Meine letzte RezensionDie Träume, die wir hattenvon Christiane Hoffmann
Christiane Hoffmann teilt mit uns in "Die Träume, die wir hatten" ihre Verbundenheit zu Russland und zur Ukraine und lässt uns gleichzeitig an ihrem ganz persönlichen Leben teilhaben, das nicht zuletzt von der Beziehung zu ihrer langjährigen Freundin intensiv geprägt wurde.
Anstoß dieses Buch zu schreiben, gab ihr letztendlich aber ihre Trauer - Trauer um ein Russland, das den Weg in die Demokratie nie gefunden hat, Trauer um die Ukraine, die am 24. Februar 2022 von Russland in einen verheerenden Krieg gezwungen wurde und Trauer um ihre Freundin, die am selben Tag Suizid beging.
Sie erzählt voller Herzblut und zieht uns als Leser*innen tief hinein in die russisch-unkrainische Geschichte. Wir bekommen Einblicke, die uns nur jemand vermitteln kann, der wie Christiane Hoffmann viele Jahre in beiden Ländern studiert, gearbeitet und gelebt hat. Ihre Freundin ist in all den Jahren mehr oder weniger an ihrer Seite... aber immer Teil ihres Lebens. Auch für sie stehen Russland und Osteuropa im Lebensmittelpunkt....
Im zunehmenden Verlauf des Buches werden die Abgründe zwischen Russland und der Ukraine genau wie die seelischen Abgründe von Christiane Hoffmanns Freundin immer tiefer und nahezu unüberwindbar.... während die Ukraine sich zu verteidigen beginnt, verliert ihre Freundin ihren Lebenskampf... und Christiane Hoffmann einen geliebten Menschen...
Trotzdem es kein leichtes Buch ist, war ich beim Lesen komplett gefesselt und habe vieles gelernt und geschichtliche Lücken schließen können. Vieles in der Beziehung zwischen Russland und dem Westen betrachte ich seit der Lektüre aus einem anderen Blickwinkel...
Die Perspektivwechsel zwischen erzählter Geschichte und Christiane Hoffmanns Leben störten meinen Lesefluss kaum... und ich mochte ihre Art zu erzählen sehr sehr gerne.
Womit ich jedoch zu kämpfen hatte, ist das Ende des Buches... es fühlt sich so unausweichlich hoffnungslos an, ausweglos und um eine andere Rezension hier zu zitieren, so gegen die Wand gefahren... Eigentlich bin ich keine Freundin von Epilogen, aber hier hätte ich mir einen gewünscht... einen letzten Perspektivwechsel zurück ins Heute... eine Idee, wenn sie vielleicht auch eine Utopie wäre, wie der Frieden in Europa gelingen könnte... Einen Hinweis, dass wir uns als Suizdgefährdete, Angehörige und Trauernde unbedingt Hilfe suchen sollten... und eigentlich fehlt mir auch eine Triggerwarnung... denn wer Suizidgedanken hat, sollte das Buch auf keinen Fall lesen, es schenkt keine Hoffnung... lässt uns ohne Ausweg zurück... !
Eine Leseempfehlung spreche ich trotzdem unbedingt aus, es ist ein wichtiges Buch, das vieles im Hinblick auf Russland, seine Geschichte und Beziehungen zum Westen von einer anderen Seite beleuchtet und unseren Blickwinkel verschieben kann... und wird. Nur unsere Friedensutopie, die müssen wir uns selbst erschaffen.