritte führt in die biblische Vergangenheit, in den Roman des Meisters über Pontius Pilatus und Jeschua Ha-Notsri. Diese drei Sphären – das Satirisch-Groteske, das Romantisch-Mystische und das Historisch-Philosophische – bilden ein harmonisches Ganzes, das die Kategorien von Zeit, Moral und Wirklichkeit überschreitet.
Der „Meister“ verkörpert den leidenden Künstler, der in einer von Zensur und Angst beherrschten Welt um seine Stimme ringt. Sein Roman über Pilatus wird von den sowjetischen Literaturbehörden vernichtet, und er selbst verliert den Glauben an seine Kunst. Die Figur ist eine klare Allegorie auf Bulgakow selbst, der in den 1930er Jahren unter massiver Zensur litt und dessen Werke teilweise verboten wurden. Der Meister steht für das Prinzip der schöpferischen Wahrheit, das sich nicht an Macht und Dogma bindet, sondern an die innere Gewissheit des Künstlers. Seine Verzweiflung ist die Verzweiflung des Menschen, der Wahrheit sucht in einer Welt, die sie nicht erträgt.
Margarita ist die zweite große Achse des Romans – eine der faszinierendsten Frauenfiguren der Weltliteratur. Ihre Liebe zum Meister ist bedingungslos, ihre Hingabe grenzenlos. Als Woland ihr die Teilnahme an einem Hexensabbat anbietet, nimmt sie diese dämonische Einladung an, um ihren Geliebten zu retten. In ihrer nächtlichen Transformation zur Hexe erlebt Margarita eine radikale Befreiung von den gesellschaftlichen Zwängen. Diese Episode, schwebend zwischen Erotik, Magie und Rebellion, ist nicht nur eine der poetischsten des Buches, sondern auch eine metaphysische Metapher: Die Liebe wird zur Kraft, die über Gut und Böse hinausführt.
In Margarita vereint Bulgakow das Sinnliche und das Spirituelle, das Irdische und das Göttliche. Sie ist die weibliche Allegorie der Kunst selbst – zerstörerisch und heilend zugleich. Durch sie erhält der Roman seine moralische und emotionale Mitte: das Vertrauen in die reinigende Kraft der Liebe und die schöpferische Macht der Freiheit.
Die Pilatus-Ebene schließlich führt das Werk auf seine tiefste philosophische Dimension. In ruhigem, biblisch anmutendem Stil erzählt Bulgakow die Begegnung zwischen Pontius Pilatus und Jeschua. Pilatus wird hier nicht als grausamer Richter dargestellt, sondern als ein Mensch, der die Wahrheit erkennt und sie doch aus Angst verrät. Seine Schuld liegt in der Feigheit – der zentralen moralischen Kategorie des Romans. Feigheit ist die Wurzel allen Bösen, weil sie den Menschen von seiner Verantwortung gegenüber der Wahrheit trennt.
Durch diese Erzählung stellt Bulgakow die Grundfrage seines gesamten Werks: Wie verhält sich der Einzelne zur Wahrheit in einer Welt der Lüge? Pilatus, der sich dem politischen Druck beugt, spiegelt den Meister, der sich von der Verzweiflung besiegen lässt, und beide spiegeln den Künstler Bulgakow selbst, der in der Sowjetunion um seine Integrität kämpfte.
Das Zusammenspiel der drei Ebenen ist von außergewöhnlicher künstlerischer Präzision. Während in Moskau das Chaos herrscht, ringt in Jerusalem Pilatus mit seinem Gewissen, und in Margaritas Flug durch die Nacht vollzieht sich die symbolische Erlösung. Diese Trias von Satire, Tragödie und Mythos formt ein Gesamtbild, das sowohl zeitgeschichtlich als auch transzendental wirkt. Der Roman lässt sich als Parabel auf die Unterdrückung der Kunst, als theologische Allegorie oder als metaphysische Komödie lesen – und in jeder dieser Lesarten bleibt er unerschöpflich.
Bulgakows Stil vereint mehrere literarische Traditionen: den scharfen Witz Gogols, die metaphysische Ironie Dostojewskis, den barocken Überschwang der Romantik und den grotesken Realismus der Moderne. Sprache und Ton wechseln von burlesker Komik zu erhabener Tragik, von derben Dialogen zu fast mystischer Poesie. Diese stilistische Vielstimmigkeit ist Ausdruck der inhaltlichen Dialektik: Gut und Böse, Realität und Traum, Macht und Freiheit stehen in einem ewigen Tanz.
In dieser Dialektik liegt auch die eigentliche Größe des Romans. Bulgakow verweigert jede einfache Moral. Woland, der Teufel, erscheint am Ende als Vollstrecker einer höheren Gerechtigkeit; er belohnt die Treue, bestraft die Heuchelei und gewährt dem Meister und Margarita „Ruhe, nicht Licht“ – eine jenseitige Erlösung, die sich von jeder dogmatischen Vorstellung unterscheidet. Diese ambivalente Gnade zeigt, dass Bulgakows Kosmos kein christlicher im engeren Sinne ist, sondern ein humanistischer: Das Böse ist Teil der Ordnung, ohne die das Gute nicht erkennbar wäre.
„Der Meister und Margarita“ ist damit nicht nur ein Roman über das Schicksal des Künstlers im Totalitarismus, sondern auch eine Meditation über die Natur der Wahrheit selbst. In einer Welt, in der die Realität durch Macht, Propaganda und Angst deformiert wird, wird die Fantasie zum letzten Ort der Freiheit. Bulgakow erschafft diese Freiheit in der Literatur – und verwandelt sie in ein Spiel, das zugleich befreiend und vernichtend ist.
Die grotesken Szenen in Moskau, der tragische Konflikt des Meisters, die stille Größe der Pilatus-Kapitel – all das fügt sich zu einer polyphonen Komposition, die ihresgleichen sucht. Der Roman überschreitet die Grenzen zwischen Ironie und Ernst, Historie und Mythos, Lachen und Schrecken. Seine Kraft liegt darin, dass er den Leser immer wieder zwingt, die Perspektive zu wechseln: vom Komischen ins Tragische, vom Irdischen ins Ewige.
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